Ammerfeld, Pfarrkirche St. Quirinus von Tegernsee
Pfarrkirche, Markt Rennertshofen, Diözese Eichstätt. Seit 1452 gehörte das Dorf Ammerfeld dem Zisterzienserkloster Kaisheim, das 1656 reichsunmittelbar wurde. Dessen Abt präsentierte auf die Pfarrei, ab 1802 der König von Bayern. An der Kirche besteht heute noch eine Wallfahrt zum hl. Wendelin, früher bestand außerdem noch eine Marienwallfahrt. Zur Zeit des Kirchenneubaus wurde ein Kreuzpartikel erworben (s. u.). Pflegamt des Klosters Kaisheim
Patrozinium: St. Quirinus von Tegernsee
Zum Bauwerk: Die Kirche wurde 1737 neu erbaut; die Planungen dafür reichen bis 1734 zurück. 1747 wurde sie durch den Eichstätter Bischof Johann Anton II. von Freiberg (1736- 1757) konsekriert.
Saalkirche zu drei Fensterachsen mit eingezogenem halbrund geschlossenen Chor und quadratischem Turm im nördlichen Chorwinkel. Im LHs und AR flache Decke, von der eine breite Kehle zur Wand überleitet, im W über 2 runden Säulen Empore mit vorschwingender Brüstung. Belichtung im LH durch sechs, im AR durch vier korbbogige Fenster. Über dem Chorbogen findet sich das Chronogramm: SANCTAE TRINITATI GLORIOSAE / VIRGINI MARIAE ET SANC TO/QVIRINO ECCLESIA HAEC/CRATA (für SACRA ?) SVRREXIT (= 1737). An Decke und Hohlkehle weißer, leicht vergoldeter Bandwerkstuck auf rosa Grund, einzelne Partien grau, gelb, blau und grün. Sparsame Stuckbekrönungen der Fenster.


Auftraggeber: Pfarrer in Ammerfeld war Johann Simon Mayrhofer (1708-54). »Durch seinen Eifer (wurde) die neue Pfarrkirche erbaut« (Pfarrarchiv Ammerfeld, Festschrift, S. 12). Abt des Klosters Kaisheim, zu dem Ammerfeld gehörte, war Rogerius II. Friesl (1723–39).
In einem Schreiben vom 2.1.1734 wandte sich der Pfarrer an den Abt und bat um finanzielle Beihilfe zu einem Kirchenneubau unter Hinweis auf sein völlig baufälliges Gotteshaus. Er müsse dafür betteln gehen und komme zuerst zu ihm, doch sei er auch bereit, mit eigenem Geld dazu beizutragen, was jedoch bei weitem nicht ausreiche (StA Augsburg, Kloster Kaisheim). Nach dem Chronogramm am Chorbogen war der Bau 1737 vollendet, die Inschrift auf der Grabplatte Mayrhofers im Chor gibt dagegen an, er habe die Kirche 1738 gegründet. Nachdem 1734 das Sammeln von Spenden eingesetzt hatte, scheint der Kirchenbau, über den es keine Nachrichten gibt, in Gang gekommen zu sein. Wohl 1735 wurde ein Kreuzpartikel erworben, zur Datierung eines der Apostelbilder auf 1735 s. unten. Der Hochaltar mit einer Figur des hl. Quirin im Zentrum trägt am Gebälk das Wappen des oben genannten Eichstätter Bischofs von Freiberg (Neuhofer, S. 39; nicht das Wappen von Kaisheim) und ist wohl dessen Stiftung. Abt Rogerius von Kaisheim besaß offenbar Beziehungen zu den Augsburger Malern aus dem Umkreis Bergmüllers, denn er beauftragte Johann Georg Wolcker mit einem Altarbild für Kaisheim und vermittelte ihm den großen Auftrag zur Ausmalung der Kirche des zu Kaisheim gehörigen Zisterzienserstifts Stams in Tirol. Durch ihn könnte Johann Anwander berufen worden sein.
Autor und Entstehungszeit: Johann Anwander (* 1715 Rappen bei Mindelheim †1770 Lauingen) 1737. Signatur in B: J. Anwander / Fecit 1737 und in EU an der Stirn des Kreuzbalkens: J. A.
Die Fresken in Ammerfeld sind die ersten Werke, die man von Anwander kennt. Er war damals erst 22 Jahre alt, zwei Jahre später ließ er sich als Malergeselle in Lauingen nieder. Seine Kompositionen zeigen noch keine Eigenständigkeit, sondern gehen überwiegend auf fremde Vorbilder, vor allem auf Johann Georg Bergmüller, zurück. Die Darstellungen wirken im einzelnen etwas plakativ und mitunter ungelenk, doch weisen sie durchaus malerische Qualitäten auf, etwa bei den locker gemalten stillebenhaften Elementen. Anwander malte auch einen Zyklus von Apostelbildern (Öl auf Leinwand) für die Wände der Kirche, von denen der hl. Bartholomäus nach Horn/Meyer (S. 46) I. ANWANDER bezeichnet und 1735 datiert ist; die Signatur ist jedoch nicht auffindbar. Außerdem stammen von ihm die Altarblätter der Nebenaltäre, im N Maria unter dem Kreuz und im S Der hl. Wendelin, sowie die Antependien.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A, A1-6, B, B1-4, a-b Flachdecke mit breiter Hohlkehle; EU Flachdecke; Rahmen: A, B und EU Stuckprofil, teilweise vergoldet, sonst vergoldete Stuckbänder Technik: A, A1-6, B, B1-4, EB1-5, EU Fresko, polychrom. Ba-b Fresko, camaieu grau-braun Maße: A Höhe 7,90 m; 6,40×4,50 B Höhe 6,77 m; ∅ 3,70 EB1-5 1,24×1,95 EB2-5 1,24×1,2 EU Höhe 3,40 m; 2,60×3,8
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1935 erfolgte eine Restaurierung der Fresken durch Matthias und Paul Kronwitter von Günzburg. Die letzte Restaurierung führte 1966 Franz Schormüller, Reimlingen, aus unter Mitarbeit von Paul Busch und Wilhelm Hufnagel. Dabei wurden starker Schimmelbefall infolge mangelhafter Belüftung und im Chor einige Schäden durch Regenwasser festgestellt. Dort war das Fresko mit der Darstellung im Tempel (B1) so stark beschädigt, daß der Bildträger ausgewechselt werden mußte. Die Freskoteile wurden nach Entfernung der verfaulten Holzpartien und des morschen Putzes auf einen neuen Bildträger übertragen und retuschiert, die übrigen Fresken gereinigt, Risse und Putzschäden ausgebessert und lockere Stellen gefestigt. Sie befinden sich wieder in gutem Zustand. 1976 und 1987 wurden Außenrestaurierungen der Kirche durchgeführt.
Beschreibung und Ikonographie
Der ikonographische Hauptakzent des Freskenprogramms liegt auf der Leidensgeschichte Jesu, wobei häufig das Kreuz zur Darstellung kommt, besonders ungewöhnlich bei der Beweinung (EU). Die Kirche besitzt ein Reliquiar mit einem Kreuzpartikel, dessen Authentik ebenfalls vorhanden und auf den 12.9.1735 datiert ist (Buchner 1918, S. 75) und der wohl zu diesem Zeitpunkt erworben wurde. Das gleiche gilt für eine Nachbildung des in Wien aufbewahrten Heiligen Nagels, dessen Authentik vom 28.3.1739 stammt. Die Erwerbung von Passionsreliquien könnte in Konkurrenz zu der benachbarten Kirche von Bergen erfolgt sein, deren Wallfahrt zu dieser Zeit im Abnehmen begriffen war.
A KREUZTRAGUNG Jesus und die beiden Schächer werden, von Soldaten und Knechten eskortiert, nach Golgatha geführt. Der Zug bewegt sich von links unten nach rechts oben. Im Zentrum der Komposition trägt Jesus, bekleidet mit einem lila Kleid und einem roten Mantel, das schwere Kreuz, dessen mächtiger Stamm die Bewegungsrichtung unterstreicht. Ein römischer Soldat mit weit aufgerissenen Augen führt ihn am Strick und bedroht ihn mit einer Keule. Simon von Kyrene folgt Jesus und hilft ihm das Kreuz tragen. Die beiden gefesselten Schächer haben bereits den Hohlweg erreicht und blicken zurück. Auf dem steilen Golgathahügel sitzen gestikulierende Zuschauer, ein Mann mit einer Leiter schreitet dem Gipfel zu, wo sich ein auf hoher Stange montiertes Rad gegen den Himmel abhebt.
Mit drei Figurengruppen führt Anwander in das Bild ein und versucht, Bildtiefe zu erzeugen: Links sieht man den Statthalter zu Pferde im Gespräch mit dem Hohenpriester, ganz vorne sitzt eine Mutter mit ihrem Kind, und rechts knien weinend Maria, Johannes und Veronika. Mitleidsvoll reicht diese Jesus das Schweißtuch, und er wendet ihr sein leidendes Antlitz zu. Veronika trägt zu braunem Rock ein grünes Überkleid und ein dunkelbraunes Schultertuch; Haare und Gesicht sind ebenfalls dunkel, nur auf der Wange liegt ein heller Lichtfleck. Sie und
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Jesus sind ihrer Bedeutung entsprechend auch durch die Größe hervorgehoben. Anwander hat die wichtigsten Akteure aus einer Komposition Bergmüllers übernommen (s. u.). Wie dieser läßt er sie in einer verschatteten Partie im Mittelgrund agieren, während Vorder- und Hintergrund aufgehellt sind. Die Abnahme der Figurengröße von vorne nach hinten ist nicht konsequent durchgeführt, und die Stellung einzelner Figuren im Bildraum – etwa von Mutter und Kind – bleibt ungeklärt, und manche Einzelheiten lassen eine anatomisch korrekte Durchformung vermissen.
A. DIE VERHÖRE JESU
Bei den vier Darstellungen in den Ecken des LHs bereiteten die stark gemuldeten Felder dem Freskanten offenbar Schwierigkeiten. Die Figuren stehen übereck, die perspektivische Gestaltung der Innenräume ist mangelhaft, besonders mißglückt ist die Wiedergabe der Fliesenböden. Den besten Eindruck hinsichtlich Farbgebung und Modellierung vermittelt A3. (In der Chronologie der Ereignisse fanden die Verhöre in der Reihenfolge Hannas, Kaiphas, Herodes, Pilatus statt.)
A1 JESUS VOR HERODES ANTIPAS (Lc 23, 7-11) Jesus wird von einem Soldaten getreten und zu Boden gestoßen vor die Füße eines thronenden Herrschers, der eine Zackenkrone auf dem Haupt trägt und einen Stab in der Rechten hält.
A2 JESUS VOR PILATUS (Mt 27, 11–26; Mc 15, 1–5; Lc 23, 1-4; Io 18, 28-40; 19, 1-15) Thron, Säule und eine große Vorhangdraperie beherrschen das Interieur mit dem links stehenden Statthalter mit Turban und hermelingefüttertem Mantel den Kommandostab in der Rechten. Jesus wird rechts von zwei Soldaten hereingeführt.
A3 JESUS VOR HANNAS (Io 18,13-24) Links steht Jesus gefesselt mit blutigem Gesicht, neben ihm ein Soldat mit Eisenhandschuh, die Hand zum Schlag erhoben. Gegenüber sitzt vor grünem Vorhang der Hohepriester auf einem Thron mit Löwenfüßen, neben ihm steht ein Knabe, der einen Stab hält. Die ausdrucksstarke Malerei mit Hell-Dunkel-Effekten und blaurosa Changeants bei den Hauptpersonen ist farblich nicht ohne Reiz, doch überrascht die völlig mißglückte Perspektive beim Fußboden.
Das Verhör wird nur im Johannesevangelium überliefert. Hannas war der Schwiegervater und Amtsvorgänger des Kaiphas. Er unterzog Jesus einer Befragung über seine Jünger und seine Lehre, in deren Verlauf ein Diener Jesus einen Faustschlag versetzte, weil er nach seiner Ansicht dem Hohenpriester unbotmäßig anwortete. »Da schickte ihn Hannas gefesselt zu dem Hohenpriester Kaiphas« (Io 18, 24).
A4 JESUS VOR KAIPHAS (Mc 14, 61–64) Kaiphas, über Stufen erhöht, steht vor einem goldgelben Vorhang und zerreißt sein Kleid. Jesus wird von links durch zwei Soldaten hereingeführt. Dargestellt ist der Moment des Verhörs, bei dem der Angeklagte gefragt wird: »Bist du der Messias, der Sohr des Hochgelobten?«. Als dieser die Frage bejaht, zerreißt Kaiphas sein Kleid über die vermeintliche Gotteslästerung und erklärt ihn des Todes für schuldig.
A. KREUZANNAGELUNG Das Kreuz liegt schräg im Bild und ragt links über den Rahmen hinaus, so daß der Malgrund hier anstuckiert ist. Jesus wird von zwei Männern festgenagelt, ein dritter versucht, das schwere Kreuz an einem Seil hochzuziehen. Im Vordergrund steht stillebenhaft ein Korb mit Werkzeug, hinten links sieht man trauernd Maria, Magdalena und Johannes, rechts zwei Reiter, die die Szene beobachten.
Anwander hat hier einzelne Motive von Bergmüller verwendet: das schräg gestellte Kreuz, den Mann mit dem geschwungenen Hammer in der Bildmitte und den, der am Strick zieht (vgl. eine Zeichnung von Bergmüller aus einem Passionszyklus, SGS Mü, Halm-Maffei-Sammlung, Inv. Nr. 30 361).
A6 KREUZABNAHME Jesus wird auf einem großen weißen Tuch vorsichtig vom Kreuz herabgelassen und von Joseph von Arithmatia und Maria Magdalena in Empfang genommen. Vorne links sinkt Maria ohnmächtig zusammen. Nach Merk geht die Darstellung auf ein Gemälde von Carlo Carlone zurück.
EU BEWEINUNG Die Beweinung Jesu nach der Kreuzabnahme kommt in den Evangelien nicht vor. Sie wurde seit dem Mittelalter in mystischen Schriften zur Passion behandelt, ebenso in Passionsspielen. Sie gehört zu den Sieben Schmerzen Mariä, denn das Interesse gilt vor allem der Schilderung des Schmerzes der Gottesmutter über das Leiden des Sohnes. – Im Inneren der Grabkammer sitzt Maria auf dem schräg im Raum liegenden großen Kreuz und betrauert den toten Sohn, der in ihrem Schoß liegt. Die Richtung ihrer Körper entspricht der Anordnung der beiden Kreuzbalken, und sie markieren den Schnittpunkt der beiden Diagonalen, die die Komposition beherrschen. Gleichzeitig ist die Vertikale durch die aufgerichtete Gestalt des Jüngers Johannes, der hinter Maria steht, betont. Vorne links kauert Maria Magdalena, in den Händen das Salbgefäß. Von ihr aus geht der Blick über den Christuskörper zu einer ganz in Weiß gekleideten Frau, die sich mit dem Gewandzipfel die Tränen trocknet. Es handelt sich um eine der in den Evangelien genannten Frauen, die am Grabe waren, Maria Jacobe, Maria Salome oder Maria Kleophas. Im starken Gegensatz zu Jesus und den Trauernden in der Bildmitte, die hell beleuchtet sind, werden die Schergen und Peiniger als dunkel, grob und grausam geschildert. Rechts steht am Eingang der Grabkammer ein Wächter von dunkler Hautfarbe mit hängendem Schnauzbart, in der Linken eine Hellebarde; ein riesiger Hund mit Krallen und fletschenden Zähnen begleitet ihn. Hinter ihm sieht man einen Mann in gelbem Wams mit plissiertem weißen Kragen; er legt mit einfältiger Gebärde den Finger an den Mund und erinnert an einen Narren. Vielleicht ist hier der Narr als Gotteslästerer dargestellt, der auch bei der Dornenkrönung und Verspottung Jesu gelegentlich auftaucht (vgl. LCI Bd 3, Sp. 314ff.). Links steht ein Mann mit Kommandostab in buntem, geschlitzten Gewand, hinter ihm ein Bärtiger mit verhülltem Haupt, der auf den Eingang der Grabkammer weist, wohl Joseph von Arimathia.
Das Fresko vermittelt einen guten Eindruck von der etwas groben, expressiven und gelegentlich drastischen Malkunst Anwanderers. Die Komposition ist so durchdacht und ausgewogen, daß der Künstler hier wohl auf ein fremdes Vorbild zurückgegriffen hat. Dieses könnte, wie für die anderen Fresken auch, von Bergmüller stammen, ist aber bisher nicht nachgewiesen.
EB1-7 Fresken an der Emporenbrüstung
EB1 ABENDMAHL Die Feier des letzten Abendmahls vollzieht sich in einem Festsaal, dessen Rückwand durch Halbsäulen gegliedert ist, dazwischen Rechteckfenster und in der Mitte eine geschlossene Nische zur Hervorhebung der Hauptperson. Diese nimmt die Mitte der bildparallel aufgestellten Tafel ein, flankiert von Petrus und dem Lieblingsjünger Johannes, die übrigen Apostel sind hinter dem Tisch und um seine Schmalseiten gruppiert. Jesus hält das Brot in der Hand und erhebt die Rechte im Sprechgestus zum Zeichen der Einsetzung der Eucharistie.
EB2 JESU ABSCHIED VON SEINER MUTTER In einem kahlen Innenraum, der sich rechts gegen die Landschaft öffnet, steht Jesus und segnet seine Mutter, die neben ihm kniet.
EB3 JESUS AM ÖLBERG Jesus kniet betend an einem kleinen Hügel, über dem ein Engel mit Kreuz und Leidenskelch auf ihn zufliegt. Im Vordergrund schlafen die Apostel, von hinten nähern die Häscher, angeführt von Judas.
EB4 GEISSELUNG Jesus steht blutend an der Geißelsäule. Drei Folterknechte mit Ruten und Geißeln dringen auf ihn ein.
EB5 DORNENKRÖNUNG In einem Kerker sitzt Jesus gefesselt auf Stufen, das Schilfrohr in der Hand; Folterknechte drücken ihm die Dornenkrone aufs Haupt, einer kniet nieder und verhöhnt ihn.
Fresken im Altarraum
B, B1-4 Die Aufzählung der Begleitbilder erfolgt von links nach rechts. Die chronologische Abfolge der Ereignisse ist B2, B3, B, B1, B4. Die Themen entsprechen dem Freudenreichen Rosenkranz.
B ANBETUNG DER HIRTEN Maria in rosa Kleid und hellblauem Mantel, auf dem Hinterkopf ein gebauschtes grünrosa changierendes Tuch, sitzt links und präsentiert, zusammen mit Joseph, der hinter ihr steht, das Kind in der Krippe. Auf einem Stein zu ihren Füßen findet sich die Signatur des Künstlers (s.o.). Von rechts naht im Laufschritt ein bärtiger Hirte, die linke Hand erhoben, während die rechte in einer Geste der Verehrung auf der Brust liegt. Sein linker Fuß und der Umhang überschneiden den Rahmen, so daß die Malfläche hier in Stuck anmodelliert ist. Neben ihm kniet eine Frau und betet das Kind an, dahinter stützt sich ein alter Mann auf seinen Hirtenstab. Alle drei sind in bräunlichen, dunklen Farben gehalten, während sich die hellen Töne auf Maria und das Kind konzentrieren. Im Vordergrund ein Korb mit Geflügel und einem Lämmchen, links am Rand sieht man Ochs und Esel.
B1 DARSTELLUNG IM TEMPEL Der Hohepriester steht frontal in der Mitte und hält das Kind in den Armen, während Maria und Joseph von links nahen. Sie beugt das Knie, er hält den Korb mit den Tauben. Rechts kniet ein Knabe mit einer Fackel und einem Krug.
B2 VERKÜNDIGUNG Hinter ihrem Betpult lauscht Maria mit über der Brust gekreuzten Armen den Worten des Engels. Dieser fliegt von links herbei, sodaß er fast waagrecht in der Luft schwebt. Im Himmel ist die Halbfigur Gottvaters mit der Weltkugel zu sehen, auf dem Haupt die Tiara. Um die Sendung seines Sohns auf die Erde zu veranschaulichen, weist er auf den leeren Thron, den das Christkind gerade verlassen hat; es schwebt auf einem Lichtstrahl Maria entgegen. Ein weiterer Lichtstrahl fällt von der Taube des Hl. Geistes auf sie nieder. (Das seinen Thron verlassende Christkind geht nach Merk auf einen Stich von Göz und Klauber zurück, Augsburg, Graphische Sammlung, Inv. Nr. G 4163/1966.)
B3 HEIMSÜCHUNG Die beiden Frauen und ihre Ehemänner begegnen sich vor einer in lichten Farben gehaltenen Architektur, die in der Mitte einen Ausblick ins Freie gewährt. Sie bildet den Rahmen für die von rechts kommende Gottesmutter, der Joseph mit Wanderstab und Sack unter dem Arm folgt. Elisabeth, ganz in Weiß und Gelb gehalten, steht links etwas erhöht und begrüßt ihre Base. Beide reichen sich die linke Hand (Hinweis auf die Verwendung der radierten Vorlage von Bergmüller, s. u.).
B4 DER ZWÖLFJÄHRIGE JESUS IM TEMPEL Der zwölfjährige Knabe, der bereits sehr erwachsen wirkt, steht auf einem Podest in der Bildmitte mit ausgebreiteten Armen und weist auf ein aufgeschlagenes Buch, das neben ihm auf einem hohen Sockel lehnt, bedeckt mit fremdartigen Schriftzeichen. Zu seinen Füßen sitzen zwei Schriftgelehrte mit Schriftbändern mit entsprechenden Buchstaben, Maria und Joseph nähern sich von rechts.
B2 SEMPER / AD ISTUM. (Immer zu diesem [sc. solem, zur Sonne]). Eine große Sonnenblume in einer Landschaft wendet sich der Sonne zu. Das Emblem bezieht sich wohl – im Sinne der unbedingten Hingabe - auf Maria und speziell auf das benachbarte Bild der Verkündigung.
Bb DUX MIHI / VIRGA. (Das Reis ist mir ein Führer). Ein Bauer mit Wanderstab lockt ein ihm folgendes Lamm mit einem Zweig. Das Schaf, das sich gehorsam leiten läßt, ist Bild der Oboedientia (Picinelli, Lib. V., Nr. 5, s. v. agnus, mit dem Lemma SEQUAR QUO IERIT). Das Emblem bezieht sich wohl auf den Gehorsam des Jesusknaben seinen Eltern gegenüber und damit auf das benachbarte Bild B, mit dem zwölfjährigen Jesus im Tempel, der seinen Eltern widerspruchslos nach Nazareth folgte.
W1-14 CHRISTUS, MARIA UND DIE APOSTEL An den Wänden von LHs und AR sind Christus, Maria und die zwölf Apostel als Halbfiguren dargestellt.
Ergänzungen zur Ikonographie
Die Werke Anwanders in Ammerfeld gehen, wie schon Merk beobachtet hat, zum großen Teil auf Johann Georg Bergmüller zurück. Nach Entwürfen Bergmüllers malte dessen Schüler Alois Mack um 1724 in der Dominikanerkirche St. Magdalena in Augsburg einen Deckenbildzyklus mit den Fünfzehn Geheimnissen des Rosenkranzes sowie den hll. Dominikus und Katharina von Siena vor der Madonna. Diese Darstellungen gab Bergmüller in Gegensinn in einer radierten Serie mit dem Titel >QUINDECIM MYSTERIA S.S. ROSARII...< heraus, die beiden Dominikanerheiligen auf dem Titelblatt. Diese Radierungen dienten Anwander für einen Teil seiner Fresken als Vorlage. Sie sind mit ihnen seitengleich, besonders auffällig ist die linkshändige Begrüßung bei der Darstellung der Heimsuchung (B3). Im AR sind alle fünf Geheimnisse des Freudenreichen Rosenkranzes dargestellt (B, B1-4), von den fünf Szenen an der Emporenbrüstung sind drei aus dem Schmerzhaften Rosenkranz Bergmüllers übernommen: Jesus am Ölberg (EB3), Geißelung (EB4) und Dornenkrönung (EB5). Anwander hat seine Vorlagen zwar kopiert, aber im allgemeinen den Figurenbestand etwas reduziert, die Personen stärker angeschnitten und den Bildausschnitt knapper gewählt. Ein gewisser Illusionismus wurde angestrebt wie bei der >Anbetung der Hirten (B) durch den Rahmen übergreifende Darstellungen auf anstuckierten Partien.
Während sich diese acht Darstellungen eng an die Kompositionen Bergmüllers anschließen, erweiterte Anwander in seiner >Kreuztragung< (A), dem Hauptbild des LHs, die Darstellung seiner Vorlage zu einer vielfigurigen Komposition. Bei Bergmüller besteht sie nur aus wenigen Personen: Jesus, den zwei ihn Antreibenden und einem tiefer stehenden Soldaten mit Helm, sowie Maria und Veronika mit Schweißtuch. Die Kreuzigung selbst wurde nicht in das Deckenbildprogramm aufgenommen, doch erscheint auf dem nördlichen ebenfalls von Anwander gemalten Seitenaltarblatt Maria unter dem Kreuz. Damit ist auch der zweite Abschnitt des Rosenkranzes in Ammerfeld vollständig zur Darstellung gelangt. Die Fresken im AR gelten der Kindheit Jesu, die im LHs, unter der Empore und an der Emporenbrüstung seiner Passion. Es fällt auf, daß innerhalb des Programms ein starker Akzent auf die Gottesmutter gelegt ist, der die Kirche neben dem hl. Quirin geweiht ist. Das kommt einmal durch die Wahl von Vorlagen aus den zwei ersten Abschnitten des Rosenkranzes zum Ausdruck, doch spielt Maria auch in den nicht dem Rosenkranz entnommenen Themen der Passion eine wichtige Rolle (Jesu Abschied von seiner Mutter, EB2, Beweinung, EU). Maria ist außerdem Patrona, Fundatrix und Tutela des Zisterzienserordens, dem Kloster Kaisheim angehörte, und spielt neben Christus und seiner Passion in dessen Ikonographie die Hauptrolle. Möglicherweise wurde die wichtigste Darstellung der Passion, die Kreuzigung, deshalb als Altarbild realisiert, um davor die Reliquienmonstranz mit dem Kreuzpartikel zur Verehrung aussetzen zu können, der in den Kirchenneubau nach Ammerfeld gelangte. Das Deckenbildprogramm weist keinen Bezug zum hl. Quirin, dem Patron der Kirche, auf. Dieser ist durch die zentrale Statue im Hochaltar vertreten. Wie die Deckenbilder geht auch der von Anwander gemalte Apostelzyklus an den Wänden der Kirche, der Christus und Maria mit einschließt, auf Bergmüller zurück. Es handelt sich um dessen Radierfolge ›Abbildung der Heiligen Apostel, Evangelisten und einiger Kirchenlehrer neu inventiret, gemacht und zu haben von und bey Johann Georg Bergmiller Historien Mahler in Augspurg bestehend in 24 Blätlein«. Anwander hat sie teils im gleichen Sinn, teils spiegelbildlich kopiert, einige von ihnen, z. B. Petrus, gehen auf andere Vorlagen zurück.
Die Werke Anwanders in Ammerfeld sind nicht einheitlich. In den Fällen, in denen er auf die Rosenkranzserie Bergmüllers direkt zurückgreift, vermitteln sie etwas von der freien, spontanen, von Maratta inspirierten Kompositionsweise des späteren Augsburger Galeriedirektors, auch wenn die Bildausschnitte enger gewählt und die Farbigkeit Bergmüllers nicht übernommen ist. Bei der Übernahme nur einzelner Motive Bergmüllers und in den Fällen, wo dieser keine Vorbilder geliefert hat, zeigt Anwander in der Komposition Schwächen. Es gibt Szenen von groberer Machart wie die Verhöre (A1-4), andererseits Darstellungen mit zierlichen Figuren, die nebeneinander aufgereiht sind, wie Jesu Abschied von seiner Mutter (EB2) und die Szenen auf den Altarantependien, etwa die Vermählung von Maria und Joseph. Die tonige Farbigkeit mit ihren Changeants wirkt dagegen bereits eigenständig.
Quellen und Literatur
Ammerfeld, Pfarrarchiv: Biber, Ludwig und Eugen Seitz Festschrift zur 250-Jahrfeier der Ammerfelder Kirche, 1737 1987, hg. von Otto Maurer, Typoskript.
D, Registratur, Akten Ammerfeld, Pfarrkirche St. Quirin.
StA Augsburg, Kloster Kaisheim, Nr. 13: Pfarrei Ammerfeld. StA Augsburg, Regierung Nr. 12098: Restaurierungen 19./20. Jahrhundert.
Böhaimb, Carl August, Ammerfeld, in: NK 30, 1864, S. 75–80. Buchner, Franz Xaver, Archivinventare der katholischen Pfarreien in der Diözese Eichstätt, München-Leipzig 1918. S. 75 f.
-, Das Bistum Eichstätt, Bd 1, Eichstätt 1937, S. 37 ff. Horn, Adam, Die Kunstdenkmäler von Schwaben, III. Landkreis Donauwörth, München 1951. S. 43–47.
Schöttl, Julius, Der schwäbische Barockmaler Johann Anwander, in: Jahrbuch des historischen Vereins Dillingen 54, 1952, S. 201.
Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte Bayerns, in: Sammelblatt des historischen Vereins Eichstätt 62, 1967/68, S. 8–101, hier S. 39.
Merk, Anton, Johann Anwander (1715–1770). Ein schwäbischer Maler des Rokoko. Diss. Phil. München 1975, S. 8–11, 121, und Abb. S. 9 (Kreuztragung).
Portenlänger, Franz Xaver, Die barocke Kunsttätigkeit des Klosters Kaisheim. Schreiner und Bildhauer des 18. Jahrhunderts (Hefte d. kunstg. Instituts d. Universität Mainz, 4) Speyer 1980, S. 241.
Dehio 1990, S. 40
B. V.-K