Ochsenfeld, Pfarrkirche St. Nikolaus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 372–375, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
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OCHSENFELD

Pfarrkirche, Gemeinde Adelschlag, Diözese Eichstätt; z.Z. der Ausmalung Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken.

Patrozinium: St. Nikolaus

Zum Bauwerk: Spätgotische Chorturmanlage. Die Umbauphase nach 1700 brachte barocke Fenster. 1728 Baureparaturen und neue Seitenaltäre (Maurermeister Hans Deller von Eichstätt, Schreiner Georg Leonhard Koller, Bildhauer Josef Schorer, Maler Hans Georg Frey). In den 1750er Jahren Freskendekoration und Kreuzweg, der bei der 2. Station signiert ist: Pin. Joh. Wittmann, Hilpoltstein, MDCCLVIII. 1871 Verlängerung nach Westen und Emporeneinbau sowie neue Ausstattung. LHs ungegliedert (18,30×6,35 m), drei Achsen. Belichtung durch drei Fenster auf der Südseite und zwei auf der Nordseite. Quadratischer AR, kreuzgewölbt mit doppelt gekehlten Rippen auf Profilkonsolen mit kleinem rosettenförmigen Schlussstein und gotischer Rankenmalerei. Die Deckenbilder befinden sich im Langhaus.

Auftraggeber: Amtierende Fürstbischöfe im vermuteten Zeitraum waren Johann Anton II. Freiherr von Freyberg-Hopferau (1736–57) und Raymund Anton Graf von Strasoldo (1757–81). Amtierender Pfarrer war August Mindel (1747–1765).

Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Anton Köll 1750/60

Komposition und Malstil weisen auf Anton Köll, der in Dörndorf und Pfahldorf ähnliche Bilderzyklen gemalt hat mit Heiligen, die isoliert wie Bildwerke in der Landschaft stehen. Der figurale Stil ist weich und kindlich, die Landschaften sind frisch und duftig. Die Fresken in Ochsenfeld sind noch feiner wie in Dörndorf und Pfahldorf ausgeführt, fast in der Art von Porzellanmalerei. Die Zuschreibung an Köll liegt auch aus historisch-topographischen Gründen nahe. Der Maler wurde hauptsächlich für Freskenarbeiten in kleineren, hochstiftischen Orten im Umkreis der Residenzstadt und in der Nähe seiner Heimatstadt Kipfenbergs beschäftigt. Zur Person des Anton Köll, unter dessen Namen sowohl Vater als auch Sohn in Kipfenberg nachweisbar sind, s. S. 453.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke Rahmen: Stuckprofil Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 5,70 m; 1,00 × 2,30 B Höhe 5,70 m; 2,40 × 2,70 C Höhe 5,70 m; 1,00 × 2,30

 
Der Kirchenraum

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1945/46 Innenrestaurierung von Schmer jun. und sen., Eichstätt, nach dem Befund der Restaurierung von 1871. 1985 und 1996 Restaurierungen durch Konrad Wiedemann, Ebenhausen, die eine Trockenreinigung und einige Retuschen umfassten. Die Fresken sind wieder leicht verschmutzt und übersät mit Krakeleerissen. Die Malerei wirkt bis auf kleine Retuschen original. In Fresko A große verkittete Fehlstelle, das rechte Bildviertel. Auch die Figur des Sebastian und der Nimbus von Wendelin scheinen erneuert zu sein. – Der barocke Bau endete mit Fresko A. Das westliche Fresko über der Empore ist eine neuere Zutat von Franz Xaver Hartmann, signiert F. Hartmann, MDCCLXVIII.

 
 
 
B Heiliger Wandel (Anton Köll? 1750/60)
 
A Die hll. Wendelin, Leonhard und Sebastia

mann/1919. Es zeigt den hl. Isidor im Gebet vor einem Feldkreuz, im Hintergrund pflügende Engel neben der Ansicht von Ochsenfeld. In Wolken die hl. Notburga mit der Sichel, begleitet von den Halbfiguren der hll. Willibald und Walburga.

Beschreibung und Ikonographie

Die buntfarbigen gefälligen Fresken sind eingegliedert in ein einfaches Rahmensystem aus Stuckprofil.

A DIE HLL. WENDELIN, LEONHARD UND SEBASTIAN (Blickrichtung nach W) Die drei Heiligen stehen aufgereiht nebeneinander, zusammenhanglos wie Einzelporträts. Gemeinsamer Schauplatz ist eine irdische Rampe, auf der links Kuh, Schaf und Pferd des hl. Wendelin weiden, während rechts an einem Baum der hl. Sebastian, gespickt mit Pfeilen, sein Martyrium erleidet.

B HEILIGER WANDEL Maria, in Reisemantel und Hut, und Joseph mit dem Wanderstab, halten in ihrer Mitte den Jesusknaben an der Hand. Sie gehen durch eine öde Landschaft. Die irdische Trinität wird in der Längsachse von der göttlichen Trinität gekreuzt: Gottvater schwebt auf einer Wolke und die Geisttaube wirft Strahlen auf das Jesuskind. Auffällig sind die Schatten, die die drei Figuren werfen, demnach werden sie frontal von der Sonne bestrahlt (vgl. die Darstellung in Dörndorf, Fresko A, S. 73).

C DIE HLL. KATHARINA, NIKOLAUS UND DIONYSIUS Pendant zu Fresko A, angelegt wie dieses, mit dem Unterschied, dass die Heiligen auf Wolken sitzen, Katharina mit Palme, Schwert und Rad, Nikolaus im Bischofsornat mit drei Kugeln auf einem Buch, und Dionysius als Priester, im Messkleid mit Bäffchen und Palme, seinen Kopf auf einem Buch tragend.

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrakten Ochsenfeld I,4: Baulichkeit an der Pfarrkirche; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche. BLfD, Akt Ochsenfeld, Pfarrkirche St. Nikolaus.

KDB V MF (2), S. 251–54. Buchner Bistum Eichstätt 1938, S. 313–16. Dehio 1990, S. 930f.; 2006, S. 1018.