Kreuzholzhausen, Pfarrkirche Hl.Kreuzauffindung
Pfarrkirche, Pfarrverband Bergkirchen, Gemeinde Bergkirchen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Kreuzholzhausen Monatspfarrei. 1642 wurde die »Bruderschaft vom Hl. Kreuz um ein seliges Ende« errichtet. In Kreuzholzhausen bestand eine im 17./18. Jh. lebhafte Wallfahrt zum Hl. Kreuz. Gericht Dachau
Patrozinium: Hl. Kreuzauffindung (Inventio Crucis); ehem. St. Helena
Zum Bauwerk: Der Bau ist im Kern spätgotisch. Mit der in der ersten Hälfte des 17. Jh. einsetzenden Wallfahrt zu einem großen geschnitzten Kruzifixus vom Forstenrieder Typ (heute auf dem rechten Seitenaltar) wurde die Kirche mehrfach verändert. Unter Pfarrer Georg Christoph wurde 1643 eine offene Kapelle angebaut, mit darüberliegender offener Kanzel, da die Kirche für den Andrang der Wallfahrer an den Hauptfesten Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung zu klein war (1662 abgebrochen). Den Bruderschaftsaltar schufen der Faßmaler Hans Georg Pichler und der Bildhauer und Schreiner Hans Schütz von Bruck. »Thomas Holzmair, Churfürstl: Maller zu Dachau«, malte 1643 ein »Stuckh an der Wandt, neben Hl: Creuz Bruederschafft Altar«, den Kreuzholzhauser (Forstenrieder) Kruzifixus darstellend. Erneuerung der baufälligen Kirche und Erweiterung nach W um 24 Schuh (ca. 7,20 m) im Jahr 1663/65 unter Pfarrer Jakob Ködlmayer (1657-99) durch Georg Underberger, Maurermeister von Kollbach und Martin Schnizlpämber, Zimmermeister von Dachau; Abtragen der baufälligen Turmspitze und Erhöhung um 6 m. Zweistöckiger Sakristeibau an der S-Seite des Chors mit geschweifter Giebelfront; Anbau der kleinen Kapelle im N mit Aufstellen eines vierten Altars zur Wallfahrtsseelsorge. – Hochaltar 1690 (er kam 1740 nach Puchschlagen).
1693 Baureparaturen durch Benedikt Götschl, Maurermeister von Dachau.
1722 war der Dachstuhl vermodert und im Innern die alte Deckentäfelung verfault. 1723 wurde das Lhs erhöht und anstelle der Holzkassettendecke neu gewölbt, die Fenster wurden vergrößert und in die heutige Form gebracht; Pflasterung; Zwei neue Seitenaltäre. 1736 Kreuzweg von Franz Mayr, damals noch Lauterbach; 1740 neuer Hochaltar (Bildhauer Bartholomäus Schuhpaur, Kister Nikolaus Prugger, Dachau; Altarblatt Franz Mayr, Maler in Dachau). 1834 Baureparaturen; 1846 Wiederherstellung der Altäre und der Kanzel.
Einfacher Saal mit Doppelempore im W, Belichtung durch vier Fenster im S und drei Fenster im N; in der Höhe der ersten östlichen Fensterachse kleiner Anbau im N mit Aufgang zur Kanzel. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß Gliederung durch zum Teil auf Konsolen aufliegende Pilaster mit Puttenköpfchen am Kapitell (1663); Belichtung durch drei Rundbogenfenster im O und eines im S.
Auftraggeber: Pfarrer Matthäus Schwarz (1715-47). Die Bruderschaft vom Hl. Kreuz um ein seliges Ende (Gut-Tod Bruderschaft), die in Kreuzholzhausen 1642 durch Pfarrer Georg Christoph errichtet worden war, trug einen Teil der Kosten.
Inschrift auf dem Epitaph von Pfarrer Schwarz unter der Kanzel: Plurimum Reverendus Nobilis ac Clarissimus Dominus Matthaeus Schwarz, A:A:L:L: et Phliae Magister/I :v:c. per annum Canonicus vet: oettingae, ven: Capituli Dachauiensis per 11 annos Camerarius, 18. Decanus, et 32 huius Loci Parochus, Beneficii noviter erecti fundator, aetatis 66. die 26. Oct. Anno 1747 piissime in Domino obiii hicq sepultus Iacet. Fundator des Benefiziums in Kreuzholzhausen wurde er durch die Stiftung von zwei Wochenmesser auf dem Bruderschaftsaltar; die Zinsen des Kapitals betrugen jährlich 304 fl., um die ein Bruderschaftskaplan angestellt wurde (zu Matthäus Schwarz s. auch S. 212).


Autor und Entstehungszeit: Johann Georg Pfeil (* 23.4. 1699 Lauterbach † 11. 5. 1728 Lauterbach). Signatur in A Johann Georg / Bfeill Bictor / 1722
Johann Georg Pfeil war Sohn des Franz Benedikt Pfeil, der Mesner und Maler in Lauterbach (Gericht Aichach) war, und der Maria Katharina Ethenauer. Er starb bereits 1728 als Neunundzwanzigjähriger (Gruber, Maler, S. 368). Von seiner Hand ist auch der Kreuzholzhausener Zyklus von sechs großen Ölbildern mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte; eines von ihnen (Kreuzaufrichtung) ist signiert Johann Georg / Bfeill Bictor, eines (Lanzenstoß) datiert 1723. Die Bilder an den Emporenbrüstungen wurden 1729 vom »Maler von Bruck« gemalt (Böck, S. 154). Es handelt sich wohl um Joseph Krenauer, den 1703-38 in Bruck ansässigen Maler.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs im Scheitel abgeflachte Tonne, die auf einem durchlaufenden Gesims ruht (Stich 2,25 m), AR Stichkappentonne, im O abgemuldet
Technik: A-D Fresko mit erheblichen Seccoübermalungen; polychrom
Maße: A Höhe 8,65 m (Empore 3,00); 4,60 × 3,50
B Höhe 8,30 m; 4,60 × 3,50
C Höhe 8,30 m; 4,60 × 3,50
D Höhe 6,40 m; 4,00 × 2,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1834 Reparaturen am Verputz der Gewölbe. Bei der Renovierung des Chors 1873 wurde Fresko D übertüncht, bei der Restaurierung des LHs 1874 wurden die übrigen Fresken ausgebessert und die Raumschale farbig gefaßt (AEM, Bauten II). Bei der nächsten Restaurierung 1896 wurden in vier der zehn kleinen Ovalfelder des LHs Evangelistenbilder gemalt. 1949/50 Restaurierung durch Fa. Karl Eixenberger und A. Frank (Signatur in A Renov. 1949/A. Frank). Bei der Restaurierung der Altäre 1971 wurden die Deckenbilder A-C gereinigt und D wieder freigelegt (BLfD). 1988 Innenrestaurierung (Boden)
In den LHs-Fresken A, B und C Risse und reparierte Risse, Verschmutzungen, stellenweise Abblättern der Secco-Übermalungen. In D ist die originale Substanz durch das Übertünchen und Freilegen stark beeinträchtigt und bis auf die unterste Farbschicht abgerieben.
Beschreibung und Ikonographie
A ERSTE VISION DES KAISERS KONSTANTIN (LA-Benz, S. 351 f.) Blickrichtung nach W. - In einer weiten hügeligen Landschaft mit Bergen im Hintergrund und kleinen Ansiedlungen steht Kaiser Konstantin links, in Rüstung einen Feldherrnstab in der Hand. Bei ihm sind drei Hauptleute in römischer Kriegertracht, die mit Gesten der Erregung zum Himmel weisen, wo ein riesiges Kreuz erscheint.
Nach der Legende hatte Kaiser Konstantin vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke zwei Kreuzesvisionen. Hier handelt es sich um die erste, die nach der Legenda Aurea allerdings dem schlafenden Kaiser zuteil wurde.
B ZWEITE VISION DES KAISERS KONSTANTIN (LA-Benz, S. 352 f.) Ein großes Rundzelt ist in der Bildmitte dargestellt; seine seitlichen Bahnen sind zurückgeschlagen, und man sieht im Innern den schlafenden Kaiser und neben ihm auf einem Tisch seine Krone. Zwei Soldaten wachen zu seiten des Zeltes. Die weite Ebene ist mit vielen Zelten des Heerlagers bedeckt. Zwei kleine Städte sind am Horizont vor Bergen sichtbar. Über dem Zelt des Kaisers erscheint auf Wolken, von Putten begleitet, Christus mit dem Kreuz. Strahlen gehen vom Kreuz aus und reichen bis zur Erde. In einem der Strahlen sieht man die Worte IN HOC SIGNO VINCES. Kaiser Konstantin, von der ersten nächtlichen Kreuzesvision verwirrt, hatte in der folgenden Nacht eine zweite Vision. Ihm erschien Christus »mit dem Zeichen, das er (Konstantin) am Himmel hatte gesehen (Kreuz), und gebot ihm, daß er seine (Feld)Zeichen dem gleich mache, das werde seine Rettung sein in der Schlacht« »mit dem Zeichen, das er (Konstantin) am Himmel hatte gesehen (Kreuz), und gebot ihm, daß er seine (Feld)Zeichen dem gleich mache, das werde seine Rettung sein in der Schlacht«.
C SCHLACHT AN DER MILVISCHEN BRÜCKE (LA-Benz, S. 351) In der weiten Ebene sieht man im Hintergrund die Stadt Rom, mit Mauern, Kirchen und Zwiebeltürmen einer kleinen bayrischen Stadt ähnlich. Links davon fließt ein breiter Fluß, der Tiber. Auf dem Feld vor der Stadt tobt die Schlacht: Kaiser Konstantin in Rüstung und Kaiserkrone reitet mit gezogenem Schwert, vor ihm flieht Kaiser Maxentius, der hier mit der Krone um einen Turban dargestellt ist. Ein Krieger trägt Konstantin die Fahne mit dem Kreuzeszeichen voran. Weitere Fahnen mit diesem Zeichen sieht man auch bei den Siegenden auf dem Schlachtfeld, während die Fliehenden und Toten meist Turbane tragen. Am Tiber sind eine eingestürzte Brücke dargestellt, vorandrängende Soldaten auf beiden Ufern und zahlreiche Ertrinkende im Wasser. Kaiser Konstantin hatte Gott gebeten, daß seine Hand, mit dem Kreuzeszeichen bewaffnet, nicht mit feindlichem Blut befleckt werden möge. Vor der Schlacht hatte sein Feind Maxentius eine Kahnbrücke über den Tiber legen lassen. Als sein Heer darübersetzte, brach die Brücke und viele Krieger ertranken: so ging die Bitte Konstantins in Erfüllung.
Die Szenen der Kreuzlegende sind von dem jungen Bauernmaler Pfeil mit viel Sinn für Drastik und mit lebhafter Freude am bunten Detail geschildert. Die naive Malerei ist nicht ohne Reiz, da Pfeil ganz offensichtlich keine Bildvorlagen hatte, an denen er sich hätte orientieren können und so die ikonographischen Vorgaben unbeholfen, aber unbefangen ins Bild setzte.
D MARIÄ HIMMELFAHRT Im Bild, dessen Originalsubstanz soweit zerstört ist, daß kaum mehr als die Komposition erhalten ist, sieht man Christus mit einem großen Kreuz. Er reicht Maria, die neben ihm kniet, die Hand. Der leeren Sarkophag der Gottesmutter in der unteren Bildhälfte umringen die Apostel.
KREUZHOLZHAUSEN







Durch den Höhenunterschied von LHs und AR ergibt sich am Chorbogen ein Wandstück, an dem in polychromer Freskotechnik vier Putten dargestellt sind, die einen Vorhang zurückziehen und ein Kreuz im Strahlenkranz enthüllen.
EB1-5 PASSIONS-SZENEN Die fünf hochformatigen Emporenbrüstungsbilder zeigen Szenen aus der Passion Christi: EB1-3 an der unteren, EB4-5 an der oberen Empore (keine Abbildungen).
EB, VERSPOTTUNG JESU
EB, PIETA
EB, KREUZANNAGELUNG
EB, JESUS FÄLLT UNTER DEM KREUZ (SIMON VON CYRENE)
EB, ECCE HOMO
EBa-b BRUDERSCHAFTSBILDER Zwei querformatige Brüstungsbilder an der unteren Emporenbrüstung zwischen EB1-2 und EB2-3 beziehen sich auf die Bruderschaft vom Hl. Kreuz um ein seliges Ende« (Gut-Tod-Bruderschaft), die in Kreuzholzhausen 1642 durch Pfarrer Georg Christoph errichtet worden war und aus deren Vermögen die Kirchenerneuerungen des 17. und 18. Jh. mitfinanziert wurden. Die Hl.-Kreuz-Verehrung in Kreuzholzhausen geht auf Pfarrer Christoph zurück. Die Inschrift auf seinem Epitaph lautet: Epitaphium Georgi Christophori, Camerari et praesulis huius loci tumulo marmoreo insculptum. Hic crucis erexit vestigia prima sacratae. Cum cruce dum vixit sub cruce sic perijt Vi. Aprilis Die Anno MDCLVI. Ein Gedenkstein von 1630 besagt: Der Chreutzigung Christi zu Ehren hat H. Georg Christoph, Pfarer alhie, so darbei begraben, In den Khoth dise Gedächtnus stellen lassen. Anno 1630.
EBa SCHUTZMANTELMADONNA In der Mitte kniet Maria als Königin; unter ihrem weit gebreiteten Mantel haben viele Menschen Zuflucht gefunden, angeführt von ihren Würdenträgern, links die geistlichen mit dem Papst an der Spitze, rechts die weltlichen, zuvorderst der Kaiser. Über Maria erscheint in den Wolken Christus mit dem Kreuz, begleitet von vielen Engeln mit den Arma Christi; links davon Gottvater und die Taube des Hl. Geistes. Die linke untere Bildseite gibt Einblick in einen Kirchenraum, in dem ein Priester am Altar die Hostie zur Wandlung emporhebt; auf der rechten Bildseite sieht man in die Flammen des Fegfeuers. Das Altarblatt des genannten Altars zeigt Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes.
EBb HILFE IN DER STERBESTUNDE Das rechte Brüstungsbild zeigt in der Bildmitte das Lager eines Sterbenden neben dem die Sterbekerze brennt. Der Tod als großes Gerippe mit Sense beugt sich am Kopfende des Bettes über der Sterbenden. An seinem Bett sind groteske schwarze Teufelsgestalten zu sehen, die mit Haken nach dem Sterbenden greifen, dem ein Priester eben die Sterbesakramente erteilt. Vor hinten ist ein Engel an das Bett herangetreten: er hält in der Rechten einen Palmzweig und weist mit der Linken zum Himmel. Der Erzengel Michael mit Rüstung und Schild schwebt über dem Fußende des Bettes und bekämpft mit der Lanze ein löwenähnliches Untier. In den Wolken sind Christus und Gottvater zu sehen; links neben Christus bringt ein Engel eine Schale mit Herzen (?) dar, Symbol der liebenden Devotion der Bruderschaftsmitglieder. Ein Putto hält einen Rosenkranz hoch. Am linken Bildrand sieht man in einen Kirchenraum, in dem ein betender Pfarrer kniet. - In dem Priester am Sterbebett dürfte wohl der Pfarrer zur Zeit des Erweiterungsbaus (und zur Zeit der Entstehung der Bilder), Jakob Ködlmayer, dargestellt sein. Die Priesterfigur im Kirchenraum ist wohl ebenso wie die in EBa Georg Christoph, unter dem 1642 die Bruderschaft eingeführt worden war.
In der Bildausstattung des Kirchenraums ist das Kreuzesthema – bestimmt von Patrozinium und Wallfahrt – weitergeführt. Der geschnitzte Kruzifixus, das Gnadenbild, ist eine freie Nachbildung des Forstenrieder Kreuzes; es befindet sich heute auf dem rechten Seitenaltar. Der Hochaltar zeigt auf dem Altarblatt von Franz Mayr die Kreuzesprobe mit der Darstellung der Kaiserin Helena, der ursprünglichen Hauptpatronin der Kirche. Zudem hängen fünf große Ölgemälde in AR und LHs sowie in der kleinen nördlichen Kapelle (Maler Franz Georg Pfeil). Sie wurden 1723 von verschiedener Adeligen der Umgebung an die Wallfahrtskirche gestiftet und haben die Passion Christi zum Thema (ein weiteres Bild dieser Serie befindet sich heute in Hebertshausen).
Quellen und Literatur
StAM, Geistlicher Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen. Kirchenrechnungen Gericht Dachau.
StAM, Pfleggericht Dachau A 171.
StAM, LRA 34457; 34575
AEM, Pfarrakten Kreuzholzhausen: Pfarrbeschreibung; Pfarrkirchenbauten 1661-1722; Bauten II; Pastoral- und Kultusgegenstände 1662–1885.
AEM, Kunsttopographie, Dekanat 20 Dachau, Kreuzholzhausen (Georg Brenninger).
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 167–70
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 171–74
KDB I OB (1), S. 304 f.
Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 294.
Dehio 1990, S. 566.
Böck, Robert, Wallfahrt im Dachauer Land (= Kulturgeschichte des Dachauer Landes Bd 7, hg. im Auftrag des Museumsvereins Dachau e.V.), Dachau 1991, S. 148-54.
-, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften des Barock im Dachauer Land, in: Amperland 27, 1991, S. 74.