Leonhardspfunzen, Wallfahrtskirche St. Leonhard


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 12, Teil 2: Stadt und Landkreis Rosenheim. Hirmer, München 2006, ISBN 978-3-7774-3355-4, S. 343–344, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Filial- und Wallfahrtskirche, Pfarrkuratie Zaisering, Gemeinde Stephanskirchen, Erzdiözese München und Freising z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Leonhardspfunzen war Filiale der Pfarre Prutting, die seit 1490 dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war, und bildete zusammen mit Zaisering einen Kooperatur-Bezirk. Der den Ort teilende Graben war bis 1803 die Grenze zwischen den kurfürstlichen Gerichten Rosenheim und Kling. Seit dem 15. Jh. bestand eine Wallfahrt zum hl. Leonhard. Gericht Kling

Patrozinium: St. Leonhard

Zum Bauwerk: Frei über dem Ort liegende Kirche. Anbau eines neuen Chors und Einwölbung des spätromanischen LHs um die Mitte des 15. Jh. Barockisierung des Innenraums 1733/36 mit Abschlagung der Gewölberippen, Stuckierung und Neugestaltung der Wandgliederung durch Wolf Ganteren vom Sagerer bei Babensham, Gerichtsmaurermeister vor Kling (Bomhard S. 434, Anm. 562). Der altertümliche Stuck mit ausgeprägten Gurtbögen, betonten Stichkappengarten Stuckprofilfelderung und Füllungen aus dünnen Akathusranken dürfte aus dem Bautrupp Ganterers stammen. 1823 Einbau der oberen Empore. Der Hochaltar, ein Werk des Rosenheimer Kistlers Johann Georg Keill (urspr. Fassung von Joseph Anton Höttinger), kam 1825 von der Michaelskapelle in Rosenheim nach Leonhardspfunzen. Anläßlich der Neuaufstellung faßte ihn 1826 der Aiblinger Maler Johann Böham neu. Das Altarblatt Maria und Leonhard als Fürbitter für Leonhardspfunzen malte 1826 Sebastian Rechenauers d.J. für Leonhardspfunzen (das ursprüngliche Altarblatt mit einer Darstellung des hl. Michael malte 1762 der Rosenheimer Maler Joseph Anton Höttinger; es ist heute im Kapuzinerkloster Rosenheim). Der einzige Seitenaltar kam erst 1858 hierher. Saal zu drei Jochen mit kräftigen Pilastern, Doppelempore im W, gleichmäßige Belichtung durch je zwei Fenster im N und S; AR etwas breiter als das LHs, zwei Joche mit dreiseitigem

C Hl. Leonhard

Schluß, Pilastergliederung; Belichtung durch zwei Fenster im N, eins im S und zwei in den Schlußschrägen.

Auftraggeber: Pfarrvikar von Prutting war in der fraglichen Zeit P. Sigmund Hofmann von Herrenchiemsee, unter dem kurz vorher auch die Kirche von Straßkirchen (s.S. 494) barockisiert worden war. Der für Leonhardspfunzen und Zaisering zuständige Kooperator war P. Laurentius Kellerer (1728-41).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, 1733/36. Am 24.3.1733 erbat der Pfarrvikar von Prutting in Salzburg die Erlaubnis zum Zelebrieren auf einem »altare portatile« (AEM), was bedeutet, daß zu diesem Zeitpunkt die Gerüste zumindest teilweise entfernt waren. Bomhard (Bd 1, S. 351, S. 435, Anm. 564) nimmt als Autor Franz Krenzner an (* 1677 Füssen † 1752 Prutting), aufgrund der historischen Gegebenheiten. Franz Krenzner (sic), Sohn des Füssener Malers Alexander Kranzner, war seit 1701 in Prutting als Mesner angestellt und übte nebenbei das Malerhandwerk aus. Während seiner Schaffenszeit in Prutting wurden die meisten Kirchen der großen Pfarrei Prutting barockisiert und freskiert: archivalisch für Krenzner gesichert sind nur die Freskierungen in Söchtenau und Schwabering, die beide nicht erhalten sind. Da es also kein gesichertes Vergleichsbeispiel gibt, kann man die Deckenbilder in Leonhardspfunzen Krenzner nicht eigentlich zuweisen, wenn seine Autorschaft auch höchst wahrscheinlich ist.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A-C) verschliffenes spätgotisches Gewölbe mit Stichkappen; AR (D) verschliffenes Kreuzgewölbe mit Stichkappen

Rahmen: Stuckprofilrahmen in C-Bogenschwüngen

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 7,70 m; 1,20 x 1,00 B Höhe 7,70 m; 1,20 x 1,05 C Höhe 7,70 m; 1,20 x 1,05 D Höhe 7,90 m; 2,60 x 2,25

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen sind aus den Jahren 1821 und 1858 überliefert. 1899 Renovierung und Ausmalung des Raums durch August Schluttenhofer, Rosenheim. Diese Raumfassung wurde 1939 von Hugo Williroider, Hochstätt, durch eine Fassung ersetzt, die sich am Originalbefund orientierte. Vor der letzten Restaurierung 1983/84 war der Bau in sehr schlechtem Zustand, die Gewölbe hatten tiefe Risse. Der Bau wurde aufwendig saniert, mit folgender Außen- und Innenrestaurierung. Reinigung und Restaurierung der Deckenbilder 1983/84 durch Alois Stein, Inzell. Sie wurden von Übermalungen befreit (Fresko D scheint immer noch starke Übermalungen zu haben). Die Fassung Williroiders wurde beibehalten, nur erneuert.

Beschreibung und Ikonographie

Der Stuck ist grau und rosa getönt auf weißem Grund.

A MARIENMONOGRAMM mit je einem Engelsköpfchen an den vier Seiten (keine Abb.)

B NAMEN JESU IHS mit Kreuz und Nägeln, oben und unten je ein Engelsköpfchen, seitlich je ein anbetender Putto (keine Abb.)

C HL. LEONHARD Auf Wolken steht der Heilige im Habit der Benediktiner, den Abtstab in der Linken, und hält Buch und Flasche; über dem Arm hängt die Kette.

D MARIENKRÖNUNG Maria steht mit gefalteten Händen auf Wolken. Über ihr thronen links Christus und rechts Gottvater und halten eine Krone über ihr Haupt. Darüber schwebt die Taube des Hl. Geistes.

EB1-7 PATRONATSZENEN An der Brüstung der unteren Empore sind sieben Bildfelder angebracht; sie zeigen die Heiligen Leonhard und Aegidius als Fürbitter (EB1 und EB7) sowie Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons (EB2-5); sämtliche Bilder mit Inschriften. Die Empore wurde 1665/70 eingebaut, nach Bomhard (S. 351) wohl von Wasserburger Meistern.

EB, H. Leonhart, bitt für uns

EB2 Der h. Leonhart, wird getauft

EB, Der h. Leonhart, tröstet die Sünder

EB4 Der h. Leonhart, besucht die Gefangenen

EB, Der h. Leonhart, befreit die Besesenen

EB6 Der h. Leonhart, baut zu Ehren Mariens eine Kirche

EB, H. Egiedius, bitt für uns

Die Bilder der oberen Emporenbrüstung stammen von 1823.