Schönau, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
SCHONAU
Pfarrkirche, Gemeinde Tuntenhausen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung war die große Pfarrei Schönau mit zehn Filialen dem Augustiner-Chorherrenstift Beyharting inkorporiert (seit 1425) und wurde von Konventualen versehen. An der Kirche bestand die Allerseelen-Bruderschaft. Schönau war Hofmark, zu Kloster Beyharting gehörig. Gericht Schwaben
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Neubau anstelle einer älteren, vom Blitz getroffenen Kirche nach 1720, Weihe 1723. Damals fehlte die Innendekoration noch, denn 1725 schrieb der Pfarrvikar Winkler: »... Neben dem das meine Pfahrkirchen in Schönau noch nit völlig ausgebauet ...« (AEM). Auf die Innenausstattung bezieht sich die Inschrift in der Kartusche am Chorbogen 17 Ave Maria 26. Hübscher und origineller Stuck, auf Akanthusranken basierend, mit Muscheln, Vasen, Ranken und Blumengebinden, für 1726 aber etwas altertümlich. Schmidt 1739: »Ecclesia parochialis inter rurales est valde ornatae et pulchrioris structurae«. Brand 1827, bei dem die Kirche schwer beschädigt wurde und der obere Teil des Turmes zerstört. Baureparaturen anschließend und Turmbau mit spitzem Helm statt des zerstörten barocken. Neue Seitenaltargemälde 1856, neuer Hochaltar 1863 mit Altarbild von Julius Frank in München 1869. Zumauern der Eingänge im Norden und Süden und Verlegung des Portals an die Westseite 1872.
Saalbau zu fünf Jochen, das letzte Joch vor dem Chorbogen im N und S durch seichte Nischen erweitert; Gliederung durch flache Wandpfeiler mit vorgelegten ionischen Pilastern: gleichmäßige Belichtung in allen Jochen von N und S, Empore im W. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; das umlaufende Gesims wird von Konsolen getragen; Belichtung in beiden Jochen von N und S.
Auftraggeber: Propst Georg II. Mayr von Beyharting (1718-40). Pfarrvikar in Schönau war der Beyhartinger Konventuale P. Ignatius Winkler, der von 1726 bis fast zu seinem Tod Pfarrvikar in Schönau war und dessen Rotel berichtet: »ecclesiam hanc fulmine destructam elegantissime reparavit, tribusque novis, ac splendidis altaribus exornavit«. Winkler wurde am 21.8. 1687 in Wasserburg als Sohn des Wirts Franz Winkler geboren, lernte in München, trat 1707 in Beyharting ein und bekam 1713 die Priesterweihe. Nach zwanzigjährigem Wirken in Schönau erlitt er durch einen Schlaganfall eine halbseitige Lähmung und verbrachte die letzte Lebenszeit im Kloster. P. Ignatius Winkler starb am 5. 3. 1747 im Alter von 59 Jahren. Sein Vorgänger als Pfarrvikar war P. Patritius Feller († 5. 9. 1726).
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1726. Datum am Chorbogen und in Fresko C in der Mitte des unteren Bildrandes 1726.
Die Fresken zeigen auffallende Ähnlichkeit mit denen in Oberndorf (Lkr. Ebersberg, CBD Bd. 11, S. 371-78), die Johann Baptist Zimmermann und einem Mitarbeiter zuzuweisen sind. Zimmermann selbst hat zwar mit den Deckenbildern in Schönau nichts zu tun, aber sie sind wahrscheinlich von dem Maler, der mit ihm in Oberndorf arbeitete. Er zeigt stilistische Abhängigkeit von frühen Arbeiten Cosmas Damian Asams, aber auch von Fresken Nikolaus Gottfried Stubers, hat also wohl seine Ausbildung in München bekommen. Da Schönau und Oberndorf beide im Gericht Schwaben lagen, kommt auch ein Maler aus dem Umkreis in Frage. Zeitlich paßt der Glonner Maler Michael Zäch (* ca. 1695, † 15.1. 1734 Glonn), dessen Werk aber unbekannt ist.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A-E, Aa-b, Ba-b, Ca-b, Da-b, Ea-b) Flachtonne mit Stichkappen; AR (F, Fa-b) Spiegelgewölbe über umlaufendem Gesims
Rahmen: A-E gemalter Profilrahmen; Aa-b, Ba-b, Ca-b, Da-b, Ea-b Stuckprofilleisten, die die Stichkappenfläche einfassen; F Stuckprofilrahmen, in den im N, O und S Ornamentkartuschen eingreifen. Um den Profilrahmen zieht sich eine gemalte Balustrade. Fa-b Ornamentkartuschen. Die Restfläche des AR-Gewölbes wird von Akanthus-Stuckranken eingenommen. Technik: Fresko; A – F, Fa-b polychrom; Aa-b, Ca-b, Ea-b monochrom rot, Ba-b, Da-b monochrom ocker
Maße: A – E Höhe 11,00 m; 3,70 × 2,20
F Höhe 10,40 m; 5,80 x 3,10
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die barocken Deckenbilder hatten beim Brand 1827 mit Sicherheit gelitten. 1843 wird der bedenkliche Zustand der Kirche beklagt; durch die schlechte Dachung war »nicht allein der Dachstuhl, sondern auch das Gewölbe verderbt. So ist erst kürzlich von dem Plafonde ein großes Stück der Stukatorarbeit auf das Pflaster herabgestürzt« (StAM, LRA). Nach der Reparatur erhielt ein Maler »für Ausbesserung des Platfonds« 66 Mark (AEM). 1898 Restaurierung des Innern mit Ausmalung durch Peter und Martin Neumaier, Grafing, »sehr hübsch und geschmackvoll und in Übereinstimmung mit dem Barockstyle der Kirche« (Pfarrarchiv). Von einer Übermalung der Fresken ist nicht die Rede, sie wurden vermutlich »überarbeitet«. Bei der Innenrestaurierung 1935/36 durch Georg und Sepp Hilz aus Bad Aibling wurden »die Deckenbilder im Hauptschiff und das Bild im Presbyterium sorgfältigst gereinigt und schonendst mit Kaseinlösung gebunden und ausgebessert« (StAM, LRA). Der vorhandene Leimanstrich an Wänden und Gewölben wurde entfernt. Letzte Restaurierung des Innenraums 1968. Das Gutachten des Landesamts 1964 verlangte eine Freilegung des Stucks unter den Tünchschichten und die Wiederherstellung der barocken Raumtönung. Die Fresken wurden von Hans Pfohmann, München, wieder gefestigt und gereinigt. Die Abblätterungen in Bild E, von denen gesprochen wurde, wurden ausgebessert; offenbar wurden alte Übermalungen nicht abgenommen, denn die Fresken zeigen starke Übermalungen der Restaurierung von 1936.
Beschreibung und Ikonographie
Die fünf Deckenbilder in den fünf LHs-Jochen werden jeweils von zwei Bildfeldern auf den Flächen der Stichkappen begleitet, die Sinnbilder mit Inschriften zeigen, die eng auf das Thema des Mittelbildes bezogen sind. Diese Nebenbilder haben teils die Form von Emblemen, teils bringen sie Textstellen mit Illustrationen aus dem Hohenlied, die auf Maria bezogen werden, oder Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei. Die Lemmata befinden sich auf Schriftbändern im Bild
A MARIA TEMPELGANG (?) Das Hauptbild über der Orgelempore ist fast ganz verdeckt (keine Abb.). Zu erkennen ist eine Tempelfront mit Soldaten und am Eingang eine Gestalt in blauem Gewand. Vom Ablauf des Marienlebens her und von den Nebenbildern her bietet sich an, die Szene als Maria Tempelgang zu deuten.
Aa Veni, col[umba] mea (Komm, meine Taube). Vogel und Sonne. Die Inschrift (cant 2) stellt die Beziehung zu Maria als die Braut des Hohenliedes her. Der Vogel, ursprünglich sicher eine Taube, ist jetzt eher adlerähnlich. Wenn das Hauptbild den Tempelgang dargestellt hat, dann bezieht sich das Nebenbild auf die frühzeitige Berufung des Mädchens Maria.
Ab Lilienähnliche Blüte auf Postament. Inschrift fehlt. Auch die Lilie, das Symbol der Reinheit, könnte auf den Aufenthalt des Mädchens Maria im Tempel bezogen werden.
B VERKUNDIGUNG In einem Innenraum mit hochgeraffter Draperie links und Balustrade rechts kniet Maria, über Stufen erhöht, an ihrem Betpult. Zwei Putten im Vordergrund bringen ihr eine Blumengirlande dar. Maria blickt zum Engel auf, der auf Wolken von rechts in den Raum schwebt und zum Himmel weist. In der Linken hält er die Lilie. Zuoberst erscheint die Taube des Heiligen Geistes und sendet einen Strahl auf Maria.
Ba Foecunda ex Alto (Vom Himmel fruchtbar gemacht) Perle in der geöffneten Muschel am Meeresufer. Dieses häufig verwendete Emblem bezieht sich auf die Mutterschaft Mariens: »Opportuno hoc Emblemate Virginis sanctissimae uterum significare licet, in quo, superna Spiritus S. virtute Verbum Divinum cum humana natura hypostatice fuit unitum« (Picinelli, Lib. XII, Nr. 237, s.v. margaritha; s. auch
Nr. 240; ausdrücklich auch auf die Verkündigung bezogen Lib. VI, Nr. 75, s.v. conchylium, mit gleichem Lemma).
Bb Hoc signum foederis in nubibus (Das ist das Zeichen des Bundes in den Wolken). Regenbogen in bewölktem Himmel über weiter Landschaft. Der Regenbogen, das alte Versöhnungszeichen zwischen Gott und den Menschen, kann auf die Menschwerdung Christi bezogen werden, die durch den Heiligen Geist bei der Verkündigung stattfand: »Verbum Divinum, humana carne vestitum, Iridem amoenissimam dixeris, quae vindictae Paternae tempestatem certis limitibus circumscripsit, orbemque gratissimo pacis nuntio beavit« (Picinelli, Lib. II, Nr. 254, s.v. iris; ähnlich Nr. 266, 269, 282).
C HEIMSUCHUNG Die Szene der Heimsuchung ist ausführlicher als gewöhnlich geschildert: Maria und Joseph werden von einem Diener mit Traglast und einem beladenen Esel begleitet, der von einem Engel geführt wird. Links, nahe
Ca Fruchtbeladener Baum (Lemma zerstört). Dieses Symbol wird in der Emblematik häufig als Bild der Heimsuchung gebraucht: »D. Archangelus Conter eandem arborem symboli loco expressit, quae frugum suarum pondere onusta, ramos versus terram deprimebat; cum lemmate, ONUSTIOR Virgini haec imago praestat; quippe quae gravida, ac Deo plena, ad Elisabethae domum invisit; eiusque obsequiis humillime se addixit« (Picinelli, Lib. IX, Nr. 74, s.v. arbor).
(Schön wie der Mond, schrecklich wie eine geordnete Schlachtreihe). Vollmond zwischen Sternen am nächtlichen Himmel. In einer weiten Landschaft eine Burg. Die Inschrift ist ein Teil eines Verses aus dem Hohenlied (cant 6,9): »Quae est ista, quae progreditur quasi aurora consurgens, pulchra ur luna, electa ut sol, terribilis ut cas
D GEBURT CHRISTI In der Mitte des Bildes steht die Krippe mit dem Jesusknaben. Maria beugt sich von links über das Kind, die Arme anbetend über der Brust gekreuzt. Joseph ist hinter ihr zu sehen. Zwei große Engel knien anb der Krippe. Aus einer Wolkenöffnung, um die Putten erscheinen, fallen helle Strahlen auf das Geschehen im Stall von Bethlehem. In einem Ausblick links sieht man auf ein nächtliches Feld, wo der Engel den Hirten erscheint.
Da Speculum iustitiae (Spiegel der Gerechtigkeit). Auf einem ornamentierten Tischchen steht ein Spiegel; von der Sonne im Himmel aus fällt ein Strahl auf ihn und wird vom Spiegel weitergegeben. Hier wird der Spiegel in emblematischem Sinn gebraucht: Er empfängt das Licht, das er weitergibt, vom Himmel, ebenso wie Maria Jesus vom Himmel empfangen hat und ihn bei der Geburt der Erde weitergibt.
Db Quasi aurora consurgens (Cant 6,9. Wie die aufgehende Morgenröte). Am Horizont einer weiten, bergigen Landschaft geht die Sonne auf. Wie die Morgenröte vor der Sonne erscheint, so ging Maria dem Erscheinen des Messias voran. (Picinelli, Lib. I, s.v. aurora).
E NAMEN MARIÄ, VON ENGELN VEREHRT Die Mitte des Bildfelds nimmt die Hl.-Geist-Öffnung ein, auf deren Deckel das Marienmonogramm gemalt ist. Auf dem eigentlichen Bild sind unter den vielen Engeln und Putten auch musizierende dargestellt, mit Knickhalslaute, Lyra und Viola. Ein Engel schwingt ein Weihrauchfaß, andere halten Palmen. Uber dem Namen Mariens schwebt ein Engel, der in Fama- Gestalt mit Trompete und Palme dargestellt ist und sicher auch
Fama-Bedeutung hat: er verkündet den Ruhm des Namen Mariens.
Ea Porta coeli! ora pro nobis (Pforte des Himmels, bitte für uns). Offenes Portal in einer Landschaft. In Wolken erscheint der Namen Mariens und sendet seine Strahlen zur Erde. >Porta caeli« ist ein geläufiger Ehrentitel Mariens.
Eb Rubum, quem viderat Moyses incombustum! (Dornbusch, den Moses unversehrt sah). Moses, begleitet von einer Schafherde, ist vor dem brennenden Dornbusch (der hier die Form eines Baumes hat) in Ehrfurcht niedergesunken. In den Flammen erscheint das Jahwe-Zeichen. In den beiden seitlichen Bildfeldern werden in durch die Inschrift erklärten Symbolen Eigenschaften Mariens dargestellt: Der »brennende Dornbusch« steht für die »Immaculata Conceptio«, die »Pforte des Himmels« für Maria als Vermittlerin Göttlicher Gnaden (LCI, Bd 2, Sp. 285, s.v. Himmelstor).
F HIMMELFAHRT UND KRÖNUNG MARIÄ Das Hauptbild füllt mit der üppigen ornamentalen Rahmenzone die gesamte Gewölbefläche des AR. Um das eigentliche Bild verläuft ein Stuckprofilrahmen. Außerhalb dieses Rahmens ziehen sich an der N- und S-Seite gemalte Balustraden, unterbrochen jeweils in den Seitenmitten durch ornamental gerahmte Bildkartuschen (Fa-b), deren Fuß auf dem Gebäll aufsitzt. Der Rest der Gewölbefläche wird von Akanthusrahmenwerk eingenommen. Kühn verkürzte Säulen und Mauerpartien im Hintergrund.
Gras und Felsen führen ins Bild ein, wo im Zentrum der unteren Bildhälfte der Sarkophag Mariens steht, von den Zwölf Aposteln umringt, die mit lebhaften Gebärden des Staunens zum Himmel emporblicken. Hier schwebt Maria in weißem Kleid und blauem Mantel, eine Lilie in der Linken haltend. Christus, der schräg über ihr auf Wolken thront, nimmt ihre Rechte. Er hält eine Krone über ihr Haupt. Rechts über der Szene erscheint Gottvater in Wolken; Putten tragen das Kreuz Christi.
Fa Hic licet esse securi (Hier darf man sicher sein) Maria, mit Zepter und Krone als Patrona Bavariae gekennzeichnet, breitet ihren Mantel aus. Unter dem Mantel knien in Mariens Schutz links die Männer, zwei Geistliche an der Spitze, und rechts die Frauen. Alle haben Rosenkränze in der Hand.
Fb Hac Duce egratior (wohl egredior. Unter dieser Führung mache ich mich auf den Weg). Junger Mann schreitet in einem Garten mit Hecken und Statue dahin. Maria erscheint in Wolken und reicht ihm einen Rosenkranz. Beide Darstellungen im Chor beziehen sich auf den Schutz, den der Rosenkranz gewahrt.
Quellen und Literatur
BHStA, KL Beyharting Nr. 34, Rotel P. Ignatius Winklers. StAM, LRA 119133: Zustand des Gewölbes 1843/44; 119138 Restaurierung 1935/36.
AEM, Pfarrakten Schönau, Pfarrbeschreibung; Pastoral- und Kultgegenstände 1646–1885; Bauten II.
AEM (Standort Freising), Pfarrarchiv Schönau, Bauwesen an der Pfarrkirche: Reparaturen 1827–1923.
BLfD, Akt Schönau, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 351 f. Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 69–72.
KDB I OB (2), S. 1664 f.
Engel, Rudolf, Land zwischen Isar und Inn, München-Zürich 1975, S. 394.
Historischer Atlas I, Bd 48 Gericht Schwaben-Ebersberg (Gottfried Mayr), München 1989, S. 339. Dehio 1990, S. 1083 f.
AR