Johanneck, Filialkirche Mariä Himmelfahrt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 6: Stadt und Landkreis Freising. Hirmer, München 1998, ISBN 978-3-7774-7590-5, S. 266–270, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

JOHANNECK

Filialkirche, Gemeinde und Pfarrei Paunzhausen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Pfarrsitz (seit 1682 wohnte der Pfarrvikar von Paunzhausen auf bischöfliche Anordnung im ehem. Benefiziatenhaus in Johanneck). Paunzhausen war Hofmark, deren Inhaber im 18. Jh. die Grafen von Hörwarth waren. Gericht Kranzberg

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt (bis zur Mitte des 17. Jh. Johannes-Patrozinium und -Wallfahrt)

Zum Bauwerk: Gotischer Bau des 15. Jh. 1640 und 1651 werden »beträchtliche Bauschäden« erwähnt. 1670 neuer Altar und neue Kanzel; »von dem Maller ain Visier und Uberschlag gemacht und ans Pfleggericht Kranzberg geschickt (AEM, PfA Paunzhausen, Filiale Johanneck). 1686 Renovierung der Kirche. 1711/1713 Barockisierung unter dem Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Lichteneck. Überschlag für ein neues Gewölbe über 342 fl. am 14. 1. 1711 vom Kurfürstl. Geistl. Rat genehmigt: das alte Gewölbe, von 2 Säulen getragen, war baufällig, die Säulen waren »dem Gottshaus zur Unzier und den Wallfahrern beschwerlich«, daher wurde ein neues freistehendes Gewölbe geplant und durch Georg Hibler, Maurermeister aus Kranzberg, ausgeführt, wegen des einbrechenden Winters 1711 aber nicht mehr verputzt. Emporenbau 1711 auf zwei eichenen Säulen. Der Chorbogen wurde durch einen neuen ersetzt (StAM Geistl. Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen Gericht Kranzberg, Amt Allershausen 1711). 1777 wurde der Oberteil des Turmes nach einem Turmbrand 1768 neugebaut. Die Altäre stammen aus dem 17. Jh., Altarfiguren von Philipp Dirr, 1631, und Konstantin Pader, um 1665; die Seitenaltarbilder wurden 1860 durch zeitgemäße von Balthasar Kraft aus Pfaffenhofen/Ilm, das Hochaltarbild 1949 von J. Graf, München, ersetzt. Der Stuck, um 1715 zur Zeit der Barockisierung entstanden, kann Benedikt Heiß aus Dachau zugeschrieben werden; für ihn sprechen die im Kreis angeordneten Putten (vgl. CBD Bd 4, Maisach, S. 190. Bogner 1966 schreibt ihn Nikolaus Liechtenfurtner zu). 1740 wurde der alte Gnadenaltar ausgebessert (Fassung Lorenz Callistus Kärpf, Maler von Kranzberg).

Saalbau (14 × 11 m) zu 4 Jochen, Gliederung durch Wandpfeiler mit Pilastern, Rundbogenfenster; Doppelempore im W; AR (7 × 5,50 m) eingezogen und erhöht zu 3 Jochen, dreiseitig geschlossen, Tonnengewölbe auf Gesimskonsolen, Belichtung von N und O; an der S-Seite Sakristei und Oratorium in den Turmuntergeschossen.

Auftraggeber: Amtierender Pfarrer war Josef Häber (1710–41; Epitaph rechts am Chorbogen).

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1715 Die Deckenbilder sind in ihrer barocken Substanz so entstellt, daß sie nicht mehr stilistisch einzuordnen sind. Es ist anzunehmen, daß sie gleichzeitig mit der Stuckierung um 1715 entstanden sind; die Komposition und auch die Bildthematik passen in diese Zeit.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Tonnen mit Stichkappen

 
E Aufnahme Mariens in den Himmel
 
 
Engel um die Heilig-Geist-Öffnung
 
 
 
 
Immaculata
 
 

Rahmen: sämtliche Rahmen Stuckprofil in Weiß, A-D verkröpfte Vierpaßformen, E-G Rechtecke, seitlich halbkreisförmig ausbuchtend, 1–6 und a-h ovale Medaillons Technik: Fresko; A-G, 1-6 polychrom; a-h monochrom karmin mit Weißhöhungen

 
Arche des Bundes
 
Rose ohne Dorner

1-6 a-h 086

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1920 Renovierung der Stuckaturen, 1947/48 Behebung von Kriegsschäden im Inneren, 1978 Außenrenovierung. In einem Gutachten des BLfD von 1954 wurden die Bilder als stark übermalt bezeichnet und als Maßnahme Abkratzen angeordnet. Laut örtlicher Auskunft wurden sie in der Nachkriegszeit von Malern gegen Verpflegung übergangen. Das Hochaltargemälde ist signiert H. Graf (19)49. Die Deckengemälde müssen als Ruinen bezeichnet werden; von der barocken Substanz haben sich allenfalls die Bildanlagen erhalten.

 
 
4 Beschneidung
 
6 Flucht nach Ägypten
 
 
 
Pforte des Himmels
 

Bildabfolge

A-G, 1-6 MARIENZYKLUS, beginnend im AR mit Richtung nach W

1-6 Ovalmedaillons in den Zwickeln des LHs, Zählung nach ikonographischer Reihenfolge, beginnend im SO

a - h MARIENSYMBOLE Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei - Ovalmedaillons in den Stichkappen des LHs

 
1-6 Mutterschaft Mariens

In den Stichkappen des ARs sind in Stuckmedaillons die Vier Kirchenväter in Stuckrelief dargestellt.

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Paunzhausen: Filiale Johanneck. StAM, Geistl. Rat, Kirchen- und Stiftungsrechnungen Gericht Kranzberg, Amt Allershausen 1711, 1720, 1740.

Schmidtsche Matrikel, Bd 4, S. 407, 289. Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 65–67. KDB I OB (1), S. 406. Bogner, Josef, Freisinger Landkirchen aus der Zeit des Fürstbischofs Ecker, in: Amperland 2, 1966, S. 63-67. Vitzthum, Werner, Schweitenkirchen. Hg. Kath. Pfarramt Schweitenkirchen 1984, S. 223–232. Dehio 1990, S. 513.

 
Kirche und Pfarrhaus von Johanneck

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