Antdorf, Kirnbergkapelle
Kirnbergkapelle, Pfarrei Antdorf, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Ettal das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Kloster-Ettalisches Gericht Murnau
Zum Bauwerk: Bau 1710 (Inschrift über der Eingangstüre) unter Pfarrer Matthäus Koch für ein mittelalterliches Kruzifix (heute noch in der Kapelle befindlich), eine Schenkung des Abtes von Benediktbeuern (Gailler). Feldkapelle auf dem Kirnberg südwestlich von Antdorf. Einfacher Saal mit nicht eingezogenem, fast halbrunden Altarraum
Autor und Entstehungszeit: Die Signatur »Kirzinger«, die laut KDB in A vorhanden war, ist nicht mehr sichtbar. Es handelt sich dabei um Franz Seraph Kirzinger, wie Stilvergleiche mit seinen Werken im LKr. Landsberg am Lech, in Zankenhausen (1757, OB LKr. Fürstenfeldbruck), Ebersberg (1783, OB LKr. Ebersberg) und Riegsee (1792, OB LKr. Garmisch-Partenkirchen, s. Bd 2) ergeben. — Franz Seraph Kirzinger (Kürzinger), * um 1728, † in München 1811, war bürgerlicher Maler in München; sein Sohn Aloys wurde ebenfalls Kunstmaler; Johann Kürzinger, * um 1746, ledig † 1797 in München, war vermutlich sein Neffe (frdl. Mitt. Peter von Bomhard, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv München).
Als Entstehungszeit ist das letzte Jahrhundertviertel, am wahrscheinlichsten ca. 1780 anzunehmen.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A Tonne, B Kalotte Rahmen: A und A1-6 gemalte Profilrahmen; B nimmt die gesamte Wölbungsfläche des ARs ein und ist vom Chorbogen und der Kämpferlinie (Stuckprofil) begrenzt. T-1 1 F 1 1 1
cemin. Tresno, poryentom Mala. A Höha 1 15 m. 1 70 × 2 1
13C. A 110HC 4,13 III; 4,70 \ 3,10 D II.1 1 1 2 2 20 1 1 2 2
B Höhe 4,15 m; 2,70 × 4,25
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1908 (Inschrift in B). Leichte Risse und Feuchtigkeitsschäden; Verschmutzungen.
Beschreibung und Ikonographie
A HIMMELFAHRT CHRISTI Der Betrachterstandpunkt der einansichtigen Komposition liegt in der Mitte des Langhauses. Schauplatz der Szene ist ein hügeliger Grasboden, der nach vorn zerklüftet abbricht. Jeder Ausblick in den Hintergrund ist durch die Figuren verstellt.
Die Apostel und Maria verfolgen erregt die Himmelfahrt Christi. Dieser schwebt, von lichten Strahlen umgeben, in der Rechten die Osterfahne, vor einem hellen Wolkenhimmel, der mehr als die Hälfte des Bildraums einnimmt. Große, lebhaft bewegte Engel begleiten ihn und sind zu seinen Seiten so angeordnet, daß sich in der Himmelszone eine etwas aufgelockerte Wiederholung der vom nördlichen zum südlichen Bildrand abfallenden Schräge ergibt, die durch die Posierung der Apostelgruppe in der irdischen Zone vorgebildet ist.
Da der landschaftliche Schauplatz zugunsten der großfigurigen Apostelgruppe nur einen winzigen Teil des Bildes ausmacht, wirkt die Darstellung verhältnismäßig bunt; denn die Gewänder sind die Träger starker Buntfarben. Es treten Gelb, Blau und Violett in verhältnismäßig starken Tönen auf, dazu viel stumpfes Karmin. Ocker, Weiß und Grün; Grün ist in den Gewändern hell und kalt, im Grasboden ein warmes Oliv.
Im Gegensatz zu B bemüht sich Kirzinger in A mehr um komplizierte Verkürzungen, um Gruppierungen und Gesten. In A gelingt es ihm überzeugend, Tiefenräumlichkeit vorzustellen, während er in B in flächenhafter Darstellung verharrt.
A1 JESUS IN DER WERKSTATT JOSEPHS Der Christusknabe bringt dem hobelnden Joseph die aufgesammelten Späne
A2 DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL (Lc 2,46)
A3 TAUFE JESU (Mt 3,13–17)
A4 DER GUTE HIRT (vgl. Lc 15,3–7 u. Jo 10,11) Jesus trägt ein Lamm auf den Schultern
A5 ABENDMAHL (Mt 26,26) Jesus reicht einem der ihn umgebenden elf Apostel das Brot beim Letzten Abendmahl
A6 JESUS AM ÖLBERG (vgl. Mt 26,36–46 u. Par.) In einer lichten Wolke erscheinen ihm Kreuz und Kelch
B ANBETUNG DER KÖNIGE Einansichtige Szene; der Betrachterstandpunkt liegt am Eingang des Altarraums. Geringe Verkürzungen.
Um das Halbrund des AR-Gewölbes zieht sich als Schauplatz eine gewellte Weidelandschaft. Die Hl. Familie sitzt im Zentrum des Bildes vor einem niedrigen Ruineengebäude, über dem ein großer Engel, begleitet von einem Putto, schwebt. Ein Spruchband, das er in den Händen hält, trägt die Worte Ehr sey Gott, Fried den Menschen. Ein breiter Lichtstrahl fällt vom Stern über dem Stall auf das Christkind.
Dieser Mittelgruppe nähern sich im südlichen Bildteil die Hl. Drei Könige mit ihrem Gefolge, im nördlichen einige Hirten mit ihren Schafen, deren Zelt weiter hinten in der Landschaft steht. Sparsame Gesten und einfache, Über-schneidungen möglichst vermeidende Reihung in der vorderen Bildebene fallen im Gegensatz zu B als Merkmale der figuralen Darstellung auf.
In der Darstellung der Hl. Drei Könige mit ihrem Gefolge zeigt der Autor Freude an bunten, volkstümlichen Details, die zusammen mit der warmen Buntfarbigkeit und der freundlichen Gesamtstimmung den Reiz des Bildes ausmachen.
Das Programm der Kapelle ist ein einfacher Leben-Jesu-Zyklus mit den Hauptthemen Geburt, Kreuzigung und Himmelfahrt, wobei die Kreuzigung durch das mittelalterliche Kruzifix aus Benediktbeuern, für das die Kapelle erbaut wurde, repräsentiert wird.
Die Kartuschen A1-6 zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und ein Gleichnis Jesu (A4). Es sind einfache, meist mehrfigurige Szenen mit sparsam angedeuteten Schauplätzen.
Quellen und Literatur
Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 5, 5. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 334 f. KDB I IOB (1), S. 698. Thieme-Becker, Bd 22, S. 72, s. v. Kürzinger, Franz. Mauthe, Willi, Der Pfaffenwinkel, Weilheim 1964, S. 31.