Untermemmendorf, Filialkirche St. Nikolaus
Filialkirche, Pfarrei Kirchanhausen, von Beilngries vikariert Markt Kinding, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt, das Präsentationsrecht auf die Pfarrei Kirchanhausen übte das Domkapitel Eichstätt aus. Bis 1972 Reg.Bez Mittelfranken.
Patrozinium: St. Nikolaus
Baugeschichte: Die doppelgeschossige Chorturmkirche mit kreuzgewölbtem Chor wurde wohl im 12. Jh. errichtet. Barocke Einrichtung von 1682. Bereits 1712 waren vom Geistlichen Rat in Eichstätt ein neues Tabulat, d. h. eine neue Kassettendecke, und eine neue Kanzel bewilligt worden (Neuhofer); ob sie ausgeführt waren, ist nicht bekannt. 1760 Vergrößerung der Fenster im Langhaus und Innendekoration mit Stuck und Fresken. 1896/97 Verlängerung nach Westen und Umgestaltung im neuromanischen Stil 1960 wieder beseitigt
Saalbau (10,90×7,40m) zu drei Achsen, quadratischer Chor gerade geschlossen. Belichtung durch je 3 hohe Rundbogenfenster im Langhaus und durch eines auf der Südseite des Chors. Die Deckenbilder befinden sich im Langhaus.
Auftraggeber: Amtierender Pfarrer war Johann Georg Leinfelder, Pfarrer in Kirchanhausen (1755 – † 1785). Er war gebürtig aus Salzburg und ordinierte 1749 in Freising.
Autor und Entstehungszeit: Anton Köll 1760, Signatur in A AKöll Pinxit 1760
Um welchen von beiden Malern namens Anton Köll es sich handelt, kann in Ermangelung einer gesicherten Händescheidung nicht festgestellt werden; in Kipfenberg waren Vater und Sohn als Maler ansässig, Anton Conrad Köll (* 1688 † 1771) und Anton Köll (* um 1732 Geburtsort nicht bekannt † 1767 Kipfenberg), vgl. hierzu die Ausführungen S. 453.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachdecke
Rahmen: A, 1–4 ursprünglich Stuckrahmen, heute gemalte Bildleisten, von Rocaillen gerahmt
Technik: Fresko; A polychrom, 1–4 monochrom ocker Maße. A Höhe 5,30m; 2,40 x 2,25
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei der Umgestaltung der Kirche im romanischen Stil 1897 war die Decke des Schiffs als glatte Fläche mit Gipsstuck überzogen und der barocke Stuck abgeschlagen worden. Die Fresken wurden 1960 von der Kirchenmalerfirma Kiendl-Fürsich, Eichstätt, freigelegt. Nach Fotos von der Freilegung (BLfD) ist das Mittelbild A weitgehend original erhalten. Die Medaillons 1-4 waren in ihrer Substanz beeinträchtigt und wurden nach erkanntem Befund rekonstruiert. Die Rocailleumrahmung ist neu gemalt.
Beschreibung und Ikonographie
A PATRON ST. NIKOLAUS Umgeben von Engeln und Putten schwebt, angetan als Bischof, der hl. Nikolaus auf einer breiten Wolke und blickt mit demütiger Gebärde auf das Dreifaltigkeitssymbol, das über ihm in einer Strahlengloriole erscheint. Ein großer Engel auf der linken Seite hält die Attribute des Heiligen, Buch und drei goldene Kugeln. Ein schmaler Streifen an der Bildbasis zeigt, in stark verkleinertem Maßstab, die Ortschaft Unteremmendorf als Straßendorf mit dem charakteristischen von Büschen gesäumten Straßenbach in der Mitte, der noch besteht. Zu beiden Seiten des Orts erstrecken sich weite Felder und Wälder. Am Ortsausgang ist ein höhlenähnliches Tor, das heute noch bestehende, aber etwas weiter entfernte Naturdenkmal am südlichen Hochufer der Altmühl zu sehen. Rechts eine Steinplatte bei einem Baumstrunk mit der Signatur Kölls.
1-4 Tugenden des hl. Nikolaus Die symbolischen Darstellungen sind durch litaneiartige Titel auf den hl. Nikolaus bezogen und als Tugenden des in vielen Nöten angerufenen Heiligen interpretiert. Die Medaillons zeigen:
1. »Die Geduld«: Eine weibliche Figur hält ein Kind auf dem Arm und blickt zum Himmel, während ein anderer Engel ihr eine Krone reicht.
2. »Die Demut«: Eine kniende Figur, flankiert von Engeln, hält ein Buch und eine Laterne.
3. »Die Milde«: Eine Figur mit einem Sack und einem Kind, flankiert von Engeln mit Gaben.
4. »Die Tapferkeit«: Eine stehende Figur mit Schwert und Helm, flankiert von Engeln mit Waffen.
gen zu deuten: Nikolaus ist Patron der Armen, weil er sein Erbe verschenkte, hier an der Altmühl gern Patron der Schiffer und Helfer in Wassernöten, schließlich auch Patron der Jungfrauen, die er mit einer Mitgift beschenkte, um sie vor einem lasterhaften Leben zu bewahren. Schiff gefüllt mit Getreidesäcken Vatter der Armen
Quellen und Literatur
DAEI, Pfarrakten Kirchanhausen I,4: Baulichkeit an der Kirche zu Unteremmendorf; Pfarrarchiv Kirchanhausen unverzeichnet; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Unteremmendorf, Filialkirche. Kunstinventar Diözese Eichstätt, Unteremmendorf, bearbeitet von Emanuel Braun, 1990.
KDB V MF (2), S. 330–35. Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 30-33 (Pfarrei Kirchanhausen).
Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Hochstifts Eichstätt, in: SHVE 61, 1965/66, S. 9–92, hier: S. 39. Dehio OB 1990, S. 1207; 2006, S. 1310.