Umrathshausen, Filialkirche Heilig Blut
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Frasdorf, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Umrathshausen wurde von Frasdorf aus versehen, das Expositur der 1680 von Prien abgetrennten Pfarrei Niederaschau war. Niederaschau war wie Prien dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert. Die Wallfahrt zum Heiligen Blut, deren Hauptblütezeit im 15. Jh. war, ist heute erloschen. Herrschaftsgericht Hohenaschau
Patrozinium: Heilig Blut; das ursprüngliche Patrozinium St. Ulrich wurde nach 1500 im Zusammenhang mit der Heilig-Blut-Wallfahrt verdrängt.
Zum Bauwerk: Neubau der Kirche 1469/76 wohl durch einen Baumeister aus Wasserburg (Bomhard, S. 271). Zerstörung durch Brand 1625, Wiederaufbau durch Hanns Weigl, Maurermeister von Schlechtenberg. Neubau der Empore 1680 durch den Hohenaschauer Kistler Michael Furtner d.J. (Emporenbrüstungsbilder 1688), neue Seitenaltäre 1681 ebenfalls von Furtner (Fassung Hanns Schmidt). Baurenovierung 1684/85. 1695 neue Kanzel von Hanns Furtner, Kistler in Hohenaschau (Fassung Jacob Carnutsch). Neuer Hochaltar 1699/99, dessen Visier Jacob Carnutsch machte (Kistler Hanns Furtner, Bildhauer Johann Schwaiger von Reichenhall, Altarblatt und Fassung Jacob Carnutsch). Abschlagen der Gewölberippen möglicherweise schon 1684/85, spätestens anläßlich der Neudekorierung 1749. 1825 Einsturz des Kirchturms, Wiederaufbau bis 1831 mit niedrigem Spitzhelm. Restaurierung mit neuer Einrichtung ab 1871. Erneuter Brand 1899 und Wiederherstellung 1899/1900 mit sehr schöner Turmspitze in barocken Formen.
Weiter Saal zu dreieinhalb Jochen (synkopische Jochverschiebung) mit kräftiger Wandpfeilergliederung, Doppelempore im W; Belichtung durch ein Fenster im N und zwei im S. Wenig eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei in den Schlußschrägen.
Auftraggeber: Eintrag in der Kirchenrechnung des Jahres 1749: »Zu mehrern Zierd dises lobl: Filial Gottshaus hat mar von der geist: und weltlichen Kirchenschuz Herrschafft wegen solches durch Johann Adam Melckh Kunstmahlern von Walchsee ausmahlen, und deme den getroffenen Accord gemäss vor solche Arbeith 126 fl: behändigen ... lassen, Alldieweilen aber hieran von Gottshaus wegen nur 60 f: beygetrager worden, die übrige 66f: hingegen von einigen Gutthäterr bezahlt worden, als kommen diss ohrts nur auszuwerffer 60f:« (StAM, HH R 2877). Propst von Herrenchiemsee war Floridus Rappel (1736–59), Vikar in Frasdorf, der für Umrathshausen zuständig war, P. Laurentius Kellerer. Herr vor Hohenaschau war Max IV. Graf von Preysing-Hohenaschau. Die Auswahl der Heiligen in 1-10 weisen auf die geistliche und weltliche Herrschaft sowie auf Stifter hin (s. u.).
Autor und Entstehungszeit: Joseph Adam Mölk (* 1714 Wien † 1796 Wien) 1749. Signatur in A I: adam Mölckh Pinxit 1749, in B I: Adam Mölckh Pinxit 1749.

Joseph Adam Mölk war in Umrathshausen außerdem mit kleineren Arbeiten beauftragt und beschäftigte einen Gesellen: »Ermelter Melckh hat auch zeig der beylag wegen denen dortselbst gemahlenen 12 Apostl Schildern 12, dann als eine Discretion 4f: 15x und vor seinen Gesellen 56x: zusammen also erhalten 17f: 47x.« (ebd.). In Umrathshausen – dessen Ausmalung zu seinen schwächeren Werken zählt - arbeitete Mölk ebenso wie in Antwort (S. 56) und in Neukirchen (S. 360) im Bereich der zu Herrenchiemsee gehörigen Pfarreien.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, 1-6) und AR (B, 7-10) ehemaliges Netzrippengewölbe; die Rippen sind abgeschlagen Rahmen: A und B gemalte Stuckprofilrahmen, in B mit übergreifenden Rocaille-Kartuschen im O und W; 1-10 annähernd runde Medaillons, gemalte Profilrahmen
Technik: Fresko; die Deckengemälde sind polychrom Maße: A Höhe 9,20m; 9,30 x 4,10 B Höhe 8,20 m; 4,70 x 4,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach der Regotisierung des Kircheninneren ab 1871 erhielt die Kirche 1903 eine neue dekorative Ausmalung des Gewölbes (die Fresken A und B sowie die Medaillons ausgenommen) durch Sebastian Wirsching aus München nach Plänen des Architekten Josef Elsner 1948/49 Abnahme dieser Dekorationsmalerei und Restaurierung der barocken Fresken durch Max Faltner, Rosenheim; dabei wurde mit Einverständnis des BLfD der Rahmen von A leicht abgeändert, um die Asymmetrie abzumildern, die durch die synkopische Jochverschiebung gegeben war. An den Gewölbezwickeln von LHs und AR wurden neue Rocaille-Kartuschen mit emblemähnlichen Sinnbildern angebracht (keine Abb.). Gegen Ende des letzten Jahrhunderts war das Gewölbe statisch gefährdet. Es mußten Zuganker angebracht werden, die man so legte, daß figürliche Darstellungen nicht betroffen wurden. 1998 wurde der Raum von Alois und Michael Stein aus Inzell restauriert. Bei der Fassung der Raumschale folgte man der Fassung von 1948/49. Die Deckenbilder wurden gereinigt, die Risse geschlossen, nötige Ausbesserungen vorgenommen; die retuschierenden Übermalungen von 1948 wurden belassen. Stellenweise waren neue Retuschen nötig geworden, vor allem durch das Einziehen der Zuganker. Der Zustand ist jetzt gut.
Beschreibung und Ikonographie
A DAS BLUT CHRISTI ALS ERLÖSUNGSBRUNNEN FÜR DIE WELT Das sehr lange und schmale Bildfeld erstreckt sich über zweieinhalb Langhausjoche. Über der großen Weltkugel im östlichen Bildviertel erhebt sich eine hochgezogene Brunnenanlage mit geschwungenem Sockel und daraufstehender Brunnenschale; diese Brunnenschale ist genau im Zentrum des Bildes. Auf ihr thront Christus, von einer hellen Gloriensonne hinterfangen. Er hält in der Linken das Kreuz. Die Rechte legt Christus auf seine Seitenwunde, aus der ein Strahl Blut herausspringt. Diesen Strahl fängt Maria in einem Kelch auf und leitet ihn weiter in die Brunnen¬schale. Maria ist als Immaculata gezeigt, mit Sternenkranz, über der Mondsichel kniend. Am Fuß des Brunnens tritt das aufgefangene Blut durch vier Öffnungen aus, fällt in ein kleines Becken und von dort in vier Strahlen auf die Erdkugel, als Gnadenquellen für die Vier Erdteile, deren Personifikationen sich um die Weltkugel versammelt haben: Links Asia, fürstlich gekleidet, einen Turban mit Halbmond auf dem Haupt und ein Kamel mit sich führend. Daneben Africa mit einem Löwen, einen Federschmuck auf dem Haupt und ein Weihrauchgefäß in Händen. Europa kniet mit erhobenen gefalteten Händen, mit dem hermelingefütterten Mantel und der Kaiserkrone ausgezeichnet. Vor ihr liegen auf einem Kissen Reichsapfel und Zepter, als weiteres Attribut ist ihr ein weißes Pferd beigegeben. Rechts steht America, eine dunkle Gestalt in buntem Kleid und Federkrone, einen Papagei in der Linken.
Am westlichen Bildrand erscheinen auf hellen Wolkenkissen vor düsteren Wolken Engel mit den Leidenswerkzeugen: links die Geißelsäule, Nägel, Lanze, Schwamm und das Schweißtuch der Veronika, rechts Dornenkrone und Geißel.
Durch die Verschattung des östlichen und westlichen Bildrandes, durch eine Mauer mit Ziervase, die konvex geschwungen in die Tiefe führt und durch Untersicht bei Brunnenaufbau und Schale versucht Mölk, dem Bild Tiefe und eine gewisse Illusionswirkung zu geben. Die Farbigkeit wird von unbunten Grau- und Brauntönen bestimmt, als Buntfarben erscheinen nur Gelb als Glorienfarbe und Blau im Gewand der Maria.
B BESCHNEIDUNG JESU (Lc 2,21) Durch flankierende Säulen, eine Draperie und ein nach hinten geschwungenes Mauerstück mit Tor ist ein tempelähnlicher Bildraum erstellt. Zwei konvex nach vorne gebogene Stufen dienen als Handlungsbühne. Neben dem siebenarmigen Leuchter sitzt der Beschneider (Mohel) und hält das Messer in der Hand. Hinter dem Tisch sitzt ein alter, bärtiger Mann, den Jesusknaben haltend (in der Regel war das Aufgabe des Großvaters – Joachim?). Aus einer Himmelsöffnung fällt ein breiter Lichtstrahl auf den Jesusknaben, der nach oben blickt. Ein weiterer Tempeldiener, goldgewandet, kniet im Vordergrund mit einem Tablett, auf dem sich goldene Salbgefäße befinden. Joseph, durch den grünenden Zweig gekennzeichnet, steht neben dem Sandak und hat die Hand abwehrend erhoben. Vor ihm sitzt Maria auf den Stufen, einen Schleier auf dem Haupt, ein weißes Tuch in den schmerzvoll gerungenen Händen. Durch ihr Herz geht ein Schwert. An der rechten Bildseite ist, von einer roten Baldachindraperie überwölbt, der Altar des Tempels mit den Schrifttafeln zu sehen.
Dieses Bild ist bei weitem qualitätvoller als das – thematisch auch schwerer zu bewältigende – Bild A. Die Komposition der Figurengruppe ist gekonnter durchgeführt als die der nur aufgereihten Erdteile in A. Die reichliche Verwendung von Gold und Gelb in Himmel, in Gewändern und Geräten, sowie warmem Rot in Baldachin und Kleidern verleiht dem Bild festlichen Charakter.
Die Themen der beiden Hauptbilder beziehen sich auf das Patrozinium und den Gegenstand der Wallfahrt, das Blut Christi. Ursprünglich soll die Kirche eine Heilig-Blut-Reliquie in einem goldenen Gefäß besessen haben, die nach der Überlieferung in Kriegszeiten vergraben und nie wieder aufgefunden wurde. Das Blut Christ als Gnadenquell und Fons Vitae ist an sich kein seltenes Thema, hier jedoch ungewöhnlich lich durch die Umleitung des Gnadenstrahls über den Kelch der Eucharistie, den Maria als Immaculata (Sternenkranz, Mondsichel) hält. Die Arma Christi, von Engeln getragen, verweisen auf das Leiden Christi, das Voraussetzung für das Erlösungswerk war.
Die Beschneidung Jesu wurde schon im Mittelalter als erster Vergießen des Blutes Christi gesehen, als Präfiguration seines Leidens und als erster der sieben Schmerzen Mariä: auf dem Bild trägt Maria nur ein Schwert im Herz h-n EMBLEMÄHNLICHE DARSTELLUNGEN (Faltner 1948/49, keine Abb.) Sechs Bilder befinden sich an den Gewölbezwickeln des Chors, umgeben von gemalten Rocaillekartuschen. Vier Bilder haben Überschriften.
Emporenbrüstung
An der unteren Emporenbrüstung befinden sich fünf quer rechteckige Bildfelder von 1688, die fünf Szenen aus der Leidensgeschichte Christi zeigen. Es sind die fünf Geheimnisse des Schmerzhaften Rosenkranzes und gleichzeitig
Quellen und Literatur
StAM, HH R 2877: Kirchenrechnung aller in der Herrschaft Hohenaschau und Hofmark Söllhuben sich befindtenden Pfarr- und Filial Gottshäußer pro anno 1749.
AEM, Nachlaß Peter von Bomhard, Nr. 110: Typoskript für die Festschrift Umratshausen; Nr. 172: Auszüge aus den Pfarrarchiven der Herrschaft Hohenaschau. BLfD, Akt Umratshausen, Filialkirche Heilig Blut.
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 196, 201-03. KDB I OB (2), S. 1678 f.
Buchauer, Josef, Die Wallfahrtskirche zu Umrathshausen, München 1900.
Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 65-69.
Festschrift zur 1000-Jahrfeier Umrathshausen, (Hg. Adolf Sandberger und Peter von Bomhard), Umratshausen 1957. Bomhard, Bd. 2, S. 269–80, 485 f., 527.
Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990, S. 56. Stein, Alois und Michael, Hl. Blut in Umratshausen, in: RE-NOVAVIT. Festschrift für Domkapitular Prälat Georg 34.
Wörndl, Rupert, Kirchengeschichtliches aus dem Priental. Die Pfarreien Aschau und Sachrang (= Chronik Aschau im Chiemgau, Quellenband XIV), Aschau 2001. Umratshausen S. 49, 156, 189 und 357–59.