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St. Wolfgang, Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Wolfgang

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 7: Landkreis Erding. Hirmer, München 2001, ISBN 978-3-7774-7830-2, S. 275–280, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarr- und Wallfahrtskirche, ehem. Kollegiatstiftskirche Gemeinde Sankt Wolfgang, Erzdiözese München und Freising. Bis 1737 Filiale der Pfarrei Schwindau, die dem Kollegiatstift St. Zeno in Isen inkorporiert war. Schon 1480 hatte Johann von Fraunberg die Errichtung eines Kollegiatstifts in Sankt Wolfgang geplant. Um 1724 griff Pfarrvikar Fiechtner diesen Plan auf und es kam nach vielen Schwierigkeiten ab 1733 zur Gründung des Kollegiatstifts Sankt Wolfgang (päpstlich bestätigt 1737). Die Pfarrei Schwindau wurde dem Kollegiatstift Isen weggenommen (Isen erhielt dafür die Pfarrei Lengdorf) und dem neuen Kollegiatstift Sankt Wolfgang inkorporiert, wo nun auch der Pfarrsitz war. Die Wallfahrt zu Quelle und Gnadenbild des hl. Wolfgang von Regensburg bestand schon im Mittelalter und erreichte im 18. Jh. eine neue Blüte, vor allem nachdem 1712 die St.-Wolfgangs-Bruderschaft gegründet war, die großen Zulauf hatte. Sankt Wolfgang war Hofmark im Besitz des Stiftes. Säkularisierung 1803. Das Stiftsgebäude ist heute Pfarrhof. Ehem. Reichsgrafschaft Haag, im Besitz Kurbayerns

Patrozinium: St. Wolfgang

Zum Bauwerk: Der hl. Wolfgang soll nach der Legende auf seinem Weg nach Mondsee (976) durch das Tal der Goldach gekommen sein. Die Bevölkerung der heute sehr wasserreichen Gegend hatte kein Wasser; Wolfgang erweckte durch sein Gebet eine Quelle besten Trinkwassers, die Wolfgangsquelle. Die Wolfgangskapelle, über der Quelle erbaut, wird in die Zeit nach 1400 datiert, als der Kult des Heiligen aufblühte. 1430–77 wurde durch die Herren von Fraunberg, Inhaber der Grafschaft Haag, die große Kirche gebaut und unter dem Dach des nördlichen, tiefer gelegenen Seitenschiffs die Wolfgangskapelle integriert, nachdem ihr eigenes Dach abgetragen worden war

Die wundertätige Quelle befindet sich unter der Altarmensa. Auf dem Wallfahrtsaltar steht das Gnadenbild, eine kleine Holzfigur des hl. Wolfgang (um 1470).

Einfacher Saalraum zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß, zwei Spitzbogenfenster nach N, eines im Chorschluß nach O mit darunterliegendem Rundfenster. Zugang von W vom Seitenschiff der Kirche aus (Rundfenster über dem Eingang), wobei die Westfront der Kapelle deren Eigenschaft als Bau im Bau hervorhebt. Die Deckenbilder befinden sich in der Wolfgangskapelle. Barocke Fresken an der Emporenbrüstung der Stiftskirche

Auftraggeber: Für die Ausmalung um 1700 (1–4, a–f und Stuckierung) Pfarrvikar Caspar Fiechtner von Schwindau (1696–1729).

Die Wappen wurden erst nach der offiziellen Gründung des neuen Kollegiatstifts 1737 gemalt, Auftraggeber war wohl der Stiftsdekan und Pfarrer von St. Wolfgang, Johann Baptist Lechner.

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Johann Baptist Zimmermann (* 1680 Gaispoint † 1758 München) 1700

Da die kleinen Bilder überstrichen und wieder aufgedeckt wurden, kann von einer persönlichen Handschrift Zimmermanns und damit von einer Zuweisung im strengen Sinn keine Rede sein, zumal Vergleichsbeispiele fehlen. Es sprechen aber mehrere Indizien für Zimmermann. Die Stuckierung der Brunnenkapelle stimmt in jeder Hinsicht mit der der ehem. Kollegiatstiftskirche von Isen überein, die laut Manual des Dekans 1697–99 und 1701 entstand und vom Trupp des Christoph Schäffler unter Mitarbeit von Johann Baptist Zimmermann entstand. Die Stuckierung in Sankt Wolfgang ist wohl im Jahr 1700 anzusetzen, in dem in Isen nicht gearbeitet wurde. Das Hauptfeld ist mit der stuckierten Darstellung der Immaculata und Engeln besetzt. Dieses Stuckbild ebenso wie die Putten am Gewölbe stammen wohl ebenso wie der figürliche Stuck in Isen vom jungen Johann Baptist Zimmermann (s. Isen, S. 169). Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß dieser sich bei den Medaillonbildern (wohl zum erstenmal) als Freskant versuchte. Immerhin ist archivalisch gesichert, daß er 1701 im Chor von Gosseltshausen ebenfalls Vier Kirchenväter freskiert hat (nicht erhalten). Außerdem ist in der Figur des Papstes Gregor des Großen eine Verwandtschaft mit Johann Eustach Kendlbacher nicht zu übersehen, der in Isen freskierte, während Schäfflers Trupp mit Zimmermann dort stuckierte. In Zimmermanns frühen Fresken kann man Ähnlichkeiten mit Kendlbacher öfters feststellen, und das Wissen

SANKT WOLFGANG a-f Heilige Sippe, Ovalmedaillons in den Schildbögen, 1895/96 erneuert daß er lange Zeit neben ihm in Isen gearbeitet hat, wirft ein neues Licht auf Zimmermanns Frühwerk.

a b

Die kleinen Bildchen a-f, die 1895/96 »neu hergestellt wurden«, waren wohl ursprünglich aus der Zeit der Ausstattung um 1700 und damit auch von Johann Baptist Zimmermann. Die Wappenbilder entstanden nach der Erhebung Sankt Wolfgangs zum Stift 1733/37. Ihr Autor ist unbekannt.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Stichkappen

Rahmen: 1–4 Medaillons aus Stuckprofilleisten, innen von stuckierten Laubkränzen begleitet, teilweise von den umgebenden Akanthusornamenten überspielt; a–f stuckierte Hochovalmedaillons aus Palmen und Akanthusmotiven; Wappen ohne Rahmen

Technik: 1–4 und a-f Fresko; polychrom

Maße: Scheitelhöhe 6,60 m; 1–4 1,00×0,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1895/96 Reparaturen durch einen Gehilfen des Historienmalers Joseph Widmann, München: Ausbesserung und Ergänzung der Deckenbilder, Neuherstellung der kleinen Medaillonbilder; Ausbesserung und Ergänzung des Stucks (StAM, Landbauämter 3518; Mitt. Gerhard Koschade). Inwieweit in den Feldern a-f noch Reste der alten Malerei vorhanden waren und sich der Maler an solche Reste hielt, ist nicht bekannt. Bei der Restaurierung 1914 faßte Karl Weinzierl von Isen den Raum neu und deckte die Schrift an den stuckierten Wappen am Eingang auf. Bei der letzten Restaurierung 1987 durch die Fa. Keilhacker in Taufkirchen wurde der Raum neu gefaßt, der Stuck ausgebeßert, die Fresken gereinigt, gefestigt und retuschiert. Der Zustand der Dekoration ist gut. Die Bilder a-f sind nur noch als Restaurationsmalerei zu werten.

Beschreibung und Ikonographie

Wolfgangskapelle

Im Zentrum des Gewölbes ist das große, längsrechteckige Bildfeld in einem stuckierten Rahmen, einer schweren Blattgirlande, die in der Querachse von zwei Ornamentkartuschen übergriffen ist und in den Diagonalen von Putten gehalten wird. Vier hochovale Medaillons (1–4) liegen an den Gewölbezwickeln, in zarteren Blattrahmen, zwei kreisförmige Medaillons in ebensolchen Rahmen, aber von Blumen begleitet, in der Längsachse. Der Stuck zeigt neben den fleischigen Akanthusranken auch altertümlichere Motive wie den Modelstuck an den Gewölbeansätzen und fortschrittliche Motive wie Bandmotive und fein ausgezogene und rund geschwungene Akanthusranken, Vasen, Blumen.

MARIÄ HIMMELFAHRT Stuckrelief, farbig gefaßt. Engel tragen Maria auf einer Wolke nach oben. Inschriftfelder in der Längsachse mit Inschriften werden von stuckierten Putten gehalten.

O: TU ES DELICIAE / GENERIS / HUMANAE

1–4 VIER KIRCHENVÄTER Die Medaillons zeigen die Kirchenväter in Dreiviertelfigur. Auf Inschriftbändern stehen ihre Namen.

I S./ AUGUSTINUS. Der Heilige trägt das Pluviale, neben ihm steht die Mitra, ein Putto hält den Bischofstab. Augustinus schreibt in ein Buch, mit der Linken hält er sein Attribut, das brennende Herz.

Das Gewölbe der Brunnenkapelle: Stuck und Fresken von Johann Baptist Zimmermann, in der Mitte Mariä Himmelfahrt, Stuckrelief, seitlich 1–4 Kirchenväter
EB4 Wolfgangsbrunnen EB. Fresken an der Emporenbrüstung der Stiftskirche: St. Wolfgang als Patron

3 S./ GREGORIUS. Gregor der Große in päpstlichem Gewand, jugendlich und bartlos dargestellt, schreibt in ein Buch; als Zeichen der göttlichen Inspiration ist die Taube des Hl. Geistes an seinem Ohr dargestellt.

4 S./ HIERONYMUS. Der Heilige sitzt fast frontal mit über einem Buch gefalteten Händen. Er trägt ein weißes Gewand mit rotem Kragen und Brustkreuz. Ein Putto rechts hält Kardinalshut und zweifachen Kreuzstab. Links ist der Löwe zu sehen. Hieronymus blickt nach oben, wo eine Posaune erscheint.

a-f HEILIGE SIPPE Ganz oben an den Schildwandbogen befinden sich sechs kleine Hochoval-Medaillons in stuckierten Rahmen aus Palmen und Akanthusmotiven (»neu hergestellt« 1895/96).

Daß sich die Ikonographie der barocken Ausstattung mit Maria und den Kirchenvätern beschäftigt, aber überhaupt nicht mit dem Wallfahrts- und Kirchenpatron Wolfgang von Regensburg, ist bemerkenswert und nicht zu erklären. Wenige Jahre danach wurden an die Empore der Kirche Wolfgangs- Szenen gemalt (s.u.). Nach der Erhebung Sankt Wolfgangs zum Kollegiatstift wurden in der Kapelle gemalte Wappen angebracht, die neben der jungen Würde des Stifts auch den Patron St. Wolfgang als historische Gestalt vor Augen führen.

VIER WAPPEN mit erklärenden Inschriften befinden sich in der Kapelle. Sie sind ohne Rahmen direkt auf die Wand gemalt darunter Inschriftbänder

Links vom Altar: Wappen des hl. Wolfgang, Bischofs von Regensburg INSIGNIA SANCTI WOLFFGANGI / EPIS COPI RATISPONENSIS EX / COMITIBUS de PFULLIN GEN CM.LXXII

Geviert. Feld 1 und 4 in Rot ein silberner Schrägbalken. Feld 2 und 3 gespalten Blau und Silber. Oberwappen: Zwei Helme; Helmzier rechts Krone mit Pfauenstößen, links Krone mit Flug. Zwischen den Helmen Puttenkopf mit Mitra. Pedum (rechts) und Schwert (links).

Rechts vom Altar: Wappen der Eltern des Heiligen, der Grafen von Pfullingen INSIGNIA COMITIS IN PFULLINGen / & GERTRUDIS COMITISSAE IN VERINGEN / PAREN- TUM S. WOLFFGANGI EP:

Geviert. Feld 1 und 4 gespalten Rot und Silber; Feld 2 und 3 Hirsch. Oberwappen: Zwei Helme; Helmzier rechts Flug, links Geweih.

Die beiden Wappen St. Wolfgangs und seiner Eltern sowie die zugehörigen Oberwappen sind von einem Stich Andreas Geyers, Regensburg um 1720 übernommen (St. Wolfgang 1972, Abb. 12).

An der W-Wand nördlich vom Eingang: Wappen des Bistums Freising INSIGNIA RvD: ORDINARI=/ATUS FRISIN- GENSIS.

Geviert. Feld 1 und 4 Mohr, Feld 2 und 3 silberner Schrägbalken auf Rot. Der Herzschild ist das Wittelbacher Wappen: Geviert. Feld 1 und 4 Rauten weiß-blau, Feld 2 und 3 goldener Löwe auf Schwarz. Oberwappen rechts Mitra und Stab, links Fürstenhut und Schwert, in der Mitte Putto mit einem Kreuz auf dem Kopf. Der Herzschild weist auf den Fürstbischof Johann Theodor, Sohn Max Emanuels und Bruder Karl Albrechts.

An der W-Wand südlich vom Eingang: Wappen des Kollegiatstifts St. Wolfgang am Burgholz INSIGNIA RvD:mi CAPI- TULI AD / St: WOLFGANGUM AN BURGHOLZ.

Geviert. Feld 1 und 4 gespalten, rechts Beil, Silber in Blau, links Silber; Feld 2 und 3 Pferd, Silber in Rot. Herzschild die Wittelsbacher Rauten.

Diese Wappenschöpfung des 18. Jh. ist interessant, weil sie in ihrer Aussage drei Legitimations-Ansprüche des neugegründeten Stifts vereint: im Wolfgangswappen den Hinweis auf der heiligen Urheber des Gnadenorts, im Fraunberg-Wappen der Hinweis auf eine weit ältere als die eigentliche Geschichte de Stiftes und im Wittelsbacherwappen den Stolz auf den kur fürstlichen Beitrag zur Stiftung

Das Pferd auf rotem Grund ist das Wappen der Fraunberger, der Erbauer der Kirche, die schon im 15. Jh. versuchten, in St. Wolfgang ein Kollegiatstift zu gründen. Klöster benutzten oft das Wappen ihres Stifters. Wenn St. Wolfgang am Burgholz auf das Wappen der Fraunberger zurückgriff, verlegte es die Anfänge des Stifts in frühere Zeiten und erhob so den Anspruch auf eine längere und bedeutsame Geschichte, eine Form der Legitimation, wie sie vor allem im 18. Jh. beliebt war. In der Sicht des 18. Jh. war die Gründung von 1737 eine Wiederbelebung der »Gründung« des späten 15. Jh. durch die Fraunberger.

Feld 1 und 4 ist das Wolfgangswappen, mit dem Wolfgangsattribut, dem Beil. Der Schild gespalten Blau und Silber kommt im Wappen des hl. Wolfgang vor (s. Geyer um 1720). Als Herzschild dient das Wappen der Wittelsbacher, das an Kurfürst Karl Albrecht als den »zweiten Gründer« und Wohltäter des Stifts erinnert.

Um das Wappen sind zwei Ketten gelegt. Die äußere Kette is die des St.-Georgs-Ritterordens. Der Propst von St. Wolfgang war verpflichtet, Kaplan der St.-Georgs-Ritter zu sein. Die innere Kette ist die Collane des Goldenen Vlieses. Diese beiden Ehrenzeichen weisen ebenfalls auf Kurfürst Karl Albrecht nin.

Der Fürstenhut als Helmkrone im Oberwappen bezieht sich ebenfalls auf Karl Albrecht. Teil des Oberwappens sind auch die Pontifikalien, zu deren Führung der Propst von St. Wolfgang berechtigt war. Die Pfauenstöße kommen als Helmzierde auf dem Fraunberg-Wappen vor.

An der Westwand über dem Eingang befindet sich eine stuckierte Inschriftkartusche: Zu der H. Wolfgang Quellen Da sind Tausend hereingegangen / & wurd geholfen jedermann,

An der Außenseite der Westwand sind über dem Eingang zur Kapelle drei stuckierte Inschriftkartuschen angeordnet (be den seitlichen klingen Rocailleformen an).

Links: Bit wen / St. Wolfgang / bitt bey Gott / Dem wird gehol fen / auß der / Noth.

Mitte: Vom Heiligen / Bischof Wolfgang / Hat Kapellen Ihren anfano.

Rechts: O Heiliger / Nothelfer / Wolfgang / bitt für uns / Daj wir Empfangen / Was wir Verlan-/gen.

Fresken an der Emporenbrüstung der Stiftskirche

An der verputzten Front der spätgotischen Empore in der großen Kirche befinden sich vier querrechteckige Bildfelder mit Fresken, die den hl. Wolfgang in seinen verschiedenen Wirkungsmöglichkeiten als Nothelfer und Patron zeigen Auftraggeber war wohl Caspar Fiechtner, Pfarrer von Schwindau (1696-1729), Kanoniker in Isen. Caspar Fiechtner war bestrebt, die Wolfgangswallfahrt zu fördern. Vermutlich anschließend an die Neuausstattung der Wolfgangskapelle und die Gründung der St.-Wolfgangs-Bruderschaft 1712 ließ er die Emporenfront bemalen.

Die Brüstungsbilder sind nicht signiert und datiert. Überzeugende Zuweisung an Franz Albert Aiglstorffer (* um 1675 Wartenberg † 1741 Wartenberg; s.S. 238) durch Brenninger 1982 (S. 109; Hackl/Schnell, S. 19). Aus der fraglichen Zeit ist nur die Kirchenrechnung von 1720 (StAM) erhalten. In diesem Jahr wurde an Altären und Fassungen gearbeitet, und in zeitlichem Zusammenhang mit diesen Arbeiten entstanden woh auch die Bilder an der Emporenbrüstung. Sie wurden im 19. Jh. übertüncht und 1914 durch Karl Weinzierl, Isen, aufgedeckt und restauriert. Letzte Restaurierung der vier Bilder 1988 durch Manfred Fronske, Tiefenbach, nachdem Ludwig Keilhacker 1987 die monochromen dekorativen Malereien der Brüstung renoviert hatte.

Und straffen, Wind und feur Will sicber sein: / Ihm vor Vichfall ruhe will schaffen, beng sich in S: Wolfgang ein. Flußlandschaft mit einer türmereichen Stadt (Regensburg?) im Hintergrund. St. Wolfgang in bischöflicher Kleidung erscheint in Wolken und berührt mit der Bischofstab das Wasser. Am rechten Flußufer ist vor einem Dorf ein Bauernpaar mit Vieh dargestellt, darüber Windkopf (Inschrift s. Isen, EB,, S. 174).

EB2 S: Wolfgang Dem kbrankhen gibt den gsund: Dem kbrumpen, grade glider, / Dem stummen spört Er auf den Mund, Die blinde sechen wider. Bischof Wolfgang, von Putten begleitet, erscheint in Wolken. Auf der Erde ist eine Schar Bittflehender mit verschiedenen Gebresten dargestellt.

EB, S: Wolfgangs fürbitt hatt Das leben villen todten hie gegeben, / Die auch schon todt dagelegen hat er Widerumb bracht zuwegen. Bischof Wolfgang steht vor einem Toten, der von seinen Angehörigen - Frau und Tochter - beklagt wird. Rechts sieht man ein totes Kind mit seiner Mutter.

EB4 S: Wolfgangs bäckhl oder beil, bringt allen Christen hie das heil; / Wan man drinckht von sein heil brinlein wirdt man gsund werden und frisch sein. Der Heilige steht vor der Kirche St. Wolfgang. Er berührt mit seinem Stab das Wasser in einem Schöpfbrunnen, das daraufhin in ein Marmorbecken sprudelt. Bittflehende eilen zum Brunnen. Vor der Linken des Heiligen schwebt das Beil.

Zum St.-Wolfgangskult gehört der Brunnenkult. Bei dem Brunnen in St. Wolfgang handelt es sich nach der Legende um eine durch den Heiligen erweckte Quelle, zu der auch heute noch Gläubige kommen, um Heilwasser zu schöpfen und nach Hause zu tragen. Das Heilwasser wurde meist gegen Augenkrankheiten, aber auch gegen alle anderen körperlichen Leiden verwendet. In St. Wolfgang am Burgholz spielte das Wolfgangshäcklein als Devotionalie eine große Rolle. Es war Wallfahrerandenken und Anhänger an der Kette der St.-Wolfgangsgangs-Bruderschaft.

Quellen und Literatur StAM, Geistlicher Rat, Kirchenrechnungen Grafschaft Haag StAM, LRA 47689: St. Wolfgang, Restaurierungen 1861-1914. StAM, Landbauämter 3518: Restaurierung 1895/96. AEM, Pfarrakten St. Wolfgang: Pfarrbeschreibung; Bauten II Restaurierung 1863, 1910/11. AEM, Stiftsakten A 344 und A 345: Stiftung Fiechtners und Gründung des Kollegiatstifts. BLfD, Akt St. Wolfgang. Schmidtsche Matrikel Bd 1, S. 158-62. Bd 2, S. 139f. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 237–43. KDB I OB (2), S. 2047–55. Heilmaier, Ludwig, Die Kirche St. Zeno in Isen, samt Schulgeschichte und Beschreibung von St. Wolfgang, Burgrain und Haag, München 1920, S. 58–60. Hartig, Michael, St. Wolfgang am Burgholz, in: Die oberbayerischen Stifte Bd 2, S. 97–99. Hauser, Josef, Skt. Wolfgang in der Schwindau, in: Die Heimat am Inn 10, 1936/37, Heft 6, S. 5-7. Backmund, Norbert, Die Kollegiat- und Kanonissenstifte in Bayern, Windberg 1973, S. 96f. Hackl, Georg und Hugo Schnell, St. Wolfgang bei Dorfen, München 1974, 21981, 31989. Brenninger 1982, S. 104–15. Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 59-62 Brenninger, Georg, Kunsthandwerker der Barockzeit aus Kirchenrechnungen der Reichsgrafschaft Haag, in: Heimat am Inn 12, 1992, S. 222–31. Dehio 1990, S. 1065 f. A.B.