Steinebach, Filialkirche St. Martin
STEINEBACH
Filialkirche, Gemeinde Wörthsee, Pfarrei Steinebach Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Pfarrei Oberalting, Herrschaft Seefeld
Patrozinium: St. Martin
Zum Bauwerk: Umbau und Renovierung (Neuausstattung) 1736; Jahreszahl 1735 in einem Stein am Altarantritt. Geldgeber und damit Auftraggeber für den Umbau war – wie in Unering – Max Cajetan Graf Törring-Seefeld (*1670 †1752). - Einfacher, langgestreckter Saalbau mit geringfügig eingezogenem AR; dreiseitiger Schluß; im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Die Fresken entstanden um 1736. Fünf Jahre früher malte Johann Georg Sang in benachbarten Unering die Martinsgeschichte und ein Verherrlichung Martins. Vieles hier in Steinebach erinnert an diese Deckengemälde; zwar sind Vergleiche sehr schwierig: In Steinebach sind die Bilder durch Übermalung und Wiederaufdeckung beeinträchtigt, in Unering durch die Restaurierung von 1901; doch finden wir in den beiden Madonnen (Unering A, Steinebach C) vieles Gemeinsames. Auch ist die Art, wie Wolken um die Muttergottes angeordnet sind, die ganze Komposition der Himmelsszene, die Haltung des hl. Martin (Unering) und des hl. Franz Xaver (Steinebach) so ähnlich, daß man (wegen des schlechten Zustands der Fresken mit aller Vorsicht) die Deckenbilder in Steinebach Johann Georg Sang zuweisen kann.
Befund
Träger der Deckenmalerei: A, B stark gedrückte Stichkappentonne, die Decke im Freskobereich ist fast flach; C Stichkappentonne
Rahmen: Im LHs ist der ganze Deckenbereich bemalt. Die gemalten Rahmen der Einzelfelder trennen die Fresken weniger, als daß sie den Eindruck einer voll bemalten Decke verstärken. Fresko C schließt ohne Rahmen mit gemalten Wolken ab und überspielt den Raum zwischen den Stichkappen.
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 5,55 m (ab Empore 2,40 m); 3,00 × 2,50
B Höhe 5,55 m; 5,30 × 3,00
C Höhe 5,25 m; 5,20 × 3,85
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1780 wurden die Deckengemälde übertüncht. 1894 malte der Maler Hotter aus Augsburg die Kirche aus. Diese Übermalung und die Kalkschicht der Zuweißung von 1780 wurden wieder abgenommen (1945) und die ursprünglichen Fresken aufgedeckt. Doch ist der Erhaltungszustand aus diesem Grunde so schlecht, daß von Farben und Zeichnung des 18. Jh. wenig erhalten ist: nachgezeichnete Konturen und entstellende Übermalungen. Die Deckengemälde müssen als Ruine bezeichnet werden. Abgebildet werden nur die beiden Hauptfresken B und C
Beschreibung
A ST. MARTIN VOR VALENTINIAN Über der Orgelempore, durch die Orgel halb verdeckt, der hl. Martin vor dem Kaiser Valentinian. Über Stufen erhebt sich ein Baldachin, unter dem der Kaiser sitzt - bei dieser Thronarchitektur wurde unbeholfen versucht, eine Untersicht zu geben. Zu Füßen des hl. Martin, der hochaufgerichtet, mit segnender Gebärde im Zentrum des Bildes steht, knien und sitzen mehrere Bittflehende, darunter ein Soldat und ein Krüppel mit Holzbein. (Keine Abbildung.
B TOD DES HL. MARTIN Einfache, tafelbildartige Darstellung ohne Verkürzung und Untersicht. Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. - Durch eine Säule links im Bild ist ein Innenraum angedeutet. Von oben dringen Wolken ein, auf denen die Dreifaltigkeit mit Engeln erscheint. Von der Taube des Geistes geht ein Lichtstrahl aus und trifft den sterbenden Martin. Dieser liegt halb aufgerichtet auf einem einfachen Bett. Ihm zu Häupten stehen zwei Engel, einer trägt ein Rauchfaß, der zweite eine Lilie. Am Bett klagende Mönche. Am Fußende steht der Teufel, halb abgewendet und in die Flucht geschlagen.
C MARIA MIT DEM KIND UND HEILIGE Das Fresko füllt die gesamte Gewölbefläche des Altarraums mit Ausnahme der Stichkappen, doch wird die ornamentale Umrahmung der Stichkappen zum Teil von Wolken überspielt. Reine Himmels- und Wolkenszene, kaum Untersichten oder Verkürzungen. Betrachterstandort unterhalb der Bildmitte. – Maria mit dem Kind thront im Zentrum, von Strahlen umgeben. Zu ihren Füßen die Weltkugel. Ringsum auf Wolken Engel, links mit Flöte und Laute, rechts mit Geige, Posaune und Cello. Unter der Madonna knien, ebenfalls auf Wolken, der hl. Franz Xaver in Priesterkleidung mit Stola (links) und der hl. Antonius von Padua (rechts), zu ihren Füßen Engel und Putti mit Attributen, dem Kreuz des hl. Franz Xaver und der Lilie und dem Herz des hl. Antonius
A1-4, B1-4, B3b Kleinere Bildfelder in der gemalten Dekoration der Stichkappen und Wölbzwickel; alle mit sehr einfachen emblematischen Darstellungen (A1-4, B1-4), bzw. Martinsszenen (B3b); keine Abbildungen
Ikonographie
A ST. MARTIN VOR VALENTINIAN Kaiser Valentinian weigerte sich, den hl. Martin zu empfangen, um dessen Bitten nicht erfüllen zu müssen. Nach siebentägigem Büßen und Fasten drang der Heilige zum Kaiser vor, der in seiner Gegenwart sitzenblieb. Als Flammen unter dem Thronsessel aufloderten, erhob sich der Kaiser und schloß Martin in seine Arme. Hiervon berichtet Sulpicius Severus im 2. Dialog (Sulpicii Severi Opera, CSEL, Bd 1, S. 186 f.). - Am unteren Bildrand steht als Inschrift ein Lobpreis des Heiligen: O Virum ineFFabilem, perquem nobis tanta Miracula CCusant.
A1-4 zeigen Emblembilder, anstelle von richtigen Lemmata stehen Ehrentitel des Heiligen
A1 Decus Episcoporum. Die Sonne überstrahlt die Sterne (Picinelli, s. v. sol; Lib. 1, Nr. 75, 109).
A2 Gema Sacer Dotum – Tisch mit fünf Ringen darauf, darüber erscheint eine Hand aus den Wolken und hält einen einzelnen edelsteingeschmückten Ring (der eine Ring – St. Martin – ist den anderen Ringen gegenüber hervorgehoben, das Ringmotiv ist wohl vom Bischofsring her zu erklären).
A3 Vir Singularis. Adler steht allein auf einer Bergspitze (vereinfachtes Adleremblembild, vgl. Picinelli, s. v. aquila: Lib. 4, Nr. 104).
A4 Vas admirabile. Auf einem Tisch steht ein Gefäß mit sieben Flammen (= sieben Gaben des Hl. Geistes), darüber schwebt die Taube des Geistes. (Das Bild zeigt biblische Symbole.)
B TOD DES HL. MARTIN Dieses Ereignis wird von Sulpicius Severus in einem Brief an seine Schwiegermutter Bassula geschildert (Sulpicii Severi Opera, CSEL, Bd 1, S. 147). St. Martin starb auf einer Seelsorgereise unter den Klagen seiner Mitbrüder. Er betete zu Gott: »Domine, si adhuc populo tuo sum necessarius, non recuso laborem: fiat voluntas tua« (Epistula 3,11; vgl. B3 und B1). Zu seinen Mitbrüdern sagte der Heilige: »Sinite, inquit, sinite me fratres, caelum potius respicere quam terram, ut suo iam itinere iturus ad Dominum spiritus dirigatur« (Epistula 3,15; vgl. B2). Da erblickte er neben sich den Teufel und vertrieb ihn mit den Worten: »Quid hic, inquit, adstas, cruente bestia? nihil in me, funeste, reperies: Abrahae me sinus recipit« (Epistula 3,16; vgl. B4). — Die Inschrift in B gibt die bewundernden Worte des Sulpicius »O Beatum Virum qui nec mori timuit, nec amore populi. Vivere recusavit« (Epistula 3,14).
B1-4 Die Worte Martins dienen den emblematischen Darstellungen als Lemmata.
B1 Fiat Voluntas tua Sonnenblume wendet sich der Sonne zu.
B2 Sinite me Caelum aspicere Adler blickt zur Sonne im Himmel auf.
B3 Si sum Necessarius Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blute nährt. – Bei diesen drei Darstellungen handelt es sich um sehr übliche religiöse Emblembilder (vgl. Picinelli, s. v. heliotropium: Lib. 11, Nr. 53 ff.; s. v. aquila: Lib. 4, Nr. 102 ff.; s. v. pelicanus: Lib. 4, Nr. 539 ff.), welche hier auf den hl. Martin bezogen werden.
B4 Nihil in me Funeste reperies Hand Gottes erscheint über dem Teufel. Dieses Bild bezieht sich auf die Vertreibung des Teufels vom Sterbebett Martins.
Ba-b Den historischen Martinsszenen sind Ehrentitel des Heiligen beigegeben.
Ba Gloria Militum. St. Martin als Soldat zu Pferde, ein Kreuz in Händen, vor ihm das Heer.
Bb Pater Pauperum St. Martin zu Pferde teilt seinen Mantel mit dem Bettler (Sulpicius Severus, Vita 3, S. 113)
Die Inschrift am Chorbogen ist ein Bittruf an St. Martin
Sanctus Martinus episcopus / hymnis coelestibus honoratus, / Vivit in Christo, / protegat nos.
Quellen und Literatur
Graf, Matthias, Geschichte der Pfarrei Oberalting, München 1902, S. 88 ff.