Tittmoning, Wallfahrtskirche Maria Ponlach
Maria Ponlach, Wallfahrtskirche
Nebenkirche der Pfarrei St. Laurentius Tittmoning, Stadt Tittmoning, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg. Die Kapelle war dem Kollegiatstift Tittmoning inkorporiert (seit 1681). Fürstbischöflich Salzburgisches Stadtgericht Tittmoning
Patrozinium: Mariä Opferung
Zum Bauwerk: In dem wasserreichen, bewaldeten und unwegsamen Gelände des Ponlachgrabens, der den nördlichen Steilhang des Burgbergs von Tittmoning bildet, entstand bei einer als heilkräftig angesehenen Quelle ein kleines Marienheiligtum, das schon im 16. Jh. lokale Verehrung genoß. Nach einem persönlichen Besuch 1624 ließ der Salzburger Fürsterzbischof Paris Graf Lodron die baufällige Brunnenkapelle wiederherstellen. 1656 stürzte diese Kapelle ein und wurde anschließend wiederaufgebaut. Sie war in Fachwerktechnik gebaut (»nur in das Bundtwerch gemauert«) und 1714 wieder sehr baufällig. Für die rasch anwachsende Wallfahrt war ein Neubau nötig, der aber wegen des schlechten Grundes an anderer, wenn auch nahegelegener Stelle erfolgen sollte. Der Salzburger Hofzimmermeister Georg Hueber kam als Gutachter und machte einen Riss (bei den frühen Rissen im AEM, Filiale Ponlach, liegt ein Entwurf zu einem Trikonchos), die Tittmoninger Bauhandwerker machten die Überschläge.
Genehmigung des Salzburger Konsistoriums zum Neubau am 30. 12. 1715. Neue Pläne, bei denen es sich wohl um die Pläne zu einem Ovalbau handelte (AEM, Plansammlung; Kopien in AEM, Filiale Ponlach), gefielen in Salzburg nicht. Den endgültigen Riß zeichnete der Salzburger Hofbaumeister Sebastian Stumpfegger in Anlehnung an den frühen Trikonchos-Riß von Hueber. Nach Haaß (s. u.) wurde gebaut nach Plänen »dere Herrn Pauverwalter: unnd Hofmaurermeister: welche öffters sich darbey iedoch ohne empfangenen Recompens eingefundten«.
Bei der Zurichtung des Bauplatzes entsprang eine neue Quelle, was als himmlische Zustimmung zur Verlegung des Heiligtums gesehen wurde. Grundsteinlegung am 29. 8. 1716 durch den Tittmoninger Stiftsdekan Sebastian Mayr. Maurermeister war Johannes Pattinger, Zimmermeister Georg Streibl, beide aus Tittmoning. Stuckierung 1716 durch den Salzburger Stuckator Joseph Schmidt. Malerarbeiten am Neubau und Faßarbeiten durch den Tittmoninger Maler Adam Panhammer. Weihe und Übertragung des Gnadenbildes in den Neubau am 21. 11. 1717 durch den Salzburger Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach. Der Hochaltar ist ein Werk des Salzburger Tischlers Simon Thaddäus Baldauf; in ihm fand das Gnadenbild seinen Platz. Die Seitenfiguren stellen die Salzburger Bistumspatrone Rupert mit dem Salzfass und Virgil mit dem Dommodell dar. Die Seitenaltäre wurden erst 1751 von Tittmoninger Meistern geschaffen, dem Kistler Joseph Huber, dem Bildhauer Johann Georg Itzlfeldner (110 fl.) und dem Maler Ignaz Andreas Dinzl (»die 4 Altärblötter zu mahlen, die Altär zu marmorieren« und für weitere Faßarbeiten 310 fl.). Sie sind den Heiligen Joseph (links) und Johann Nepomuk (rechts) geweiht. Das Altarblatt des Josephsaltars stellt Joseph mit dem Jesuskind und Engeln dar, das Auszugsbild die Heiligen Drei Könige. Seitenfiguren sind die Heiligen Joachim und Anna. Am rechten Seitenaltar zeigt das Altarblatt Johann Nepomuk mit Engeln über der Moldau, das Auszugsbild die Beichte der Königin vor Johann Nepomuk. Seitenfiguren sind die Heiligen Georg und Florian.
Itzlfeldner schuf damals auch die Engel am Hochaltar. Für die beiden großen Figuren aus der Bauzeit, Franziskus von Assisi und Antonius von Padua, die in den seitlichen Konchen standen, bevor die Seitenaltäre dort errichtet wurden, wurden um 1751 neue Figuren geschaffen.
1751 die von Itzlfeldner stuckierten Nischen in den Pfeilern seitlich des AR geschaffen.
Wie meist brachte auch in Maria Ponlach der Neubau ein weiteres starkes Anwachsen der Wallfahrt, wobei eine Hauptattraktion das weitläufige System aus Wegen, Treppen, Grotten, Brunnen und Andachtsstätten in der bachdurchrauschten Wildnis war, das seit langem bestand und weiter ausgebaut wurde.
Zentralbau mit konkav geschwungener Fassade, gesüdet Quadratischer Mittelraum mit drei im O, S und W anschließenden halbrunden Konchen, Doppelempore im N; Pilastergliederung; Belichtung durch je zwei große rechteckige Fenster im O, S und W.
Über dem Portal befand sich laut Roth (S. 138) ehemals eine Inschrift mit doppeltem Chronogramm ECCE MEDIA-TRIX VESTRA (= 1717; seht eure Mittlerin)/ VENITE PEC- CATORES DOEMONES AVFFVGITE (= 1717; kommt, ihr Sünder; flieht, böse Geister).
Auftraggeber: Auftraggeber für den Neubau war Sebastian Mayr, Dekan des Kollegiatstifts und als solcher Stadtpfarrer von Tittmoning (1697–1722). Der Stiftsverwalter Matthias Haaß führte die Baurechnung. Er schrieb (AEM, Filiale Ponlach, 4.6.1726), der Bau sei unter der Direktion von Mayr gebaut worden, er selbst habe nur Handwerker und Taglöhner überwacht und bezahlt. Der Salzburger Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach (1709–27) stiftete den Hochaltar, auf dem sich sein Wappen befindet, sowie das Marmorpflaster und Bauholz. An ihn erinnern auch seine Namenspatrone in den Nischen der Seitenpfeiler, Antonius von Padua (rechts) und Franz von Assisi (links).
(111110): Nach den Kirchenrechnungen wurden die vier Deckenbilder A – D und vier der neun Emporenbrüstungsbilder EB1–9 von »Guttätern« gestiftet, deren Namen in der Rechnung nicht genannt sind. Auf Bild C befinden sich drei Namen, wohl die der Stifter: Matthias Haaß / Joseph Hiedtl / Jo: aus der angesehenen Tittmoninger Familie Wilhelmseder (* 28.8.1692). Er war ein Sohn des Weingastgebs und Bürgermeisters Kaspar Wilhelmseder (s. S. 178). Fünf der Emporenbrüstungsbilder wurden aus den Kirchenmitteln bezahlt. Pfleger von Tittmoning während Planung und Bau der Kirche war Johann Baptist von Wasenau (1708–26). – Der Josephsaltar von 1751 wurde übrigens auch von einem Mitglied der Familie Wilhelmseder gestiftet, von Kaspar II. Wilhelms
Autor und Entstehungszeit: Adam Panhammer (* 1672 Tittmoning † 1727 Tittmoning; s. S. 379, 381). Signatur in C Adam Panhammer fecit 1718.
Adam Panhammer, Sohn des Tittmoninger Kramers und Ratsdieners Abraham Panhammer, bekam die Malergerechtigkeit in Tittmoning durch die Ehe mit Anna Barbara, Tochter des Tittmoninger Malers Anton Hammer. Bis zu seinem Tod 1727 führte er die Maler-, Faßmaler- und Vergolderarbeiten im Bereich Tittmoning aus. Er malte laut Kirchenrechnung von 1719 die Deckenbilder für Ponlach, 1723 die Bilder an der Emporenbrüstung (EB1-9) und erhielt alle Aufträge für die Faßarbeiten am Neubau. Ab 1715 wird er in den Matrikeln als Ratsmitglied genannt. Seine Witwe heiratete später den jungen Maler Ignaz Andreas Dinzl (s. S. 379 f.), der Panhammers Werkstattnachfolger wurde und 1751 die Malerarbeiten an den Seitenaltären in Ponlach ausführte
Befund
Träger der Deckenmalerei: Gedrücktes Kreuzgewölbe Rahmen: A-D und EB1-9 Stuckleistenrahmung Technik: A-D und EB1-9 Öl auf Leinwand, polychrom Maße: A Höhe 9,50; 1,65 x 1,65 B Höhe 9,50; 1,65 x 1,65 C Höhe 9,50; 1,65 x 1,65 D Höhe 9,50; 1,65 x 1,65
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Zu der schon 192 geplanten Sanierung des feuchten Bauwerks mit Instandsetzung des Innern kam es erst 1925-27. Nach dem Gutachter von Schmuderer vom 6.7.1922 war »das gute Raumbild ... durch spätere mißverstandene Restaurationen im 19. Jahrhun dert stark beeinträchtigt.« Vom mittleren Kreuzgewölbe war Putz abgefallen, der Verputz der Wände war unten feucht und verdorben, der Stuck mußte repariert werden. »Die Deckenbilder und die Bilder an den Brüstungen der Emporen sind trocken zu reinigen und mit hellem Schleiflack (damit die Farben wieder die nötige Nahrung erhalten) dünn anzuribbeln. Neufassung des Raums durch M. Heidemann, der auch die » Assistenz-Deckengemälde auf Putz« malte (die neun Embleme in den Konchen), außerdem die Ornamentierung der Gurtbögen. Die Deckenbilder wurden damals abgenommen und vor
Umfassende Außen- und Innenrestaurierung 1986-90. Neufassung der Raumschale durch Fa. Hermann Dreyer, Traunstein, wobei die Emblem-Malereien Heidemanns von 1925 beibehalten, gereinigt und gefestigt wurden. Restaurierung der Decken- und Emporenbilder durch Rolf-Gerhard Ernst. München-Solln. Die Bilder waren in sehr schlechtem Zustand, teilweise kaum mehr erkennbar. Sie wurden abgespannt, planiert und gepreßt. Reinigung, Regenerierung der starken Krepierung, Verkitten und Retuschieren der Fe
Beschreibung und Ikonographie
A-D MARIENFESTE Die drei Marienfeste Mariä Geburt, Mariä Opferung (Patrozinium) und Mariä Reinigung Hauptfeste in der Wallfahrtskirche, sind ergänzt durch das Fest der Geburt Christi. Es sind vielfigurige Szenerien in üppigen Schauplätzen, die sichtlich Stiche zum Vo
Engeln. Vor dem Braun und Grau der Schauplätze setzt Panhammer als Buntfarben vor allem Rot und Blau ein, oft im Kontrast zu Weiß.
A MARIÄ GEBURT Schauplatz ist eine hohe Halle mit Säulen und breiter Treppenanlage, die nach hinten in einem hohen Bogen geöffnet ist und Ausblick ins Freie gibt, wo im Garten ein Portal zu sehen ist. In einem Bett unter roter Baldachindraperie liegt Anna, bedient von zwei Mägden. Rechts kniet Joachim an einem Scherenstuhl. Im Vordergrund bemühen sich fünf Mägde um das Kind Maria. Über der Szene schwebt ein Engel mit einem Weihrauchfass und einer Lilie als Zeichen der Unbefleckten Empfängnis.
B MARIÄ TEMPELGANG Eine breite Treppenanlage mit abschließender Balustrade führt zu einer Säulenhalle empor, die den Tempel von Jerusalem darstellt. Hier stehen Priester, Schriftgelehrte und eine Frau, die auf das Kind Maria hinabblicken, das über die Stufen emporschreitet. Maria trägt ein dunkelblaues Kleid mit goldenen Ornamenten, hat die Hände gefaltet und blickt zum Hohenpriester auf, der es mit ausgebreiteten Armen erwartet. Ein Tempeldiener neben ihm weist ein geöffnetes Buch vor. Zahlreiche Assistenzfiguren machen die Tempelszene bewegt und anschaulich. Rechts am Fuß der Treppe sind Joachim und Anna dargestellt, Joachim mit der Hirtenschippe und Anna in farbigen Gewändern, einen Schleier auf dem Haupt. Sie blicken ihrem Kind nach. Links sind Mütter mit ihren Kindern. Im Himmel schweben Engel mit einem Rosenkranz und einer Rosengirlande.
C GEBURT CHRISTI/ANBETUNG DER HIRTEN Nächtliche Szene vor dem Eingang zu einer höhlenartigen Stallarchitektur. Maria hält das Kind auf dem Stroh einer Krippe und präsentiert es den fünf Hirten, die mit ihren Gaben im Vordergrund dargestellt sind. Neben Maria steht Joseph und weist auf den Jesusknaben. Von den beiden Tieren Ochs und Esel ist nur der Esel dargestellt. Rechts sieht man in der Tiefe ein Feld mit weiteren Hirten. Innerhalb der Stallarchitektur leuchtet helles Licht zwischen dunklen Wolken. Putten umgeben einen Engel, der das Schriftband GLORIA IN EXCELSIS DEO hält. Unter der Krippe ist die Signatur Panhammers zu lesen, seitlich oben die drei Stifternamen.
D MARIÄ REINIGUNG / DARSTELLUNG IM TEMPEL Im Zentrum der aufragenden Tempelarchitektur steht der greise Simeon und hält auf den Armen das Kind Jesus, während er zum Himmel blickt, wo eine Gruppe von Engeln schwebt. Maria kniet vor Simeon, Joseph bringt in einem Käfig die zwei Tauben, das vorgeschriebene Opfer. Zahlreiche Assistenzfiguren sind um die Hauptpersonen dargestellt, ein junger Mann, der einen Leuchter entzündet, eine Mutter mit Kind. Eine Greisin (Hannah) beugt sich mit ausgebreiteten Armen über den Jesusknaben. Wolken sind in den Raum eingedrungen und Engel schweben vor ihnen.
EMBLEME (Heidemann 1925) In den Konchenwölbungen befinden sich Embleme ohne Lemmata, je ein ovales in den Gewölbesektoren und ein annähernd halbrundes im Scheitel.
Linke, östliche Konche: Lilie, Rosenbusch, Sonnenblume; im Scheitel ein Korb mit Brot, darüber ein Fisch.
Mittlere, südliche Konche: Brennender Dornbusch, Springbrunnen zwischen Palmen, Bienenkorb; im Scheitel das Dreifaltigkeitssymbol.
Rechte, westliche Konche: Gefäß, Arche, Thronsessel als Sitz der Weisheit; im Scheitel die Geisttaube.
EB1-9 MARIENWALLFAHRTSORTE An der unteren Emporenbrüstung befinden sich fünf, an der oberen vier Darstellungen von bedeutenden Marienwallfahrten, wobei als Bildvorwurf meist die Gründungslegende gewählt ist, nur Maria Plain und Maria Hilf in Passau sind als topographische Ansichten gegeben. Der Sinn der Bildfolge ist, die Marienwallfahrt Ponlach den bedeutenden Marienwallfahrten an die Seite zu stellen. Inschriften jeweils in einfachen Kartuschen am unteren Bildrand (EB, und EB, vertauscht).
Untere Empore von links nach rechts:
EB1 MONTSERRAT Maria Zell beschützt Leib und Seel. Das Bild EB1, eine Darstellung der Gründungslegende von Montserrat, wurde bei der Inschrift von Mariazell falsch angebracht. Das Bild mit der Gründungslegende von Mariazell befindet sich bei der Inschrift von Montserrat (s. EB5).
Vor steil ansteigenden, zerklüfteten Felsen steht eine kleine, nischenförmige Kapelle mit Glockentürmchen. In der Nische erscheint hell umstrahlt ein Marienbild, eine Madonna, die auf dem rechten Arm das Kind, in der Linken das Zepter hält. Seitlich davon kniet ein Klausner; im Vordergrund rechts ist von ausgeworfener Erde und Gesteinsbrocken ein junger Arbeitsmann mit einer Schaufel zu sehen. Eine Spitzhacke liegt von ihm am Boden. Im Vordergrund, vor der Kapelle, zwischer Steinen und Geröll liegt eine schöne junge Frau in rosafarbenem Gewand, mit dunklem Haar, Perlenschmuck und weißem Schleier. Eine frische Wunde an ihrem Hals ist deutlich zu sehen. Der Eremit und die Dame haben jeweils einen Arm zum Marienbild weisend erhoben; der Arbeiter reckt wie in größtem Erstaunen seine Linke zum Himmel.
An der linken Bildseite ist ein vornehmer Herr dargestellt, mit Fürstenhut und hermelingefüttertem Mantel. Er blickt auf die liegende Dame und hat seine Hand wie in großer Ratlosigkeit an den dunklen Bart gelegt. Ihn begleiten zwei Pagen und ein Edelmann, alle mit Halskrause und gepufften Armeln. Ein weiterer Mann im Hintergrund ist schwarz gekleidet.
Es handelt sich hier um die Gründungslegende von Montserrat, dem Benediktinerkloster und der größten Marienwallfahr Spaniens mit dem Gnadenbild »Nuestra Senora de Montserrat, Patrona de Cataluña«. Der Jesuit Wilhelm Gumppenberg überliefert sie im »Atlas Marianus« (Ingolstadt 1657, Lib.1 S.42–64). Da diese Legende im deutschen Bereich kaum bekannt ist, sei sie hier ausführlich erzählt: In einer Höhle in wilden Felsgebirge Katalaniens nördlich von Barcelona lebte einst Johannes Guarinus als Einsiedler, dessen Ruf als from mer Mann sich bald ausbreitete. Gofredo, Graf von Barcelona hatte eine Tochter, die von einem Dämon besessen war. Um ih zu helfen, brachte der Vater sie zum Einsiedler Guarinus. Die Tochter schien auch bald geheilt, doch wollte ihr Vater sie noch neun Tage bei dem heiligen Mann lassen, damit aucl sicher jeder Dämon aus ihr ausgetrieben werde. Der Einsiedler weigerte sich zunächst, ergab sich aber in die Situation. Um noch weiter segensreich auf das Mädchen einzuwirken, führte er mit ihm fromme Gespräche; das Mädchen fühlte sich in der wilden Einsamkeit wohl. Guarinus erkannte, daß sie im Grund ihres Herzens tugendhaft und vor allem schön war (»nempe gratior est pulchro veniens e corpore virtus«) und fiel in Liebe zu ihr (»oculi sunt in amore duces«). Er kämpfte gegen seine Leidenschaft an, konnte sie aber nicht besiegen. Da tötete er das Mädchen in der Verwirrung seines Herzens mit einem Messer und begrub sie nahe seiner Höhle unter Felsenstein. Als der Vater kam, um die Tochter zu holen, sagte er ihm, sie sei verschwunden und niemand könne sie in den wild zerklüfteten Bergen finden. Nach der Tat wurde Guarinus von verzweifelter Reue gequält. Er glaubte, er sei unwürdig, noch zum Himmel aufzuschauen und strich, das Gesicht stets zum Boden gewandt, in der Wildnis umher.
Sieben Jahre vergingen. Nach dieser Zeit sahen Hirtenknaber ein wunderbares Licht bei der Höhle, wo einst Guarinus gehaust hatte. Sie berichteten es dem Bischof, der kam und in der Höhle ein Bild der Gottesmutter Maria fand. Vom Himmel kamen Lichtstrahlen und es verbreitete sich ein wunderbarer Duft. Der Bischof wollte das Marienbild an einen würdigeren Ort bringen. Es ließ sich auch zunächst leicht heben und transportieren. Als es aber an der Stelle war, wo das Mädchen begraben war, ließ es sich nicht mehr bewegen. Da baute man an dieser Stelle eine Kapelle und setzte das Bild hinein.
Die Jäger des Grafen kamen nach einiger Zeit wieder in die Gegend. Ihre Hunde stöberten eine furchterregende vierfüßige Bestie auf, die die Jäger, da sie kein Tier solcher Art kannten, nach Hause zum Grafen brachten. Dort begann der kleine Sohn des Grafen, erst drei Monate alt, zu sprechen und sagte: »Richte dich auf, Bruder Johannes Guarinus. Gott hat dir deine Sünde vergeben.« Das zottige Tier richtete sich auf und zeigte sich als Mensch. Guarinus erzählte dem Grafen was er mit seiner Tochter gemacht hatte, und bat um den Tod mit dem Schwert, um den Mord zu sühnen. Da aber der Himmel ihm vergeben hatte, vergab ihm auch der Graf und bat nur ihm das Grab der Tochter zu zeigen.
Als man im Gebirge den Grabhügel aus Felsgestein abgetragen hatte, lag dort sieben Jahre nach dem Mord die Tochter lebend und gesund. Am Hals hatte sie noch die Wunde. Auf die Frage des Vaters sagte sie, Maria habe sie zum Leben erweckt. Der Vater wollte sie nach Hause nehmen und sie verheiraten, aber sie wollte im Gebirge bei dem Gnadenbild bleiben. Da erbaute der Vater von ihrer Mitgift ein kleines Kloster, wo sie mit einigen Gefährtinnen nach der Regel des hl. Benedikt lebte. Guarinus war ihr Seelsorger. Er und die Tochter des Grafen starben gleichzeitig. Aus dem kleinen Kloster wurde später das Benediktinerkloster Montserrat.
Die Darstellung in Ponlach zeigt zweifellos die Szene, wo im geöffneten Felsengrab das zum Leben erweckte Mädchen gefunden wird, während Guarinus als Eremit, der Graf, der Arbeiter und des Grafen Gefolge Gesten des äußersten Erstaunens zeigen. Das Bild der stehenden Maria in der Kapelle allerdings, die das Kind auf dem rechten Arm und das Zepter in der linken Hand hält, hat wenig Ähnlichkeit mit dem Gnadenbild von Montserrat, einer thronenden Madonna mit dem segnenden Kind auf dem Schoß, die beide Weltkugeln halten.
EB2 S. MARIA MAGGIORE IN ROM Maria Schnee bringt Trost im Weh. Im Bildvordergrund sind auf einer weißen Fläche zwei Bauarbeiter mit ihren Werkzeugen zu sehen, im dunklen Umfeld liegen Säge und Hacke. Dahinter dehnt sich eine römische Landschaft mit Obelisk, Kirche und säulengetragener Vorhalle. Seitlich steht am Rand der weißen (Schnee)fläche ein Papst in goldenem Ornat, mit Tiara und dreifachem Kreuzstab, dem zahlreiche Kardinäle und andere geistliche Würdenträger folgen. Der Papst ist von zwei vornehmen Herren begleitet, mit einem von ihnen hält er einen Bauplan. In Wolken erscheint Maria mit dem Kind, umgeben von Wolken und Puttenköpfchen.
Auch dieses Bild zeigt ein Gründungswunder. Papst Liberius (352–366) und der reiche römische Patrizier Johannes hatten beide in der Nacht zum 5.8.352 ein Traumgesicht, in dem Maria ihnen als Ort für den Bau einer Kirche einen schneebedeckten Hügel ankündigte. In der darauffolgenden Augustnacht soll nach der Legende auf dem Esquilin Schnee gefallen sein. Dargestellt sind der Papst und der Patrizier angesichts des Schneewunders. In Wolken darüber erscheint das Gnadenbild »Salus Populi Romani«, eine Ikone vom Typ der Hodegetria. Es befindet sich seit 1613 in der Capella Borghesiana in S. Maria Maggiore und erfreut sich noch heute großer Verehung.
EB, LORETO Loret floriert, vom Himmel ziert. Das Bild zeigt eine weite Meereslandschaft mit zwei Schiffen im Hintergrund rechts und am Ufer links eine Stadt mit einem kuppelüberwölbten Kirchenbau, die Stadt Loreto in der Provinz Ancona. Darüber fliegt, einen Kreis bildend, eine Schar Engel und trägt ein kleines Haus, auf dessen Dach Maria mit dem Kind auf Wolken sitzt, vor hellem Himmelslicht. Putten rechts und links streuen Rosen.
Gezeigt ist die Übertragung des Hauses von Nazareth nach Loreto und damit das Gründungswunder dieser Marienwallfahrt. Danach wurde das Haus, in dem einst die Heilige Familie gewohnt hatte, von Nazareth nach der Eroberung Akkons durch die Türken im Jahr 1291 von Engeln erst nach Tersato in Kroatien gebracht, dann nach Recanati in Italien und endlich 1295 nach Loreto.
EB, MARIA EINSIEDELN Einsiedeln weicht, von Gott selbst geweiht. Von der großen Marienwallfahrt in der Schweiz ist hier die Legende der wunderbaren Kirchenweihe dargestellt. Beim Bau von Kirche und Kloster im 10. Jh. wurde die uralte Marienkapelle in die Kirche integriert. In der Nacht vor der Kirchenweihe hörte Bischof Konrad, der eigens aus Konstanz gekommen war, lieblichen Gesang aus der Kapelle und sah, daß Engel alle liturgischen Handlungen zur Kirchenweihe ausführten und Christus selbst am Altar stand, um die Kirche zu weihen, bedient von Heiligen und Engeln, über dem Altar aber Maria thronte.
Dieser Überlieferung folgt die Darstellung. Das Mariengnadenbild ist über dem Altar auf Wölkchen schwebend zu sehen, der Priester am Altar hat die Gesichtszüge Christi, die vier umgebenden hohen Geistlichen sind wohl die Vier Kirchenväter (Taube am Ohr Gregor des Großen). Engel dienen und musizieren. Eine Anspielung auf den Weiheritus sind die brennenden Kerzen über den Apostelkreuzen (an diesen Stellen wurde der Kirchenbau gesalbt) und der teuflische Drache, auf den ein Engel tritt. Der Geistliche am Betpult rechts im Vordergrund soll wohl Konrad vorstellen, der die Vision hatte.
EB, MARIAZELL Montserat freut die ganze Christenheit. Das Bild mit der Gründungslegende von Mariazell ist fälschlich bei der Inschrift von Montserrat angebracht. Das Bild von Montserrat ist bei EB, zu finden. Mariazell, die bedeutendste Marienwallfahrt Österreichs mit dem Gnadenbild »Magna Mater Austriae«, in der nördlichen Steiermark gelegen, wird durch eine Legende repräsentiert, die mit der glücklichen Entwicklung der Wallfahrt zu tun hat.
In einem reich geschmückten Zelt mit Baldachin ist ein vornehmer Herr mit Turban, Rüstung und hermelingefüttertem Mantel dargestellt, schlafend auf einem rotbezogenen Ruhebett. Hinter dem Bett ist ein Tischchen zu sehen, auf dem Krone und Zepter liegen. Schild, Helm und eine fähnchenschmückte Lanze neben ihm weisen den Herrn als Anführer eines Heeres aus. Ein Wächter sitzt am Eingang des Zeltes. In einem Ausblick rechts sind die Zelte eines Kriegslagers zu sehen. Dem Schlafenden erscheint als Traumvision in lichter Wolkenglorie die Muttergottes mit Kind, daneben ein Putto. Der Putto hält mit dem Jesuskind einen Plan, der die Außenansicht einer großen Kirche mit Querhaus und Vierungsturm zeigt. Die Fassade hat drei Türme, die beiden seitlichen sind barock, der mittlere, der die andern überragt, ist gotisch.
Bei der Kirche auf dem Plan handelt es sich zweifellos um die Wallfahrtskirche Mariazell in der Steiermark. Eine der beiden wichtigen Gründungslegenden von Mariazell lautet folgendermaßen: König Ludwig I. von Ungarn wurde mit seinem Heer von einem vierfach überlegenen Türkenheer bedroht. In einem Traumgesicht ermunterte ihn Maria zum Angriff, Ludwig wagte ihn und besiegte das türkische Heer. Dieser wunderbare Sieg über die Türken fand 1365 statt, in einer Zeit, in der sich die Wallfahrt Mariazell stürmisch entwickelte. Ludwig hatte einen großen Einfluß auf die Weiterentwicklung der Wallfahrt (Othmar Wonisch, Mariazell [= GKF Nr.211, München 1957, S.6). Es ist also auf dem Ponlacher Bild der Traum Ludwigs I. von Ungarn dargestellt.
Obere Empore von links nach rechts
EB6 MARIA PLAIN BEI SALZBURG Maria Plain, der Trost insgemein. Auf einer Anhöhe liegt beherrschend die barocke Doppelturmfassade der Wallfahrtskirche Maria Plain mit ihren Nebengebäuden. Eine Treppenanlage führt den Berg hinauf. Am Weg liegen kleine Kapellen, die Kreuzwegstationen; in der Mitte ist der steile Berg durch eine quadergemauerte Nische abgefangen, in der eine weitere Kapelle steht, über der sich ein Kalvarienberg erhebt. Über der Landschaft schweben drei Putten, die das Gnadenbild von Maria Plain halten.
EB7 ALTÖTTING Ötting biet an Gnad Jedermann. Die achteckige Gnadenkapelle liegt auf dem weiten Kapellenplatz inmitten der Stadt; rechts im Hintergrund ist die Kollegiatskirche zu sehen. Aus den Gassen drängen bewaffnete Reiter auf den Platz. Über der Kapelle schweben zwei Engel, die auf Wolken das Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes von Altötting tragen.
Es handelt sich bei dieser Szene wohl um ein Ereignis aus dem spanischen Erbfolgekrieg. Der Rentmeister von Widtmann aus Burghausen wollte aus Angst vor den Österreichern das Gnadenbild in Sicherheit bringen, aber das Volk bewaffnete sich und verhinderte das Wegbringen. Am 13.8.1704 wurde Max Emanuel bei Höchstätt vernichtend geschlagen und die österreichischen Truppen setzten das Land in Schrecken. 800 Kaiserliche zogen durch Altötting. Sie verschonten den Ort, sagten aber, sie hätten Altötting zerstört, wäre nicht das Gnadenbild anwesend gewesen; die Ehrfurcht vor ihm habe sie daran gehindert. Auch während der Kämpfe bei Neuötting und Mühldorf in den folgenden Jahren blieb Altötting verschont.
EB8 ETTAL Allzeit Ettal ein Gnadensaal. Das Bild zeigt in einer einsamen Waldlandschaft einen vornehmen Reiter, dessen weißes Pferd in die Knie gegangen ist. Der Reiter hält das Ettaler Gnadenbild in der Hand, eine kleine Marmorstatue der thronenden Maria mit dem Kind. Vor ihm steht ein schwarzgekleideter Herr, den Hut in der Hand. Über der Szene halten zwei Putten ein weißes Tuch mit der Darstellung der gotischen Gnadenkapelle.
Die Darstellung vereint die beiden Motive der Ettaler Gründungslegende, die Übergabe des Gnadenbildes und den Kniefall des Pferdes. Ein Engel im Mönchsgewand überreichte Kaiser Ludwig dem Bayern einst die kleine Marmorstatue mit dem Auftrag, ein Kloster zu stiften. Als der Kaiser im Tal von Ettal durch tiefen Wald ritt, fiel sein Pferd dreimal in die Knie, was Ludwig als Zeichen des Himmels nahm, an diesem Ort sein Gelübde der Klostergründung zu erfüllen.
EB MARIA HILF BEI PASSAU Hilf zu Passau gibt die Schutzfrau. Das Bild zeigt die Stadt Passau, den Blick von der Ilzstadt nach Westen, über die Landzunge zwischen Ilz und Donau mit der Veste Oberhaus und Niederhaus zur Altstadt zwischen Donau und Inn. Hier sind das Benediktinerinnenkloster Niedernburg und der Dom zu erkennen. Am steilen jenseitigen Innufer ist die Wallfahrtskirche Maria Hilf dargestellt. Über der Flußlandschaft schweben zwei Engel mit dem Gnadenbild Maria Hilf.
Quellen und Literatur
StAM, LRA 141268: Die Wallfahrtskirche Maria Ponlach 1922.
AEM, Nachlaß Peter von Bomhard, Nr. 274: Tittmoning. AEM, Pfarrakten Tittmoning, Pfarrbeschreibung; Bauten II; Filiale Ponlach, Stiftungen 1700–1900, mit Plänen.
AEM, Stiftsakten Tittmoning: Investitur der Dechanten 1628- 1822; Stiftsdekane, Verlassenschaft und Amtsenthebung 1638- 1757.
BLfD, Akt Tittmoning, Ponlach-Kirche.
Dietrich, J. A., Maria, allen ein Gnadenbrunn zu Ponlach Salzburg 1762, 21769.
Hübner, Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik, Bd 1, Salzburg 1796: III. Das Pfleg- Stadt- und Landgericht Tittmoning S. 63–99. Ponlach S. 82 f.
Mayer-Westermayer Bd 3, S. 408, 413.
KDB I OB (3), S. 2812–14
Beschreibung der marianischen Wallfahrt Maria Brunn in Ponlach (o.V., o.O.), 1903.
Martin, Franz, Tittmoning und Umgebung (= Süddeutsche Kunstbücher Bd 11), Wien 1922 (Abb. der Ostnische noch ohne Embleme).
Kriß, Rudolf, Die Volkskunde der Altbayerischen Gnadenstätten, Bd 1, München 1953, S. 279–81.
Hartig, Michael, Die Kirchen der Pfarrei Tittmoning (= KKl 643), München und Zürich 1956.
Burger, Max, Wallfahrtsstätten im Inn- und Salzachgebiet Mühldorf 1960, S. 30 f.
Preiß, Roswitha, Johann Georg Itzlfeldner 1704/05-1790. Ein Bildhauer des Salzburger Rokoko in Bayern, Weißenhorn 1983, S. 33.
Rosenegger, Josef und Nikolai Molodovsky, Wallfahrten zwischen Inn und Salzach, Freilassing 21985, S.4f.
Historischer Atlas I, Bd 55, Laufen an der Salzach (Helga Reindel-Schedl), München 1989, S. 736 f.
Dehio 1990, S. 984
Samsonow, Elisabeth von, Ponlach. Die Quellen der Stadt Tittmoning, Tittmoning 1990, S. 13.
Roth, Hans, Wallfahrtsstätten, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd V, Trostberg 1990, S. 303–33. Maria Ponlach in Tittmoning S. 326–33.
Weiermann, Herbert, Die Kirchenbauten, in: Heimatbuch des Landkreises Traunstein, Bd V, Trostberg 1990, S. 151–200 Ponlach S. 188 f.
Roth, Hans, Die Wallfahrtskirche Maria Ponlach in Tittmoning. Zur Entstehung und Entwicklung der Wallfahrt, in: Das Salzfass 25, 1991, S. 69–144.
Roth, Hans, Wallfahrtskirche Maria Ponlach, in: Tittmoning (Hg. Stadt Tittmoning), Tittmoning 1994.
A. B.