Aich, Kuratiekirche St. Peter und Paul
Kuratiekirche (seit 1965), Stadt Fürstenfeldbruck, Pfarr verband Schöngeising, Erzdiözese München und Freising z. Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei Jesenwang, die der Zisterzienserabtei Fürstenfeld inkorporiert war. Gericht Landsberg
Patrozinium: St. Peter und Paul
Zum Bauwerk: Barocker Neubau 1728 (Mauerreste des mittelalterlichen Vorgängerbaus 1988 ergraben). Abbruch der alten Kirche in der ersten Hälfte des Jahres 1728; Konsens aus Freising zur Grundsteinlegung am 30. 6. 1728. Baumeister war Jakob Schmidt aus Bruck. Die neue Kirche war im Vergleich zur alten etwas größer (67 × 27 statt 53 × 25 Schuh) und 20 statt 13½ Schuh hoch. Die Ausstattung stammt aus dem 17./18. Jh. Das Langhaus wurde 1920 um das heutige tiefe Emporenjoch verlängert.
Einfacher Saal zu ehemals drei Jochen (11,00 × 7,50 m) mit zwei Fenstern in jedem Joch. AR (6,30 × 5,00 m) zu einem Joch mit dreiseitigem Schluß, ein Fenster von S, zwei in den Schrägen.
Auftraggeber: Abt Liebhard Kellerer von Fürstenfeld (1714-34). Pfarrer von Jesenwang war P. Melchior Wieland. Am Chorbogen befand sich ehemals wohl das Doppelwappen von Fürstenfeld und Abt Liebhard Kellerer (heute leer), seitlich von zwei Engeln mit Posaunen gehalten.
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1728 Datum an der Innenseite des Chorbogens MDCC/XXIII Das Dekorationssystem der Ausmalung von 1728 stimmt sowohl im Ganzen als auch in allen Details überein mit der 1729 datierten, wesentlich besser erhaltenen Ausmalung der



Kirche von Puchschlagen (LKr. Dachau, CBD, Bd 5). Es kann kein Zweifel sein, daß Puchschlagen und Aich vom selben Maler ausgemalt wurden. In Puchschlagen finden sich die Initialen O. Z. (D. Z.?), die sich bisher noch nicht deuten ließen.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle; die gemalte Dekoration nimmt die ehemalige Deckenfläche mit Ausnahme des ehem. Emporenjochs ein. AR Muldengewölbe mit Stichkappen


Rahmen: gemalte Rahmung innerhalb eines gewölbefüllenden Dekorationssystems
Technik: Fresko; polychrom
Maße: LHs Höhe 5,80 m; A1-4 ∅ ca. 1,20
AR Höhe 6,50 m; 6,30 × 5,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1849 Wasserschaden und anschließende Reparatur von Dachstuhl und Dach; im Anschluß daran erhielt die Kirche 1865/70 eine neue Ausmalung durch Kirchenmaler Josef Gustav Kitzinger, München (Abb. Aich 1989, S. 21: dargestellt waren Szenen aus dem Leben des hl. Petrus, im LHs ein flächenfüllendes quadratisches Bild, im AR neue Malereien in die barocke Dekoration). 1908 wurde eine Restaurierung von Gewölbe- und Wandflächen genehmigt, die möglicherweise aus Geldmangel nicht zustande kam (AEM, Bauten II). Bei der Renovierung 1947 wurde die Übermalung von 1865/70 entfernt und von Helmut Dechert, München, durch symbolische Darstellungen der Vier Evangelisten im LHs und eine Geisttaube im AR ersetzt (Abb. ebd., S. 22). Bei der letzten durchgreifenden Innenrenovierung 1988/92 entschloß man sich, die barocke Ausmalung an Decken und Wänden wieder freizulegen; die Arbeiten führten die Firma Hausch, Fürstenfeldbruck, und Gerhard Jehl, München, aus. Die vier Medaillons im LHs waren noch in Fragmenten vorhanden und wurden rekonstruiert, die vier Medaillons im AR waren nicht mehr zu rekonstruieren. Die Bildinschriften waren nicht mehr zu entziffern. Aufgefundene Apostelkreuze an den Wänden und ein großes Wandbild im AR mit der Darstellung des hl. Markus (19. Jh., keine Abb.) wurden ergänzt. Nicht mehr auffindbar waren die Darstellungen der beiden großen Freskofelder in LHs und AR. Sie wurden 1992 neu gemalt durch Stefano Cafaggi aus Regenstauf. Von der barocken Substanz ist im wesentlichen das Dekorationssystem erhalten.
Bildabfolge
Die Kirche zeigt eine einheitliche barocke Ausmalung, die eine Stuckdekoration imitiert und die die Deckenbilder in ein Dekorationssystem einbindet, das sich auch auf die Fenster und die Wände erstreckt.
A Kreuzigung des Petrus (Cafaggi 1992)
A7 Domine quo vadis?
A1 Gefangennahme Petri
A3 Befreiung Petri aus dem Kerker
A4 Berufung Petri
B Petrus in der Glorie (Cafaggi 1992)
B1-4 Die Darstellungen in den gemalten Kartuschen der Gewölbezwickel sind nicht erhalten
Inschrift auf einem gemalten Schriftband, das von Putten getragen wird und den Rahmen des Hauptbildes begleitet: TV ES PETRVS / ET / SVPER HANC / PETRAM AEDI / FICABO / EC / CLESIAM MEAM
CB1-3 Im Chorbogen befinden sich drei ovale Bildfelder (keine Abbildungen)
CB1 (Mitte) Christus als Hirte mit Stab und Schaf (Brustbild). Inschrift nicht mehr lesbar.
CB2 (N) Auf einem Felsen mit der Aufschrift Petri Kirch steht ein säulengetragener Rundtempel (Ecclesia-Symbol), in dem ein Kelch mit Hostie steht. Inschrift: Der Glauben groß / hat vil Anstoß.
CB3 (S) Das Bild ist offenbar verdorben. Es zeigt oben eine Hand aus den Wolken, die einen Schlüssel reicht, darunter die Worte Petri spricht. In der unteren Hälfte des Bildes ist ein Stierkopf (?) frontal zu sehen. Überschrift und Unterschrift heißen heute: Zu Gott von Alezeit / Uns gebuet die Gerechtigkeit
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Jesenwang: Filiale Aich 1727–28; Bauten II
Schmidtsche Matrikel Bd 2, S. 290. Mayer-Westermayer Bd 1, S. 303.
Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 189. Dehio 1990, S. 3 f.
Aus der Geschichte der Kirche St. Peter und Paul in Aich, hg. von der Kirchenverwaltung Aich (Toni Rauch), Eigenverlag 1989 (mit Auswertung der Quellen).
Heimatbuch Fürstenfeldbruck 1992, S. 584. C. B