Tüssling, Marktkirche St. Georg
Marktkirche, Markt Tüßling, Pfarrei Burgkirchen am Wald, Diözese Passau; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. Die Pfarrei Burgkirchen am Wald war dem Kollegiatstift Altötting inkorporiert. Hochgräfl. Wartenbergischer Markt und Hofmark Tüßling. Gericht Neuötting
Patrozinium: St. Georg
Zum Bauwerk: Neubau der Marktkirche 1725-28 anstelle einer roten hölzernen Kapelle gegenüber dem Regele-Wirtshaus in Tüßling. Dort wurde am 8.3. 1719 letztmals Gottesdienst gehalten, bevor sie wegen der Hereinleitung des Mörenbachs durch den Markt abgebrochen wurde. Grundsteinlegung am 13.5.1725 durch Propst Gelasius Ludwig von Gars am Inn (AEM, Diarium Garsense KB 52: »Rms noster cum D. Ruperto ivit in Distlin ibiquem primum posuit lapidem novi templi ibidem aedificari«). 1725/26 wurde der Bau aufgeführt, 1727 Baupause wegen Geldmangel, 1728/29 Innenausbau. Den Bau führte Joseph Estner, Bürger und Maurermeister zu Neuötting, mit seinem Palier Christoph Wagner. Eine große Anzahl von Maurern und Zimmerleuten mit ihren Trupps wurden am Bau beschäftigt, was ungewöhnlich war und nicht erklärt werden kann, ebensowenig wie die Beschäftigung von drei verschiedenen Stuckatoren. Joseph Hepp (in den Quellen Höck) stuckierte das Gewölbe (250 fl.), Hans Georg Hennevogl die Kapitelle (30 fl.). Für die Seitenaltäre (nicht erhalten) werden der Kraiburger Bildhauer Franz Joseph Dietrich und der Stuckator Alexius Bader, für die Faßarbeiten Nikolaus Miller, für die Altarbilder Johann Anton Vogl genannt. 1725/26 betrugen die Baukosten 3866 fl., 1728/29 waren es 1524 fl.
Ob Joseph Estner auch für den Entwurf der Kirche verantwortlich war, ist nicht gesagt; es sind von ihm keine Bauten bekannt. Der Kirchenraum zeigt Anklänge an die zeitgenössische protestantische bzw. an die französische Sakralbaukunst. Es ist möglich, daß dieser auf den Einfluß der französischen Gräfin Johanna Baptista de Melun zurückzuführen ist. 1724 wird beim Umbau der Kirche von Helpfau/OÖ der gräflich Wartenbergische Sekretär von Tüßling als Bauverständiger herangezogen (Österreichische Kunsttopographie Bd 30, Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirks Braunau, Wien 1947 S. 370, freundliche Mitteilung Fritz Demmel). Im Mai 1728 wird während der Innenausstattung ein Bote von Tüßling nach Neumarkt zum Sekretär Widmann geschickt (Baurechnungen 1727/29, Nr. 84). 1734/35 zeichnet »Aurelius Augustin Widmann, Hochgräfl. Warttenbergischer Amtsverwalter des Marktes und der Hofmark Tüßling« zwei Geburtsbriefe in den Briefprotokollen (StAM). Daß der Graf Wartenbergische Sekretär Augustin Widmann mit der Planung der Kirche befaßt war, kann in Zusammenhang mit dem Bau der Institutskirche der Englischen Fräulein in Altötting gefolgert werden, für die der Baudirektor Augustin Widmann archivalisch belegt ist. Weihe der Kirche am 16.9.1787 durch Franz IV Xaver Graf von Brenner, Bischof von Chiemsee.
Joseph Estner, *ca. 1669 in ›Zell in der Fischbachau‹, war 1703/29 Bürger und Maurermeister in Neuötting. Durch Heirat mit Maria Weidingerin, der Witwe des am 20.5. 1703 verstorbenen Gerichts- und Stadtmaurermeisters Matthias Weidinger, übernahm er am 8. 10. 1703 dessen Maurergerechtigkeit. Er starb unmittelbar nach Vollendung des Tüßlinger

Kirchenbaus, am 17.12.1729 in Neuötting, seine Witwe am 3.6.1732.
Der Stuckator Joseph Hepp (* 1682 Mittelbiberach † 1743 Neuötting) ließ sich 1718 in Burghausen nieder und war 1730/43 Stadtmaurermeister in Neuötting in der Nachfolge Joseph Estners. An Stuckierungen von seiner Hand sind zu nennen der Speisesaal in Michaelbeuren (OO, 1722), Chor und Querhaus der Pfarrkirche Waging (Lkr. Traunstein, 1723), Schloß und Pfarrkirche Alteglofsheim (OPf. 1724/31), Wallfahrtskirche Ettenberg (1724/27), Stiftsfassade Berchtesgaden (1725), Pfarrkirche Marktschellenberg (1725, alle Lkr. Berchtesgadener Land), große und kleine Aula Burghausen (1731/35, S. 43), Institutskirche der Englischen Fräulein Burghausen (1732/33, S. 70), Institutskirche der Englischen Fräulein und Josephskapelle bei der Magdalenenkirche in Altötting (1733/34, Zuschreibung Christoph Niedersteiner).
Hans Georg Hennevogl war Sproß einer Wessobrunner Stuckatorenfamilie, verh. 14.9. 1705 in Wessobrunn mit Anna Vogl, 1718 in Salzburg und Uspach tätig (Lexikon der Wessobrunner, S. 154).
Alexius Bader, * München 1677, † nach 1738, seit 1720 in Dorfen ansässig, stuckierte zusammen mit seinem älteren Bruder Johann Georg Bader 1726/27 das Appartement der Kurfürstin in Schleißheim.
Franz Joseph Dietrich war 1721/41 Bildhauer in Kraiburg. Joseph Dietrich, ab 1741 als Bildhauer in Neuötting ansässig, war wahrscheinlich sein Bruder. Ihr Vater war der Traunsteiner Bildhauer Andreas Dietrich.
Wandpfeilerkirche (19,00×12,20 m) zu vier Jochen, das vierte durch Stufen zum AR ausgebildet und mit einer Altarnische aus schwarzem Stuckmarmor geschlossen. Das Tonnengewölbe ruht auf einem durchgehenden Gesims. Wandpfeiler mit Pilastervorlagen; die Zwischenwände haben im Erdgeschoß flache Nischen, in denen Figuren (Florian, Sebastian, Schmerzensmutter, Antonius von Padua, Johann von Nepomuk, Kruzifixus) stehen, und im Obergaden lunettenförmige Fenster. Auf der W-Seite sind sie ausgebildet als Arkadenbögen. Westempore und zwei seitliche Emporen im AR-Joch. Turm im W.
Auftraggeber: Der Kirchenbau und die Ausstattung wurden von der Markt- und der Pfarrgemeinde finanziert. Das Geld wurde von den Kirchen des Umkreises zusammengeliehen (1000 fl. von Heiligenstatt). Über die Hofmarksherrschaft wird beim Neubau nur berichtet, daß sie 27030 Ziegelsteine und 4 Faß Gips herlieh und es in natura zurück haben wollte. Da die Tüßlinger aber zur Auspflasterung der Schloßküche 1000 Pflastersteine abgegeben hatten, sollten sie mit dem Wert verrechnet werden.
Pfarrvikar von Burgkirchen z. Z. der Ausmalung war Joseph Puttinger (1709–37). Im Zusammenhang mit der neu erbauten Marktkirche wurde mithilfe einer Stiftung des Matthias Regele, Bierbräu in Tüßling, 1726 von der Hofmarksherrschaft für die Schloßkapelle und für die Marktkirche ein eigener Benefiziat bestellt.
Hofmarksherren und Stifter des Hochaltars waren Ferdinand Marquard Joseph Antonius Reichsgraf von Wartenberg, Herr von Wald, Tüßling, Asbach und Roßbach (* 1675 † 1730), Ritter des goldenen Vlieses, des Heiligen Römischen Reichs Erztruchsess, kurfürstlicher geheimer Rat, Kammerer und Statthalter zu Amberg, und seine Gemahlin Maria Johanna Baptista de Melun, Tochter des Prinzen Philipp von Epinois, Marquis von Richebourg etc. (†1.11.1754), deren Allianzwappen mit dem Orden des Goldenen Vlieses über der Altarnische angebracht ist. Reichsgraf Ferdinand Marquard hatte als einziger der Schloßbesitzer seinen Hauptwohnsitz in Tüßling; während seiner Herrschaft erlebte das Schloß seine Glanzzeit. Sein Leib wurde in der Wartenbergschen Kapelle im Rosental in München beigesetzt (1808 in die Frauenkirche übertragen), sein Herz am Frauenaltar in der Schloßkapelle Wald, hier befindet sich auch sein Epitaph.
Autor und Entstehungszeit: Johann Anton Vogl (* Obernberg am Inn † 1730 Landshut?) 1728. Signatur in Fresko A rechts: 1728 Iohan Anton Vogl.
Kirchenrechnungen 1727/29: »So hat Johann Antoni Vogel Bürger und Maller in Landtshuet das Kirchengewölb mit Vorstellung des Heyl. Georgi Marter und anderen in fresco gemallen und zu seinen pactierten Verdienst inhalt zetl eingenommen 130. Desgleichen hat man bei obigen Vogel 2 Seither Altarblat angefreimbt, und auf einen 23 fl. ain Accord gemacht. Weillen dann ain Altar Plat abbruchs verferttiget und der Maller ihrentwillen sein Gebür ordentlich entricht worden, als kombt dis Ohrts per Ausgab 23«.
Der Rosenkranz-Zyklus an der Emporenbrüstung ist von einem anderen Maler und später entstanden, frühestens 1732, denn in diesem Jahr wurde die Stiftung einer Rosenkranz- Andacht durch den Pfarrer Martin Resinger aus Pleiskirchen für 650 fl. genehmigt, die durch die Aufbewahrung des Allerheiligsten in der Schloßkapelle seit 1729 ermöglicht worden war. Zu jeder Rosenkranzandacht mußte das Allerheiligste im Schloß abgeholt und danach wieder zurückgebracht werden (Windhager, S. 120). Die Anwesenheit des Allerheiligsten in Tüßling mußte immer wieder erfochten werden, weil es an die Anwesenheit der Hofmarksherrschaft gebunden war. In Tüßling ansässige Maler zur fraglichen Zeit waren Johann Georg Ziegler (um 1732) und Joseph Deybl († 1761). Johann Georg Bergmüllers Stichserie diente teilweise als Vorlage.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Tonnengewölbe mit Gurtbögen über umlaufendem Gesims, das auf den 1,40 m tiefen Wandpfeilern ruht
Rahmen: Stuckprofil
Technik: A, B, 1-8 Fresko; EB1-15 Öl auf Leinwand; sämtliche Decken- und Emporenbilder polychrom
Maße: A Höhe 13,50 m; 6,20×4,60 m B Höhe 13,50 m; 6,20×4,60 m 1–8 ca. 1,80×1,20 m ... ca. 0,50×0,70 m 1, 13, 11 EB ca. 0,70×0,80 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1773/75 war die Kirche in einem »buswürdigen Zustand« und drohte einzustürzen (BHStA, GL 3058 Nr. 84). Neugestaltung des Innenraums 1883/85 nach Plänen von Architekt Hans Schott, München, mit neuen Altären und Kanzel sowie »dekorativer« Farbfassung des Innenraums durch Maler und Vergolder Albert Mändl, Hengersberg. Dabei wurde auch der Stuck abgekratzt und die Deckenfresken restauriert. 1886 neuer Kreuzweg nach Entwürfen von Schott, ausgeführt von Franz Xaver Zattler, Wurmannsquick. 1948 Tünchen und Tönen des Innenraums durch Alois Schlee, Altötting. 1971/73 Innenrestaurierung durch Fa. Martin Zunhamer, Altötting: Entfernen der Kanzel und der neubarocken Seitenaltäre von 1884, neue Bestuhlung unter Wiederverwendung der alten Wangen, Umgestalten des AR. 1974 Aufstellen eines Rokoko-Altars aus St. Severin in Passau-Heining mit einer modernen Georgsfigur von Schwaighofer. 1991/97 Außenrenovierung.
Die Deckenbilder sind bis auf Verschmutzung und gekittete Scheitelrisse in gutem Zustand; teilweise Übermalungen.
Beschreibung und Ikonographie
A, B, 1-8 GEORGS-ZYKLUS Zwei Haupt- und acht Nebenfresken sind in ein Netz von Band- und Gitterwerkstuckaturen eingefügt, das jeweils zwei der Jochbögen durchbricht. Die Kompositionen sind bunt und figurenreich. Untersichten werden gehandhabt, Verkürzungen dagegen kaum. Im wesentlichen sind die Bilder tafelbildmäßig angelegt. Chronologische Zählung von Ost nach West. Der in Pastelltönen gefaßte Stuck deutet die Jochteilung an.
A GEORG BESIEGT DEN DRACHEN Schauplatz ist eine Landschaft mit Wiese und Bäumen, in die ein Repoussoir wie ein geologischer Erdschnitt einführt. Die vier Figuren der Drachenkampf-Szene, Georg, die Königstochter, Pferd und Drachen sind als geschlossene Gruppe angeordnet. Georg in Harnisch und Helm, geschmückt mit einem wehenden roten Umhang, geht auf den Drachen los, sein weißes Pferd tritt das Ungeheuer mit den Vorderfüßen. Dieses will die Flucht ergreifen, während Georg ihm mit der Lanze in den Hals sticht.
Hinter Georg steht die Prinzessin in blauem Kleid und goldfarbenem Mantel; bei ihr ist ein weißes Lamm. Totenschädel und Knochen in der leblosen braunen Vordergrundszenerie spielen auf die vorausgegangenen Opfer des Drachens an. Viele Puttenpärchen und geflügelte Puttenköpfchen bevölkern den Himmel. Sie zeichnen den christlichen Helden mit Palme und Lorbeer und einem Kranz aus Rosen aus.
B MARTYRIUM DES HL. GEORG Schauplatz ist ein Palast mit Arkaden und Terrassen, vor denen eine offene Thronhalle zu sehen ist. Hohe Stufen führen zum Thron, wo der römische Herrscher seinen Stab gesenkt und damit das Todesurteil ausgesprochen hat. Vor dem Thron kniet der jugendliche Georg im blau und goldverzierten Soldatenkleid, einen roten Mantel lose umgehängt. Hinter ihm holt der Henker zum Todesstreich aus. Viele Zuschauer, Soldaten und Männer in antikischen Gewändern umringen von hinten die Marterszene. Einige Männer und Frauen im Vordergrund, die als Rückenfiguren an der Treppe kauern, scheinen ihren emphatischen Gebärden nach zu den christlichen Anhängern Georgs zu gehören.
1-8 GEORG-SZENEN Ovalmedaillons seitlich der Fresken A und B; Zählung in der chronologischen Abfolge der
Legende. Die Szenen in den Medaillons sind jeweils mit architektonischen Versatzstücken gestaltet und auf drei Figuren beschränkt.
1 GEORG TRINKT IM KERKER DEN GIFTBECHER Georg sitzt angekettet im Gefängnis und bekommt von einem Schergen den Giftbecher gereicht.
2 PRÜGELFOLTER Der Heilige ist entkleidet und mit einer Halsschelle am Pfeiler des Kerkers angekettet. Er wird von zwei Schergen mit Stöcken geschlagen.
3 GEORG VOM STEIN BESCHWERT In dunkler Nacht liegt der Heilige am Boden des Kerkers, sein Leib ist mit einem Mühlstein beschwert. In einer himmlischen Erscheinung dringen Putten in das Gefängnis ein.
4 GEORG AUFS RAD GEFLOCHTEN Szene im Freien. Georg wird von den beiden Schergen auf ein Rad geflochten, das über eine mit Eisenkegeln besetzte Platte gedreht wird.
5 GEORG WIRD IN DIE KALKGRUBE GESETZT Die beiden Schergen schwenken den Heiligen an Stricken durch eine Grube, die mit ungelöschtem Kalk angefüllt ist und bei der Folter aufschäumt.
6 GEORG SCHREITET DURCHS FEUER Mit glühend gemachten Eisenschuhen schreitet Georg erhobenen Hauptes durch das Feuer.
7 TOTENERWECKUNG Georg steht mit einem Kreuz vor einem in Leichentücher gehüllten Toten, der sich soeben aus dem Grab erhebt. Ein Mann in Rückenfigur kniet vor dem Toten.
8 GEORG STÜRZT MIT DEM KREUZ DIE GÖTZENBILDER Auf hohem umkränzten Sockel steht eine Statue des Apoll mit der Lyra, die angesichts des Kreuzes, das Georg ihr entgegenhält, in der Mitte auseinanderbricht. Eine andere Statue liegt bereits am Boden. Zwei Römer schauen mit Verblüffung auf das Wunder.
Die Georgsvita, die im wesentlichen auf die 496 durch Papst Gelasius festgelegte Fassung zurückgeht, erfuhr als nicht historisch beweisbare Vita im Lauf der Neuzeit unterschiedliche Bearbeitungen und Kürzungen. Nur in der auf das Spätmittelalter zurückgehenden Legenda aurea ist noch Georgs Drachenkampf (A) Mittelpunkt der Vita, während Ribadeneira-Hornig 1755 eine kritische, sehr gekürzte Lebensbeschreibung bringt. Die Fassung bei Surius-Via (deutsche Ausgabe München 1574-80, Bd 2, S. 515-20) stimmt weitgehend mit dem Zyklus in Tüßling überein (B, 2-8).
Nach der Überlieferung war Georg ein Ritter aus Kappadokien und kam einst in die Stadt Silena in Libyen. Dort tobte ein giftiger Drache, der mit seinem Gifthauch alles verpestete. Sein grimmiger Hunger wurde täglich mit zwei Schafen gestillt, und als es keine Schafe mehr gab, mit den Söhnen und Töchtern der Stadt. Schließlich war nur noch die Tochter des Königs übrig und mußte wohl oder übel zum See geschickt werden, wo der Drache hauste. Dort begegnete ihr Georg und besiegte den Drachen. An der Kampfstätte in Fresko A sehen wir die Knochen der Geopferten und ein Lamm neben der Königstochter
Während der Christenverfolgungen unter den Kaisern Diokletian und Maximinian bekannte Georg mutig seinen Glauben, da wurde ihm vom Richter ein Becher mit vergiftetem Wein gereicht; Georg machte das Kreuzzeichen darüber und trank den Wein ohne Schaden (Fresko 1; Legenda aurea S. 304). Der Kaiser war so erzürnt darüber, daß er befahl, ihn bis auf die Eingeweide zu schlagen (2). Als Georg für diese Marter Gott dankte, ließ der Kaiser einen großen Stein auf seine Brust legen (3), ihn als nächstes auf ein Rad spannen (4)
dann in eine Kalkgrube werfen (5). Aber alle Foltern überstand Georg unverletzt: »Der Kalk wird abgearbeit und der heylig Georg frisch und gesund, an keinem Glied seines Leibs verletzt funden«. Nun ließ man ihm eiserne Schuhe glühend machen; auch diese Marter überstand er, getröstet von einer Stimme vom Himmel (6). Diokletian und Maximian wußten sich nicht mehr zu helfen und forderten von Georg ein Zeichen seines Gottes: Er solle einen Toten erwecken. »Da erhebt sich gehelich ein Erdbidmen am selben Ort, der Deckel vom Grabe fellt abe auff die Erden, und einer aus den Todten, die darinnen gelegen, ist hinaus gangen«. Der Erweckte bekehrte sich sofort zu Christus (7). Jetzt versprach der Kaiser Georg viele Reichtümer und ein kaiserliches Amt, wenn er den Göttern im Tempel opfere. Georg sagte zu, der Tempel füllte sich mit Volk, und Georg sprach das Bildnis des Apoll an und fragte, ob es wirklich ein Gott sei. Die Statue verneinte und fiel in sich zusammen, und so erging es auch den anderen Götzen bildern: »Der Teuffeltempel und Götzen fallen zu Boden und zerbrechen, sobald der H. Mann gleich mit den vorigen Worten das H. Creutzzaichen gegen sie machet« (8). Endlich wurde Georg enthauptet (B).
ROSENKRANZ-ZYKLUS Die Darstellungen befinden sich an der AR-Südempore (EB1-3), an der W-Empore (EB4-12) und an der AR-Nordempore (EB13-15). Abfolge in der Ordnung des Rosenkranzes, von der Süd- bis zur Nordempore.
FREUDENREICHER ROSENKRANZ
EB, Verkündigung – Den du, o Jungfrau, vom Hl. Geist empfangen hast.
EB2 Heimsuchung – Den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.
EB, Geburt Jesu – Den du, o Jungfrau, geboren hast.
EB4 Darbringung im Tempel – Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.
EB5 Der zwölfjährige Jesus im Tempel – Den du, o Jungfrau im Tempel wiedergefunden hast.
SCHMERZHAFTER ROSENKRANZ
EB6 Olberg – Der für uns Blut geschwitzt hat.
EB, Geißelung – Der für uns gegeißelt worden ist
EB8 Dornenkrönung – Der für uns mit Dornen gekrönt worden ist.
EB9 Kreuztragung – Der für uns das schwere Kreuz getragen hat.
EB10 Kreuzigung – Der für uns gekreuzigt worden ist
GLORREICHER ROSENKRANZ
EB11 Auferstehung – Der von den Toten auferstanden ist. EB12 Himmelfahrt Christi – Der in den Himmel aufgefahren ist.
EB13 Pfingsten – Der uns den Heiligen Geist gesandt hat.
1) 0 EB14 Himmelfahrt Mariens – Der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat.
EB15 Krönung Mariens – Der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat.
Quellen und Literatur siehe S. 233f