München, Alte Mariahilfkirche


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 268, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Ehem. Wallfahrtskirche, die von den Konventualen des nahegelegenen Paulanerklosters versehen wurde, Pfarrei St. Carl Borromäus. Abbruch 1839, durch einen Neubau gleichen Patroziniums ersetzt

Patrozinium: Mariahilf

Zum Bauwerk: Bau ab 1629 als Stiftung von Sebastian Rothon, der von einer Wallfahrt aus Paris ein elfenbeinernes Marienbild mitgebracht hatte, das bald große Verehrung genoß und am Hochaltar seinen Platz fand. Vollendung des Baues 1639; Übernahme der Seelsorge durch die Paulaner 1642. Die Kirche, die nach dem Stich Stridbecks von 1697 ein kleiner Zentralraum über der Form eines griechischen Kreuzes war, mit Turm an der S-Seite, wurde 1723/29 durch den Paulanerpater Adalbert Kitzer erweitert. Hochaltar von Johann Baptist Straub. Baufälligkeit Ende des 18. Jh. (Einsturz eines Teils der Decke 1793). 1839 wurde die Kapelle abgetragen, um der neuen Pfarrkirche Mariahilf von Ohlmüller und Ziebland Platz zu machen, die seit 1831 im Bau war

Kreuzkapelle

Westlich der Alten Mariahilfkirche stand auf dem Mariahilfplatz die sog. Kreuzkapelle, ein dreischiffiger Bau mit eingezogenem nach W gerichteten AR und vorgelagertem Turm im O (Ansicht Nr. 16 bei Stridbeck). Der Bau wurde 1466 für ein vom Isarhochwasser angeschwemmtes Kruzifix errichtet und von dem südlich der Kapelle gelegenen Paulanerkloster aus versehen. Die Kapelle wurde 1814 abgebrochen.

In einer Beschreibung von 1750 ist von einer Erweiterung und »Reparierung« mit Gemälden die Rede, die sich auf eine Ausmalung beziehen könnte: »...Gleich etlich Schrit (der Mariahilfkirche) gegenyber ligt dises khlein, doch anmüthig auch der Paulanern zugehorige Capellerl mit einem Hl. Kreuz Altar erbaut 1684, ...ist aber auch in der Läng nach in etwas erweitert und mit gemähl durchaus repariert ao 1720.«

Autor und Entstehungszeit: Oefele nennt als Maler eines Deckengemäldes Johann Zick: »...dann kam er auf München, und mahlte die kürchen Maria hilf ob der Au: wo man doch des Stauders (seines Lehrers) art wahrnimmt. hic duxit uxorem, et inde Venetias abiit ad Piacettam...« »...pinxit in Templo D. auxiliatricis in suburbam super humidum: pretio senexentorum et 50 florenum: sed ille nunc opus aspiciens in Coro enclamat: non est meum./hoc anno 1736« (S. 421) und an anderer Stelle (S. 258): »das fresco ist vom Zick und das schlechtist«.

In der Beschreibung der Kirchen Münchens von 1750 wird die Entstehungszeit mit 1725 angegeben und die Ausmalung sehr gelobt: »Ist aber namhafft in der länge erweitert und mit schönen neuen Gemählen herrlich ausgeziehrt 1725. « Im Verzeichnis der Kirchengemälde von 1760 wird auch Zick als Autor, jedoch (wohl fälschlich) mit dem Datum 1743 genannt. Dieses Datum ist von Westenrieder und den folgenden Autoren übernommen worden, wobei das Fresko mehrmals ausdrücklich gerühmt WITO

Verbleib: Die Ausmalung ging beim Abbruch der Kirche 1839 zugrunde

Darstellung: Über das Thema des Deckenbildes, das nach dem Verzeichnis 1760 vom Choraltar »bis an das eiserne Gitter« beim Eingang reichte, also wohl den Großteil der Gewölbefläche einnahm, gibt es verschieden Nachrichten. »Das Bildnis Maria Hilf wird theils in dem Choraltare, theil in dem Gewölbe durch den Malerpinsel zierlich vorgestellet« (Crammer, S. 149); »ein schönes Platfondgemälde, die h. Maria, bey welcher verschie dene Preßthafte, Hilfe suchen« (Westenrieder 1800, S. 350); »wurde... mit schönen Fresko Gemälden geziert, worin die Erbauung dieser Kirche gebildet ist« (Lipowsky, S. 81); »...der Papierfabrikant Christoph Mayr welcher der Kirche ein ausstehendes Guthaben schenkte, und sich für der Erweiterungsbau sehr thätig zeigte, daher er auf dem späteren, 1743 vor Josef (sic) Zick gefertigten Plafondgemälde mit einem Plane in der Hand dargestellt war« (Forster, S. 918f.); »Als Deckengemälde war die Schenkung des Gnadenbildes in Fresco ausgeführt« (Mayer-Westermayer, S. 463).

Das Deckenbild zeigte wohl eine bei Zick häufig vorkommende umlaufende Szenerie, in der die Geschichte des Gnadenbildes und der Wallfahrtskirche in einzelnen Szenen dargestellt war.

Quellen und Literatur

Stridbeck (Kupferstich; Kommentar Stridbeck 1966, S. 26f.) Wening $ 48

Wening, S. 48.

Oefeleana 5, v, 5. 250, 422. Schmidtsche Matrikel Bd 9 S 460

Verzeichnis 1760.

Crammer 1781, S. 148/49.

Westenrieder 1738, S. 197f., 397

Westenrieder, Lorenz, Beschreibung des Churfürstl. Gerichts ob der Au nächst München, in: Beyträge zur vaterländischen Historie... Bd 6, München 1800, S. 350.

Hubner, S. 414:

Lipowsky, Felix Joseph von, Geschichte der Vorstadt Au bei München, München 1816, S. 60ff., 81.

Reber, S. 110

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 469

Forster, S. 918-21

Freudenberger, Josef, Aus der Geschichte der Au, München 1913, S. 94. Aus der Ceschichte der Au München .... C.

-, Aus der Geschichte der Au, Die alte Au, München 1927, S. 117f., 129.

Feulner, Adolf, Die Zick, München 1920, S. 2–4.

Marquart, Eva-Maria, die Gemälde der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, in: Katalog Johann und Januarius Zick, Koblenz 1984 S. 16.