Mauern, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 10: Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2365-4, S. 142–154, geschrieben von Sauerländer, Brigitte. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

MAUERN

Pfarrkirche (Pfarrverband Rennertshofen), Markt Rennertshofen; Diözese Augsburg. Z. Z. der Ausmalung präsentierte das Domkapitel Augsburg nach Nomination des Dompropstes auf die Pfarrei. Das Gnadenbild der ehemaligen Marienwallfahrt ist nicht mehr vorhanden. Am nördlichen Seitenaltar wurde ein wundertätiges geschnitztes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert verehrt. An der Kirche bestand eine Bruderschaft der hll. Sebastian, Kosmas und Damian, die 1737 als Zweig der gleichnamigen Bruderschaft von St. Peter in Neuburg eingeführt wurde. Gericht Graisbach/Monheim (Pfalz-Neuburg)

Patrozinium: Mariä Himmelfahr

Zum Bauwerk: Der Turmunterbau stammt aus dem 13. Jh., der Chor aus dem Ende des 14. Jh. 1730 ließ Pfarrer Mising das baufällige LHs der Kirche durch Maurermeister Daniel Hollenthaler und Zimmermeister Joachim Lacher, beide aus Monheim, begutachten (ABA, Pfarrarchiv Mauern, Karton 2 Nr. 2). Eine Reparatur wurde beschlossen, die einem Neubau des LHs gleichkam, und die Arbeiten wurden durch die genannten Meister 1733/34 ausgeführt. Am 15.7.1734 begann man mit der Aufrichtung des Dachstuhls. Der gesamte Neubau des LHs einschließlich Deckenbildern (s. u.), neuer Orgel und Gestühl kostete 1618 fl. 23 kr. Ein Rest von 967 fl. 24 kr. blieb noch zu bezahlen. Die Kirche wurde am 13.7.1755 durch den Augsburger Weihbischof Franz Xaver Freiherr Adelmann von Adelmannsfelden geweiht.

Saalkirche zu drei Achsen mit eingezogenem Chor, ebenfalls zu drei Achsen, und dreiseitigem Schluß. Hoher Turm im

nördlichen Chorwinkel. Im LHs flache, zu den Rändern etwas abgemuldete Decke, im Chor über Pilastern Kreuzgratgewölbe mit Stichkappen. Am Chorbogen die Jahreszahl 1734. Im Westen Empore mit stark vorspringendem Mittelteil. Im LHs sechs, im Chor drei korbbogige Fenster. Im LHs Bandwerkstuck von 1734, der hauptsächlich um die Bildkartuschen verteilt ist. Die Stuckierung des Chors mit Akanthus und spärlichem Bandwerk, vielleicht von Jakob Egg (s. S. 93), ist etwas früher, um 1720, entstanden.

Hochaltar von 1734 mit einem Gemälde der Himmelfahrt Mariä, 1629, von Georg Schabhardt aus Wemding (BHStA), auf dem nördlichen Nebenaltar wundertätiges geschnitztes Kruzifix des 14. Jh., auf dem südlichen Nebenaltar Sebastiansstatue, um 1737 im Zusammenhang mit der Einführung der Sebastiansbruderschaft entstanden.

Auftraggeber: Alexander Sigismund Christoph Mising (Müßing), Pfarrer in Mauern (1717–52). Sein Vorgänger war sein Bruder, Philipp Wilhelm Mising (1698–1717). Beide sind nebeneinander in der Kirche begraben.

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder des Altarraums stammen aus der Zeit von dessen Stuckierung, um 1720. Ihr Autor ist unbekannt.

Die Deckenbilder des LHs malte Carl Conrad Prauneck (*1686 Neuburg † 1742 Rennertshofen; s. S. 244) 1734.

In der Baurechnung für das LHs, mit deren Einträgen am 17.5.1734 begonnen wurde (ABA, Pf 86, Karton 2, Nr. 2), heißt es fol. 7: »Außgab uff die Mahlerey Kunst: Nr. 14: Erst lich ist dem H. Mahler von Rennertshofen accordierter Maßen zuegestellt worden 177 fl.- Item ist wegen der Cost, so derselbe in dem Pfarrhof 10 Wochen lang genossen, uff zu rechnen 10 fl. – Von Wegen Fassung drey eysernen Creutzen demselben behändigt 3 fl. Summa 190 fl.«

 
Der Kirchenraum
 

Die Identität des Malers geht aus einem Brief des Pfarrers Mising an den Dekan des Landkapitels Burgheim, Johann Martin Perckmann, vom 25.9.1734 hervor (ebd.):

»Es werden Ihro Exzellenz Herr Dechant aus beykommendem gemachten Viertel Riß der Stokatur Arbeith in Maurn sattsam ersehen, wie viel Feldungen in selbigen sich befinden wegen der Mahlerey. Wan nun Herr Carl Prauneck, Marktschreiber und Mahler etc. zu Rennertshofen gern sehete, daß mit ihme ein ordentlicher Kontrakt gemacht werde, jetzt habe ich vornehmlich das Sentament von Ihro Exzellenz Herrn Dechanten holen wollen und sollen. Dieser obgenanter Herr Carl verlangt vor alle Arbaith 150 fl /: welches Salar ein hartes verlangen/: allein es leidet großen Abbruch. Meines Erachtens /: jedoch ohnmaßgeblich/: wer es genug 120 fl. Ich erwarte aber das beste Guetachten von Ihro Exzellenz Herr Dechanten. Der Bezahlung betreffend wird solche sich nach und nach bezahlen lassen. Ich werde auch das meinige mit Sammlung guter Patronen nit ermanglen lassen, sondern mir auch das Beste angelegen sein lassen. Im übrigen habe ich auch Meldung thuen söllen, daß gleich wie in der gemachten Überschlag kein Mahlerey nit begriffen, also auch kein Schreiner, kein Glaser, kein Schlosser, welche alle ebenfalls ein grosses Quantum werden auch fordern, so zue Zeit sich sattsam zeigen wird, mich aber ir grosse Sorgen werfen ... «. In einer lateinischen Randnotiz Perckmanns zu diesem Schreiben heißt es: »D. Carl vero videtur minima petere, cum pictor Eystettensis qui ecclesiam in Rögling depinxit et laudatur, ubi intelligo, ultra dimidiu[m] minus accepit« (Der Herr Karl scheint wirklich äußerst wenig zu verlangen, obwohl der Eichstätter Maler, der die Kirche in Rögling ausgemalt hat und gelobt wird, so weit ich verstehe, über die Hälfte weniger bekommen hat).

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A, A1-7, Aa-f) Flachdecke, zu den Rändern abgemuldet, AR (B, a-b, C, C1-2, c-d, D, e-f) Kreuzgratgewölbe mit Stichkappen

Rahmen: A profilierter Stuckrahmen, innen vergoldet, A1-7, a–f Stuckrahmen; B-D kräftig profilierte Stuckrahmen, wobei C noch von einem dicken Blätterkranz umgeben ist, a-b, C1-2, c–f Stuckrahmen; EU und EB Stuckrahmen

Technik: Fresko, polychrom, mit Ausnahme von Ad-g, die camaieu grau sind

Maße: A Höhe 7,65 m; 6,60×4,50 A 1-4 Höhe 7,65 m; 3,80×3,00 B Höhe 7,15 m; 2,30×1,60 C Höhe 7,15 m; 1,80×1,60 D Höhe 7,15 m; 2,30×1,60 EU 1,3 Höhe 3,40 m; 1,60×2,10 EU2 Höhe 3,40 m; 2,00×2,60 EB1-6, 3-13 0,80×0,60 LD

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die originale Substanz der Deckenbilder ist stark reduziert. Anläßlich einer Restaurierung der Kirche 1861/62 wurden alle Bilder von dem Autodidakten I.M. Fischer aus Stepperg übermalt, wohl auch z.T. erneuert. Af trägt die Signatur: I.M. Fischer p. 1861. Besonders weitgehend ist die Erneuerung des Hauptbildes A. Für 1920 war wieder eine Innenrestaurierung geplant

wozu es in einem Gutachten des BLfD v. 15.7.1919 heißt »Die Deckenbilder im Langhaus sind sehr gut erhalten und verlangen nur eine einfache Reinigung, die im Chor sind trüb geworden und müssen von einem bewährten Restaurator instand gesetzt werden (Kunstmaler Kögl in Pasing). Dasselbe gilt von den stark abblätternden Apostelbildern an der Emporenbriistung« (ebenso in StA Augsburg).

Für eine erneute (?) Restaurierung gab das BLfD am 12.11.1959 ein Gutachten ab, in dem es hingegen u.a. heißt: »Die zahlreichen Deckenmedaillons (1. Viertel 18. Jh.) zeigen barocke Kompositionen, sind aber völlig und unglücklich übermalt«. Es müsse versucht werden, die Übermalungen zu beseitigen und die darunter liegende barocke Malerei wieder zur Geltung zu bringen. Die Befunduntersuchung des Restaurators Theo Sprenzinger, Wildenroth, bestätigte die Übermalung; an der Empore sei sie unter Verwendung von Ölfarbe erfolgt (Schreiben Sprenzingers v. 9.4.1960). Die Restaurierung wurde 1960 von der Fa. Konrad Schmer in Eichstätt ausgeführt, die an der O-Seite des Chorbogens die Inschrift anbrachte: TEMPLUM S. MARIAE VIRGINIS / RENOV. A. D. MCMLX / KONRAD SCHMER EICHSTAETT. Im Charakter entspricht diese Inschrift den Inschriften der Embleme im Chor, die demnach wohl auch von Schmer stammen. Auch die Malerei der Embleme selbst scheint weitgehend neu zu sein. Den schlechten Erhaltungszustand dokumentieren auch von Schmer angefertigte Photos der Deckenbilder B und C im Chor (ABA, Pf 86, Karton 3, Nr. 2). Ein vom BLfD geforderter »Künstler-Restaurator« (vorgeschlagen waren Matthias Kronwitter, München, und Theo Sprenzinger) wurde offenbar nicht mit der Restaurierung der Deckenbilder betraut, sondern diese der Kirchenmalerfirma überlassen. Es gab Beanstandungen. Am 14.11.1969 schrieb Landeskonservator Bertram vom BLfD an Herrn Schmer: »Was mir gar nicht gefallen kann, ist die restaurierte Emporenbrüstung. Ihr Geselle besitzt nicht die Voraussetzungen für solche Arbeiten, er hat die Apostelbilder regelrecht verdorben, sie sind formlos geworden. Größte Zurückhaltung bei den drei noch fehlenden Bildern unterhalb (= EU1-3). Nur sichern. Nichts für ungut, aber ich bin immer für völlige Klarheit...«. 1988/89 wurde das Kirchendach saniert und im Innern eine Holzschutzbehandlung vorgenommen.

Beschreibung und Ikonographie

A MARIA ALS HIMMELSKÖNIGIN Maria thront auf Wolken, die von Engeln gestützt und emporgehoben werden. Rechts im Hintergrund musiziert ein Engelsorchester zu ihrem Lob, von oben gießen Engel Blumen aus einem Füllhorn auf sie herab, andere schleppen eine dicke Blumengirlande herbei, ein Engelputto bringt Krone und Zepter, ihre Attribute als Himmelskönigin. Wie man vor allem an den voluminösen Gewändern der Engel im unteren Teil des Bildes sieht, liegt der Darstellung eine Komposition von Prauneck zugrunde (vgl. Gottvater mit den Engeln im Zentrum von A in der Pfarrkirche von Rennertshofen, S. 244), die von späterer Hand übergangen wurde. Ob für die Übermalung allein I.M. Fischer (1861/62) verantwortlich ist oder ob die etwas »moderner« aussehende Marienfigur auch von anderer Hand überarbeitet wurde, ist ohne technische Untersuchung nicht zu entscheiden. Die Komposition ähnelt bei der Hauptfigur in auffälliger Weise dem zentralen Deckenbild A in der Pfarrkirche St. Lucia in Zell von 1739 (S. 330). Dort thront die Titelheilige auf Wolken über dem Ort und der Kirche von Zell mit entsprechender Gestik, ihr Umhang in lebhafter Bewegung hinter ihr hochgewirbelt. Man könnte sich vorstellen, daß auch in Mauern ursprünglich zu Füßen der Gottesmutter der Ort und die Wallfahrtskirche zu sehen waren.

 
A Maria als Himmelskönigin
 
 
🗘 Davids Opfer

A1-6 SZENEN AUS DEM ALTEN TESTAMENT Das Hauptbild A ist in den Diagonalen begleitet von Moses-Szenen (A1-2) im Norden und David-Szenen (A3-4) im Süden. A den Langseiten sind im Norden die Männer im Feuerofen dargestellt (A5), im Süden die Prüfungen des Job (A6).

 
A2 Moses richtet die Eiserne Schlange auf
 

A1 MOSES SCHLÄGT WASSER AUS DEM FELSEN (Num 20, 1–13) Im Hintergrund schlägt Moses, in Begleitung von Aaron, Wasser aus dem Felsen. Die entspringende Quelle fließt in einem Bach nach vorne. Am Ufer sitzt das Volk Israel und schöpft mit Kannen und Schalen Wasser. Inschrift: EGRESSAE SVNT AQVAE LARGISSIMAE, ITA VT POPVLUS BIBERIT ET IUMENTA (Da ging viel Wasser heraus, daß die Gemeinde trank und ihr Vieh; Num 20, 11). – Auf dem Rückweg aus Ägypten durch die Wüste murrte das Volk gegen Moses, weil es kein Wasser gab. Gott befahl Moses und Aaron, mit dem Felsen zu reden, daß er Wasser gäbe. Aus Kleingläubigkeit schlug Moses jedoch mit dem Stab an den Felsen. Die Israeliten wurden auf wunderbare Weise gerettet, Moses und Aaron jedoch wegen ihres Ungehorsams bestraft.

 
 
A2 Drei reuige Sünder

A2 MOSES RICHTET DIE EISERNE SCHLANGE AUF (Num 21, 6–9) Im Mittelgrund steht Moses und weist auf die erhöht an einer Stange befestigte Eiserne Schlange. Von den in Vordergrund dargestellten Israeliten werden die, die zu ihr aufblicken, verschont, die anderen durch Schlangenbisse getötet. Inschrift: ITA EXALTARI OPORTET FILIVM HOMINIS (so muß des Menschen Sohn erhöht werden). – Das Volk Israel murrte auf dem Rückweg aus Ägypten durch die Wüste erneut gegen Moses und wurde durch eine Schlangenplage bestraft. Nur wer zu der auf Gottes Geheiß errichteten Eiseren Schlange aufblickte, konnte gerettet werden. Die Eiserne Schlange präfiguriert die Kreuzigung. Die Inschrift zitiert Jo 3, 14: »Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden«.

 

A3 DAVID UND DER PESTENGEL (2 Sam 24, 10–25; 1 Chron 21, 1–30) Vorne links kniet David im Königsornat, im Gebet versunken, neben sich die Harfe. Im Himmel sieht man den Engel mit dem flammenden Schwert, der dem Volk die Pest bringt, rechts ein Zelt, vor dem Soldaten stehen. Der Boden ist von Toten übersät, im Hintergrund liegt Jerusalem. Inschrift: MELIVS EST VT INCIDAM IN MANVS DOMINI QVAM IN MANVS HOMINVM (Es ist besser, in die Hand Gottes zu fallen als in die der Menschen). – David hatte gegen den Willen Gottes eine Volkszählung in Israel durchführen lassen. Gott kündigte ihm Strafe an und sprach: »Wähle dir aus, ob drei Jahre Hungersnot herrschen soll oder drei Monate Niederlage vor deinen Feinden, so daß das Schwert deiner Feinde dich trifft, oder ob drei Tage das Schwert Jahwes, die Pest, im Lande sein soll, indem der Engel Jahwes im ganzen Gebiet Israels Verderben verbreitet«. David entschied sich für letzteres und sprach: »Meine Not ist sehr groß. Doch will ich lieber in die Hand Jahwes fallen, da sein Erbarmen sehr reich ist. Aber in die Hand der Menschen wil ich nicht fallen«. Der Herr schickte den Engel über Jerusalem, doch bald reute es ihn und er ließ die Strafaktion abbrechen. Als David den Engel sah, sprach er zum Herrn: » Ich bin der Hirte, der Böses getan hat. Aber diese, die Schafe, was tater sie? Jahwe, mein Gott! Deine Hand komme doch über mich und das Haus meines Vaters. Aber gegen dein Volk sei sie nich zum Schlage gerichtet« (1 Chron 21, 11–13; 17).

 
 
Ak Perlmuschel
 
A. Pelikan
 
 
A. Baum vom Blitz bedroht
 
Af Verschneiter Baum

A, DAVIDS OPFER (2 Sam 24, 18–25; 1 Chron 21, 26– 72; vgl. auch 1 Par 21, 18-30) David kniet links vor einem Altar, auf dem ein Rind liegt, vom Himmel fällt Feuer, zum Zeichen, daß das Brandopfer Gott wohlgefällig ist. Im Hintergrund verhandelt ein Diener Davids mit Aravna um den Preis der Tenne und des Rinds. Inschrift: UT CESSET INTERFECTIO, QUAE GRASSATVR IN POPULO. II. Reg. C.24. (daß die Plage aufhöre, die im Volk grassiert). - Zur Abwendung der Pest gebot Gott David, einen Altar aufzurichten auf der Tenne Aravnas, des Jebusiters. David begab sich dorthin, um die Tenne zu kaufen. »Dann erichtete David daselbst Jahweh einen Altar und brachte Brandopfer und Gemeinschaftsopfer dar. Da wandte Jahweh dem Land seine Huld wieder zu und die Seuche wurde von Israel abgewehrt« (2 Sam 24, 25). An der Stätte dieses Opfers wurde später der Tempel von Jerusalem erbaut.

A, DIE DREI MÄNNER IM FEUEROFEN (Dan 3, 1–30) Rechts thront Nebukadnezar, umgeben von seiner Palastwache, links steht der Ofen, in dessen Glut die drei von einem Engel behüteten Männer knien und beten. Das Feuer schlägt vorne aus dem Ofen und verbrennt zwei der Wächter. Im Hintergrund erkennt man das goldene Standbild. Inschrift: ET AMBULANT IN MEDIO FLAMMAE Dan. C. V.24 (sie gehen inmitten der Flammen).- Drei jüdische Männer mißachteten den Befehl König Nebukadnezars, ein goldenes Götterbild anzubeten und wurden zur Strafe, daß sie sich widersetzt hatten, gefesselt in einen glühenden Ofen geworfen, in dem sie jedoch mit Hilfe eines Engels ohne Schaden zu nehmen überlebten. Daraufhin bekehrte sich Nebukadnezar zum Gott Israels.

A6 JOBS PRÜFUNGEN (Iob 1, 1–22) Job sitzt rechts auf einem Strohhaufen, hinter ihm steht der Teufel und geißelt ihn. Von links werden ihm seine toten Kinder gebracht, seine Frau versucht ihn zu überreden, von Gott abzufallen, im Hintergrund brennt sein Haus. Inschrift: SIT NOMEN DOMINI BENEDICTVM Job. C.3 (Der Name des Herrn sei gelobt).- Gott erlaubte dem Teufel, Gottvertrauen und Frömmigkeit Jobs auf die Probe zu stellen. Als diesem die Fülle von Hiobsbotschaften überbracht worden waren, rief er aus »Jahwe hat gegeben, Jahwe hat genommen, der Name Jahwes sei gepriesen«.

A7 DREI REUIGE SÜNDER Das Bild an der LHs-Decke vor dem Chorbogen zeigt drei Personen, die in einer felsigen Landschaft knien, über der in einem Dreieck das Auge Gottes sichtbar ist. Von dort fällt ein dreigeteilter Gnadenstrahl auf sie herab. Der Mann rechts – der Verlorene Sohn? – trägt ein blaues Kleid und einen roten Mantel, in der Hand hält er ein Herz. In der Mitte kniet Petrus in weißem Kleid und blauem Mantel, die Hände zum Gebet gefaltet. Links sieht man vor einer Höhle mit entblößtem Oberkörper die büßende Magdalena, die ein Kreuz emporhält. Inschrift: OCVLI DEI SEMPER AD NOS. / Gottes Augen Vns Wohl Taugen. Unter der Darstellung findet sich in einer Kartusche die Jahreszahl 1734.

Aa-f EMBLEME Im Osten und Westen an das Hauptbild A schließen sich Embleme auf die Jungfräulichkeit Mariens an (Aa-b), im Norden und Süden Embleme als Sinnbilder des Erlösungswerkes Christi (Ac-f).

Aa APPROPINQVANS PHAEBVS IN SPLENDORE SVO NE VTIQVAM ECLIPSATVS (= 1734. Die sich nähernde Sonne verfinstert sich in ihrem Glanz überhaupt nicht). Über einer Hügellandschaft steht die Sonne, vom Mond etwas verdeckt, etwas unterhalb ein Stern.

Ab GAVDIVMQVE VOBIS O CELI VNIVERSALE (= 1734. Allgemeine Freude für euch, o Himmel). Eine Muschel mit Perle am Ufer des Meeres.

Ac DOMI AC RVRI, SVB HAC SECURI (In Stadt und Land ist man hier sicher). Baum, von Blitz bedroht, in freier Landschaft vor einem Dorf. Dieses Emblem trägt die Signatur Fischers (s. o.).

Ad NON MIHI SOLI, VERVM ET PROLI (Nicht für mich allein, sondern auch für meine Nachkommenschaft). Pelikan, der mit seinem Blut seine Jungen nährt.

Ae FVNIS ET PALVS, MIHI SVNT SALVS (Strick und Pfahl sind mir das Heil). Ein Busch an einem Spalier.

Af MAGIS VERNABIT, DVM NVDA STABIT (Er wird sich mehr verjüngen, wenn er unbelaubt dasteht). Ein Baum steht allein in einer verschneiten Landschaft, im Hintergrund eine Kirche. Der verschneite Baum ist Sinnbild der Fiducia, des zuversichtlichen Ausharrens der Natur bis zur Wiederkehr des Frühlings (s. Kemp 58:3).

Fresken im Altarraum

B HL. FAMILIE Maria sitzt mit dem Kind auf dem Schoß auf einer Bank im Freien. Rechts lehnt sich der hl. Joseph über eine Gartenmauer zu ihnen herab. Der Johannesknabe, das Lamm zu Füßen, naht sich von rechts und reicht dem Jesuskind eine Frucht. Links im Hintergrund sieht man ein Kind, das einen Blumenkorb auf dem Kopf trägt.

a-b MARIEN-SYMBOLE Das Bild B wird begleitet von zwei Kartuschen mit Mariensymbolen.

a MARIA AVERTIT REDV/CIT OMNIBVS ADDICTOS [Inschrift ergibt keinen Sinn] – Burg im Meer.

b MARIA ASSISTIT RE / NATIS IN AGONE (Maria hilft allen Getauften in der Todesnot). - Segelschiff auf stürmischer See.

C MARIA IMMACULATA Maria in weißem Kleid und blauem, rosa gefütterten Mantel steht auf der Weltkugel und tritt den Kopf der Schlange nieder. In der Linken hält sie eine Lilie. Kleine Engel umgeben sie und breiten einen roten Vorhang zur Seite.

Das Bild C wird begleitet von zwei Darstellungen in den Stichkappen, die die Hilfe Marias veranschaulichen (C1-2) und von zwei Kartuschen mit Mariensymbolen (c-d).

 
 
EU1 Einzug in die Arche
 
Das Chorgewölbe mit den Fresken B Heilige Familie, C Maria Immaculata, D Hl. Dreifaltigkeit; a–f Mariensymbole, C1, Hilfe Mariens

ten die Tiere der Arche zu. Inschrift: PORTVS ISTE TVTVS IIS, IN EO PIE ORANTIBVS, CERTAQVE MISERICORDIAE PORTA (= 1734. Das ist der sichere Hafen für sie, und darin ist für sie, die fromm beten, die sichere Tür der Barmherzigkeit).

EU2 DIE SINTFLUT (Gn 7,17-8,14) Die Arche Noe treibt im Wasser, auf dem die untergehenden Menschen und Tiere noch teilweise zu sehen sind.

 
EU2 Sintflut

C1 MARIA RETTET DIE SÜNDER Die auf Wolken stehende Gottesmutter breitet die Arme aus, von unten links blicken zwei Gläubige zu ihr auf. Sie tritt auf den Kopf der Schlange, deren Leib rechts einige Sünder umzingelt; diese werden jedoch von einem Engel nach oben gezogen und durch Marias Fürbitte gerettet.

C2 MARIA HILFT IN DER TODESSTUNDE Am Bett eines Sterbenden steht der Priester und weist auf Maria hin, die mit ausgebreiteten Armen im Himmel erscheint. Links flieht der Teufel.

c TOTA PULCHRA ES, MARIA / ET MACULA NON EST IN TE (Ganz schön bist du, Maria, und es ist kein Makel an dir). Links ein Lilienzweig, rechts ein Rosenzweig, der den Dornen entwächst.

d IN TENEBRIS RESPICE STELLAM / IN TRIBULATIONE VOCA MARIAM (Im Dunkeln richte dich nach dem Stern, in Bedrängnis rufe Maria). Links ist die Kirche von Mauern dargestellt, rechts ein strahlender Stern.

D DREIFALTIGKEIT Christus und Gottvater thronen auf Wolken, in heftig nach oben wehende Mäntel gehüllt. Sie halten zusammen eine Bügelkrone, die genau die Bildmitte einnimmt. Darüber schwebt oben die Taube des Hl. Geistes, unten steht auf einem großen Spruchband die Inschrift: VEN. DE LIBANO SPONSA MEA, VENI DE / LIBANO VENI: ECCE CORONABERIS Cant.4.V.8 / Komme von Libano meine Brauth komme von / Libano komme her, siehe du wirst gegrönet werden/ Cant.4. V.8. Die Darstellung des Freskos im Gewölbe über dem Hochaltar bezieht sich auf den Empfang Mariens im Himmel, deren Himmelfahrt auf dem Altarbild wiedergegeben ist.

e-f MARIEN-SYMBOLE Das Bild D wird begleitet von zwei Kartuschen mit Mariensymbolen.

e MARIA ADIVVANTE RETVN / DVNTVR INIMICORVM ARMA (Maria hilft und macht die Waffen der Feinde stumpf). Ein Gebäude mit Zinnen, links ein Baum.

f MARIA AUXILIVM NOS / TRVM INFIRMORVM SALVS (Maria ist unsere Hilfe und die Rettung der Kranken). Halb entlaubter Baum.

 
 
 
EB8-9 Johannes Evangelist und Matthias

EU3 DER BUND GOTTES (Gn 9,8–17) Nach der Sintflut opfert Noe, und Gott verspricht ihm und seinen Nachkommen, daß keine Sintflut mehr die Erde verwüsten soll. Als Zeichen dieses Bundes erscheint am Himmel der Regenbogen

EB1-13 CHRISTUS UND DIE ZWÖLF APOSTEL An der Emporenbrüstung sind Christus und die Apostel als Halbfiguren dargestellt und unterhalb der Bildfelder durch Inschriften bezeichnet; Zählung von S nach N. Auch dieser Apostelzyklus geht teilweise auf Bergmüller zurück (s S. 31 ff.).

Rechts und links von EB1 und EB13 findet sich jeweils die Inschrift: EGO SVM VITIS / VOS PALMITES. (Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben). Die Felder sind ausgefüllt mit stuckiertem Weinlaub mit Reben.

 
 
EB10-13 Thomas, Jakobus d. J., Simon und Matthäus

Ergänzungen zur Ikonographie

Die Kirche ist Mariä Himmelfahrt geweiht. Dieses Thema ist auch am Hochaltar dargestellt. Am Patroziniumsfest kamen früher viele Wallfahrer nach Mauern. Das nicht mehr vorhandene Mariengnadenbild zeigte die fürbittend im Himmel kniende Gottesmutter, wie es auf dem Votivbild im Chor zu sehen ist. Ein Andachtsbildchen des 18. Jahrhunderts, gestochen von Joseph Anton Schmid in Augsburg (ABA, Pf 86, Karton 18, Nr. 5, mehrere Exemplare), stellt ebenfalls Maria auf Wolken kniend dar. Sie breitet die Arme aus, zwei kleine Engel halten ihren Mantel. Die Inschrift lautet: »Wahre abbildung der von / unerdäncklichen Zeiten / Wunderthätigen Muetter / Gotttes Bildnus in Mauren / nebst Neuburg an der Donau«. Außer der Gottesmutter wurde in Mauern ein wundertätiges geschnitztes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert hoch verehrt. Auch hiernach gibt es ein Andachtsbild des 18. Jahrhunderts von Schmid. Nach alter Überlieferung soll man in der Reformationszeit versucht haben, das Kruzifix in einem Kalk- oder Ziegelofen zu verbrennen. Es sprang bei drei Versuchen immer wieder aus dem Feuer und wurde so vor der Vernichtung gerettet. Die Andacht zum Hl. Kreuz wurde in Mauern durch den Auftraggeber der Fresken, Pfarrer Mising, gefördert. Er erwarb zwei Kreuzpartikel mit Authentiken von 1732 und 1749. Auch die Kirchweihe wurde in Mauern am Fest der Hl. Kreuzerhöhung gefeiert.

Die alttestamentlichen Darstellungen des LHs und der Emporenunterseite beziehen sich auf das Thema der Buße und Errettung, der Gnade und Barmherzigkeit sowie der Abwendung von Plagen. Der Gott Israels läßt sein Volk und den einzelnen nicht zu schanden werden. Die Aufrichtung der Ehrnenen Schlange ist eine Präfiguration der Kreuzigung. Auch die meisten anderen Darstellungen deuten auf das Leiden und den Tod Christi.

 
 
Das Mariengnadenbild von Mauern und der Gekreuzigte, Kupferstiche von Joseph Anton Schmid, Augsburg

Triumph Christi am Kreuz voraus. Man könnte deshalb in der Mitte der Decke ein Thema aus der Passion oder die Inkarnation des Erlösers anstelle einer Maria in der Glorie erwarten. Das Deckenprogramm im LHs verweist jedoch auf Mauern als Wallfahrtsort, wo die Gottesmutter und der Gekreuzigte gemeinsam verehrt wurden, in dem nicht mehr vorhandenen Mariengnadenbild und in dem geschnitzten Kruzifix des 14. Jahrhunderts am nördlichen Seitenaltar.

Quellen und Literatur

ABA, Pf 86 (Pfarrarchiv Mauern) Karton 2, Nr. 1 und 2: Kirchenbau. Karton 3, Nr. 2: Restaurierungen. Karton 20, Nr. 740 Sebastiansbruderschaft. Karton 18, Nr. 5: Andachtsbilder. BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 3001: Altar von 1629; ebd. Kirchenbau 1734.

BLfD, Registratur, Akten Mauern, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

StA Augsburg, BA Neuburg Nr. 5075: Restaurierungen seit 1853.; ebd. Regierung Nr. 12930: Restaurierungen 19. Jh.

Braun-Augsburg Bd 1, S. 486; Bd 2, S. 257. Böhaimb, Carl August, Mauern, in: NK 35, 1869, S.41–62. Steichele Bd 2, S. 694–700. Hopp, Bd 1, S. 127 f. Sturm, S. 25, 30, 78, 101. Horn/Meyer 1958, S. 545–549. Kemp, S. 243 f. Dehio 1990, S. 627 f.

B. V.-K.