Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 241–244, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Michaelskapelle auf dem Friedhof an der Pfarr- und Kollegiatstiftskirche Mariä Himmelfahrt, Pfarrei Laufen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg. Das Kollegiatstift Laufen wurde 1627 errichtet. Eine Kopie des Innsbrucker Gnadenbildes Maria Hilf wurde in der Kapelle als Gnadenbild verehrt. Fürstbischöflich Salzburgisches Stadtgericht Laufen

Patrozinium: Maria Hilf (ehem. St. Michael)

Zum Bauwerk: Der Unterbau der Michaelskapelle geht vermutlich bis ins 8./9. Jh. zurück und diente ursprünglich als Taufkapelle. Später wurde das umgebende Niveau erhöht und die untere Kapelle verschwand fast völlig im Boden. Sie war gewölbt, hatte einen Altar, der allen Christgläubigen Seelen geweiht war, und diente als Karner (Ossuarium). Das Obergeschoß des Baus wird im 14. Jh. als Michaelskapelle erwähnt. Es handelte sich ursprünglich um eine Rundkapelle mit halbrunder Chornische, deren Datierung strittig ist. Es wird vermutet, sie sei ein Bau der Brüder Hans († 1444) und Rupert Strudl († 1472), die beide hier beigesetzt wurden (der Bau soll laut Dehio seit 1441 Kapelle sein). 1681 bemühte sich der neue Stiftsdekan von Laufen, Dionysius Niskens, um den Konsens zur Erneuerung der Michaelskapelle. Salzburg schickte den Baukommissar Michael Spingrueber, der einen Voranschlag auf 300 fl. machte für die Erneuerung von Dachstuhl und Ziegeldach, das zu schwer sei für das bereits schadhafte Gewölbe und die gesprungenen Mauern, die geklampert werden sollten. Bei Baubeginn 1682 stellte sich aber heraus, daß das Gewölbe bereits am Einstürzen war, sodaß es mit einem Teil des Mauerwerks abgetragen werden mußte (als Schadensverursacher wird in den Quellen der Stadtbrand von 1663 nicht erwähnt, nur das hohe Alter der Kapelle). Vom alten, runden Obergeschoß blieben nur ca. 4m aufgehendes Mauerwerk erhalten, das am Außenbau noch sichtbar ist. Der obere Teil wurde in Form eines Neunecks aufgebaut. Schindeldach in Kuppelform. Noch im gleichen Jahr meldete Niskens nach Salzburg, »die im Freithof gelegene S. Michaels Capellen (sei) zum theils abgebrochen undt wider erhebt, undt dardurch in einen solchen Form gebracht..., daß ohne Ruem zu melden die ganze Gemein ein Wohlgefallen daran hatt« (AEM, Pfarrakten). Er bat gleichzeitig um die Erlaubnis, einen neuen Altar aufstellen zu dürfen (im 19. Jh. verändert). Beim Stadtbrand 1757 wurde die Kuppel zerstört. Der Eingang wurde im 19. Jh. von der West- an die Nordseite verlegt. Umgestaltung der Kapelle zur Werktagskirche unter Pfarrer Brandstetter (1970–86).

Die Kapelle liegt an der Südwestseite der Stiftskirche und ist mit ihr durch einen vom umlaufenden Arkadengang abzweigenden Arkadengang verbunden. Zweigeschossiger Zentralraum (8,60×10,30m) in Form eines unregelmäßigen Neunecks mit kleiner halbrunder Altarnische im O. Flache Holzdecke. Belichtung durch sechs einfache rechteckige Fenster im W und S. Auf dem Altar steht eine Kopie des Maria-Hilf-Bildes von Innsbruck (Cranach).

Auftraggeber: Pfarrer von Laufen und Stiftsdekan zur Zeit des Kapellenumbaus war Dionysius Niskens (1680-87), der aus der Diözese Lüttich stammte. Er begann bald nach seinem Amtsantritt, neben den nötigen Kirchenreparaturen die baufälligen Stiftsgebäude zu erneuern, mit dem Hinweis darauf, seit der Gründung des Stifts sei keine gründliche Baureparatur mehr vorgenommen worden. Es handelte sich neben dem Dechanthaus, dem Choralisten- und Mesnerhaus auch um Wirtschaftsgebäude. Finanziert wurden die Bauarbeiten, da das Stift nach Niskens Angaben das Geld dafür nicht hatte, durch Anleihen (AEM, Stiftsakten). 1682 bat er in Salzburg um die Genehmigung zu einem neuen Altar für die erneuerte Michaelskapelle und sprach dabei von Spenden, die er dafür in Händen habe. Auch die Deckenbilder der Kapelle wurden wohl aus Spenden finanziert. Stiftsverwalter von Laufen und damit auch mit den Bauten befaßt war Matthias Rainer.

Niskens Vorgänger Georg Paris Ciurletti von Lerchen war am 10.10.1679 gestorben und hatte der Kirche sein Vermögen hinterlassen, das aber zunächst aus verschiedenen Gründen noch nicht greifbar war. Ciurletti war Begründer der Wallfahrt Maria Bühel und Erbauer der dortigen Wallfahrtskirche (Roth 1988, S. 114).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1682 Der Stiftsdekan meldete 1682 die Neuaufführung der Kapell (s.o.), anläßlich derer mit Sicherheit auch die kassettiert Holzdecke mit den eingelassenen Bildern entstand.

Malerin in Laufen war zu dieser Zeit die Mutter Johann Michel Rottmayrs, Margareta Magdalena Rottmayr, geb. 1629 als

C St. Katharin

Tochter des Laufener Malers Kaspar Zehentner. Sie heiratete 1653 den Laufener Organisten Friedrich Rottmayr, blieb aber Mitarbeiterin ihres Vaters und führte nach dessen Tod 1662 die Malerwerkstatt fort. Nach den Stiftsrechnungen wurde sie zwischen 1658 und 1683 immer wieder für Fassarbeiten, aber auch für figürliche Malereien in Laufen und in der Laufener Wallfahrtskirche Maria Bühel bezahlt. Margareta Magdalena Rottmayr starb am 22.8. 1687 in Laufen. Für sie gesicherte figürliche Arbeiten sind nicht bekannt; das Altarblatt des Rosenkranzaltars im Beinhaus in Obereching (OÖ) wird ihr zugeschrieben (Österreichische Kunsttopographie Bd 10, S. 415, 420, Abb. S. 423; Brugger 2004, S. 20–22, Abb. S. 17.). Diese recht altertümliche Malerei hat mit den Bildern der Michaelskapelle nichts zu tun, die bei Mängeln im Einzelnen doch kompositionelle Begabung, Originalität und jugendlichen Schwung zeigen.

Johann Joachim Guethrather (* ca. 1636) war in der fraglichen Zeit Bürger und Maler in Laufen. Er starb am 14.9. 1686, käme also für die Bilder der Michaelskapelle auch in Frage; er hatte damals aber bereits das in seiner Familie erbliche, angesehene und einträgliche Ausfergenamt (Organisation der Salzschiffahrt zwischen Hallein und Laufen) angetreten; Arbeiten von seiner Hand werden kaum genannt.

Johann Michael Rottmayr malte bald nach seiner Rückkehr aus Italien 1688 für die Pfarrkirche in Fridolfing das Altarblatt mit der Darstellung der Heiligen Anna, Maria und Sebastian, das – zieht man in Betracht, daß die Bilder der Michaelskapelle sechs Jahre früher entstanden sind – ihnen stilistisch am ehesten entspricht. Gegen seine Autorschaft sprechen aber die historischen Tatsachen. Er war ab ca. 1675 bis 1687/88 in Venedig bei Carl Loth, »ad studia, die ich 13 ganzer Jahrlans ohn außgesezter continuiret«, wie er selbst schrieb.

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flache Holzdecke mit aufgelegtem gekehlten Lattenwerk Rahmen: Holzprofilleisten Technik: Öl auf Holz; polychrom Maße: Höhe 7,30 m; A–D 60×1,20 E–F 1,80×90

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Erneuerung des Dachs 1902 und »vollständige Restaurierung« der Kapelle 1902 (KDB). Das Dach war 1944 wieder sehr schadhaft, der Regen drang durch die Holzdecke, doch konnten die Schäden erst nach dem Krieg behoben werden. In einem Gutachten von 1951 wird geklagt, eine Restaurierung des 19. Jh. (1902?) habe den Innenraum verdorben, die farbigen Fenster müssten entfernt, der farbig gefaßte Raum wieder weiß getüncht werden. Zur Innenrestaurierung kam es erst 1966/67. Die Decke wurde abgelaugt, der Raum weiß getüncht, die Deckenbilder wurden von Übermalungen befreit und restauriert. Es arbeiteten Georg Gschwendtner aus Karlstein und sein Schwiegersohn

Franz Nefzger aus Freilassing. A-D sind verhältnismäßig gut erhalten, E-F sind stark übermalt und zeigen Sprünge. Das Hauptbild ist neu (wohl von Georg Gschwendtner).

Beschreibung und Ikonographie

Sechs Bildfelder (A–F) umgeben das Hauptbild, das die Monstranz mit anbetenden Engeln darstellt (modern). A-F sind sämtlich in Rechteckform mit an den Schmalseiten angesetzten halbrunden Ausbuchtungen, A-D querformatig, E und F hochformatig. A-D zeigen Halbfiguren, E und F Ganzfiguren. Alle Bilder haben ihre Ansicht nach W. Obwohl sie wenig malerische Perfektion im Detail zeigen - man beachte die Hände - so sind die Körper doch voll plastischer Kraft, schwungvoll in den Bewegungen und gewandt in die ungünstige Rahmenform komponiert.

A ST. BARBARA Barbara, ein Krönchen auf dem perlengeschmückten Haupt, hält die Märtyrerpalme und als Attribut den Turm.

B ST. MAGDALENA Magdalena hat das lange Haar gelöst; sie hat die Hände gefaltet und blickt zum Himmel auf. Vor ihr steht ihr Attribut, das Salbgefäß.

C ST. KATHARINA Katharina, reich gekleidet, mit offenem Haar und Perlen-Ohrgehängen, hält ihre Marterwerkzeuge Rad und Schwert sowie die Märtyrerpalme.

D ST. JOHANNES DER TÄUFER Er ist als bärtiger Mann mit wildem Gesichtsausdruck dargestellt, um die Lenden das Fell, mit der linken Hand in die Tiefe des Bildes weisend. In der Rechten hält er den Kreuzstab Ecce / Agnus / Dei. An seiner Seite ist das Lamm zu sehen.

E und F ANBETENDE ENGEL Große, auf Wolken kniende Engel, beide das Rauchfaß schwingend. Die Engel beziehen sich auf das (neue) Mittelbild, in dem auch ursprünglich eine göttliche Darstellung gewesen sein muß, weil der Weihrauch nur Gott zukommt. Möglicherweise wiederholte Gschwendtner mit seiner Monstranz und den anbetenden Engeln die alte Darstellung gleichen Themas.

Im Umgang vor der Michaelskapelle sind zwei Kreuzgewölbejoche zusammengefaßt. Dadurch entstand ein rautenförmiges Bildfeld (2,65×3,90), in dem die Muttergottes auf der Mondsichel mit zwei seitlichen verehrenden Engeln dargestellt ist. Das Bild ist extrem schlecht erhalten, völlig verrestauriert, basiert aber wohl auf einer alten Darstellung (keine Abb.).

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Laufen, Pfarrbeschreibung; Kapellen: St. Michaelskapelle und Seelengruft.

AEM, Stiftsakten, Kollegiatstift Laufen, Bausachen 1680-1867 (Bauarbeiten an der Michaelskapelle 1682). BLfD, Akt Laufen, Michaelskapelle.

Gentner, Topographische Geschichte der Stadt Laufen, in OAVG 22, S. 277.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 720.

KDB I OB (3), S. 2758

Heichele, Otto, Die Stiftskirche Laufen, München 1934.

Gries, Peter, Laufen an der Salzach und seine Stiftskirche, Erolzheim 1957.

Heimatbuch des Landkreises Laufen, Bd I/II Tittmoning 1961/1963. Mit vielen Abbildungen.

Gries, Peter, Stiftskirche Laufen/Salzach, Neuburg 1964.

Brugger, Walter und Hans Roth, Laufen und Oberndorf. Kunst und Geschichte, Tittmoning 1970. Michaelskapelle S. 16f.

Roth, Hans, Die Reihenfolge der Laufener Pfarrherrn, in: Das Salzfass 22, 1988, S. 109–20.

Historischer Atlas I, Bd 55, Laufen an der Salzach (Helga Reindel-Schedl), München 1989, S. 617.

Brugger, Walter, Die Geschichte der Pfarrei Laufen, in: Laufen und Oberndorf. 1250 Jahre Geschichte, Wirtschaft und Kultur an beiden Ufern der Salzach (Hg. Heinz Dopsch und Hans Roth), Laufen/Oberndorf 1988, S. 338–51.

-, Die Pfarrkirche und die St. Michaelskapelle, in: Dopsch/Roth (s. o.), S. 354–62.

Dehio 1990, S. 589.

Brugger, Walter, Der Barockmaler Johann Michael Rottmayr (= Das Salzfass, Neue Folge 38), Laufen 2004, S. 7–230

A. B.

MARIA GERN