Sankt Florian, Wallfahrtskirche St. Florian


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 467–469, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Wallfahrtskirche, Pfarrei Frasdorf (seit 1830), Gemeinde Frasdorf, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Sankt Florian war Filiale der Pfarrei Prien, die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war. Die Brunnenwallfahrt von Sankt Florian hatte ihre Blüte im 15. Jh. Herrschaftsgericht Wildenwart

Patrozinium: St. Florian

Zum Bauwerk: Bau der Wallfahrtskirche an einer heilkräftigen Quelle in den 80er Jahren des 15. Jh.; geweiht wurde sie wahrscheinlich 1496 durch Ludwig Ebner, Bischof von Chiemsee (AEM, Bomhard-Nachlaß). 1710 Zubau der Westvorhalle durch Wolfgang Seimbl d.J., Maurermeister am Berg bei Prien. Barockisierung des Kircheninnern 1764 durch Johann Scheck, Maurermeister am Berg bei Prien: Abschlagen der Gewölberippen, Veränderung der Wandgliederung und der Fenster. Regotisierung 1853 mit Beseitigung aller barocker Gliederungselemente, Vergrößerung der Fenster und Einsetzen von Maßwerk, Aufmalen von Gewölberippen. 1889 wurde ein Rippennetz aus Gips angebracht. 1895 Abbau der oberen Empore. Rebarockisierung des Innern 1955/56.

Die Kirche liegt frei an einem Wiesenhang. LHs zu drei Jochen, Wandpfeilergliederung, Empore im W, gleichmäßige Belichtung durch je drei Fenster im S und zwei im N. Wenig eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung durch Dienste, Belichtung durch zwei Fenster im N, eines im S und zwei in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Pfarrvikar von Prien z.Z. der Ausmalung war P. Johann Nepomuk Mosmayr (1756–66), Propst von Herrenchiemsee Martin Held (1759-64) und nach dessen Tod Sebastian Danner (1764-92), Inhaber der Herrschaft Wildenwart Johann Ferdinand Freiherr von Schurff, genannt von Thann (1746–71, †1779).

Autor und Entstehungszeit: Franz Xaver Tiefenbrunner d. J. (* 1736 Trautersdorf bei Prien † 1777/79 ebd.) 1764

»Mit dem Mahler zu Trautterstorff Franz Xaveri Tieffenprunner, welcher dieses ganze Gottshaus ausgemahlen, auch hiezu beygeschafft, hat man wegen seines Verdiensts überhaupts accordiert, und selben tenore der übergebnen Bescheinung, das Pactierte guettgethan, mit 150fl.« (Kirchenrechnung 1764). Von Franz Xaver Tiefenbrunner d. J., dem letzten Maler aus der Malerfamilie der Tiefenbrunner in Trautersdorf bei Prien sind außer Sankt Florian zwei weitere Freskierungen bekannt: Rain/Thalkirchen 1763 (S. 411) und Sankt Salvator 1765 (S. 470).

Der Maler Joseph Tieffenbrunner war sein Vater. Er war als »alter Mahler« in Sankt Florian mit kleineren Fassarbeiten beschäftigt. Schon 1748 hatte Joseph Tiefenbrunner in St. Florian einen Seitenaltar erneuert. Der Großvater, Franz Xaver Tiefenbrunner der Altere, hatte 1710 die Empore marmoriert

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, B, 1–6) und AR (C, 7–10) Netzgewölbe mit aufgelegten Rippen (1889), die in Konsolen an den Wandpfeilern bzw. Diensten enden.

 
 

Rahmen: A und B gemalte Rocaille-Ornamentrahmung; C ohne Rahmung; 1–10 gemalte Rocaillekartuschen Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 7,80 m; 2,90 x 2,40 B Höhe 7,80 m; 6,90 x 3,90 C Höhe 7,80 m; 4,80 x 3,00 Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckenbilder wurden bei der ersten Regotisierung 1853 übertüncht; bei der Anbringung der neogotischen Gipsrippen von 1889 wurden die zugetünchten Deckenbilder beschädigt. Bei der Restaurierung 1955/56 wurden sie durch Hugo Williroider, Hochstätt, wieder freigelegt und der Innenraum in der Farbigkeit des 18. Jh. wiederhergestellt. Die Rippen von 1889 wurden allerdings beibehalten, sodaß sämtliche Bildfelder von Gewölberippen überschnitten sind; im Bereich der Rippen und der sie begleitenden Fehlstellen wurden die Bildflächen eingestimmt. Die Fresken sind in sehr schlechtem Zustand, die Farbschicht abgerieben, die Darstellungen im Bereich der Rippen zerstört. Bei den Hauptfresken sind die Bildinhalte zu erkennen; bei den Darstellungen in den Kartuschen 1–10 ist oft kaum mehr die Figur zu erkennen. Letzte Innenrestaurierung 1991/93 durch Erwin Wiegerling. Am wesentlichen Bestand – Fresken unter neogotischen Rippen – wurde nichts geändert, es wurde nur versucht, im Detail zu verbessern, vor allem bei den Kartuschen.

Beschreibung und Ikonographie

Außer den Fresken befinden sich am Gewölbe dekorative Malereien Tiefenbrunners, wahrscheinlich 1955/56 teilweise erneuert, Kartuschen in lappigen, späten Rocaille-Formen mit Brokatmustermalerei.

A DER LEICHNAM DES HL. FLORIAN WIRD NACH ST. FLORIAN GEBRACHT Ansicht nach W. Auf dem stark abgeriebenen Bild sind kaum mehr Details zu erkennen. Über eine Wiese naht sich einer Kirche mit anschließenden Gebäudetrakten ein Zug, dem ein Mesner mit Fahne und ein Priester voranschreiten. Zwei Männer tragen einen Sarg. Es handelt sich wohl um die Übertragung des Leichnams des hl. Florian an die Stelle des späteren Klosters St. Florian, wo an seinem Grab der Kult entstand.

Florian von Lorch war römischer Verwaltungsbeamter in Noricum, der sich im Jahr 304 freiwillig der Christenverfolgung unter Aquilinus in Lauriacum stellte; er wurde gemartert und in der Enns ertränkt. Das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian in Oberösterreich führt seinen Ursprung auf Grab und Verehrung des Heiligen zurück.

B MARTYRIUM DES HL. FLORIAN Umlaufende Szenerie mit Hauptansichten im O und W. An den Seiten des Deckenbildes sieht man Häuser (die Stadt Lauriacum/Lorch im S) und Landschaft (N). In der Ansicht nach O ist unter einem säulenbesetzten Bogen thronend der Statthalter Aquilinus dargestellt. Ihm gegenüber erscheint ein Trupp Soldaten und Volk, Figuren, die sich um die Rundung bis auf die N-Seite des Deckenbildes hinziehen. An der Spitze dieser Schar ist der hl. Florian zu vermuten (durch die Rippen überdeckt). Die Szene stellt Verhör und Verurteilung des Heiligen dar. In der Ansicht nach W erkennt man einen Trupp Soldaten auf einer Brücke. Im Wasser ist die Gestalt des hl. Florian (von den Rippen überschnitten) zu sehen, mit einem riesigen Mühlstein um den Hals gebunden. Details sind wegen des schlechten Zustands des Bildes nicht mehr zu erkennen.

C ST. FLORIAN ALS PATRON Über einem kleinen Ort, in dem ein Haus in Flammen steht, kniet auf Wolken der hl. Florian, von Engeln umgeben. Er ist als römischer Soldat dargestellt, trägt einen Helm mit wallendem Federbusch und eine Fahne (weitere Details nicht mehr erkennbar). Über ihm sieht man in einer ausgebreiteten Wolkenszenerie inmitten von Engeln die Dreifaltigkeit. Das brennende Haus erinnert an das Patronat des Heiligen gegen Feuersbrünste.

1–4 VIER KIRCHENVÄTER(?) In Kartuschen an den Gewölbezwickeln, die das Hauptbild B in den Ecken begleiten, waren Heilige dargestellt (fast ganz zerstört). Daß es sich um die Kirchenväter gehandelt haben könnte, legt die Papstfigur in Feld 4 nahe (keine Abb.).

5 und 6 HEILIGE Das Hauptbild B wird in der Querachse von zwei Bildkartuschen flankiert, die durch je drei Rippen überschnitten sind. Die Darstellungen sind weitgehend zerstört; zu erkennen ist nur, daß es sich um zwei Bischöfe handelt. In Bild 5 weist die Gans am linken Bildrand auf Martin von Tours hin, den Patron des Propstes Martin Held (keine Abb.).

7–10 EVANGELISTEN Die Evangelistenbilder in den Gewölbezwickeln des Chors sind von Rippen überschnitten, 7 und 10 von je drei, 8 und 9 von je einer. Außer bei 8, wo Johannes dargestellt ist, sind die Evangelisten nicht mehr zu benennen (keine Abb.).

 
 
C St. Florian als Patron

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Frasdorf, Filiale St. Florian. Pfarrarchiv Prien, Kirchenrechnungen Sankt Florian 1764 und 1765. BLfD, Akt St. Florian, Wallfahrtskirche St. Florian Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 196, 201, 203. KDB I OB (2), S. 1660–62. Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofen 1913, S. 55–59. Maier, Johann, St. Florian, Sonntagszeitung Rosenheim 1926, Nr. 7. Kriss, Rudolf, Volkskundliches aus altbayrischen Gnadenstätten, Augsburg 1930, S. 145. Bomhard, Peter von, Der Chiemgau (= GKF Nr. 18), München 1955 Bomhard, Bd 2, S. 170. Katalog der Ausstellung 1250 Jahre Truthersreute-Trautersdorf 740–1990 im Heimatmuseum Prien, Prien 1990, S. 36. Aß, Karl Josef, Die Fresken der Tiefenbrunner. Kunstwerke aus einer Dorfwerkstatt, in: Oberbayerisches Volksblatt vom 7./8.7.1990. Dehio 1990, S. 1054 f. Naimer, Erwin, Das Bistum Chiemsee in der Neuzeit (= Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Stadt und des Landkreises Rosenheim Bd XI), Rosenheim 1990, S. 54.