Sankt Salvator, Wallfahrtskirche St. Salvator
SANKT SALVATOR
Wallfahrtskirche, Filiale der Pfarrei Prien, Gemeinde Rimsting, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Die Pfarrei Prien war dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert. Herrschaftsgericht Wildenwart
Patrozinium: St. Salvator
Zum Bauwerk: Neubau anstelle einer älteren Kirche nach der Mitte des 15. Jh., Weihe 1472 durch Bernhard von Kraiburg, Bischof von Chiemsee. 1639 Anbau einer großen, gewölbten Vorhalle und Renovierung der alten Kirche durch Simon Hoiß, Maurermeister von Hub. Neueinrichtung 1655-75: Hochaltar 1655/57 vom Weilheimer Kistler Caspar Spruner nach Entwurf des dortigen Malers Matthias Schöfftlhuber. Mehrere Figuren 1655/56 von David Degler, Bildhauer in Weilheim. Barockisierung 1765 (das Innere war »noch von alten Zeiten her inwendig sehr schlecht ausgepaut«) durch Johann Scheck, Maurermeister am Berg bei Prien: Abschlagen der Rippen, neue Wandgliederung, Ausbrechen eines Fensters und Ausrunden der übrigen; neue Empore.
Saal zu drei Jochen mit Wandpfeilergliederung, Empore im W. Eingezogener AR zu zwei Jochen, Gliederung durch flache Wandpfeiler, Belichtung durch Fenster im östlichen Joch und in den Schlußschrägen. Die Deckenbilder befinder sich im AR
Auftraggeber: P. Johann Nepomuk Mosmayr, Pfarrvikar von Prien (1756-66). Propst von Herrenchiemsee war zu dieser Zeit Sebastian Danner (1764-92), Inhaber der Herrschaft


Wildenwart Johann Ferdinand Freiherr von Schurff, genannt von Thann (1746–71, † 1779).
P. Johann Nepomuk Mosmayr ließ in den zehn Jahren seine Tätigkeit als Pfarrvikar von Prien mehrere Barockisierunger durchführen: Greimharting 1758 (S. 170), Hittenkirchen 1760, 61, Sankt Florian 1764 (S. 467) und Sankt Salvator 1765.
Autor und Entstehungszeit: Franz Xaver Tiefenbrunner d. J. (* 1736 Trautersdorf bei Prien † 1777/79 ebd.) 1765
»Der Mahler Franz Xaveri Tieffenbrunner welcher das ganze Gottshaus ausgemahlt, item die Altär neu gefaßt und das übrige hierbei renoviert hat auch crafft der Beylag bescheint das ihmo accordirter massen paar sein Verdienst guettgethar worden mit 330f.-« (Pfarrarchiv Prien). Neben Franz Xaver Tiefenbrunner war mit kleinen Arbeiten auch dessen Vater Joseph Tiefenbrunner beschäftigt, der in den Rechnungen »alter Mahler« genannt wird.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Netzgewölbe; die Rippen sind abgeschlagen
Rahmen: Gemalte Rahmung in einfachen, lappigen Rocaille- Tormen
Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 7,60 m; 4,20 × 3,70
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1849 Renovierung der Deckenbilder durch Benedikt Furtner. Eine 1864 geplante Neuausmalung wurde nicht genehmigt. 1866/67 Zutünchen der alten Freskierung. Die Fresken waren unter der grauen Tünche sichtbar (Bomhard, S. 140). Aufdeckung der Deckenbilder im AR bei der letzten Restaurierung 1959 durch Hugo Williroider, Hochstätt. Im LHs befinden sich zwei weitere Hauptfresken mit begleitenden Kartuschen und ein Apostelzyklus an den Wänden noch unter der Tünche.
Beschreibung und Ikonographie
A DREIFALTIGKEIT In einer Himmelsszenerie, in der zahlreiche kleine Engelsfiguren verteilt sind, ist Gottvater über der Weltkugel, Christus mit dem Kreuz und die Taube des Hl. Geistes in einer runden Lichtglorie dargestellt.
1-4 VIER KIRCHENVÄTER Vier Kartuschenbilder begleiten das Hauptbild in den Gewölbezwickeln. Sie zeigen jeweils einen Kirchenvater in Halbfigur.
a-c EMBLEME An den Gewölbezwickeln des Chorschlosses zeigen die Kartuschen Embleme mit lateinischen Lemmata in Inschriftbändern über dem Bild und deutschen unter dem Bild (a-b). Im W von A kleine Kartusche (c) ohne Inschrift.
a Super bonos et malos Ich lasse Meine strahlen / Auf gute und böse fallen. Sonne über Landschaft (nach Picinelli Lib. I Nr. 72, s.v. sol, mit gleichem Lemma, Sinnbild für die Providentia Divina).
b Foecund... (Schrift zerstört) Mond über Landschaft Das Emblem zeigte wohl ursprünglich die Perlmuschel, die vom Schein des Mondes befruchtet wird und als Sinnbild für die Inkarnation Christi gebraucht wurde.
c Hand aus Wolken (ohne Inschrift, keine Abbildung).
Nach der Überlieferung verdankt Kirche und Wallfahrt einem Hostienfrevel die Entstehung: Eine Frau aus Siggenham habe von Prien aus eine Hostie heimtragen wollen, aber dann, von Furcht erfaßt, die Hostie verstecken wollen; diese versank im Boden. An dieser Stelle soll die Kirche erbaut worden sein. Hinter dem Altar befindet sich eine Grube, die Stelle, an der die Hostie im Erdboden verschwunden sein soll. Der Erde aus dieser Grube wurde Heilkraft zugeschrieben: Kranke nahmen davon und legten sie auf die Wunden und Gebrechen, ein Brauch, der vom Bischof von Chiemsee schon 1699 als Aberglaube verworfen wurde
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Prien, Filiale St. Salvator; Bauten II. Pfarrarchiv Prien, Kirchenrechnung von St. Salvator, 1765. BLfD, Akt Sankt Salvator, Filialkirche.
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 196, 210, 215. KDB I OB (2), S. 1663.




Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 26–31.
Bartl, Max, Entstehung der Kirche St. Salvator. – Ders.: Die geheimnisvolle Grube in der Kirche St. Salvator, Chiemgau- Zeitung, Prien 1932, Nr. 112 und Nr. 38. Bomhard, Bd 2, S. 133.
Huber, Konrad, und Peter von Bomhard, Die Kirchen der Pfarrei Prien (= KKF Nr. 49), München und Zürich 1984, S. 20-23.
Katalog der Ausstellung 1250 Jahre Truthersreute-Trautersdorf 740–1990 im Heimatmuseum Prien, Prien 1990, S. 36. Aß, Karl Josef, Die Fresken der Tiefenbrunner. Kunstwerke aus einer Dorfwerkstatt, in: Oberbayerisches Volksblatt vom 7./8.7.1990.
Dehio 1990, S. 1063 f.