Lauterbach, Filialkirche St. Alban


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 5: Landkreis Dachau. Hirmer, München 1996, ISBN 978-3-7774-6320-9, S. 162–167, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

LAUTERBACH

Filialkirche, Pfarrei Aufhausen, Pfarrverband Tandern. Markt Altomünster, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Marienwallfahrt. Lauterbach war Pfarrei, seit dem Dreißigjährigen Krieg zusammen mit der ebenfalls kleinen Pfarrei Aufhausen von einem Pfarrer versehen. Das Patronats- und Präsentationsrecht hatte auf die Pfarrei Lauterbach der Kurfürst von Bayern, auf die Pfarrei Aufhausen (seit 1725, vorher Scheyern) der Fürstbischof von Freising; besetzt wurde wechselnd, im Verhältnis 2 zu 1. Gericht Aichach

Patrozinium: St. Alban

Zum Bauwerk: Die spätmittelalterliche Kirche war nach dem Dreißigjährigen Krieg baufällig, doch erfolgte ein Neubau erst um 1760 unter Beibehaltung gotischen Mauerwerks vor allem im Chor. Gleichzeitig Stuckierung in einfachen Rocailleformen von einem unbekannten Wessobrunner Stukkator.

Einfacher Saal mit Empore im W, Belichtung durch je zwei Fenster im N und S; AR von etwa gleicher Breite zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gewölbe auf Konsolen bzw. Wandpfeilern, Belichtung durch je ein Fenster von S und N

Auftraggeber: Es gibt keinen Hinweis auf den Auftraggeber der Ausmalung. Es handelt sich vermutlich um eine Stiftung, da die Doppelpfarrei Aufhausen/Lauterbach sehr arm war. Pfarrer zur Ausmalungszeit war Joseph Gerbl (1744-78, † 1781).

Autor und Entstehungszeit: Ignaz Baldauf (* 1715 Inchenhofen † 1795 Inchenhofen) 1765. Die Signatur am nordöstlichen Bildrand von A (kaum noch lesbar) JB (ligiert) aldauff ... / Augustanus Pictor ... [aulicus?] / pinxit Ao

n den KDB ist die Signatur »Ignaz Baldauff 1765« überliefert.

Ignaz Baldauf wurde in Augsburg zum Maler ausgebildet. Sein Lehrer ist nicht bekannt, besonders in seinen früheren Werken ist jedoch ein großer Einfluß Matthäus Günthers sichtbar. Kurz vor 1749 machte sich Baldauf endgültig in Inchenhofen ansässig. Spätestens seit 1755 war Baldauf Hofmaler des Fürstbischofs von Augsburg. Seine Fresken entstanden sämtlich in der näheren Umgebung, im alten Landgericht Aichach. - Die Ausmalung von Lauterbach gehört zu einer Gruppe von vier Freskowerken mit St. Magdalena in Fürstenfeldbruck, 1764 (s. CBD, Bd 4, S. 42-57), Willprechtszell (Schw LKr. Aichach-Friedberg), signiert und datiert 1766, und Maria Beinberg (LKr. Neuburg-Schrobenhausen), signiert und datiert 1767, in denen Baldauf das Günthersche Erbe noch bewahrt, gleichzeitig aber seine persönlichen künstlerischen Vorzüge, Lebendigkeit und volkstümliche Charakterisierung seiner Figuren, voll entwickelt hat (s. auch Biron, S. 14). Es besteht kein Anlaß, das von den KDB überlieferte Datum 1765 anzuzweifeln.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle AR gotisches Spitztonnengewölbe mit Stichkappen, nach Abschlagen der Rippen verschliffen

Rahmen: A und B Stuckprofilrahmen, von Rocaille-Ornamenten in den C-Bogengelenken unterbrochen, in den nördlichen und südlichen Ausbuchtungen übergriffen; W in stuckierter Nische ohne Rahmung

Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 5,10 m; 6,20 × 4,10 D II:1

B Höhe 4,70 m; 3,60 × 3,40

W 2,20 × 1,30

 
Maria als Helferin der leidenden Menschen
 

LAUTERBACH

 
 
B Abigail vor David

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Keine Restaurierung seit 1908. In A Längsriß, Wasserschäden im SO und NO, Wasserschaden mit Fehlstelle an der Frauengruppe im N. Loch über der Frau mit der Inschrift Brod. In B Längsriß an der S-Seite, geringfügige Wasserschäden. Pilzbefall in A und B. Im übrigen ist die originale Farbsubstanz erstaunlich gut erhalten. 1996 Beginn einer Restaurierung durch Franz Debold, München.

Beschreibung und Ikonographie

A MARIA ALS HELFERIN DER LEIDENDEN MENSCHEN Betrachterstandpunkt unter der Bildmitte. Das Fresko erstreckt sich fast über die ganze Ausdehnung der sehr niedrigen Decke, so daß die zentrale Perspektiv-Architektur des Bildes keine illusionistischen Effekte vermitteln kann. Bildschauplatz ist ein runder Hof mit weitgespannten Bögen in den Achsen und säulenbesetzten Pfeilern in den Diagonalen, die das umlaufende und abschließende Gebälk, das über den Pfeilern verkröpft ist, tragen. Zu diesem Rundbau führen Stufen hinan. Diese in sich völlig stimmig angelegte Scheinarchitektur wird vom Freskorahmen angeschnitten. Die mittlere Öffnung der Architektur nach oben stimmt nicht mit der Freskomitte überein, sondern ist nach W verschoben, so daß in der Hauptansicht nach O ein großer Teil der Treppenanlage sichtbar ist, an den drei anderen Seiten jedoch nicht. Auf diesen Treppen, vor den Pfeilern und unter dem Bogen der O-Seite sind die Bittflehenden versammelt. In der Himmelsöffnung erscheint Maria als Himmelskönigin mit dem Kind, auf Wolken thronend, aber nicht in der Ansicht nach O über den Bittflehenden, sondern in der Gegenansicht, dem Betrachter zugewandt, der die Kirche verläßt. Maria ist von Engeln begleitet, die, auf die Ansicht nach O, N und S bezogen, die zentrale Bildanlage betonen. Wolken, auf denen sie erscheinen, dringen vom Himmelsraum aus über das Gesims der Architektur in den irdischen Bereich ein. In den Bittflehenden der Hauptansicht sind die verschiedenen Leiden und Nöte der Menschheit dargestellt: Krankheit, Armut, Gefangenschaft. Vor dem linken Pfeiler hebt ein bäuerlich gekleidetes Mädchen flehend ihre Hand, daneben sieht man eine vornehme Frau in weißgepuderter Perücke, aber in einfachem Wallfahrergewand; dahinter einen offenbar Wahnsinnigen mit gesträubtem Haar und, als letzten dieser Gruppe, einen jungen Mann, der eine Kette vorweist sowie ein Blatt mit der Inschrift du hast/meine Ban/=den zer=/brochen. Ps 115, v. 4. (Ps 116,16).

Unten, auf den Stufen, die durch die nordöstliche Rahmenausbuchtung zu sehen sind, ist eine Mutter mit zwei kleinen Kindern dargestellt. Das Mädchen hält flehend einen Zettel mit der Inschrift Brod., das kleine Kind hält die Hand an die geschlossenen Augen (die Blindheit spielt bei den Bittflehenden im ganzen Bereich eine große Rolle).

Ein vornehmer junger Mann auf den Stufen vor der mittleren Bogenöffnung ist die zentrale Figur dieser Ansicht. Hinter ihm, unter dem Bogen, steht ein Priester einer Sterbenden bei, deren Mann mit gefalteten Händen den Blick nach oben richtet. Eine junge Frau mit verbundenem Auge fleht um Heilung. Diese Personen unter dem Bogen sind von dem obersten Stufenring überschnitten.

Die südöstliche Rahmenausbuchtung zeigt auf den Stufen eine junge Mutter, die ihren kranken Säugling vorzeigt, sowie eine Frau mit flehend erhobenen Armen; davor, im Vordergrund, einen jungen Mann, der eine der verkrampft geschlossenen Hände eines vor ihm liegenden Greises hält – er bittet um Hilfe für seinen von Krämpfen gequälten Vater.

Vor dem südöstlichen Pfeiler und bis unter den südlichen Bogen ist die letzte Gruppe dargestellt: Ein Mann mit eingebundenem Fuß und Krücke ist hier zu sehen, dahinter ein weiterer Mann und zuletzt eine kranke, im Bett liegende Greisin mit ihrer bäuerlich gekleideten Tochter.

Der Engel, der über der Hauptszene schwebt, hält ein Medizinfläschchen mit der Inschrift Sanida (wohl Sanitas). Er weist auf Maria als Heil der Kranken hin. Ein weiterer großer Engel schüttet aus einem Füllhorn eine goldene Kette, Münzen, Ähren, Ölzweig und Palmzweig und verheißt damit Mariens Hilfe in Armut, in der Sorge um die Feldfrucht und den Frieden (auch bei Erlangung weltlicher Ehren?). Ein Putto in der Mitte des unteren Bildrands hält ein Schild, dessen Inschrift mit zwei Ehrentiteln Mariens das Thema der Darstellung nennt: Du / Trösterin der / Betriebten, und / Heil der / Krancken.

B ABIGAIL VOR DAVID (1 Sam 25,18-35) Aufnahmestandpunkt unter dem westlichen Bildrand. Einansichtige Szene, doch ist die irdische Szenerie an beiden Seiten dem Rahmen folgend nach oben gezogen. Ein Erdabbruch vorne und drei Kriegsknechte rechts bilden ein dunkles Repoussoir, das die Darstellung im Mittelgrund räumlich distanziert. Das Bild zeigt in einer bergigen Landschaft die Begegnung Abigails und Davids. Beide sind je an der Spitze eines Zuges von Begleitern dargestellt, so daß die Begegnungsszene die Bildmitte einnimmt. Abigail, reich gekleidet, kniet vor David und weist auf Ballen und Krüge, die ihre Knechte von Pferd und Kamelen abgeladen haben und David zum Geschenk darbringen. David, in kriegerischer Tracht, neigt sich zu Abigail mit Gesten der Achtung und Verehrung.

Die Farbigkeit Baldaufs ist lebhaft und frisch. Die Farben des Schauplatzes in A, das Graugelb, Rosa und Gold der Architektur, das Gelbrosa und zarte Blau der Himmelslandschaft sind so fein differenziert, daß neben den eigentlichen Buntwerten auch zurückhaltende Farbtöne in den Gewändern Leuchtkraft entfalten. In B setzt sich die Farbigkeit des Schauplatzes aus dem Ocker und Grün der Landschaft und dem Weiß und zarten Blau des Himmels zusammen. In Gewändern erscheinen Blau, Grün und Rot als Buntfarben. David und sein Heer hatten einen Sommer lang die Herden des reichen Nabal in der Wüste Maon beschützt. Zur Zeit der Schafschur schickte er Knechte nach Karmel zu Nabal, um Lohn für seinen Schutz zu erbitten. Nabal schickte die Gesandten Davids ohne Geschenke nach Hause. David, erzürnt, machte sich mit einem kleinen Heer auf, um Nabal zu strafen und dachte: »Dies und jenes soll Gott dem David antun, wenn ich von allem, was ihm gehört, bis zum Morgengrauen auch nur einen übriglasse, der an die Wand pißt« (I Sam 25,22). Da kam ihm Nabals Frau Abigail entgegen, die von allem gehört hatte und David mit Bitten und

 
W Erlösung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer

Die Bitte Abigails vor David und Davids Verzicht auf Rache ist ein typologisches Vorbild für Marias Fürbitte bei Christus und für die Verzeihung, die Christus daraufhin den Menschen gewährt. Über dem Hochaltar in Lauterbach, der das wundertätige Gnadenbild Mariens bewahrte, wurde mit diesem Bild die Kraft der Gottesmutter, den Menschen zu helfen, auf die Macht ihrer Fürbitte bei Christus zurückgeführt.

W ERLÖSUNG DER ARMEN SEELEN Ein Wandbild im äußeren Eingangsbereich im W zeigt arme Seelen im Fegefeuer, darüber Christus an der Geißelsäule, das Gnadenbild des Gegeißelten Heilands aus der Wies.

Quellen und Literatur

StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen, Kirchenrechnungen Gericht Aichach.

ABA, BO 2244, BO 2845.

Steichele-Schröder, Bd 2, S. 166–69.

KDB I OB (1), S. 211.

Welisch, Ernst, Augsburger Malerei im 18. Jahrhundert, Augsburg 1901, S. 86.

Historischer Atlas I, Bd 2 (Gertrud Diepolder), München 1950, S. 14.

Gruber, Max, Der Maler Ignaz Baldauf (1715-1795), in: Amperland 4, 1968, S. 7–10 (Lauterbach S. 8).

Biron von Kurland, Kristin, Ignaz Baldauf. Ein schwäbisch-bayrischer Maler des 18. Jahrhunderts, Diss. München 1975, S. 16 f., 87–89.

Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 297 f.

Dehio 1990, S. 590

AB