Neufahrn bei Freising, Alte Pfarrkirche Hl. Geist
Alte Pfarrkirche, Gemeinde Neufahrn, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filial- und Wallfahrtskirche der Pfarrei Eching, die seit 1354 der Benediktinerabtei Weihenstephan inkorporiert war. Die Kirche von Neufahrn selbst war ebenfalls Weihenstephan inkorporiert (1641-1803; Neufahrn wurde 1866 Expositur, 1921 Pfarrei; 1963 Neubau der Pfarrkirche). Die Wallfahrt zur hl. Wilgefortis war vor allem im 17. und 18. Jh. bedeutend. An der Kirche bestand das 1466 von Johannes von Fraunberg gestiftete Heilig-Geist-Benefizium, auf das nach dem Aussterben der Stifterfamilie der Fürstbischof von Freising das Besetzungsrecht hatte. Gericht Kranzberg
Patrozinium: Hl. Geist (mehrfacher Patroziniumswechsel im Laufe der Jahrhunderte). Ursprünglich war die Kirche der Dreifaltigkeit geweiht (s. u.), 1433 wird als Patron des Hochaltars der Hl. Geist genannt. Nach Umbau und Neuweihe 1494 wurde die Kirchweihe am Sonntag nach St. Bartholomäus gefeiert. Seit dem 17. Jh. war St. Wilgefortis die Kirchenpatronin. Schmidt schreibt 1739: »Haec ecclesia nunc satis decore ornata juxta fundationem missae Fraunbergianae (1466) ... Spiritui sancto, juxta antiquam vero matriculam divo Bartholomaeo, juxta recentiora autem acta visitalia divae Wilgefortis virg. mart. honoribus dedicata ... Patrocinium secundarium nunc celebratur in festo s. Wilgefortis« (S. 342 f.). 1661 war der Hochaltar der hl. Wilgefortis geweiht.
Zum Bauwerk: 804 erstmalige Erwähnung. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 15. Jh. Die genauen Bau- und Weihedaten finden sich in einer handschriftlichen Eintragung von ca. 1500 auf dem Vorsatzblatt des Neufahrner Missale Frisingense (BSB Inc. c.a. 1922, s. u.; Kürzel aufgelöst):
»Anno Domini MCCXLII (1242) consecrata est ecclesia a venerabili Frisingensi episcopo Ottone pridie ydus octobris in honore sancte et individue trinitatis et beate marie virginis e omnium celestium virtutum.
Item post hoc circa annos domini MCCCCXXXI (1433) chorus huius ecclesie de novo funditus edificatus et omnia altaria sunt renovata et edificata et deinde eodem anno dominica post Udalrici proxima cum choro, altari sancti Spiritus in medio et altari sancte Anne in dextro consecrata a venerabili domino Alberto suffraganeo episcopi Frisingensis nycodemi.
Item post hoc circa anno domini 1494 completa est nova structura cum testudine (Gewölbe) totius ecclesie dempta turri atque chorus prius in sublimiori, testudinatus et anno iam praenotato ecclesia est de novo consecrata cum altari sancte Trinitatis in capella et sancti Sebastiani et aliorum ibi patronorum in ea et cum altari beate virginis marie atque sancte anne in sinistro loco. Et cymeterium est reconciliatum a domino Udalrico suffraganeo Frisingensis episcopi Sixti dominica proxima post festum sancti Bartholomaei et quilibet plebanus in Eching debet die praedicto solemnitatis huius dedicationis omni anno peragere populus tamen servat consuetudinem ut prius«.


Die Kirche wurde also am 14. Oktober 1242 geweiht. Vor 1433 wurden ein neuer Chor errichtet und alle Altäre renoviert; die Neuweihe fand am Sonntag nach dem Fest St. Ulrich (4. Juli) im Jahr 1433 statt. Vor 1494 wurde das Langhaus der Kirche neu erbaut und gewölbt. Diese »nova structura« wurde geweiht am ersten Sonntag nach dem Fest des hl. Bartholomäus (24./25. August) zusammen mit der Neuweihe des Friedhofs.
Brand 1580. 1660 stiftete Maria Anna, Gemahlin des Kurfürsten Maximilian I., 100 fl. für einen neuen St.-Wilgefortis-Hochaltar, datiert 1661; aus der gleichen Zeit stammen die beiden Seitenaltäre. Barockisierung 1715 mit Abschlagen der Rippen, Veränderung der Fensterformen und Stuckdekoration, die Nikolaus Liechtenfurtner zugeschrieben wird (Thon, S. 48). Bei einem Brand 1797 blieb die Gewölbedekoration erhalten.
LHs zu drei Jochen mit einer Gliederung durch kräftige Wandpfeiler, denen 1715 kannelierte korinthische Pilaster vorgelegt wurden. Doppelempore im W; Belichtung durch drei Fenster von N und zwei von S. Im S schließt im östlichen LHs-Joch eine Kapelle an. Stark eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß; Gliederung durch flache Pilaster, Belichtung von N durch zwei, von S durch ein Fenster. Oratorium über der Sakristei, die im S anschließt.
Auftraggeber: Abt Ildefons Huber (1705-49) von Weihenstephan; sein Wappen befindet sich zusammen mit dem Klosterwappen über dem Oratorium, mit der Inschrift I.7.I.A.I. W.1.5 (= Ildefons Abt in Weihenstephan 1715). Die Kirche von Neufahrn war 1641 von Kurfürst Maximilian I. Abt Georg Tanner (1618–45) von Weihenstephan geschenkt worden, mit ihrem jährlichen »ad fabricam gehörigen Einkommen«, unter der Bedingung, daß der Abt und seine Nachfolger »... gedachtes dermahlen ganz ruinirtes Gottshaus wieder zu guettem Standt« bringen werden (AEM, 158 8601 01; s. auch Pfleggericht Kranzberg, Kirchenrechnungen, Vermerk jeweils am Ende des zweiten Teils). »Proventus huius ecclesiae privative administrat Abbas Weihenstephanensis, et sarta tecta conservat et paramenta procurat« (Schmidt, S. 343). Über dem Chorbogen ist (heraldisch) links das Freisinger Wappen, von der Mitra gekrönt, und (heraldisch) rechts das Kurbayerische Wappen, vom Kurhut gekrönt.
Pfarrvikar von Eching z. Z. der Ausmalung war Kaspar Kern (1696-1733). Benefiziat von Neufahrn war Johann Georg Westermayr (1708–25).
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Lucas (Andreas) Zais (* 1674 Lambach/OÖ †1739 Benediktbeuern) 1715. Der Benediktbeurer Konventuale und Maler Frater Lucas Zais arbeitete nicht nur im Gebiet des ehem. Klostergerichts Benediktbeuern, sondern auch häufig in Freising. Bei seinen längeren Aufenthalten in Freising wohnte Zais wohl im Benediktinerstift Weihenstephan, wie es für Angehörige des Benediktinerordens üblich war. Da die Kirche von Neufahrn dem Stift Weihenstephan inkorporiert war, spricht die Wahrscheinlichkeit für Frater Lucas Zais als Autor der Neufahrner Bilder. Vergleicht man diese mit den Fresken in Walchensee, die für Frater Lucas Zais gesichert und ein Jahr früher entstanden sind, so sind zahlreiche stilistische Verwandtschaften festzustellen, vor allem in Gewandbildung, Gestik und im Einsatz der Weißhöhungen.
Andreas Zais war Sohn eines Goldschmieds in Lambach, »lernte die Malerkunst und hielt sich bis zu seinem Eintritte ins Kloster zu Grieskirchen auf« (Pirmin Lindner, Fünf Profeßbücher süddeutscher Benediktinerabteien. IV. Benediktbeuern, Kempten und München 1910, S. 82). Wo er seine Ausbildung erhielt, ist unbekannt. In Lambach war zwar ein Maler ansässig, doch kann Zais auch in der kleinen Stadt Grieskirchen nahe Lambach gelernt haben. Eine Begegnung, vielleicht sogar eine Zusammenarbeit mit Melchior Steidl, der 1698 in der Stiftskirche von Lambach einen großen Freskenzyklus und in der Folgezeit noch andere Arbeiten für Stift Lambach schuf, ist anzunehmen. Nach Viktoria Berg (Die Fresken des Melchior Steidl, München 1971, S. 4) hat Steidl keine eigentliche Werkstatt unterhalten, sondern an Ort und Stelle meist mit ansässigen Malern zusammengearbeitet. Als Datum der Profeß des jungen Malers Zais (unter dem Ordensnamen Frater Lucas) in Benediktbeuern nennt Lindner den 1. 11. 1703. Frater Lucas Zais arbeitete sowohl im Bereich des Klostergerichts Benediktbeuern als auch in Freising. 1707 schuf er ein Heiliges Grab in Benediktbeuern; archivalisch für ihn gesichert ist die Ausmalung der Kirche St. Jakob am Walchensee um 1714 (s. CBD, Bd 2, S. 261-64), von der er auch den Bauplan entworfen hat. 1709 kam Zais zum Kulissenmalen für den Theatersaal des Gymnasiums in Freising aus Benediktbeuern. 1717 malte er das Theater aus, 1718 war er in der fürstbischöflichen Residenz in Freising tätig (Schmid 1924, S. 76). Zum Jubiläum 1724 hielt sich Zais wieder in Freising auf, um an den Festdekorationen mitzuwirken (Tagebuch Meichelbeck, mitgeteilt von Karl Mindera; Die Erneuerung des Doms im Jahre 1724 nach dem Tagebuch von P. K. Meichelbeck, in: Der Freisinger Dom, Festschrift 1967, S. 216). Beim Tod des Fürstbischofs Eckher machte Zais 1727 den Schaukatafalk mit Wappen, Emblemen, Inschriften und Triumphbögen (Hubensteiner, S. 222).


Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (C, D) und AR (A, B) verschliffenes spätgotisches Rippengewölbe Rahmen: Feine Stuckprofile, bei A, C und D mit kräftigen Blattwerkgirlanden, bei B mit Akanthusornamenten belegt. Technik: Fresko; sämtliche Deckenbilder monochrom ocker Maße: A Höhe 10,20 m; 2,50 x 2,50 B Höhe 10,20 m; 2,50 x 2,50 C Höhe 10,00 m; 2,90 x 2,90 D (modern übermalt) E Höhe 10,00 m; 2,90 x 2,90
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Nach dem Brand 1797 wurde das Gnadenbild renoviert. Ob auch das Kircheninnere durch den Brand beschädigt und daraufhin renoviert wurde, ist nicht bekannt. 1878 wurden der Raum getüncht und »die Freskobilder aufgefrischt«; die Malerarbeiten bei dieser Restaurierung führte die Fa. Gebrüder Kufner, München, aus. Die nächste Innenrestaurierung fand 1905 statt: der Verputz an den Wänden mußte, weil er feucht geworden war, etwa zur Hälfte abgeschlagen und erneuert werden (AEM); ob damals an den Fresken restauriert wurde, ist nicht bekannt.

Bei einer Innenrestaurierung 1933 wurden die Fresken durch Josef Nickl, Freising, gereinigt und restauriert. Nickl malte in das mittlere LHs-Bildfeld eine Taufe Christi und in die sechs Kartuschenfelder Gleichnisse aus dem NT.
Letzte Restaurierung 1991/92 durch Erwin Wiegerling, Bad Tölz. In seinem Restaurierungsbericht von 1991 stellt er fest:
«Die Intonaco Putzschicht ist unter Marmormehlzusatz aus feinem Sand gemischt worden und sorgfältig geglättet. Tiefe Ritzungen der Kartonübertragung deuten daraufhin, daß der Putz bei diesem Vorgang sehr frisch gewesen sein mußte. Darüber wurde ein gelber Farb-Untergrund aufgetragen und der Hintergrund bzw. die Landschaftspartien fertig gemalt. Die Personendarstellungen sind zuletzt, und etwas 'nachlässig', d.h. schnell und einfach ausgeführt worden, während die Landschaftspartien einen Reichtum an Details zeigen.»
Von den Fresken wurden die – fast vollständigen – Übermalungen der früheren Restaurierungen abgenommen, die Schimmelflecken beseitigt, der Putz gefestigt, Risse und Fehlstellen ausgekittet. Notwendige Retuschen wurden im Tratteggioverfahren ausgeführt (Bindemittel Sinterwasser und Kalk). Eine Aufdeckung und Wiederherstellung von Feld D (ehem. Aufnahme der hl. Wilgefortis in den Himmel) war
nicht möglich. Statt dessen wurde hier monochrom in Seccotechnik eine Kreuzdarstellung angebracht. Die sechs Kartuschenfelder wurden freigelegt und die ursprünglich dort angebrachten Inschriften aufgrund der überlieferten Texte wiederhergestellt. Das Wappen am Chorbogen wurde ebenfalls freigelegt.
Beschreibung und Ikonographie
Die Deckenbilder sind in der um 1715 üblichen Form, je Joch eines, angeordnet, die Kartuschenfelder jeweils an den dazwischen liegenden Gewölbezwickeln. Die Hauptfresken sind sämtlich monochrom ocker; eine völlig monochrome Freskierung ist eine Seltenheit in der süddeutschen Deckenmalerei (vgl. die Allerseelenkapelle bei St. Martin in Landshut). Ungewöhnlich ist auch, daß sämtliche Bildfelder auf die Ansicht nach W hin angelegt sind, also für den Kirchenbesucher, der zum Altar blickt, auf dem Kopf stehen. Auch die chronologische Abfolge der Szenen von O nach W (der die Zählung folgt) entspricht nicht der Tradition.
Die Bildanlagen zeigen keinerlei illusionistische Effekte, die Schauplätze haben jeweils einen hohen Horizont; es sind weite, baumbestandene Vorgebirgslandschaften. Jeweils in Vordergrund spielen die Szenen der Geschichte des Gnaden bildes von Neufahrn. Dieses Gnadenbild, ein großes Kruzifix mit einer bekleideten Christusgestalt, wurde in der alten Bartholomäuskirche seit 1397 verehrt (Steiner 1979, S. 46). Der Kruzifixus hatte die Form der »Volto-Santo-Bilder«, der Bilder der hl. Kümmernis, einer legendären Figur des Volks glaubens, auch hl. Wilgefortis oder Liberata genannt. Hier in Neufahrn wurde die Wilgefortis-Legende auf den wunderbaren Kruzifixus übertragen. Die Inschrift am Wilgefortis- Kreuz des Hochaltars lautet: WILGEFORTIS SIVE / LIBE- RATA V. M. [VIRGO MARTYR] 1661 / H: Jungf: und M. ohne Kümmernus Bitt für Uns.
Die Legende der hl. Kümmernis verbreitete sich ab 1350 von den Niederlanden aus. Wilgefortis war danach Tochter eines heidnischen portugiesischen Königs, die Gott ihre Jungfräu-lichkeit gelobt hatte. Der Vater wollte sie zur Ehe zwingen: da bat sie Gott, sie zu verunstalten, worauf ihr ein Bart wuchs. Der erzürnte Vater ließ sie zur Strafe kreuzigen. Historische Quellen für die Gestalt der hl. Kümmernis gibt es nicht. »Sanctae patria, tempus, sepulcrum aliaque incerta sunt« (De S. Liberata alias Wilgeforte Virgine et Martyre, in: AASS, Julii Tom. V, S. 50-70, S. 52).
Neufahrn hat eine eigene Wilgefortis-Legende, die die wunderbare Auffindung des Neufahrner Gnadenbildes aufgreift. Sie ist durch zwei Quellen überliefert: 1. durch sechs von sieben Holztafeln in der Kirche Neufahrn (eine davon 1527 datiert) mit Darstellungen der legendären Szenen, begleitet von Inschriften; 2. durch die handschriftliche Legenden-Erzählung des Benefiziaten Gregor Hörll von Neufahrn, 1607 datiert, in einem Missale Frisingense von 1487 (BSB 2° Inc. c.a. 1922).
Die beiden Quellen stimmen überein. Danach wurde ein Kreuz mit dem Bild des bekleideten Heilands auf der Isar schwimmend in der Nähe von Mintraching von zwei Holzknechten gesehen. Die Holzknechte bemühten sich, Kreuz und Bild zu bergen. Dabei wurde die Figur von einer Axt verletzt und begann zu bluten. Dieses Wunder vernahm der Bischof von Freising; er eilte herbei, begleitet von seinem Klerus, und erhob feierlich das Bild. Er legte es auf einen mit zwei Ochsen bespannten Halbwagen und ließ den Tieren die Freiheit, den Weg zu wählen; bei Neufahrn blieben die Ochsen stehen. Das wurde als Zeichen angesehen, daß das Gnad enbild hier seine Stätte nehmen wolle. Das Bild heilte auf wunderbare Weise eine blinde Frau und einen krummen Mann. Ein Maler, der das Bild renovieren wollte, machte das Gewand statt grünblau willkürlich rot. Er erblindete daraufhin und wurde erst wieder sehend, als er gelobte, das Bild in der ursprünglichen Farbigkeit wiederherzustellen.
Die sechs Bildtafeln von 1527 in Neufahrn, die früheste Quelle der Neufahrner Wilgefortis-Legende, stellen dar:
1. Das Kreuz wird auf der Isar schwimmend von den Holzknechten aufgefunden. Inschrift: Hie rindt das pilt her auf der yser da haben yer etlich geholzt in der aw bei mindering da hat ainer mit ainer axt darauf geschlagen da ist pluet heraus gerunnen.
2. Der Bischof kommt in Begleitung seines Klerus. Inschrift: Hie kümbt der pischof mit der process und erhebt das pilt.
3. Der Bischof legt das Bild auf einen Halbwagen, von Ochsen gezogen. Inschrift: Hie legt der pischoff das pilt auf ain halbwogn und spant zwen ochsen daran die habens her gen newfarn zogen.
4. Die Heilung der blinden Frau und des krummen Manns. Inschrift: Alspalt das pilt ist kummen ist ainer plinte fraun und krumppen man geholfen wordn.
5. Ein Maler faßt das Gewand der Figur rot statt blau und erblindet daraufhin. Inschrift: Ain maler hat das pilt verkert in rot alspalts perait wart ist er erplint.
6. Der Maler gelobt, das Bild wieder herzustellen und wird geheilt. Inschrift: Er verlobt es wider in sein ersten gestalt zu machen, da ist er wider gesehend worden. 1527.
Am Ende seiner Kümmernis-Legende erzählt 1607 Hörll die Neufahrner Legende:
»Dis bilt sambt dem aichen Creiz auff dem Altar ist auff der Yser bis gen Mindrahing herauff gerunen, nachdem der arm man in der Au funden darein gehaut in rechte Axl das bluet Oxen in ain halbwagen gespandt die habens daher zogen.
Nachdem es verbrunnen, und der Maller roet mahlen wöllen ist er erblindt, alsbalt er dis wieder in Ir blabe farb zufärben wieder verlobt Ist er wieder one aller menschen hilff sehet worden.
Ir 2 haben das bült wöllen auffrichten schlueg der ain obendrauff Ran bluet daraus.
balt das bült ist herkhumen ist ainer blinden frauen, und ainem krumppen man geholffen. Wie es dan an der Taffel zusehen ist« (BSB, 2° Inc.c.a. 1922).
Der in diesen Fassungen überlieferten Neufahrner Legende folgen die vier Deckenbilder A, B, C und E. Das übermalte Feld D zeigte ursprünglich die Aufnahme der hl. Wilgefortis in den Himmel.

Die Inschriften in den Kartuschen wurden mit Hilfe der überlieferten ursprünglichen Texte (o. V., Die hl. Wilgefortis in der Pfarrkirche zu Neufahrn bei Freising, in: Frigisinga 2, 1925, S. 72-82) wiederhergestellt, mit einigen Konzessionen an die moderne Schreibweise.
A AUFFINDUNG DES GNADENBILDES DURCH ZWE HOLZFÄLLER Rundes Bildfeld über dem Hochaltar.- Das Bild zeigt im Vordergrund das Ufer eines reißenden Flusses, auf dem ein Kruzifix treibt. Zwei Holzfäller stehen am Ufer. Bäume erheben sich dicht am rechten Bildrand; zwei Baumstämme liegen am Boden, in einem von ihnen stecken Keile. Einer der Holzfäller hat die Axt erhoben und scheint damit die Figur am Kreuz zu berühren. Am jenseitigen Ufer sieht man Spuren einer Überschwemmung.
a Inschrift in der begleitenden Kartusche Willgefordis her geschwommen / hier die Ruhstatt hat genommen
B DIE ERHEBUNG DES GNADENBILDES Der Schau platz ist wie in A das Isarufer. In der Mitte des Bildes ist ein Bischof zu sehen, der das Kreuz mit dem Bild der hl. Küm

E Der Maler und das Gnadenbild mernis andächtig auf den Knien hält, assistiert von den beiden Holzfällern links und Geistlichen, die ihn begleiten.
Quellen und Literatur
AEM, Pfarrakten Eching, Filiale Neufahrn, 158 860101: Inkorporation der Filialkirche St. Wilgefortis 1641; 158 863201: Baufälle, Restaurierung, Ausstattung 1863–1919; 158 864101: Patroziniumsfest St. Wilgefortis 1631. BSB, 2° Inc.c.a. 1922: Meßbuch aus Neufahrn von 1487 mit handschriftlicher Eintragung der Baudaten vor 1500 und der Kümmernis-Legende. Schmidtsche Matrikel, Bd 1, S. 342 f. Sighart, Joachim, Von München nach Landshut, Landshut 1859, S. 40–45. KKC 26, 1866, S. 121-23 Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 424–28. J. K., Die hl. Wilgefortis in der Expositurkirche zu Neufahrn bei Freising. Beilage zum Freisinger Kalender 1880 (s. Noderer, S. 80, Anm. 9). KDB I OB (1), S. 422-24. -, Die Kümmernis-Legende von Neufahrn und das Bild von Eltersdorf, in: Das Bayerland 24, 1913, S. 259-63. Sigl, Franz, Neufahrn und die Heilige Kümmernis, in: Bayerische Heimat, Unterhaltungsblatt zur »Münchener Zeitung« 6, 7. 10. 1924, S. 9 f. Zils, W., Neufahrn bei Freising, in: Altheimatland, Ausgabe B, 3, 1926, S. 157–59. Noderer, Joseph, Zur Verehrung der hl. Kümmernis in Neufahrn, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising (E. V.) 16, 1929, S. 79–89. Mayer-Pfannholz, Anton, Neufahrn bei Freising, in: Alt Freising, Beiträge zur Geschichte von Stadt und Bezirk Freising 2, 1934, Nr. 9, S. 2–7. Hartig, Bd 1, S. 44 Hartig, Michael und Johann Jungmann, Pfarrkirche Neufahrn bei Freising (= KKF Nr. 457/58), München 1940. Dehio-Gall OB, S. 92 f. Alckens, August, Landkreis Freising, Freising 1962, S. 153. Bogner, Josef, Freisinger Landkirchen aus der Zeit Fürstbischofs Eckher, in: Amperland 2, 1966, S. 63-67. Thon, S. 48. Steiner, Peter, Gnadenstätten zwischen München und Landshut, Freising 1979, S. 46 f. Hahn, Sylvia, Neufahrn bei Freising (= KKF Nr. 457), 2 München 1983. Dehio 1990, S. 867 f.
Literatur zur St.-Kümmernis-Legende: Schnürer, Gustav, Die Kümmernisbilder als Kopien des Volto Santo von Lucca, in: Jahresbericht der Görresgesellschaft 1901, Köln 1902, S. 43–50. Schnürer, Gustav, Das Kümmernisproblem in Bayern, in: Bayerischer Heimatschutz 23, 1927, S. 43–57. Schnürer, Gustav und Joseph Maria Ritz, St. Kümmernis und Volto Santo. Studien und Bilder (= Forschungen zur Volkskunde, Heft 13/15), Düsseldorf 1934, S. 29 f. und passim. Ritz, Joseph Maria, Beiträge zur Kümmernisforschung, in: Bayerischer Heimatschutz 30, 1934, S. 71–75. Kretzenbacher, Leopold, Das verletzte Kultbild. Voraussetzungen, Zeitgeschichten und Aussagenwandel eines abendländischen Legendentypus (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, 1977, Heft 1), München 1977, S. 106 f. (zur Malerlegende). Maendl, Luise, »Heilige Kümmernis« von Legenden umwoben. Darstellungen des »Volto Santo« und des Wilgefortiskultes in Franken und Altbayern, in: Bayerland 1986, Heft 1 S. 69-71. Schroubeck, Georg R., Sankt Kümmernis und ihre Legende, in: Amperland 24, 1988, S. 105–09; 125–30. A.B./J.T.
