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Höglwörth, ehem. Prälatur des ehem. Augustiner-Chorherrenstifts

Aus Deckenmalerei-Lab


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 11: Landkreis Traunstein. Hirmer, München 2005, ISBN 978-3-7774-2695-2, S. 237–240, geschrieben von Bauer-Wild, Anna. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Saal in der Prälatur des ehem. Augustinerchorherrnstifts, heute in Privatbesitz

Zum Bauwerk: Der Konventbau und die Prälatur, im Geviert südlich an die Klosterkirche anschließend, wurde auf altem Grundriß im letzten Viertel des 17. Jh. neu erbaut (s. S. 217). Der Saal gehörte zu den Repräsentationsräumen des Propstes, wobei seine Thematik dafür spricht, daß er auch als festlicher Speisesaal verwendet werden sollte. Seine Ausstattung dürfte um 1770 zu datieren sein, nach der Dekoration der Klosterkirche.

Einfacher Saal in Form eines etwas unregelmäßigen Rechtecks im ersten Geschoß des östlichen Kreuzgangtrakts, an der südöstlichen Ecke gelegen. Drei Fenster nach O, vier Fenster nach S.

Auftraggeber: Anian Köllerer, Propst von Höglwörth (1762- 1803).

Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Nikolaus Streicher (1736–1811) um 1770

Zuweisung bei Weichselgartner 1998, S. 72. Bei der Datierung kann man vom Stuck ausgehen, der zwar den 1765 entstandenen Stuck Benedikt Zöpfs in der Klosterkirche nachahmt, aber von geringerer Qualität ist. Damit kann man die Ausstattung des Saals später ansetzen, wenn auch nicht allzuviel später. Eine Zuweisung an Streicher liegt allein aus historischen Gründen nahe: Propst Anian Köllerer hat ihn in seiner langen Regierungszeit immer wieder beschäftigt. Ein Vergleich der Saalfresken mit denen der Klosterkirche und denen des Abteisaales von Michaelbeuern (OÖ), den Streicher 1771 freskierte, bestätigt die Annahme und erlaubt eine feste Zuweisung an Streicher.

W, Rupert und Virgil, Bistumspatrone von Salzburg

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachdecke Rahmen: A Stuckprofil, 1-4 Rocaille-Ornamentkartuschen Technik: Fresko; polychrom

Maße: A Höhe 3,55 m; 5,85 × 4,00

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Während des zweiten Weltkriegs wurden der sog. Fürstensaal und ein zweiter Saal in der ehemaligen Prälatur, der auch stuckiert war, als Ausweichlager der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen verwendet (BLfD). Restaurierungen sind nicht bekannt. Der Zustand ist sehr gut, das Fresko hat kaum Risse, die originale Farbigkeit ist völlig erhalten.

Beschreibung und Ikonographie

A KÖNIG DAVID ALS DICHTER DES PSALMS 65 (64), DES PREISGESANGS AUF DIE GÜTE GOTTES Die Szene im Vordergrund zeigt König David, auf einem roten Kissen mit goldenen Quasten kniend. Über ihm erhebt sich ein prächtiges, rundes rotes Zelt mit einem goldverzierten Dach und rotgoldenen Lambrequins. David trägt eine goldene Rüstung und einen weiten roten Mantel mit Hermelinkragen, dazu goldenen Schmuck; auf dem Haupt hat er eine goldene Zackenkrone. Er hat die Linke auf die Brust gelegt, die Rechte in einer Geste der Anbetung ausgebreitet und blickt zum Himmel auf. Neben ihm steht ein Tischchen mit goldenen Füßen und einer Brokatdecke, und rechts davon sitzt eine weibliche Figur mit offenem Haar, in vornehmem Kleid, die Allegorie der göttlichen Güte. Sie trägt ein goldenes Diadem und Perlenohrringe und hält zwei große Füllhörner, deren eines sie dem König präsentiert: man sieht in ihm Früchte, Getreide und Trauben, die Gaben der Erde. Das andere Füll-

Im Mittelgrund des Bildes ist ein Kornfeld dargestellt, in dem zwei Männer und eine Frau mit der Ernte beschäftigt sind. Die Szene im Hintergrund zeigt Moses vor dem Lager der Israeliten in der Wüste. Er hat die Arme ausgebreitet und weist mit einem Stab auf den Korb mit Manna, den eine Frau vor sich auf dem Boden stehen hat. Im Kreis um Moses sind weitere Mannasammelnde Frauen dargestellt; einige halten die Körbe hoch und richten ihre Blicke dankbar zum Himmel. Das Kornfeld ist Beispiel für die Früchte der Erde, um die sich die Menschen mühen. Der Mannaregen ist Beispiel für die Güte Gottes, der seine Geschöpfe erhält.

Zwei Bildmotive führen diesen Gedanken weiter: Am rechten wie am linken Bildrand ragen Palmen auf, um die Vögel flattern. Ganz im Vordergrund wachsen Lilien, und während die übrigen Gewächse dieses ins Bild einführenden Wiesenstücks eher beiläufig gemalt sind, sind die Lilien sorgfältig ausgeführt. Vögel wie Lilien beziehen sich auf die Worte Jesu: »Seht auf die Vögel des Himmels: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln nicht in die Speicher und doch ernährt sie euer himmlischer Vater ... Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht und spinnen nicht, und doch sage ich euch: Selbst Salomo in all seiner Pracht war nicht gekleidet wie eine von ihnen (Mt 6,26–29).«

Repoussoirhaft dunkel vom hellen Mittelgrund abgehoben steht links im Vordergrund unter einem Baum auf einem abgeschatteten Wiesenstück ein Mann, in einfacher und zerschlissener Kleidung, mit Tasche und ebenfalls zerschlissenem Kopfbund, auf einen Stab gestützt.

Im Himmel erscheint auf Wolken thronend Gottvater, der in der Rechten das Zepter hält und mit der Linken auf die irdische Szenerie weist. Ein großer Engel kniet in der Haltung tiefster Devotion vor ihm an einer Wolke. Er hält eine Monstranz mit der lichtumflossenen Hostie. Putten tummeln sich zu Füßen Gottvaters: einer hält ein aufgeschlagenes Buch mit der Inschrift NON / IN / SOLO / PANE (Mt 4,4: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch). Gott sorgt nicht nur für das leibliche Wohl der Menschen, sondern durch das Opfer seines Sohnes auch für ihr ewiges Heil, wobei das Motiv der Steigerung: Getreide/Manna als Brot vom Himmel - Eucharistie als Brot des Lebens bildbestimmend ist.

1-4 GABEN DER VIER JAHRESZEITEN In den vier Ecken des Saals sind Stuckkartuschen, in denen durch je eine kindliche Figur in entsprechender Umgebung die Jahreszeiter dargestellt sind. Die Kinder sind mit den jahreszeitlichen Arbeiten beschäftigt, mit der Pflege oder dem Einbringen der Gaben, die die Erde im Jahreslauf schenkt. Damit ist der Gedanke vom Überfluß der Erde weitergeführt, und darauf bezieht sich auch die Inschrift an der Ostseite: Du krönest das Jahr mit dem Kranz deiner Güte.

3 HERBST Ein Weg führt an einem Zaun und einem Apfelbaum mit reifen Äpfeln vorbei. Ein Knabe mit Hut und roten Rock geht mit einem Dreschflegel durch ein einfaches Holztor

4 WINTER Durch eine tief verschneite Landschaft mit einem Wald und einem Schloß auf steilem Hügel führt ein Weg an einem Wegkreuz vorbei. Ein Knabe in Mantel und Hu trägt ein Bündel Holz.

In den vier Kartuschen an den Seitenmitten befinden sich Inschriften, sämtlich aus Psalm 64, dem großen Lobpreis Gottes für seine Wohltaten. Die erste Kartusche (S) zeigt außerdem eine segnende Hand aus Wolken.

An der Südseite TE DECET HYMNUS Psl. 64. V.1. ET ENIM HYNUM (sic) DICENT V.14 (Ps 64,1: Dir gebührt Lobpreis. Ps 64,14: Und deshalb singen sie Hymnen.)

An der Ostseite BENEDICES CORONAE ANNI BENI- GNITATIS TUAE. PSAL: LXIV. V.2. (Ps 64,12: Du krönest das Jahr mit dem Kranz deiner Güte.)

An der Nordseite ET CAMPI TUI REPLEBUNTUR UBERTATE V.12. ET EXULTATIONE COLLES ACCIN- GENTUR. V.13 (Ps 64,12: Und deine Wiesen sind erfüllt mit Uberfluß. Ps 64,13: Es gürten sich die Hügel mit Jauchzen.) An der Westseite PINGUESCENT SPECIOSA DESERTI. V.13. ET VALLES ABUNDANT FRUMENTO V.14. (Ps 64,13: Es prangen die Auen der Steppe. Ps 64,14: Die Täler wogen von Korn.)

Es liegt nahe, beim Thema dieses Saales an einen Hintergedanken des Propstes Anian Köllerer zu denken: Bei Visitationen führten die Chorherren oft Klage über ihn, daß er ihnen allzu schlechte Kleidung und allzu karges Essen gebe. Das Motiv der Vögel und Lilien und die betreffende Textstelle war jedem Konventualen bekannt und damit auch der Beginn der Rede Jesu: »Macht euch nicht Sorge um euer Leben, was ihr essen, oder trinken, noch für euern Leib, was ihr anziehen werdet (Mt 6,25).«

Quellen und Literatur

  • i

Weichslgartner, Alois J., der Maler Franz Nikolaus Streicher, in: Trostberger Rokoko. Ein regionales Kunstzentrum im Chiemgau, Trostberg 1998, S. 67–76. Saal in Höglwörth S. 72.

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