Antoniberg, Wallfahrtskirche St. Antonius von Padua und St. Anna


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 34–44, geschrieben von Volk-Knüttel, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ANTONIBERG

Wallfahrtskirche, Filialkirche der Pfarrei Stepperg (Pfarrverband Rennertshofen), Markt Rennertshofen, Diözese Augsburg. Antoniberg gehörte zur Hofmark Stepperg. Die Besitzer der Hofmark, z. Z. der Ausmalung der Neuburger Landvogt Joseph Sebastian Freiherr von Staader († 1797), hatten das Patronat über die Kirche. 1763 erhielt Antoniberg aus Rom eine Reliquie des hl. Antonius (ABA), 1794 bewilligte der Papst der Kirche das Privileg zur Gewinnung des Portiunkula-Ablasses; dieses Recht ging später an die Pfarrkirche von Stepperg über. Gericht Neuburg

Patrozinium: St. Antonius von Padua und St. Anna

Zum Bauwerk: Die Kirche liegt einen Kilometer außerhalb von Stepperg hoch über der Donau über der Einmündung der Ussel, am sog. Kleinen Donaudurchbruch. 1676 hatte aufgrund eines Gelübdes der damalige Hofmarksherr, Johann Dominikus Freiherr von Servi (um 1593–1679), eine Kapelle auf dem Iarnberg, dem späteren Antoniberg, errichten lassen. Sie wurde am 12.7.1677 von Dekan Balthasar Antensteiner von Burgheim zu Ehren des hl. Antonius benediziert. Der Bischof von Augsburg hatte zunächst die Weihe für die ohne seine Zustimmung errichtete Kapelle verweigert, weil sie ungeschützt und zu abgelegen war, und ein Eremitorium gefordert. Dieses wurde ebenfalls errichtet und bestand bis 1920. Von dem Bau von 1676 hat sich der Chorbogen erhalten sowie in dessen Scheitel eine kräftige Stuckkartusche aus Akanthus und Voluten und eine von hier ausgehende, durch Ringe gezogene Stuckgirlande mit Rosenblüten, Blättern und Weintrauben. Aus der Führung der Girlande kann man schließen, daß der ursprüngliche Bau schmaler als der jetzige war. Wahrscheinlich hatte er eine flache Decke. 1790 wurde die Kapelle zu einer größeren Kirche erweitert und ausgeschmückt, wie

aus dem Chronogramm am Chorbogen hervorgeht: DIVO ANTONIO / NOVITER EXSTRVCTA / AMPLIFICATA / EXORNATA (= 1790). Wegen der großen Pilgerströme baute man 1793 im rechten Winkel an die Nordseite des AR die den Maßen des LHs in etwa entsprechende Annakapelle an, von der man durch einen Bogen zum Hochaltar der Antoniuskapelle blicken kann; beide Räume sind aber nicht miteinander verbunden und nur von außen zugänglich. Das Datum der Errichtung ergibt sich aus dem Chronogramm über dem Arkadenbogen auf der Innenseite der St. Annakapelle: In / AVXILIVM / DeVotIonIs / FreqVentIorIs / SanCtI AntonII / PeregrInIs pIe / ereCta (= 1793). Im Anschluß an die Innenrenovierung von 1927 wurde die Annakapelle 1928 mit einem neubarocken Fresko ausgeschmückt. An dessen Nordseite findet sich in einer Kartusche die Inschrift: Noviter / erecta et

exornata / 1928 / sub illustri et benigna / Sophia Comitessa De Moy / et Josepho Silberman / parocho. Pendant dazu ist auf der Südseite das Wappen der Grafen von Moy. Die Familie ist als Nachfolger der Grafen von Arco-Stepperg noch heute im Besitz von Schloß Stepperg. Ihre Grabkapelle liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Wallfahrtskirche auf dem Antoniberg.

Die bewegliche Ausstattung der drei Altäre in der Antoniuskirche wurde im März 1979 gestohlen, erhalten blieben nur die Altaraufbauten. Am Hochaltar befanden sich vorher eine Schnitzfigur des hl. Antonius, am nördlichen Seitenaltar ein Gemälde des hl. Andreas, im Auszug des hl. Georg, am südlichen Seitenaltar der hl. Jakobus und im Auszug der hl. Martin. In der Annakapelle ist an der Westwand ein fingierter Spätbarockaltar der hl. Anna in Fresko gemalt, wohl von 1793. Das 1927 freigelegte Altarbild zeigt die hl. Anna, die Jungfrau Maria unterrichtet. Im Auszugsbild ist der hl. Joseph dargestellt.

Antoniuskirche: Saal (12,50×5,10m) zu drei Fensterachsen, AR (5,40×3,10m) zu einer Fensterachse, mit korbbogigem Schluß; im W Empore; zwei seitliche Eingänge im S und N. Annakapelle: Saal (10,10×5,10 m) zu zwei Fensterachsen, im rechten Winkel nördlich an die Antoniuskirche angebaut, im N Empore; zwei seitliche Eingänge. Eine große Bogenöffnung

bis zur Brusthöhe in der S-Wand der Annakapelle gegen den Chorraum der Antoniuskirche ermöglicht den Blick von der Annakapelle auf den Wallfahrtsaltar und den Empfang der Kommunion. Beide Räume sind ohne architektonische Gliederung bis auf ein umlaufendes Gesims.

Auftraggeber: »Durch freiwillige Beiträge der Nachbarn und Gaben frommer Wallfahrer wurde die Kapelle...von dem Freiherrn Joseph Sebastian von Staader erweitert und in ein kleines gefälliges Kirchlein umgeschaffen« (NK 11, 1845) S. 104). Am Chorbogen das Staader-Wappen mit der Inschrift regnante D.D. Sebastiano L.B. D. Staader. Pfarrer von Stepperg war Nikolaus Grau (1789–1802); Inschrift über der Empore zwischen den Fresken A und B SUB PAROCHC NICOLAO GRAU. (Die Grabsteine von Dominikus vor Servi, Sebastian von Staader und Pfarrer Nikolaus Grau befinden sich in der Vorhalle der Pfarrkirche von Stepperg.) Mit Karl Philipp von Servi erlosch 1789 die Familie von Servi au Stepperg und Sebastian von Staader, der mit Anna von Coreth einer Nichte Servis verheiratet war, wurde Hofmarksherr. In selben Jahr wurde Nikolaus Grau Pfarrer in Stepperg. Unmittelbar darauf dürfte mit dem Umbau der Kirche begonnen worden sein, der 1790 abgeschlossen war. (Die Kirchenrechnungen der Jahre 1789/90 und 1793 fehlen.) Mit der Erweiterung

 
Der Kirchenraum vor der Plünderung von 1979
 
 
A Engelskonzert (Ausschnitte)
 

Errichtung der Antoniuskapelle realisierte Pfarrer Grau einen Wunsch eines seiner Vorgänger und Verwandten, des Pfarrers Johann Joseph Grau († 1744). Dieser hatte, wie aus der Inschrift auf seinem Epitaph hervorgeht, zwischen 1729 und 1744 die Pfarrkirche von Stepperg vergrößert und den Pfarrhof neu erbaut. »St. Antoniberg wollte thuen desgleichen / der todt thätt mein concept durchstreichen...« (zitiert nach Hueber, 1759, S. 724).

Autor und Entstehungszeit: Joseph Leitkrath (1739 Eggenthal LKr. Kaufbeuren, † 1811 Donauwörth) 1790. Signatur in B J: Leukrath. B. (= Binxit). Bezeichnendes und qualitätvolles Werk aus Leitkraths Spätzeit mit noch rokokohaften Zügen bei den bildlichen Darstellungen. Auch die frühklassizistische gemalte Dekoration stammt von ihm.

Leitkraths originelle Malerei ist im Ausdruck gefühlvoll, helle, manchmal fast süßliche Töne herrschen vor. In einzelnen Partien können sie ganz zu Weiß aufgelichtet sein, vor allem in den Inkarnaten. Auffallend sind die runden Knopfaugen der Dargestellten.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs, AR und Annakapelle jeweils Flachdecke über Hohlkehle an den Langseiten, im Chor auch an der Stirnseite

Rahmen: Die gesamte Rahmung ist gemalt, nur die Kartusche über dem Chorbogen sowie die Blumengirlande an der Stirnwand des Chorbogens sind aus Stuck

Technik: Fresko; A–C, B1-4 polychrom; Ba-b, Ca-d monochrom karmin, Ce monochrom blau

Maße: A Höhe (von der Empore) 2,10 m; 2,40×3,90

B Höhe 4,65 m; 7,80×3,90

C Höhe 4,32 m; 3,30×2,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Das Innere der Annakapelle »brachte erst Pfr. Wolfg. Fichtl im I. 1855 in eini gen Einklang mit der Zier der Antonius-Kirche, indem er die kahle und leere Kapelle durch Maler Fischer zu Stettberg (= Stepperg) mit einem Deckengemälde, den Tod der hl. Anna darstellend, schmücken und ihre Wände mit einer dieser Kirche entsprechenden Färbung versehen ließ« (Steichele, S. 725). Nach Böhaimb (NK 22, 1856, S. 106) wurde das aus zwei Teilen bestehende Kirchlein bereits »1848 passend verschönert«. 1896 fand eine Außenrestaurierung der Antoniuskirche und Annakapelle durch Fa. Karl Stettner, Neuburg, statt, 1910/11 eine umfassende Innenrenovierung durch Kirchenmaler Karl Glaubacker, Regensburg (ABA, Pfarrarchiv Stepperg, St. Anton, 2), bei der auch die Deckenbilder und die Dekorationsmalerei gereinigt, die schadhaften Stellen ausgebessert bzw. in der »originalen Manier neu hergestellt« wurden (ebd., Vertrag mit Glaubacker v. 17.1.1910). Bereits 1910 war der Dachstuhl sanierungsbedürftig. 1926 hatte sich dann die Decke der Antoniuskirche so stark gesenkt, daß sie auf dem Orgelgehäuse auflag. Die Empore war in der Mitte durchgebogen, die Anschlüsse der Emporenbrüstung an die Umfassungsmauer waren leicht abgerissen. Die Kirche wurde baupolizeilich geschlossen. 1927 errichtete die Fa. Johann Larice, Rennertshofen, einen neuen Dachstuhl, an den die alte Decke wieder aufgehängt werden konnte. Nach Abschluß der Baumaßnahmen erfolgte 1927 eine Innenrenovierung durch die Kirchenmaler Gebrüder Haugg von Ottobeuren (ABA; StA Augsburg). Die Risse an der Decke wurden geschlossen, die Malere ausgebessert, Übermalungen entfernt, die gemalte Architektur und die Ornamente gereinigt, ausgebessert und konserviert. In der Annakapelle entdeckte man an dem gemalten Altarretabe unter einem Ölbild ein Fresko mit der Darstellung »Anna unterrichtet Maria« und legte es frei. 1928 entstand hier auch ein neues Deckenbild, bezeichnet J.G. Haugg Ottobeuren 1928, mit umgebenden Emblemen und Dekorationsmalerei. In einem Arbeitsbericht der Gebr. Haugg vom 12.7.1928 heißt es u.a.:»Die Architektur und Ornamentmalerei (in der Anna kapelle) wurde in gleichem Styl wie die Antoniuskapelle gehalten, sodaß dadurch etwas sehr einheitliches künstlerisch und technisch einwandfreies geschaffen wurde« (ABA, Pfarrarchiv Stepperg, St. Anton, 2). Hieraus und aus der Neuschöpfung eines Deckenbildes in der Annakapelle muß man schließen, daß 1927 von der Ausmalung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem Deckenbild, das den Tod der hl. Anna darstellte, nichts mehr vorhanden war.

 

Die Restaurierungen von 1910 und von 1927 brachten für die Ausmalung größere Ergänzungen mit sich. So stammen die beiden Bischöfe rechts und links an der Emporenbrüstung nicht, wie das Mittelbild (EB,) von Leitkrath, sondern aus späterer Zeit (1910?), sowohl wegen des unterschiedlichen Figurenmaßstabs als auch wegen der impressionistischen Malweise. Die gemalte Rahmung bei den seitlichen Feldern ist gleichzeitig mit den Bischöfen entstanden. In der gleicher impressionistisch-getupften Art wie hier wurde im Chor die illusionistische Architekturmalerei auf alter Grundlage renoviert. Vielleicht entstanden bei dieser Gelegenheit die Wappen der Familie Arco (im N), die z. Z. der Ausmalung durch Leitkrath noch gar nicht im Besitz von Stepperg war, und der Familie Servi (im S). In Analogie zum Langhaus müßten an den Stellen der Wappen ursprünglich Embleme gewesen sein. Weitgehend original erhalten hat sich die frühklassizistische Architekturmalerei im Langhaus, gemalt in einer fast graphisch trockenen und im Detail präzisen Art, durch einen braunroten Eierstab vom Bildfeld abgesetzt. 1977 fand eine Außenrenovierung statt. Heute zeigt die LHs-Decke der Antoniuskirche wieder Verformungen. Das Deckenbild ist vergleichsweise gut erhalten, doch ist es von zahlreichen älteren und neueren Rissen durchzogen. Ein größerer Schaden ist an der Malerei und am Wandputz durch eingedrungenes Wasser hinter und über dem linken Seitenaltar entstanden.

Beschreibung und Ikonographie

In der Antoniuskirche ist über dem umlaufenden Stuckgesims eine illusionistische Dekorationsmalerei mit integrierten ovalen Medaillons im Zopfstil um die durch ockerfarbene, gemalte Profilrahmen (Eierstab) abgesetzten Bildfelder.

A ENGELSKONZERT (über der Empore, nur teilweise sichtbar) Die musizierenden Engel sind wegen der in der Mitte angebrachten Orgel in zwei Gruppen aufgeteilt. Sie ordnen sich um das Auge Gottes, das in der Bildmitte in einem Dreieck zu sehen ist, das sich in ein Rund einfügt, von dem Strahlen ausgehen (nur noch schwach sichtbar). Rechts eine Gruppe von drei großen Engeln (im N) mit Trompete, Geige und einem Notenbuch; der letztere gibt mit einem zusammengerollten Notenblatt den Takt an. Links (im S) musizieren zwei große und zwei kleine Engel mit Querflöte, Viola da Gamba, Pauken und Trompete.

B WALLFAHRTSGESCHICHTE - DER HL. ANTONIUS ALS FÜRBITTER BEIM JESUSKIND Das Deckenbild ist ungewöhnlicherweise nach W gerichtet und wendet sich damit an den Pilger, der die Kirche wieder verläßt. Betrachterstandpunkt in der Nähe des Chorbogens. Eiansichtige Darstellung. Im W eine erhöhte säulengeschmückte Portalanlage mit seitlichen Anbauten, unter der sich Pilger, Kranke und andere Hilfesuchende versammelt haben. Sie verweisen auf ihre jeweiligen Anliegen. So wird etwa auf einem Steckkissen ein kranker Säugling präsentiert, und einer besessenen Frau entweicht der böse Geist aus dem Mund, ein Blinder wird geführt, und ein Gefangener in Handschellen hebt flehend die Hände. Andere machen mit einem Glöckchen oder einer Klapper auf ansteckende Krankheiten bei sich aufmerksam.

Der hl. Antonius kann aus ganz unterschiedlichen Gründen angerufen werden; dreizehn Hilfeleistungen werden von ihm erbeten, die die ›Privilegien‹ des hl. Antonius genannt werden, darunter bei Krankheit und Tod, Lepra und Besessenheit, zur Wiedergewinnung verlorener Dinge und verlorener Gliedmaßen, als Hilfe bei Irrtum, Elend, Gefangenschaft und in Seenot (Kleinschmidt, Beda, Der Heilige Antonius von Padua in Leben und Kunst, Kult und Volkstum, Düsseldorf 1931, S. 345 f.). Einige der Dargestellten sind in Adorantenhaltung zu sehen, doch ohne auf bestimmte Gebrechen hinzuweisen. Bei ihnen handelt es sich vielleicht um bestimmte, mit der Geschichte des Antoniberg verbundene Personen. Unter den Knienden ist rechts im Vordergrund ein Mann in historisierendem Kostüm mit Halskrause und geschlitzten Ärmeln besonders hervorgehoben. Mit der Rechten weist er nach oben, mit der Linken nach unten auf ein aufgeschlagenes Buch, das auf den Stufen liegt. Hier handelt es sich vielleicht um den Erbauer der Kapelle von 1676, Dominikus von Servi. Links kniet in blauem Rock und »Mozartzopf« ein Mann auf einem geschnürten Warenballen, die Hand auf einen kleineren Ballen aufgestützt, neben ihm steht ein älterer Herr mit Halsbinde. Auch der Mann rechts, der einen Schimmel führt, fällt ins Auge. In der Toröffnung erscheint ein großer Engel, der mit der Rechten emporweist und einen Palmzweig in der Hand hält. Putten, die ihn begleiten, schütten ein Füllhorn mit Früchten über die Pilger aus. (Bereits in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf am Lech hat Leitkrath 1776 im Chorfresko mit der Eucharistie einen ähnlichen großen Engel dargestellt, der zwischen himmlischer und irdischer Darstellung vermittelt.) Hinter dem Tor ragt der Antoniberg auf, von Süden gesehen, mit Kirche und Eremitorium. Links fällt der Berg steil ab zur Donau, wo man mehrere vom Ertrinken bedrohte Schiffbrüchige im Wasser sieht, die zum hl. Antonius um Hilfe flehen. Am Himmel erscheint in einer Strahlengloriole die Muttergottes mit dem Jesuskind, das sich liebevoll dem hl. Antonius zuwendet, der vor ihm kniet. Seine Attribute, Buch und Lilie, die Zeichen seiner Gelehrsamkeit und Reinheit, werden von Putten gehalten.

Die Verehrung des hl. Antonius von Padua (1195–1231; bereits 1232 kanonisiert), nahm in Deutschland im 17. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Der Tag seiner Verehrung war der Dienstag, sein Begräbnistag (13. Juni 1231; Kleinschmidt, S. 278). Der Dienstag war auch der hl. Anna geweiht (ebd. S. 277); vielleicht ist darauf das Patrozinium der 1793 angebauten Annakapelle zurückzuführen. Von den Päpsten wurden den Besuchern der Dienstagsandachten zum hl. Antonius zahlreiche Ablässe gewährt. Das war auch in Antoniberg der Fall. 1759 wird die Wallfahrt, noch vor dem Umbau der Kapelle, folgendermaßen beschrieben: »Der Antoniberg liegt an der Donau, drauf ein Kirchlein zu St. Antoni von Padua, alda iärlich an dessen Festtag ein grosser Concurs von Volck, als daß er von Benachbarten alle Erchtag (Dienstag) besuchet wird; darbey ist ein Eremitage« (Hueber, S. 724). Die Pfarrer von Stepperg ließen sich die Pflege des Antoniuskultes und die Förderung der Wallfahrt sehr angelegen sein. 1769 erhielt Pfarrer Anton Würth einen erneuerten Ablaß für alle Dienstage des Jahres und zahlte dafür 5 fl. nach Rom (ABA, Pfarrarchiv Stepperg, St. Anton 12, Kirchenrechnungen 1700-1788). Ein 1770 bestätigtes posthumes Wunder des hl. Antonius ließ Pfarrer Würth bereits im selben Jahr in einem Gemälde festhalten und danach 1400 Kupferstiche in Augsburg anfertigen, die am Antoniusfest unter die Pilger verteilt wurden (ebd.). Dargestellt war die Eroberung der maurischen Festung Oran durch die Spanier 1732 mit Hilfe des Heiligen, der als Admiral am Himmel erschienen war und die Übergabe von Oran gefordert hatte. Ende des 18. Jahrhunderts nahm die Wallfahrt in Antoniberg noch einmal stark zu. Das hängt mit dem 1794 verliehenen Privileg zusammen, daß hier am Patroziniumsfest (13. Juni) und am ersten Sonntag im August der sog. Portiunkula-Ablaß gewonnen werden konnte, ein vollkommener Ablaß, was besagt, daß alle Sündenstrafen durch den Besuch einer Kirche, die dieses Recht besaß, getilgt wurden. Um die Wende zum 19. Jh., als sonst allgemein die Frömmigkeit zurückging, kamen jährlich zwischen zehn- und fünfzehntausend Wallfahrer, für die zeitweise bis zu fünfzehn Geistliche zur Verfügung standen. Zu dieser Zeit besaßen sonst nur die Franziskanerkirchen das Privileg des Portiunkula-Ablaßes. Seit 1910 kann der Ablaß in jeder Pfarrkirche gewonnen werden daß wahrhafftig sein Schöpffer und Herr zugegen seye Worauff der Herr seinen Irrtum fallen lassen und Catholisch worden«.

 
Der hl. Antonius als Fürbitter, Ostseite von Fresko B
 
B4 Leichenpredigt auf den Geizigen
 
 
B3 Hostienwunder
 
 
Wallfahrtsgeschichte, Westseite von Fresko
 
 

B, FISCHPREDIGT »Antonius stunde zu Armini, welches das Haupt-Nest der Ketzer war, auf öffentlicher Kanzel, und wollte sich kein Mensch würdigen, herbey zu treten und ihn anzuhören. Steigt also wiederum ab, gehet zur Stadt hinaus, stellet sich an das Ufer des Meres und ruffet zu zuhören die stumme Fisch zusammen, mit diesen Worten: Wenigstens strecket ihr Fisch eure Köpfe aus dem Wasser hervor und höret mich an, indem ich ja bey diesen verstockten Ketzern kein

 

Gehör finden kann. Ein Wunder-aber wahrhaftes Ding! Kaun hatte der Mann diese Worte gesagt, da schwimmen ganz Schwader Fisch von großer und kleiner Gattung dem Ufer zu, wo er stunde, stossen ihre Köpf aus dem Wasser und halten sie fest in die Höhe, gleich als wollten sie vernehmen, was Antonius ihnen vortragen werde. Er schrie sie an: Meine Brüder! Und stellet alsdann ihnen die Gutthaten vor, welche sie von ihrem Schöpfer empfangen, erinnerte sie der Pflicht, welche ihnen obliege, dankbar zu sein und zeiget Weis und Weeg, wie jeder seinem Gott dienen könne. Worauf sich Fische bewegten, als wären sie des Seegens gewärtig, welchen er ihnen auch kaum gesprochen, gab, da senkte sich jeder ins Wasser und schiffte der Tiefe zu. Dieser Wunderpredigt hörte viel Volk zu, und die Ketzer fielen ihm reumütig zu Füßen, versprachen sich fürderhin fleißiger bei seinen Predigten einzustellen und verließen ihr Ketzertum«.

 

B1 DIE LEICHENPREDIGT AUF DEN GEIZIGEN »Antonius sollte die LeichenPredigt tun einem Edelmann welcher ein abscheulicher Geitzhalß gewesen... Da er nur nach Meinung der anwesenden Befreundeten hätte sollen von den Tugenden des Verstorbenen unwahrhaft daher plaudern fängt er mit trockenen Worten an: Ihr wisset, daß der Sohi Gottes gesprochen: Wo dein Schatz, da ist auch dein Herz Gehet derohalben hin in die Behausung dises abgelebter Herrn, so werdet ihr sein Herz auf dem Geld in seinem Schatz Kasten liegend finden. Man ging eilend. Er öffnete die Kist und fand in Wahrheit das noch warm und rauchende Herz mitten unter seinen silber- und güldenen Münzen liegen«.

B27b EMBLEME In der Hohlkehle unterhalb des Hauptbildes ist jeweils in der Mitte der Langseite ein Emblem ohne Lemma mit der Darstellung eines Herzens angebracht. Die

 
C Krönung Mariens, C1 Mariensymbole
 
B12 Schwebendes Herz

Embleme beziehen sich auf den hl. Antonius, der das Herz als Zeichen der Liebe zu seinen Symbolen zählt.

Ba (N) EIN MUHLSTEIN schwebt in der Luft und bedroht ein am Boden liegendes Herz.

Bb (S) EIN HERZ schwebt in der Luft und wird von vier Seiten von Puttenköpfen aus Wolken angeblasen.

EB1-3 EMPORENBRÜSTUNG Auf dem halbrund vorschwingenden Mittelteil der Emporenbrüstung ist eine Antonius-Szene dargestellt, auf den Seitenteilen befinden sich zwei ovale Brustbilder, links der hl. Ulrich, rechts der hl. Nikolaus.

EB, ANTONIUS ERWEIST DIE UNSCHULD SEINES VATERS Dem Vater des Heiligen, der Rentmeister in Lissabon war, wurde zu Unrecht ein Totschlag angelastet. Das Todesurteil stand bereits fest, als Antonius, der in Padua weilte, die Not seines Vaters spürte und um Ausgang aus dem Kloster bat. Kaum im Freien, entführte ihn ein Engel nach Lissabon. Er ging zum Grab des Ermordeten, rief ihn aus dem Sarg und befahl ihm, vor Gericht auszusagen, ob der Rentmeister der Mörder sei. Als er dies verneinte, drängte der Richter Antonius, den Mörder zu nennen. Dieser aber antwortete, »er wäre dessentwegen nicht kommen, dem Schuldigen zum Tod, sondern dem Unschuldigen zum Leben verhilflich zu seyn«. Der Vater wurde freigesprochen, der Erweckte in seine Ruhe zurückversetzt und Antonius langte »in obiger Schnelle« wieder in Padua an. – Die dargestellte Szene zeigt im Hintergrund links den hl. Antonius auf dem Friedhof am Grab des Ermordeten, der aus dem Grab aufsteht, und im Vordergrund rechts den Thron des Richters. Der vornehm gekleidete alte Vater des Antonius beteuert seine Unschuld, während Antonius auf den Erweckten in Leichentüchern weist, der daneben steht und die Unschuld beweisen kann. Links sieht man zwei Höflinge, die Urheber der Intrige.

EB2 HL. ULRICH im bischöflichen Ornat, vor sich Buch und Fisch haltend, Patron der Diözese Augsburg (20. Jh.).

EB3 HL. NIKOLAUS im bischöflichen Ornat, vor sich ein Buch haltend, darauf drei goldene Kugeln (20. Jh.).

Altarraum

C KRONUNG MARIENS Im AR ist in der Mitte der Decke die Krönung Mariens dargestellt, umgeben in den Diagonalen von Mariensymbolen. Das Hauptbild zeigt in einer Strahlengloriole, von Putten gesäumt, auf Wolken thronend die Dreifaltigkeit, Gottvater mit Weltkugel und Zepter in der Linken, daneben Christus, hinter dem Engel ein großes Kreuz halten. Sie sitzen einander zugekehrt und halten gemeinsam eine Krone über Maria. Über ihnen schwebt die Taube des Hl. Geistes. Maria kniet von Engeln umgeben unterhalb auf einer Wolke, ausgezeichnet mit den Symbolen der Immaculata, dem Sternenkranz um das Haupt, der Mondsichel, auf den sie den Fuß gestellt hat und einem Lilienstengel, den der Engel neben ihr hält. Mit demütiger Gebärde hat sie die Hände vor die Brust gelegt.

Ca-e MARIENSYMBOLE (erneuert) Das Hauptbild umgeben in den Diagonalen in vier karminroten Medaillons Mariensymbole (Ca-b, d-e) aus dem Hohenlied (Cant 6), die auch in die >Litaniae beatae Mariae virginis< aufgenommen sind. Über dem Altar ist in einem größeren, monochrom blauen Medaillon (Cc) ein weiteres Mariensymbol angebracht.

C. Regenbogen über einer Burgbrücke

Cc Meeresstrand mit halbgeöffneter Muschel, in der die Perle zu sehen ist

Cd Tempel, auf den zwei Vögel zuflieger

Aufgehende Sonne

An den Längsseiten seitlich des Bildes C sind in der Hohlkehle die Wappen der Familien Arco (links) und Servi (rechts) zu senen.

Annakapello

Die Annakapelle ist über der Öffnung zur Antoniuskirche 1793 datiert. Nach ihrer Erbauung blieb die Kapelle zunächst ohne Dekoration und wurde erst 1855 von dem Autodidakten I. M. Fischer aus Stepperg bemalt (s. auch Mauern S. 142) an der Decke mit der Darstellung des Todes der hl. Anna, an den Wänden mit einer Dekoration, die der der Antoniuskirche angeglichen war. Das heutige ovale Mittelbild zeigt eine neubarocke Darstellung von J. G. Haugg Ottobeuren 1928 (Signatur im Hauptbild) mit einer Darstellung von Maria als Brau des Hohenliedes zusammen mit ihren Eltern Joachim und Anna. Ob sich eine ältere Malerei unter dem jetzigen Deckenbild befindet, ist nicht untersucht.

Die Inschrift lautet: QUAE EST ISTA QUAE PROGREDI-TUR QUASI AURORA CONSURGENS PULCHRA UT LUNA? Cant. 6.9

Seitlich des Mittelbildes befinden sich zwei Sinnbilder, die ebenfalls von Haugg stammen.

Quellen und Literatur

ABA, Pfarrarchiv Stepperg, St. Anton 2: Restaurierungen 1896, 1910 und 1926-28.- St. Anton 12, Kirchenrechnungen 1700–1788: Reliquie; Ablässe.

BLfD, Registratur Akten, Antoniberg, Kapelle St. Antonius und St. Anna.

BSB, cgm. 3075: Hueber, Martin, Durchleichtiges Herzog thumb PfalzNeuburg, daß ist Historisch undt Korographisch Beschreibung dises ganzen Herzogthumb, 1759, S. 723 f. StA Augsburg BA Neuburg, Nr. 6059: Stepperg-Antoniberg, Restaurierungen 1896, 1926–28.

o. V., Antonsberg, in: NK 11, 1845, S. 103 f. Böhaimb, Carl August, Steppberg, in: NK 22, 1856, S. 91–139, hier S. 105–109.

Steichele, Bd 2, S. 697 f., 721–729.

Hopp, Bd 1, S. 131.

Horn /Meyer 1958, S. 347-350.

Dehio 1990, S. 51.

Schwark, Horst, Am Antoniberg. Geschichte und Geschichten über ein liebenswertes Fleckchen Erde, Neuburg a.d. Donau 1997.

Historischer Atlas Neuburg, S. 239-243.

3. V.-K.

Pfarr- und Wallfahrtskirche, ehem. Benediktinerinnen- Klosterkirche, Stadt Neuburg, Diözese Eichstätt; z.Z. der Ausmalung Hofmark Bergen. Damals lag das Patronats- und Präsentationsrecht beim Studienseminar der Jesuiten in Neuburg als Rechtsnachfolger von Kloster Bergen. Seit dem Mittelalter werden in Bergen in einem kreuzförmigen Reliquia ein Holzsplitter aus dem Kreuz Christi sowie Teile der Heiligen Lanze, der Dornenkrone und der Geißelsäule verehrt; eine stark frequentierte Wallfahrt ist jedoch erst zwischen 1710 und 1730 nachweisbar. An der Kirche bestand eine Hl.-Kreuz Bruderschaft, konfirmiert 1761. Gericht Neuburg

Zur Geschichte: Biletrud (Wiltrud), die Witwe des Herzogs Berthold von Bayern gründete zwischen 976 und 995 das Benediktinerinnen-Kloster Bergen (Baring) und bedachte es mit reichem Besitz aus ihrem Hausgut. Die Schenkung des Kreuzpartikels und anderer Herrenreliquien, die nach der allgemeinen Klostertradition einer Nichte Biletruds zugeschrieben wurde, erfolgte wohl erst im 13. Jahrhundert, da das ursprüngliche Patrozinium, Maria und Johannes Evangelist, erst damals in ein Kreuzpatrozinium umgeändert wurde (seit 1291 nachweisbar). Im Zuge der Reformation wurde das Kloster 1544 bzw. endgültig 1552 aufgehoben. Das einstige Klostergut blieb jedoch als Wirtschaftskomplex erhalten und kam unter fürstliche Verwaltung, die Erträge bestimmte man zum Unterhalt der protestantischen Landesschule in Lauingen, nach der Gegenreformation ab 1616 zum Unterhalt des Jesuitengymnasiums in Neuburg. 1638 gründeten die Jesuiten ein Studienseminar, das zunächst teilweise und ab 1641 vollständig aus dem Klosterbesitz von Bergen, dem ›Corpus Bergen, getragen wurde und sich deshalb Seminar zum Hl. Kreuz nannte. 1675/76 inkorporierte man dem Seminar den ehem.