St. Johann bei Obereschlbach, Kapelle St. Johann Baptist
Kapelle, Stadtpfarrei St. Nikolaus Neuötting, Stadt Neuötting, Diözese Passau; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Alzgern, dem Kurfürstlichen Propsteigericht Altötting inkorporiert war; Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Gars. Gericht Neuötting
Patrozinium: St. Johann Baptist
Zum Bauwerk: Die Johannes-Kapelle lag ursprünglich bei Alzgern am Inn und wurde durch Hochwasser zerstört; Franz Wilhelm Graf von Wartenberg, Herr auf Wald und Propst von Altötting, ließ sie mit allen Rechten hierher transferieren und neu erbauen. Die Tuffsteinquader des alten gotischen Baus wurden für das Fundament verwendet. Weihe am 5.9.1611 (Tafel mit Bauinschrift von 1611 an der S-Seite der Altarraumwand). Barocker Umbau mit neuen großen Fenstern mit geschweiftem oberen Abschluß 1763 durch den Neuöttinger Maurermeister Anton Hechel. 1785 Neubau des Turms wegen Sturmschaden, Reparatur des Kirchendachs, ebenfalls durch Anton Hechel. Kanzel und Altar stammen aus dem 17. Jh.
Als der Landrichter Graf von Armansperg 1804 alle vier Filialkirchen von Alzgern abreißen lassen wollte, trat Pfarrer Lorenz Sprengeisen für deren Erhalt ein und beschrieb St. Johann als »reinlich, wie neu gebaut«.
Einfacher Saal (9×5 m) mit Vorhaus, durchgehendes Gesims, Wände ungegliedert; Empore im W. Eingezogener AR zu einem Joch mit halbrundem Schluß. Belichtung durch zwei Fensterpaare im LHs und ein Fenster auf der S-Seite des Chors.
Auftraggeber: Johann Baptist Adam Knodt, Pfarrer von Alzgern (1758–94). Die Ausmalung muß gestiftet worden sein, da sie in den Kirchenrechnungen 1787/88 nicht erwähnt wird, ebensowenig wie eventuelle Baureparaturen, die Anlaß zur Ausmalung gewesen sein könnten. Pfarrer Knodt gab sich als Gönner seiner Kirchen aus, was nach seinem Tod vom Propsteidirektor Johann Georg Kellner bestritten wurde, der selbst in Obereschlbach eine Wiese für 300 f. getauscht und damit zur Ausstattung beigetragen haben wollte (s. S. 30).
1/34 Friedingen an der Donau † 1798 Trostberg; s. S. 244) 1787. Signatur in Fresko A rechts: Pinxit F. Joseph Soll M. in Trostberg. Die Ausmalung entstand ein Jahr vor der in der Pfarrkirche Alzgern. Die Emporenbrüstungsbilder, das Altarbild und das Bild im Auszug sind ebenfalls Franz Joseph Soll zuzuschreiben. Die Fresken in St. Johann gehören zu den gelungensten Arbeiten Solls: der intime Raum und die höfische Thomasik
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A) Flachtonne, AR (B, B1-2) Tonne, im O abgemuldet
Rahmen: Gemalte Rahmung
Technik: Fresko; A und B polychrom, B1-2 monochrom grau
Maße: A Höhe 5,65 m; 6,50×4,60
B Höhe 5,50 m; 2,50×2,30
B1-2 Ø ca. 1,00
EB1,3 0,90×0,75
EB2 0,90×1,80
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung 1829 (Signatur über der Empore rechts B. Peischl., M. W. Lerndle 1829). In einem Gutachten des BLfD von 1955 wird die Kirche als feucht beschrieben; die Wände innen waren mürb und blühten aus. 1978 Außenrestaurierung; 1989/91 Innenrestaurierung durch die Kirchenmaler Franz Nefzger, Surheim, und Jürgen Pursche, München, mit Neufassung der Raumschale und Renovierung des Altars. Die Fresken wurden gereinigt. Ein 3–5 cm breiter Längsriß im LHs-Gewölbe wurde mit Ledan verschmälert. Die einstimmenden Retuschen betrafen nur den violettfarbenen Hintergrundsbereich, nicht das Figürliche. Die unechten Blattmetallauflagen an der gemalten Rahmung (vermutlich von der Restaurierung 1829) waren oxydiert bzw. abgeblättert und wurden in Ockerfarbe retuschiert. Die Fresken sind in ausgezeichnetem Zustand; geringfügige Risse
Beschreibung und Ikonographie
Die LHs-Tonne ist vollkommen ausgemalt. Über dem Gesims ist eine Attikazone illusioniert, die aus vergoldeten kassettierten Stäben, aus Stuckkonsolen und blauchangierenden Schärpen besteht und am Chorbogen einen kleinen Balkon und zwei steinerne Amphoren vortäuscht. Diese Zone schließt den gemalten Freskorahmen, einen vergoldeten Blattstab, ein. An der W-Seite besteht die dekorative Malerei aus einer stuckfarbenen Blumengirlande; auf dem Gesims sind vor zwei großen Ziervasen Putten mit Geige, Fagott, Kesselpauke und Trompete dargestellt, in Anspielung auf die Musikempore.

Die Chorbogenlunette ist mit dekorativer Malerei im Zopfstil geschmückt. Das Chorgewölbe zeigt einen brokatierten Gurtbogen, um den Freskorahmen B aber keine illusionistische Malerei, nur Pflanzenornamente, die die Medaillons B1-2 einfassen. Über dem weißen ungegliederten Raum wirkt das farbige Gewölbe, das nicht, wie gewöhnlich, durch Stichkappen unterbrochen wird, wie ein prächtiger bunter Teppich. Das Bildprogramm der Kirche beschäftigt sich mit Johannes
Das Bildprogramm der Kirche beschäftigt sich mit Johannes dem Täufer, dem Kirchenpatron.
A JOHANNES VOR HERODES (Mt 14,4) Betrachterstandpunkt an der Empore. Die architektonische Handlungsbühne füllt fast die Bildfläche: eine barocke Portalarchitektur mit Einblick in drei lichtdurchflutete, gewölbte Kuppelräume, die hintereinander gestaffelt und von mächtigen Pfeilern getragen sind. Die Architektur ist illusionistisch in Untersicht mit Verkürzungen gegeben, in rotem Marmor; Kapitelle, Bogenfüllungen, Festons und Kartuschen sind vergoldet. Eine breite Treppe führt in den Raum, rechts und links bedienen weitere Stufenanlagen säulengetragene Loggien. In dieser Vordergrundszone wie auch im Innern des Palastes herrscht lebhaftes Treiben. Ein Hündchen, streitende Pagen, vornehm herausgeputzte Höflinge, bewaffnete Soldaten, ein Vogel an einer Stange und in der linken Loggia der Maler Soll selbst mit seiner zweiten Frau Maria Rosalia Späth aus Marienberg (verh. 1779) zeigen Solls Vorliebe für volkstümliche Szenen und sein Können in dieser Hinsicht (Soll und seine Ehefrau sind anhand des Doppelporträts im Heimatmuseum Trostberg zu identifizieren; sie kommen auch im LHs-Fresko in Alzgern vor). Der vorderste Kuppelraum des Palastes ist der Thronsaal. Rechts wölbt sich über rotbedeckten Stufen ein grüner Baldachin mit goldenem Ausputz und Quasten, an der Rückwand eine goldene Wappenkartusche mit Krone, Feldherrnstab und Zepter darüber. Die Thronsessel sind nur andeutungsweise zu sehen: Herodias mit theatralischem Kopfputz sitzt neben
König Herodes, in intimer Haltung, ihren Arm mit dem des Königs gekreuzt, lächelnd und offensichtlich in vertrautem Gespräch. König Herodes ist von Soll in salopper Haltung geschildert. Er schlägt ein Bein über den Thron, stützt sich mit der Linken in die Hüfte und neigt sich über die Thronlehne der Herodias zu. Dem Thron nähert sich in verhaltenem Schritt, aber mit fragendem Blick ein Prinz, in dem der betrogene Ehemann Philippus gesehen werden kann. Hinter ihm ist eine Prinzessin mit einem Schoßhündchen zu erkennen, Salome, die Tochter der Herodias.
Johannes des Täufer steht links im Vordergrund des Bildes zu Füßen der Treppe, eine bleiche Gestalt, mit einem härenen Umhang und Sandalen bekleidet, das Fähnchen ECCE AGNUS DEI in der Linken, die Rechte verweisend erhoben. Er blickt zu König Herodes auf und spricht die Worte, die in der Inschriftkartusche am Balkon unter dem Bild stehen: Es ist dir nit erlaubt / deines Bruders Weib / zu haben. Zwei ältere Höflinge wenden sich Johannes zu, mit abwehrender Gebärde; auch das Hündchen kläfft ihn an
König Herodes hatte Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, zum Weib genommen. Johannes trat vor ihn und verwies ihm diese Ehe. Darauf setzte ihn Herodes gefangen, wagte aber wegen des Volkes nicht, ihn zu töten, denn das Volk hielt ihn für einen Propheten. Herodias aber sann auf Rache.
B TAUFE JESU (Mt 3,13-17) Eine lieblich geschilderte Flußlandschaft mit Palmen und Büschen bildet den Schauplatz für die Taufe Jesu. Johannes steht am rechten Ufer, das linke Bein auf einen Felsen gestellt. Er hält das Fähnchen mit der Aufschrift ECCE AGNUS DEI; bei ihm ist sein Attribut, das Lamm. Jesus kniet am jenseitigen Ufer des kleinen Wasserlaufs auf einem Felsen, das Haupt gebeugt. Johannes tauft ihn mit Wasser aus einer Muschel. Zwei Engel legen Jesus ein weißes Gewand an. Im Himmel erscheint in einer kleinen Lichtglorie die Geisttaube und sendet Strahlen auf Jesus als Verbildlichung der Stimme Gottes »Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe«.




B1-2 SALOME MIT DEM HAUPT DES JOHANNES (Mt 14,3-11) Das Hauptbild im Chor ist begleitet von zwei Medaillons, die in locker skizzierten Szenen vom Martyrium Johannes des Täufers berichten.
B, SALOME ERHÄLT DAS HAUPT DES TÄUFERS Gezeigt ist ein Kerker, links ist der zusammengesunkene enthauptete Leichnam des hl. Johannes zu sehen. Der Henker, das Schwert noch in der Linken, legt das Haupt des Täufers in eine Schale, die Salome in der Hand hält
B2 SALOME GIBT DAS HAUPT IHRER MUTTER Salome, ähnlich dargestellt wie in Fresko A, wo sie das Schoßhündchen trägt, reicht das Haupt des Johannes ihrer Mutter Herodias und dem König Herodes. Das Paar sitzt in fast gleicher Haltung auf dem Thron wie in Fresko A.
Am Geburtstag des Königs Herodes tanzte Salome, die Tochter der Herodias, vor den Gästen. Sie gefiel dem König so gut, daß er versprach, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Angestiftet von ihrer Mutter wünschte sich Salome das Haupt des Johannes auf einer Schüssel. Nur ungern erfüllte Herodes diesen Wunsch, wagte aber wegen der Gäste nicht, sein Versprechen zu brechen.
EB1-3 VERHEISSUNG UND GEBURT JOHANNES DES TAUFERS (Lc 1) Die Emporenbrüstung zeigt zwei seitliche kleinere und eine breite Darstellung in der Mitte, dazwischen zwei Felder mit Blumenschalen. Ein Sockel wird jeweils für das Zitat der entsprechenden Bibelstelle genutzt.
EB1 VERHEISSUNG AN ZACHARIAS (S) Der Engel des Herrn sprach zu Zacharias / Dein Gebett ist erhört, dein Weib Elisabeth / wird dir ein Sohn gebehren, du solst Ihm / den Namen Joannes geben (Lc 1,13). Das Bild zeigt den Priester Zacharias, der im Tempel ein Rauchopfer darbringt. Ihm erscheint der Engel Gabriel, der ihm die Geburt eines Sohnes verkündet, der groß sein werde vor dem Herrn. Zacharias bezweifelte die Botschaft, denn er und seine Frau Elisabeth waren schon betagt. Wegen seines Zweifels wurde Zacharias mit Stummheit geschlagen.
EB, HEIMSÜCHUNG (N) Als Elisabeth den Gruß Maria hörte, ist das Kind / vor Freude in Ihren Leib aufgesprungen, und Elisabeth ist mit dem Heiligen Geist erfüllt worden (Lc 1,44). Nach der Verkündigung machte sich

Maria auf, um ihre Base Elisabeth zu besuchen, die mit Johannes schwanger war. Bei der Begegnung der beiden Frauen hüpfte das Kind in Elisabeths Schoß; Elisabeth erkannte daran die Gegenwart des Gottessohns. Die Anwesenheit von Joseph und Zacharias ist biblisch nicht belegt, gehört aber zur Bildtradition.
EB, GEBURT UND BESCHNEIDUNG DES JOHANNES-HEILUNG DES ZACHARIAS (Mitte) Der stumme Vatter Zacharias schrieb bei der Beschneidung auf ein Täfelchen: Joannes ist sein Name, und alsobald wurde sein Mund und Zunge aufgethan. Die Anwesenden aber sprachen mit Verwunderung und Freuden: Was meinst du, wird aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn ist mit Ihm (Le 1,63-66). In einem Kuppelraum werden zwei Ereignisse geschildert, links das Wochenbett der Elisabeth, die von Nachbarn und Verwandten versorgt und mit einer Suppe gestärkt wird, rechts die Beschneidung des neugeborenen Johannes im Tempel. Man wollte dem Kind den Namen Zacharias geben, aber Elisabeth sagte: Nein, er soll Johannes heißen. Auf den Einwand, in ihrer Familie trage keiner diesen Namen, wurde der Vater Zacharias gerufen. Er schrieb auf ein Täfelchen: Johannes ist sein Name. Darauf erlangte er die Sprache wieder.
Das Altarbild zeigt die Predigt des Johannes in der Wüste (Lc 3). Eine Plastik an der linken Altarwand stellt das lebensgroße Haupt des Johannes auf einer Schüssel dar.
Quellen und Literatur
BHStA, GL 3049 Nr. 55 Gerichtsregistraturen Neuötting - Geistl. Rat 1767–1804.
BHStA, GL 3050 Nr. 60 Geistl. Rat 1794-99 (Verlassenschaft Pfarrer Knodt von Alzgern).
Pfarrarchiv Altötting, Kürchenrechnungen des Kf. Probsteyerichts Altenötting pro Anno 1787 und 1788.
KDB I OB (8), S. 2590 f.
Handbuch des Bistums Passau 1981, S. 372
Hochberger, K., 200 Jahre alte Fresken, in: Niederbayerische Heimatglocken, Beilage zur Donau-Zeitung 20, 1968, S. 1.
TUSSLING
Marktkirche
Schloß Schloßkapelle S. 23 Festsaal S. 232