Oberau, Filialkirche St, Georg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 394–396, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filialkirche, Pfarrei Oberau, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrei St. Martin Garmisch, Kloster-Ettalisches-Kammergericht Ettal

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Der im O noch erhaltene gotische Bau wurde 1664 nach W erweitert. Inschrift über dem Eingang: Denn 22. Juni 1664 (Weihedatum ?)

Saalbau zu drei Fensterachsen, im W Empore, eingezogener einachsiger AR mit dreiseitigem Schluß

Autor und Entstehungszeit: Laut Akten des B.L.f.D. stammen Dekoration und Deckenbilder aus der Zeit um 1730 und wurden bei einer Restaurierung 1788 in Oltechnik übergangen (Akten Oberau, Gutachten H. Graf vom 22. 3. 1898). Den jetzigen Eindruck bestimmt im wesentlichen die Ausmalung von 1788. Das Deckenbild A zeigt große Ähnlichkeit mit Werken Franz Seraph Zwincks aus Oberammergau (* 1748 Oberammergau † 1792 Oberammergau; s. Kappel, S. 350). Unverkennbar ist der Engeltypus mit den scharfgratigen, nach außen gewölbten Flügeln, besonders in Rückenansicht (vgl. Kappel, S. 351-53 und Kirchberg, CBD, Bd 1, S. 423 f.). Zwinck stellt Engel und Putti mit Vorliebe paarweise dar; auch die Gebäude, die terrestrische Bodenzone, die Bäume, die Leiter lassen sich mit Kappel und Kirchberg vergleichen.

Die Begleitfresken A1-4 und B zeigen nicht Zwincks Handschrift und sind stilistisch in die Zeit um 1730 zu datieren.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B) Tonne mit Stichkappen

Rahmen: A und B gemalte Leiste

Technik: Ol (über Fresko?); alle Bilder polychrom

Maße: A Höhe 4,60 m; 5,30 × 2,80

B Höhe 3,70 m; Ø 0,90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1876 wurde das Gewölbe der Kirche wegen schadhafter Teile der Deckenbilder mit grauer Leimfarbe übermalt. 1896 wurden die Gemälde wieder freigelegt und mit Kaseinfarben renoviert, wobei die Stichkappenbilder A1-4 erneuert, Aa-b neu gemalt wurden. Ein Gemälde »allegorischen Inhalts« an der Chorbogenwand (B. L. f. D.), das bei der Restaurierung zum Vorschein kam, wurde wieder übertüncht, desgleichen Brustbilder der zwölf Apostel, Jesus und Mariens an den LHs-Wänden. Über der Orgelempore die Darstellung eines David psallens, signiert F. Kolomann/ Füssen 1898 über einem ursprünglich barocken Bild. (Keine Abbildung)

 
Traum Jakobs Aa Ab

In A Scheitelriss, z. T. verkittet; Übermalungen, hauptsächlich der Köpfe und Gesichter; teilweise Abblätterungen; alle Bilder nachgedunkelt, bzw. verschmutzt

 

Beschreibung und Ikonographie

A TRAUM JAKOBS (Gen 28, 10–22) Langgestrecktes Bildformat in Baßgeigenform am schmucklosen Gewölbe. Die Bilddarstellung ist im Sinne des »quadro riportato« flächengebunden und weist kaum Untersicht auf (Aufnahmestandort unter dem westlichen Bilddrittel).

Zentrales Bildmotiv ist die Himmelsleiter. Engel steigen die Sprossen hinab zu Jakob, der unter einem hohen Baum – rechts im Bild – am Boden liegend schläft. Gottvater schwebt auf einer Wolke Jakob entgegen, seine Gestalt ist in der Bildkomposition dem Schlafenden diagonal gegenübergestellt. Engel- und Puttigruppen in den Himmelswolken akzentuieren den bogenförmigen Umriß des Bildes. Der terrestrische Schauplatz ist durch ein ebenes Gelände mit Bäumen und Gras geschildert, am Horizont Mauern und Gebäude einer Stadt. Das Bild hat eine dunkle, brauntonige Grundfarbigkeit (Öltechnik). Die Buntwerte von gedämpftem Rot, weißgehöhtem, metallischem Blau und von Ocker ausgehendes, licht aufstrahlendes Weiß sind darin – in den Gewändern – effektvoll zur Geltung gebracht.

Das Bild illustriert den Bericht der Genesis. Jakob hat sein Haupt an einen quaderförmigen Stein gelehnt (Gen 28, 11 und folgend die Aufrichtung und Salbung des Steines: Vers 18). Stab und Gurde deuten auf Wanderschaft hin, die Flucht Jakobs vor dem zürnenden Bruder Esau (Gen 27, 43, Sap 10, 10). Die Engel auf der Leiter der Traumvision steigen herab und hinauf (Gen 28, 12), im Bild ist das Aufwärtssteigen nur in einer Figur angedeutet. Jahwe verheißt Jakob reiche Nachkommenschaft und sagt ihm seinen Schutz zu (Vers 13–15), im Bild ist er in der Figur Gottvaters mit Dreiecksnimbus und Zepter wiedergegeben.

 
B Zwei Putti
 
 
 
Motiv der barocken Deckenmalerei ist die alttestamenta- che Szene sehr selten (vgl. die Darstellung von Georg Hermann, um 1730, an der Decke des ehem Schlafzimmers des Abtes in der Fürstäbtlichen Residen Kempten im Allgäu)
 

die Linke im Redegestus zu Jakob ausgestreckt. Die Gebäude im Hintergrund des Bildes bezeichnen die Stadt Lus, die von Abraham umbenannte heilige Stätte Bethel (Vers 19).

In den Worten des erwachten Jakob »Wahrlich, Jahwe ist an dieser Stätte...« und »... Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und hier die Pforte des Himmels« (Vers 16-17) ist wohl der Sinnbezug der Darstellung zu der Kirche von Oberau zu suchen.

Die Bilddarstellung gibt keinen Hinweis auf die traditionelle allegorische Tugenddeutung der Himmelsleiter. Als

 
Hl.-Geist-Taube

Serie Series (1911 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 - 1111 Georg Hermann, um 1730, an der Decke des ehem Schlafzimmers des Abtes in der Fürstäbtlichen Residen Kempten im Allgäu).

A1-4 EVANGELISTEN in Halbfigur

A1 Markus

A2 Johannes

A3 Lukas

A4 Matthäus

Aa Osterlamm

Ab Hl.-Geist-Taube

B ZWEI PUTTI mit Palmzweig und Lorbeerkranz, die sich auf den Patron, den Martyrer St. Georg beziehen, der im Altarbild wiedergegeben ist.

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 579, 583. Dehio-Gall OB, S. 205.