Maria Beinberg, Wallfahrtskirche Mariä Geburt
MARIA BEINBERG
Wallfahrtskirche, Pfarrei Weilach, Gemeinde Gachenbach, Diözese Augsburg. Maria Beinberg gehörte zur Hofmark Hilgertshausen. Die Inhaber, z.Z. der Ausmalung Max Joseph Freiherr von Lösch (1745–1829), hatten das Patronat über die Kirche. Die überörtlich bedeutende Wallfahrt zum Mariengnadenbild entwickelte sich seit etwa 1520 und besteht noch heute. Gericht Aichach (Kurbayern)
Patrozinium: Maria Gebur
Zum Bauwerk: Die Wallfahrtskirche liegt einsam auf einem Hügel. Der Vorgängerbau der Kirche, eine Kapelle, wurde von Ritter Bernhard »dem Peisser« (1469–76 Pfleger des Gerichts Schrobenhausen) und seiner Ehefrau Elisabeth gestiftet. Errichtung der jetzigen Kirche zwischen 1485 und 1497. Im späten 17. Jh. Anbau einer Kapelle (jetzt Sakristei) am Chorschluß. Umgestaltung der Kirche 1767, Abschlagen der Gewölberippen im AR, Einziehen einer Flachdecke im LHs neue Innendekoration.
Weiter, fast quadratischer einfacher Saal mit doppelter Westempore, Belichtung durch zwei Fenster von S und eines von N. Eingezogener AR zu drei Jochen mit dreiseitigem Schluß Belichtung durch drei hohe Fenster von S und zwei in den Schlußschrägen.
Am Hochaltar von 1660/70 steht in der Mittelnische über dem Tabernakel das Gnadenbild, eine in der Barockzeit bekleidete Skulptur der Maria mit Kind aus der Zeit um 1520.
Auftraggeber: Über dem Chorbogen findet sich das gemalte Wappen der Hofmarksinhaber, der Freiherren von Lösch auf Hilgertshausen und Haffnerskirchen, mit der Inschrift Wappen deren Freyherren / von Lösch zu Hilgertshausen / und Haffnerskirchen, als Lechen / Herren disses Gotteshauses. Das gleiche Wappen bildet die Bekrönung des Hochaltars DNI L.L. PARONES DE / LÖSCH IN HILGERTS-/HAUSEN 1701 stiftete Maximilian Felix von Lösch ein eigenes Benefizium für Maria Beinberg. Inhaber des Benefiziums war z. Z. der Ausmalung Johann Georg Plebst. In der Hohlkehle an der S-Seite über dem westlichen Fenster findet sich eine Kartusche mit der Darstellung des hl. Georg, des Namenspatrons des Benefiziaten Plebst, und der Inschrift 17 H. Joh. Georg Plebst / dermahliger Beneficiat 67. An Georg Plebst erinnert auch das Epitaph an der S-Seite des Chorbogens: SISTE VIA-TOR / HIC IaCet SepVLtVs / Ioannes GeorgIVs PLebst BenefICIatVs CVratVs In / BaInberg, sVae aLIor= / VMqV CVrae / ZeLosVs. / RIP. Das Chronogramm ergibt 1772 als Todesjahr. Das gegenüberliegende Wappen (von 1906) ist das der Freiherren Freyberg von Jetzendorf, an die Hilgertshausen 1814 kam: 19 Wappen der Freyherrn / Freyberg von Jetzendorf / Patrone des / Beneficiums Beinberg 06
Autor und Entstehungszeit: Ignaz Baldauf (* 1715 Inchenhofen † 1795 Inchenhofen). Signatur auf einem Stein am rechten unteren Bildrand von A Jgn: Baldauff / Seren: Episc: Augu: Pictor Aulicus / Pinxit. 40: j767 Aufgrund der stilistischer
Verwandtschaft mit den Deckenbildern werden Baldauf auch die Wandbilder zugeschrieben und der in Malerei vorgestellte Stuckdekor.
Die frühen und mittleren Arbeiten Baldaufs lassen durch figurenreiche Szenen vor untersichtigen, bühnenbildhaften Architekturprospekten eine starke Beeinflussung durch Matthäus Günther erkennen. Baldauf ist jedoch volkstümlicher, in der Erzählweise etwas derber und drastischer als Günther und vereinfacht übernommene Kompositionsschemata. Nahe vergleichbar mit Maria Beinberg sind folgende Kirchenausmalungen Baldaufs: zunächst die Filialkirche St. Salvator in Schrobenhausen, signiert und datiert 1760 (s. S. 271), die auch bezüglich der Auszierung mit imitiertem Stuckdekor zu nennen ist, dann die Pfarrkirche St. Magdalena in Fürstenfeldbruck, 1764 (CBD, Bd 4, S. 42–57), die Filialkirche St. Alban in Lauterbach, Lkr. Dachau, signiert, 1765 (CBD, Bd 5, S. 162–167) und das AR-Gewölbe der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung in Willprechtszell, Lkr. Aichach-Friedberg, signiert, 1766 (Biron von Curland, S. 107–109).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-4) Flachdecke mit Hohlkehle, AR (B, B1-4) verschliffenes Kreuzgratgewölbe bzw. Spitztonne mit Stichkappen
Rahmen: Alle Rahmen sind gemalt. A Profilrahmen in Braun mit Goldhöhungen, mit A1-4 eingespannt in weißen Stuckprofilrahmen; B brauner Profilrahmen mit Goldhöhungen, W1 ockerfarbene Profilrahmen, W1 ockerfarbener Profilrahmen mit Goldhöhungen
Technik: Fresko; A, B, W1-3 polychrom, A1-4 und B1-4 Grisaillemalerei auf Goldbrokatgrund
Maße: A Höhe 8,60 m; 8,30×7,80 B Höhe 8,90 m; 5,45×3,65
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1905 empfahl das BLfD eine Restaurierung der Decken- und Wandbilder, vornehmlich Reinigung und Retusche, Ausführung wohl erst 1906. 1931 sollten die Fresken trocken gereinigt, Risse, Sprünge und Fehlstellen gekittet und ohne Übermalung harmonisch eingestimmt werden (Gutachten v. G. Lill v. 25.4. 1931). Diese Restaurierung fand erst 1940 durch die Fa. Josef Finkenzeller, München, statt. Bei einer umfassenden Restaurierung 1962–64 durch die Fa. Georg Löhnert, Ingolstadt, wurden am Fresko im Altarraum ältere ausgebesserte Wasserschäden und Übermalungen in Leimfarbe festgestellt. Anschließend Reinigung und Einstimmung von Schadstellen. Am LHs-Fresko sollten Übermalungen abgenommen und Schäden in Kaseintechnik ausgebessert werden (Brief von T. Gebhard v. 2.7.1962, BLfD).
Beschreibung und Ikonographie
A KREUZIGUNG – ECCLESIA Das runde Deckenbild im LHs ist zweiansichtig. In der Blickrichtung nach O ist die Kreuzigung als figurenreiche Szene dargestellt; sie nimmt etwa zwei Drittel der Bildfläche ein. Die Allegorie der Ecclesia besetzt das westliche Bilddrittel und wendet sich an den Pilger, der die Kirche wieder verlässt. Der Kalvarienberg ist ein mehrfach abgestuftes Gelände, auf dem sich in der Mitte in einer hell beleuchteten Zone das Kreuz Jesu erhebt. Es wird flankiert von den zur Seite gerückten, schräg gestellten Kreuzen der beiden Schächer, die etwas höher stehen und zur Bildachse hin leicht geneigt sind. Die Darstellung zeigt den Augenblick kurz vor dem Tod des gekreuzigten Heilands. Ein heller Glo-
13 rienschein umgibt ihn, er ist optisch weit entrückt über dem aus einer tieferen Raumschicht aufsteigenden dunkel beschatteten Soldaten, der ihm den Essigschwamm hinaufreicht. Jesus wendet sich nach rechts, dem bußfertigen Schächer Dismas zu und richtet seine Augen auf Johannes und Maria, die unter dessen Kreuz stehen. Beide werden von einem Gnadenstrahl beleuchtet, der vom Munde Jesu ausgeht und der die Inschrift trägt: Siche Deine Muetter (Io 19, 27). Hiermit legt Jesus seine Mutter Johannes ans Herz. Im Kontext des Deckenprogramms wird damit der Bezug zu Maria als Patronin der Wallfahrt hergestellt. Dismas, der sich mit den Worten zu Jesus wendet »Gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst« und dem dieser daraufhin verheißt, er werde noch heute mit ihm im Paradies sein (Lc 23, 42 f), wurde als >sanctus latro< in das römische Martyriologium aufgenommen. Er war Patron der Sterbenden und der zum Tode verurteilten Verbrecher und galt als Vorbild für die Erweckung vollkommener Reue.
Zur Linken Jesu erhebt sich das Kreuz mit dem unbußfertigen, sich abwendenden Schächer mit der Kreuzinschrift DESMAS (richtig Gestas), dahinter stehen heftig gestikulierend die jüdischen Ältesten und der Hohepriester. Über ihnen und dem Salomonischen Tempel, den man in der Ferne sieht, breitet sich die Sonnenfinsternis aus. Im Vordergrund kauern in einer beschatteten Zone die Soldaten und würfeln um den Leibrock Jesu. Zwischen Gestas und Jesus sieht man zwei berittene Hauptleute, von denen einer eine Standarte hält mit den Buchstaben S. P. Q. R.
Im westlichen Drittel des Deckenbildes ist in allegorischer Form die Kirche dargestellt (durch den Einbau einer Orgel größtenteils verdeckt). Auf einem Hügel steht in der Mitte die Figur der Ecclesia, die Tiara auf dem Haupt und bekleidet mit Albe, sowie Stola und Pluviale in Goldbrokat mit rotem Futter. In der Linken hält sie die Schlüssel Petri. Über ihr erscheint auf Wolken das Buch mit den Sieben Siegeln und darauf das geopferte apokalyptische Lamm (Apoc 5, 1-14). Mit der erhobenen Rechten fängt Ecclesia mit dem Kelch den Blutstrahl auf, der aus der Seitenwunde des Lammes kommt. Eine Schafherde am Fuße des Hügels ist soeben der Gefahr entronnen, von Satan in Gestalt eines reißenden Wolfs verschlungen zu werden (Io 10, 1-16), mit Hilfe des Erzengels Michael, der als Teufelsbezwinger und als Guter Hirte neben Ecclesia steht. Er trägt über kurzem rotem Rock einen silbrigweißen Brustpanzer, einen hellblauen Mantel und einen Helm mit Federbusch. In der Linken hält er die Hirtenschaufel, in der Rechten den Rundschild mit dem Marienmonogramm, von dem Blitze ausgehen, die den furchterregenden Wolf in die Flucht schlagen. Die Darstellung des hl. Michael als Guter Hirte ist ungewöhnlich. In Maria Beinberg handelt er im Auftrag von Maria als Guter Hirtin. Maria als ›Pastrix Bona‹ gehört in den Bereich der geistlichen Schäferspiele des 18. Jahrhunderts und ist auch auf Andachtsbildern zu finden. Ein aus St. Wolfgang in Thaining bei Landsberg a. Lech stammendes Gemälde des 18. Jahrhunderts zeigt die Gottesmutter im Gewand einer Hirtin, wie sie mit der Rechten ein Schaf segnet, während ein Blitzstrahl aus ihrer Brust den unten kauernden Wolf trifft (LCI, Bd 2, v. Hirt, Guter Hirt, Abb. Sp. 293, No. 7; Bd 3, s. v. Maria, Marienbild; Maria die Gute Hirtin, Sp. 203).
Das Kolorit von Ignaz Baldauf, der im allgemeinen mehr mit gebrochenen Tönen als mit reinen Grundfarben arbeitet, ist in Maria Beinberg lebhaft, fast bunt. Rot in verschiedenen Abstufungen herrscht vor, dazu treten Blau, nach Blaugrau hin gebrochen sowie Grün- und Ockertöne. Zu diesen erdigen
MARIA BEINBERG
Farben, die bei der Kreuzigung vorherrschen, treten bei Ecclesia Weiß und Purpur, Silber und Gold.
A1-4 VIER EVANGELISTEN Die ovalen, mit Fresko A verklammerten Zwickelmedaillons zeigen die Evangelisten als sitzende Dreiviertelfiguren.
A1 MATTHAUS mit dem Engel. Er wendet den Kopf zurück und blickt zum Kreuz Jesu empor, während er in das Buch schreibt.
A2 MARKUS mit dem Löwen. Er blickt empor und weist mit der linken Hand zum Kreuz Jesu hinauf, die rechte stützt er auf das Buch.
A3 JOHANNES mit dem Adler. Er blickt ebenfalls in Richtung des Kreuzes Jesu. Die rechte Hand hält die Feder, die linke das offene Buch.
A4 LUKAS mit dem Stier. Er schaut in Richtung des Betrachters, der die Kirche verläßt und stellt mit der linken Hand das skizzierte Marienbild vor. Seine erhobene Rechte zeigt in Richtung der Bildseite, wo Maria steht.
B MARIA ALS ZUFLUCHT DER SÜNDER
Das Bild gibt Einblick in einen in kühner Untersicht konstruierten Raum, in dem - der östlichen Rahmenhälfte folgend - eine umlaufende Stufenanlage zum Schauplatz des irdischen Geschehens gemacht ist. Darüber wölbt sich ein Kuppelbau, vor dessen mittlerer Öffnung an der westlichen Bildseite Putten eine schwere, goldgesäumte rote Draperie raffen. Unter der lichten Kuppelöffnung kniet auf einer Wolke Maria, eine Krone auf dem Haupt, die Mondsichel unter ihrem Fuß. Neben ihr steht das Jesuskind als Triumphator, als Überwinder des Bösen auf der Weltkugel. Mit seinem Kreuzstab tötet es den Drachen (= Satan), der daraufhin den Apfel der Erbsünde fallen läßt. Sieben Figuren, die Personifikationen der Sieben Todsünden, sind auf den Stufen im Halbrund, teils kniend, teils sitzend angeordnet. Sie erscheinen hier als reuige Sünder im Augenblick der Umkehr und flehen zu Maria, der Vermittlerin zwischen ihnen und Jesus, um Vergebung. An ihren Merkmalen und Attributen sind sie für die Wallfahrer gut zu erkennen. Die zum Teil historisierenden Gewänder halten sich an das 16. und 17. Jh.
Superbia (Stolz, Eitelkeit) gilt als die Wurzel aller Todsünden und wird meist als ihre Königin dargestellt. Hier sitzt sie in der Mitte der Gruppe in kostbarem, rottonigen Gewand, geschmückt mit Perlen und Juwelen. Zu ihren Füßen schlägt der eitle Pfau sein Rad. Sie greift an ihre Perlenkette, um sie abzulegen; einen Handspiegel hat sie bereits weggeworfen. Als einzige der sieben Figuren blickt Superbia zum Betrachter hinab, als wolle sie ihn auffordern, seine eigenen Laster zu überwinden. Die übrigen sechs blicken flehentlich und hoffnungsvoll zu Maria auf. Als Avaritia (Geiz, Habsucht) figuriert zur Rechten Superbias ein Mann in höfischem, grauvioletten Gewand mit kurzen Pluderhosen, Spitzenkragen und Manschetten. Seine rechte Hand leert einen Geldbeutel, aus dem Dukaten zu Boden fallen. Seinen rechten Fuß hat er auf drei Geldsäcke gesetzt, zum Zeichen der Besiegung seines Lasters. Mit der Linken will er die Ordenskette abnehmen. Der um den Hals hängende zerrissene Strick bedeutet die »Befreiung von der Last des Geldes« und bezieht sich hier wohl auf die Geldsäcke, die Avaritia auf dem Rücken tragen kann. Links im Bild, etwas zurückgesetzt, folgt Accedia (Faulheit, geistige Trägheit) in Gestalt einer sitzenden jungen Frau, nachlässig gekleidet und mit ungekämmtem Haar. Zu ihren Füßen kriecht eine Schnecke, liegt eine halb erloschene Kerze. Sie weist mit der rechten Hand auf ein Herz vor ihrer Brust und das kleine Flämmchen der wieder erwachenden Gottesliebe darin. Mit der Linken greift sie hinab zu dem abgelegten Gebetbuch samt Rosenkranz. Zum linken Bildrand hin, schon fast in die Waagerechte geschoben, folgt Gula (Gier, Völlerei) in Gestalt eines knienden, sehr dicken jungen Mannes in geschlitzten Bundhosen, der im Gebet die Hände ringt. Drei Platten mit einem gebratenen Schwein, mit Schinken und Würsten sowie ein umgestürzter Milchkübel sind zu seinen Füßen angeordnet. Zur Linken Superbias, etwas zurückgesetzt, kniet als Verkörperung von Ira (Zorn) ein Krieger in Helm und Rüstung, der hier sein Schwert fallen läßt. Es folgt die kniende Figur der Luxuria (Irdische Liebe, Schwelgerei), eine üppige junge Frau in einem losen, weißen Gewand. Als Zeichen der Umkehr hält sie einen Schleier vor ihre weitgehend entblößte Brust und hat ihr nacktes linkes Bein auf den kleinen »blinden« Amorknaben gesetzt, den sie wohl zuvor mit ihrem Fuß rücklings die Stufen hinabgestoßen hat. Am rechten Bildrand schließt die Gruppe mit Invidia (Neid, Mißgunst), die wie gewohnt als alte, häßliche, ausgemergelte Frau gegeben ist, in gelbem Gewand, eine Schlange in der rechten Hand und begleitet von einem Hund, der als neidisches Tier gilt. Ihre linke Hand hat sie hoffnungsvoll zu Maria erhoben.
Am O-Rand von B befindet sich eine Kartusche mit einem Schriftband: Maria die / Zu / flucht / der Sünder, am W-Rand eine Ornamentkartusche mit Blumengirlande.
B3 BRENNENDER DORNBUSCH
Felsige Erhebung mit dem brennenden Dornbusch; Moses kniet davor und löst seine Sandalen.
{ZITAT|NNN}
In Horebs=Dornenbusch die liebe Gottes brint / Die Mutterliche Lieb löscht hier das Feur der Sünd.
W2 HEILUNG EINES PRIESTERS (südliche LHs-Wand) Vor dem Altar mit dem Gnadenbild kniet an einem Betstuhl ein Priester, der mit der rechten Hand seinen linken Oberarm hält. Inschrift: Ein Priester wurde durch Kopfschmerzen zu allen Verrichtungen untauglich: er verlobte / sich zu allhiesigen Gnadenbild, und empfand also gleich ein ungewöhnliches Beissen an jenem / Teil beider Arme, wo man die Fontanell zu setzen pflegt: Zeigen sich auch alda rothe Fleckchen / kommt ihm zugleich der Gedanken, diß seye auf Mariä Vorbitt eine Göttliche Ermahnung / er solle ihm die Fontanell setzen lassen. Hates gethan, und wurde vollkomen gesund. Jm / Marianischen Atlas die 1108te Gesch.
In den beiden Wandbildern sind die wunderbaren Hilfeleistungen des Beinberger Gnadenbildes dargestellt, wie sie im Marianischen Atlas des Wilhelm von Gumppenberg von 1673 unter Nr. 1107 verzeichnet sind. Die Heilung des Priesters in W2 bildet dort nicht, wie in der Inschrift angegeben, die Geschichte Nr. 1108, sondern den zweiten Teil von Nr. 1107. Die Fontanell ist eine mit einem chirurgischen Glüheisen gesetzte Wunde, aus der Krankheitsstoffe herauseitern sollten.
W3 MARIÄ HIMMELFAHRT (nördliche Wand des AR, östliches Joch) Im Vordergrund blickt man auf die Schmalseite des Sarkophags, aus dem Maria, von Engeln gestützt, mit ausgebreiteten Armen zum Himmel emporschwebt. Ihr rosa Gewand und der hellblaue, zur Seite flatternde Mantel sind aufgehellt durch das herabflutende Himmelslicht. Um das Grab sind elf Apostel dargestellt, da Thomas bei der Himmelfahrt Mariens nicht anwesend war. Zwei große Vordergrundsfiguren führen in die Komposition ein. Links kniet Petrus, wie üblich in hellblauem Gewand und ockerfarbenem Mantel, die Arme staunend ausgebreitet, rechts steht Johannes in hellgrünem Gewand und rotem Mantel. Er hält das Buch im linken Arm und weist mit der Rechten auf das Geschehen. Die übrigen Apostel erscheinen als leicht verschattete, silhouettenhafte Halbfiguren im Mittelgrund.
An den Brüstungen der Doppelempore sind in sieben gemalten Schriftkartuschen die Anrufungen des Ave Maria bis zum Wort »Jesus« wiedergegeben › jedoch in einer von dem Gebet abweichenden Abfolge, um das Wort »Jesus« in das zentrale Feld der unteren Empore einschreiben zu können.
Obere Emporenbrüstung: 1. Ave / Maria – 2. gratia / plena Untere Emporenbrüstung: 3. Dominus / tecum – 4. et / benedictus / fructus – 5. Jesus – 6. vendris / tui – 7. benedicta / tu in mulieribus
Dieser Teil des Ave Maria soll sicher in Zusammenschau mit dem apokalyptischen Lamm im gewesteten Bildabschluß von Fresko A gelesen werden. Das Lamm befindet sich in der Blickrichtung genau über dem Wort »Jesus«. Der anschließende Teil des Ave Maria«: »Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae, Amen« wird in Fresko B und dem Wandbild W1 veranschaulicht. In der Wallfahrtskirche Maria Beinberg sind so auf kleinem Raum alle Mittel in Bild und Wort dazu genutzt, um Maria als die große Vermittlerin zwischen den sündigen Menschen und Gott zur Darstellung zu bringen.
Quellen und Literatur
ABA, Pfarrarchiv 65 (Weilach), Karton 4: Bauakten; ebd. Dekanatsarchiv 9, 426 Pfarrei Weilach, Maria Beinberg; ebd. BO 2006 Hilgertshausen und Bainberg: Patronatsrechte. BLfD, Registratur Akten, Maria Beinberg, Kirche Mariä Geburt.
Jetzendorf, Schloßarchiv, Freiherr von Freyberg’sches Archiv 3668: Trennung des Benefiziums Maria Beinberg von der Pfarrei Weilach 1524–1707.
Gumppenberg, Wilhelm von, SJ, Marianischer Atlaß... deutsch von Maximilian Wartenberg, 2 Bde, München 1673. Bd 2, S. 241 f., Nr. 1107.
Mayr, S. 25 f.
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 439f.
o.V., in: NK, 11, 1845, Anhang S. 14
Freyberg, Max von, Geschichte der ehemaligen Hofmark Hilkertshausen, zugleich Lösch’sche Familiengeschichte, in: OAVG. 33, 1874, S. 128 f. 159, 177.
Steichele Bd 2, S. 181–185, 290–292.
Hopp, Bd 1, S. 88.
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Welisch, S. 85 f.
Euringer, Gustav, Auf nahen Pfaden, Augsburg 2. Aufl. 1911–1916. S. 633.
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Gruber, Max, Der Maler Ignaz Baldauff (1715–1795), in Amperland 4, 1968, H. 1, S. 7–10.
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Saur, Bd 6, 1992, S. 406f.
Mayer, Franz J., Der Maler Ignaz Baldauf und die Deckenfresken der St. Salvator-Kirche in Schrobenhausen, in: Schrobenhausener Kulturschätze. Von der Asamkirche bis zum Zeiselmairhaus, Dachau 1992, S. 104–110.