Schröding, Pfarrkirche St. Nikolaus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 281–283, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche (Pfarrverband Holzland), Gemeinde Kirchberg, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Steinkirchen (bis 1901). Gericht Erding

Patrozinium: St. Nikolaus (in der Sunderdorffschen Matrikel St. Urban und St. Nikolaus)

Zum Bauwerk: Der Chor stammt von der spätgotischen Kirche (um 1450). Konsens zum Neubau des LHs in erweiterter Form am 11.5.1702, Fertigstellung des Rohbaus im August 1702. Baumeister war Anton Kogler aus Erding. Weihe am 18.9. 1707. 1931/32 Erweiterung nach Westen nach Plänen von Karl Kergl, München.

Saalbau zu drei Jochen (im W anschließend der breitere Anbau von 1931). Eingezogener, zweijochiger AR (7,80×5,60), dreiseitig geschlossen, Gliederung durch gotische Wandpfeiler Belichtung durch zwei Fenster von S. Das Deckenbild befindet sich im AR.

Auftraggeber: Matthäus Hoffmayr, Pfarrer von Steinkirchen (1737-59), der im gleichen Jahr auch seine Filiale Kirchberg von Zellner ausmalen ließ.

Autor und Entstehungszeit: Franz Xaver Zellner (* 1738 Furth i. W. † 1788 Erding) 1759. Signatur am O-Rand links I Zellner pinx 59.

Die Inschrift mit dem Chronogramm am Chorbogen ist modern (1972): HONOREM DEI / NVNTIAT / ECCLESIA ISTA (= 1759). St. Urban. St. Nikolaus, / die Gott mit Ehr bekleidt, / seid nah eurem Gotteshaus, / und der Gemeind all-7.01t.

Franz Xaver Andreas Zellner, * am 21.2.1738 als Sohn des Malers Johann Andreas Zellner aus Furth i. W. und seiner Ehefrau Maria Klara, lernte wahrscheinlich bei seinem Vater, der ein im Gericht Erding öfter beschäftigter Faßmaler war. 1757 schuf er in Binabiburg die Dekorationsmalerei in der Salvatorkirche und das figürliche Deckenbild, das 1769 durch das Fresko Scheitlers ersetzt wurde. Im gleichen Jahr erhielt der damals neunzehnjährige Sohn Franz Xaver 12 fl. für Deckengemälde in der Seelenkapelle in Binabiburg (durch Zwischendecke verdeckt) und malte ein Deckenbild in der dortigen Pfarrkirche (nicht erhalten). 1759 folgten die Ausmalungen des Einundzwanzigjährigen in Schröding und Kirchberg. Am 7.1.1762 heiratete Franz Xaver Zellner Josepha Schalck, die Tochter des Erdinger Malers Lorenz Schalck (* um 1690 † 1767), dessen Malergerechtigkeit er übernahm. In der Folgezeit wurde er im Gericht Erding zu einem vielbeschäftigten Faßmaler, gefragt vor allem als Marmorierer (Altarfassungen u.a. in Maria Thalheim, Altenerding, Oppolding). Figuralen oft gute Leistungen erbrachte. Er starb am 29. 12. 1788 in Erding.

Bei den Arbeiten in Schröding und Kirchberg zeigt sich Franz Xaver Zellner zwar als eigenwilliger Dekorationsmaler mit Sinn für Effekte, nicht aber für logische Raumkonstruktionen. Seine Farbgebung beschränkt sich auf Farbwerte von Blau Grün und Braun in vielen Abstufungen. Klares Rot und Gelb verwendet er kaum. Die Farbwirkung der Deckenbilder gleicht der der Fassungen seiner marmorierten Altäre. Aus der Zeit nach 1759 sind von Franz Zellner keine Deckenmalereien mehr bekannt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Stichkappentonne über gotischen Spitzarkaden Rahmen: Gemalte Rahmung Technik: Fresko mit vielen Secco-Übermalungen; polychrom Maße: Höhe 7,00 m; 4,30×2,50 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bemalen des Chorgewölbes mit einem Sternenhimmel 1878 (Photo im BLfD). Bei der Restaurierung 1918 Freilegung des Deckengemäldes im Chor und Restaurierung durch Hans Kögl, Pasing. 1972 Restaurierung des Deckenbildes durch Hans Müller-Werther Ebersberg. Es war in schlechtem Zustand, zeigte starke Verschmutzungen und weitgehende Übermalungen. Reinigung, Entfernen von Übermalungen und Schimmelflecken, Schließen der Risse, Festigen des lockeren Grundes, vorsichtige Retuschen. Durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen an der Vils, wurde die barocke Fassung der Raumschale wiederhergestellt: Freilegung einer gemalten Kartusche am Chorbogen, die Wiederherstellung der barocken Inschrift gelang nicht (Zeichnung und Photo von Elisabeth Keilhacker im BLfD). »Die neubarocke Malerei der Stichkappen und Gewölbezwicke wird ... mit einigen Verbesserungen ... beibehalten.« Die Ausmalung ist im ganzen original erhalten.

Beschreibung und Ikonographie

DIE ERDTEILE VEREHREN MARIA Das Bild bezieht sich auf das Gnadenbild, eine spätgotische Figur von Maria und Kind, das in Schröding verehrt wurde und heute noch auf dem Hochaltar steht. Schauplatz ist der palmenumgebene Portalbereich eines offenen Rundtempels. Doch ist die Raumsituation anschaulich kaum faßbar, denn Stufen, Balustraden, Bäume und Felsen türmen sich, in jäher Untersicht gegeben, über dem Bildrand auf, wobei die Konstruktion des Bildraums nicht nach räumlich-logischen Gesichtspunkten geschieht, sondern in einer eher bildhaften Anhäufung von Perspektivzitaten, die nirgends eine räumliche Einheit ergeben.

Die Figuren sind in dieses bizarre Szenarium eingestellt, ohne daß eine schlüssige Beziehung zwischen Figur und Raum ent-

stünde. Es sind gelängte und zum Teil elegant drapierte Figuren. Manche Einzelheiten sind dabei recht qualitätvoll, doch bleiben es immer nur Details: Die Figur entsteht nicht aus einer kompositionellen Konzeption, sondern aus zusammengefügten Einzelteilen – ebenso wie der Schauplatz.

Zu Füßen der konvex gebogenen Stufenanlage, die zum offenen Tempel hinaufführt, knien links Europa in gelbem, hermelingefüttertem Mantel mit Krone und Zepter und rechts Asia in rotem Mantel, auf dem Haupt einen Turban mit Federgesteck und Halbmond, sie hat ein Weihrauchfaß in Händen. Neben Asia ist hinter einer kleinen Balustrade die schwarzhäutige, aufgeputzte Africa zu sehen, in der Hand einen Sonnenschirm. Auf der gegenüberliegenden Bildseite steht hinter Europa die halbnackte, perlengeschmückte Gestalt der America, die einen Köcher auf dem Rücken trägt. Den Abschluß bilden auf dieser Seite Pagen mit Fahnen und Schale. Auf den Stufen liegen der Reichsapfel, eine Zackenkrone und die Ordenskette des Goldenen Vlieses, der Figur der Europa zugeordnet; daneben ein Zweig Rosen und ein umgekehrtes goldenes Gefäß. Oben auf den Stufen ragt eine riesige weißlich-helle Weltkugel auf, auf der ein Kelch mit strahlender Hostie steht; daneben liegen die Schlüssel Petri.

Der Rundtempel, der sich darüber wölbt, ist so angeschnitten, daß er eigentlich nur aus seiner hinteren Hälfte besteht. Darüber erscheint in dem gelblichen Himmelsbereich Maria, das Haupt von Sternen umgeben, den Fuß auf die Mondsichel gesetzt. Auf den Armen hält sie den Jesusknaben.

Quellen und Literatur

StAM, LRA 147944: Restaurierung 1918/19. AEM, Pfarrakten Steinkirchen: Filiale Schröding. BLfD, Akt Schröding, Pfarrkirche St. Nikolaus.

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 149f. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 486. Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarreien Schröding und Burgharting, Kirchenführer, Selbstverlag 1983, S. 2–5. Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 62. Koschade, Gerhard, Kirchenausstattungen von Matthias Fackler (1721–1792) im Erdinger Raum. Mag. Masch. München 1987, zu Zellner S. 132–39. Dehio 1990, S. 1098.

 
Die Erdteile verehren Maria