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Unering, Filialkirche St. Martin

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 355–357, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Oberalting-Seefeld, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Herrschaft Seefeld

Patrozinium: St. Martin

Zum Bauwerk: Neubau ab 1730 durch Baumeister Johann Michael Fischer unter Pfarrer Johann Georg Faber von Oberalting; Weihe 1731. – Der Hauptraum mit abgeschrägten Ecken bildet annähernd ein Achteck. In den Eckabschrägungen Nischen. Der Raum ist durch Pilaster gegliedert. Der AR hat die Form eines angeschnittenen Ouerovals.

Auftraggeber: Allgemein wird als Auftraggeber für Bau und Ausstattung Max Cajetan Graf von Törring-Seefeld (*1670 †1752) angesehen, der sein Wappen und das seiner Gemahlin Adelhaid Felizitas Marchesa von Canossa (†1737) am Chorbogen anbringen ließ. Die Fresken stiftete jedoch der gräflich Törring-Seefeldische Verwalter Johann Sigmund Spruner, was aus dessen Generalabrechnung vom Uneringer Kirchenbau hervorgeht (s. Mayer-Pfannholz). Im folgenden die Stellen, die sich auf die Fresken beziehen: »Die history vom heil. Kirchenpatron Martino hat Rechnungsführer dem Gottshaus Ohnentgeltlich an das Kürchengewölb in fresco Maallen und das Herrschaftl. Wappen an den Fronpogen setzen lassen, daher in Ausgab zu füehren ist nihil.

Hingegen hat Herrn Johann Georgen Sang Maallern in München, welcher Obiges (= Deckenbilder) Verförrtiget wegen mit seinem gold Vergoldeten Kürchenknopfs und Creuzs... bezahlt werden müssen 15 fl. – Dessgleichen dem Wührt zu Unnering welcher obigen Maaller und seine gsöllen in Zeit so verrichteter arbeuth nemtl. 4 Wochen lang in der Verpflegung gehabt vermög specifirter anlag 27 fl. 30 kr.«

Autor und Entstehungszeit: Die oben zitierten Archivalien überliefern Johann Georg Sang als Autor der unsignierten Fresken; am Chorbogen findet sich bei den Wappen die Jahreszahl 1731. Johann Georg Sang ist als Sohn des fürstbischöflichen Amtmannes Georg Ludwig Sang 1675 in Burgwallbach/Ufr. geboren. In München heiratete er eine Tochter des Malers Kaspar Gottfried Stuber, dessen Geselle er vermutlich war, und erhielt 1702 das Meisterrecht. Er starb 1744 in München (frdl. Mitt. Peter von Bomhard, Erzbischöfliches Ordinariatsarchiv München und frdl. Mitt. Norbert Lieb, Universität München).

Befund

Träger der Deckenmalerei: A Flachkuppel mit Hängezwickeln; B ovale, vom Chorbogen angeschnittene Kalotte Rahmen: A Stuckprofil; B gemalter Profilrahmen; A1-4 von gemalten Karyatidenengeln gerahmt

Technik: Fresko; A, B polychrom, A1-4 monochrom ocke Maße: A Höhe 9,20 m; 8,40 × 8,10

B Höhe 8,70 m: 2,35 × 5,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1901 wurden die Deckengemälde durch einen Oberaltinger Malermeister übermalt. Bei der Restaurierung 1963 wurden die Fresken gereinigt und ausgebessert. Geringfügige, gekittete Risse und größere restaurierte Wasserschäden in allen Fresken Fresko A ist relativ gut erhalten. In A1-4 und B ist die Malerei weitgehend erneuert. Fresko B keine Abbildung

Beschreibung

A MARIA UND ST. MARTIN ALS PATRONE Einansichtige Szene, tafelbildartig angelegt. Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. Kaum Verkürzungen und Untersichten. Die landschaftliche Szenerie im O zieht sich, dem Rahmen des vierpaßförmigen Freskos folgend an den Seiten herum und schließt mit hohen Bäumen ab Maria mit dem Kind, begleitet von Engeln, thront auf Wolken, unter sich die Weltkugel. Strahlen fallen auf Maria. Darunter kniet der hl. Martin auf einer Wolke Engel tragen seine Attribute. Der Himmelsraum ist gleichmäßig gefüllt mit den Figuren der Engel, Putti und Heiligen und mit Wolken.

Die Landschaft, nach den Seiten zu ansteigend, bildet in der Mitte eine talartige Mulde, in der sich Bittflehende versammelt haben: eine Mutter mit Kind, die ein geschnürtes Bündel und einen Wanderstab vor sich liegen hat, und drei Männer, die durch Kopfbinden und Krücke als Kranke gekennzeichnet sind.

Warme Buntfarben, vorherrschend Rot und Braun

A1-4 SZENEN AUS DEM LEBEN DES HL. MARTIN In den vier Zwickeln schließen Bildfelder an, die Szener aus dem Leben des hl. Martin wiedergeben.

A2 Erweckung des Katechumenen

B HIMMELSGLORIE Putti in Wolken um eine helle Himmelsöffnung mit dem Auge Gottes. Einer trägt den Lorbeerkranz, ein zweiter den Palmzweig als himmlischen Lohn für den hl. Martin, der am Hochaltar dargestellt ist (keine Abbildung).

Ikonographie

A MARIA UND ST. MARTIN ALS PATRONE Das Volk bittet den hl. Martin, den Patron der Uneringer Kirche, um Schutz. Martin wendet sich an den Jesusknaben auf dem Schoß Mariens, indem er auf die Bittflehenden weist. Er ist im Bischofsornat dargestellt, Putti bringen Mitra und Stab. Ein Engel zu seinen Füßen hält eine Gans, das kennzeichnende Attribut Martins.

Szenen aus dem Leben des hl. Martin (in chronologischer Reihenfolge nach Sulpicius Severus, Vita Sancti Martini, in: Sulpicii Severi Opera, CSEL Bd 1)

A4 St. Martin, noch Katechumene, in der Tracht eines römischen Soldaten, trifft zur Winterszeit vor dem Tor von Amiens einen frierenden Bettler, der ihn um eine Gabe anfleht. Er schneidet seinen Mantel in zwei Hälften und gibt dem Bettler die eine (Vita 3, S. 113).

A2 St. Martin erweckt, von einer Reise in sein Kloster bei Poitiers zurückkommend, einen inzwischen verstorbenen Katechumenen, der die Taufe noch nicht erhalten hatte. Die Mönche waren schon dabei, diesen zu begraben (Vita 7, S. 117 f.)

A1 St. Martin als Bischof mit seinen Mönchen im Kloster Marmoutiers bei Tours.

A3 Tod des hl. Martin. Der Heilige liegt im Bett, das Sterbekreuz in Händen. Stab und Mitra liegen auf einem Tischchen zu seiten des Bettes. Nach der Vita wies Martin den Teufel, der ihm im Angesicht des Todes erschien, voll Gottvertrauen zurück. Hier wird er von einem Engel mit Flammenschwert vertrieben. Um das Sterbebett stehen klagende Mönche (Epistula 3, S. 174 f.).

A4 Mantelteilung

Quellen und Literatur

XDB I OB (1), S. 908.

Graf, Matthias, Geschichte der Pfarrei Oberalting, München 1902, S. 99–108.

Mayer-Pfannholz, Anton, Wandern und Sehen, München — Berlin 1930, S. 194–214.

Reichel, Max, Vom heiligen Martin zu Mamering und seinem Roß, in: Bayerische Heimat 20, 5. Nov. 1938, S. 46.

Eismann, Josef, Unerings Kirche - ein Werk Johann Michael Fischers, in: 80 Jahre Land- und Seebote, Heimatzeitung für den Landkreis Starnberg und das Vier-Seen- Gebiet 80, Nr. 78 (Jubiläumsausgabe), Starnberg 1955