Unterbrunn, Pfarrkirche St. Laurentius


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 358–359, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung hatte Kloster Dießen das Präsentationsrecht, Gericht Starnberg

Patrozinium: z. Z. der Ausmalung St. Maria, jetzt St. Laurentius

Zum Bauwerk: Spätgotische Anlage, im frühen 18. Jh. umgestaltet. Ausstattung des Langhauses um 1720/30; Ausstattung des ARs 1758 unter Pfarrer Johann Baptist Portenschlager aus Dießen. — Saalartiges LHs mit Flachdecke, AR (7,60 × 6,30 m) in gleicher Breite mit dreiseitigem Schluß. Das Fresko befindet sich im Altarraum.

Autor und Entstehungszeit: Das Fresko ist am Bildrand in der südöstlichen Ecke signiert: I M Heigle 1758 (Name vielleicht bei einer Restaurierung verfremdet). Joseph Martin Heigl (* in Konstanz †1776 München) war Geselle und Schüler Johann Baptist Zimmermanns. Das Fresko in Unterbrunn gehört zu seinen ersten selbständigen Arbeiten.

Befund

Träger der Deckenmalerei: AR Stichkappentonne Rahmen: Profilierter Stuckrahmen mit Rocailleornamente

Technik: Fresko; polychrom. Maße: Höhe (AR) 6,90 m; 4,60 × 4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1863 wurden die Fresken der Kirche übermalt; weitere Restaurierung 1881. Bei der letzten Restaurierung von 1949 wurde das ursprüngliche Deckenbild im AR wiederaufgedeckt. Die Farbsubstanz hat unter der ehem. Übermalung gelitten. Großes Loch in der westlichen Bildhälfte; Haarrisse

Beschreibung

MARIA GEWÄHRT HILFREICH SCHUTZ IN EINER SCHLACHT Einansichtige Szene; Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. Maria und das Christkind thronen auf Wolken über dem Schauplatz einer Schlacht. Durch einen Kranz feiner Wolken und durch Engelsköpfchen wird eine Himmelsglorie um sie gebildet. Ein Engel und mehrere Putti umgeben die Gruppe und tragen den weiten, wallenden blauen Mantel der Gottesmutter. Auf dem irdischen Schauplatz herrscht wildes Kampfgetümmel. Von rechts sprengt eine Gruppe Berittener mit Säbeln und einer Fahne heran. Die Rosse bäumen sich vor gestürzten Pferden und verwundeten Kriegern mit heftigen Bewegungen und flatternden Mähnen auf. Hinter dieser Reiterschar dehnt sich ein weites Schlachtfeld mit vielen kämpfenden Soldaten, Fahnen und Geschützen. Jenseits der Ebene erhebt sich auf schroff ansteigendem Hügel eine Burg; Rauchwolken von Kanonen und Feuer steigen ringsum auf. Im Gegensatz zu diesem wilden und bewegten blutigen Kampfgeschehen steht eine ruhige, tonige Farbgebung ohne scharfe Kontraste, die auf warmen, fein nuancierten Braun-, Grau- und Lilatönen aufgebaut ist. Als Buntfarben erscheinen in der Gruppe der Madonna mit Engeln nur gedämpftes Blau und Rot in den Gewändern. Durch Untersicht und Verkürzungen werden illusionistische Effekte erzeugt (besonders im Vordergrund), die in Spannung zum Historienbild stehen.

Ikonographie

Maria ist im Typus der Patrona Bavariae wiedergegeben (das segnende Kind hält allerdings nicht den zu den Herrschaftsinsignien gehörigen Reichsapfel). Maria gewährt hilfreich Schutz und Sieg im Kampf: Sie senkt ihr Zepter zu der im Vordergrund heransprengenden Kavalleriegruppe hinab. In der Feldherrngestalt, ausgezeichnet durch einen hermelinbesetzten Purpurmantel und eine blaue Schärpe, ist sicher ein bayerischer Kurfürst wiedergegeben. Die Fahne seines Begleiters läßt den Kurhut über einem goldenen Löwen auf blauem Grund erkennen. Maria wird in dieser Darstellung als die Patronin der im rechten Glauben kämpfenden Bayern gefeiert.

Der mündlichen Überlieferung folgend, stellt das Fresko »Max Emanuel vor Belgrad« dar, den für seine Türkenkämpfe bekannten bayrischen Kurfürsten in der ruhmreichen Schlacht von 1688. Die hohe Burganlage könnte als Darstellung der Belgrader Festung angesehen werden. Auffallend ist jedoch das Fehlen der für Türkenschlachtdarstellungen charakteristischen türkischen Requisiten (bei der Tracht vor allem der Turban). Erschwerend für die Bilddeutung ist, daß die Figuren in diesem Fresko vom Maler nur summarisch gekennzeichnet sind und außerdem durch Restaurierungen teilweise verunklärt wurden. Ein gefallener Kämpfer, links im Vordergrund, könnte vom Kopftypus her allenfalls als Türke angeschen werden, die Malerei ist in dieser Partie jedoch schlecht erhalten.

Quellen und Literatur

Braun-Augsburg, Bd 1, S. 369. KDB I OB (1), S. 909. Thieme-Becker, Bd 16, S. 269, s.v. Heigl, Martin.

 
Maria gewährt hilfreich Schutz in einer Schlacht