Hohenpolding, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung
HOHENPOLDING
Pfarrkirche Ehemalige Friedhofskapelle S. 167
Pfarrkirche, Pfarrverband Holzland (Sitz Steinkirchen) Gemeinde Hohenpolding, Erzdiözese München und Freising z.Z. der Ausmalung Filiale der Pfarrei Steinkirchen (1865 Expositur, seit 1883 Pfarrei). Die große Pfarrei Steinkirchen (seit 1374 der Dompropstei Freising inkorporiert) besaß sieben Filialen, darunter neben Hohenpolding Amelgering (s. S. 32), Schröding (s. S. 281), Kirchberg (s. S. 183) und Niederstraubing (s. S. 231). Die Kirche Hohenpolding hatte »für sich stattliche Mittel und ein tröffliches Einkhommen« (AEM. Pfarrbeschreibung). Die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau von Hohenpolding (Ablaßbrief Clemens XII. vom 7. 12. 1733) hatte nur lokale Bedeutung. Gericht Erding
Patrozinium: Mariä Heimsuchung
Zum Bauwerk: Wegen Baufälligkeit der alten Kirche, einer Chorturmanlage, Planung eines Neubaus ab 1749, Ratifizierung am 20.5.1749. Nach dem Abbruch des LHs im Frühjahr 1750 zeigte sich der Chorturm, der eigentlich stehen bleiber sollte, ebenfalls baufällig. Der Neubau der Kirche mit AR und LHs war im gleichen Jahr im Rohbau fertig, eingedeckt, aber noch ungewölbt. Ratifizierung des Turmbaus 7.5.1751, Bau noch im gleichen Jahr, Wölbung und Fertigstellung der Kirche ebenfalls 1751, Innendekoration erst 1752. Am 26.7.1752 schrieb das Gericht Erding, die Kirche sei »sowoll an Grösse und Herrlichkeit: als auch wegen ausgeschmuckhter Stuckhador= und Mahler-Arbeith im Gericht Erting unter die schönste Gottshäuser zu zehlen« (BHStA). Weihe am 14.8.1753 Maurermeister war Johann Baptist Lethner aus Erding, Zimmermeister Abraham Kirschenhofer, Stuckator Johann Paul Wagner aus Vilsbiburg. Reiche Rokoko-Einrichtung ab 1753 ebenfalls durch Wagner.
LHs zu vier Jochen mit gerundeten Ecken und Doppelempore im W; eingezogener AR zu einem Joch mit halbrundem Schluß. Gliederung in AR und LHs durch flache, ornamentalausgestaltete Pilaster auf Wandvorlagen, die je ein verkröpfte Gebälkstück tragen. Gleichmäßige Belichtung von N und S im LHs durch je vier, im AR durch je zwei hohe Rundbogenfenster mit Ausbuchtungen im oberen und im unteren Drittel
Auftraggeber: Matthäus Hoffmayr, Pfarrvikar von Steinkirchen (1737-59), Bartholomäer (dazu s.S. 136) und ein leidenschaftlicher Bauherr. Am 7.7.1748 schrieb er an das Gericht Erding: »Nachdeme mit grosser Miehe, und noch gressern meinen aignen Unkosten mein Pfarrgottshaus in einen solcher schönen Standt gebracht, das es in inwendiger Ausziehrung ... manche Stadtsgotteshäußern nit derfft weichen, möchte ich gern auch die Ehr Gottes, und seiner Heilligen zu befördert die Hand auf meine Filialgottshäußer anlegen« (BHStA) Unter ihm als Pfarrer entstanden außer der Barockisierung von Steinkirchen sechs Ausmalungen, in Kirche und Friedhofskapelle Hohenpolding, in Amelgering, Niederstraubing Kirchberg und Schröding. Hoffmayr starb am 16.12.1759. Zu Erben setzte er seine Pfarrkirche und das Seminar der Bartholomäer in Ingolstadt ein.
Hoffmayr griff mit dem jüngeren Aiglstorffer für die Wallfahrtskirche Hohenpolding das Bildsystem wieder auf, mit dem Franz Albert Aiglstorffer so erfolgreich war.
Die finanzielle Beteiligung der Gemeinde an der Dekoration, die grundsätzlich fast überall anzunehmen ist, ist für Hohenpolding nachzuweisen. Bei der Verteilung der Kirchenstühle in der neuen Kirche gab es Ärger und die Bauern protestierten mit dem Argument, sie haben Fuhren und andere Arbeit geleistet, und »haben Geld zur Stuckhadorarbeit gegeben« (AEM). Am Chorbogen befinden sich zwei Wappen, links das von Johann Theodor, Herzog von Bayern, Fürstbischof von Freising, rechts das kurbayerische Wappen, beide mit Fürstenhut und Schwert sowie den weißblauen und den Rautenfahnen der Wittelsbacher. Die Wappen waren vor der letzten Restaurierung falsch übermalt. Sie sind hier, wie mehrfach im Bereich des Gerichts Erding, Hinweis auf die geistliche und weltliche Obrigkeit.
Autor und Entstehungszeit: Zuweisung an Franz Joseph Aiglstorffer (* um 1713 Wartenberg † 1790 Wartenberg, s. S. 146) 1752. Chronogramm in einer Kartusche am Chorbogen CaeLI aC terrae DoMInae (= 1752).
Georg Brenninger schreibt die Ausmalung von Hohenpolding Joseph Unterleutner zu (Joseph Unterleutner, ein Freisinger Maler der Rokokozeit, in: Amperland 17, 1981, S. 151-55) eine Mitarbeit Franz Joseph Aiglstorffers schließt er nicht aus (Brenninger 1982, S. 111, Die Kirchen der Pfarrei Hohenpolding, S. 2). Der schlechte Zustand der Deckenbilder in Hohenpolding erschwert die Zuschreibung. Vergleicht man Fresko B von Hohenpolding mit dem kompositionell ähnlichen Fresko B in Pfrombach von Unterleutner (1763, s. CBD Bd 6, S. 283). so zeigt sich, daß Unterleutners Fresko ungleich qualitätvoller ist als das in Hohenpolding, in der Figurenkomposition, in der Darstellung von Gewändern und Körpern, im Aufbau des Schauplatzes, in architektonischen und landschaftlichen Details. Die Organisation der Bildfläche, die Figurenkompositionen, die Verteilung der Engelchen in den Wolken und die Wolkenbildungen in Hohenpolding sprechen andererseits für Aiglstorffer, ebenso wie die Figuren von Maria, Elisabeth und Zacharias.
Im gleichen Jahr wie Hohenpolding entstand das Fresko von Salmannskirchen, das mit Sicherheit von der gleichen Hand ist wie die Ausmalung von Hohenpolding (vgl. die Himmelsdarstellung in A mit der von Salmannskirchen) und sich mit Reichenkirchen, Niederstraubing, Hecken und Amelgering der von Aiglstorffer signierten Freskierung von Hinterholzhausen (1754, s. S. 146) zuordnen läßt. In diese Werkgruppe, die innerhalb von nur fünf Jahren entstand, gehört zweifellos auch die Ausmalung von Kirche und Friedhofskapelle Hohenpolding.
An dieser Stelle ist an die Innendekoration der regotisierten Pfarrkirche Steinkirchen zu erinnern (s.o., nicht erhalten, Freskierung 1905 von Hans Kögl, München-Pasing), die vor 1748 entstanden und nach den Worten des Pfarrers Hoffmayr schöner als in mancher Stadtkirche war. Vermutlich hatte sie Deckenbilder; ob diese ebenfalls von Aiglstorffer waren, ist
Befund
Träger der Malerei: LHs (A, 1-19) Stichkappentonne; 20-22 obere Emporenbrüstung; 23-25 Westwand; 26-30 untere Emporenbrüstung; 31–33 nördliche LHs-Wand; 34–36 südliche LHs-Wand. AR (B, a-f) Stichkappentonne, im AR im O abgemuldet
Rahmen: A und B kräftige Stuckprofile, von Ornamenten übergriffen, begleitet an der Außenseite von Ornamentrahmen mit Lambrequin- und Bandwerkmotiven. 1–36, a–f, W1–2 Rocaille-Ornamentkartuschen
Technik: Fresko; A und B, 1 und 23, W1-2 sind polychrom. 10, 11, 26, 31, 34 und 36 haben zartfarbige Darstellungen auf monochromem Grund. Die übrigen Darstellungen sind monochrom: 3, 9, 12, 18, 20, 22, 28, 32, 35, a und f monochrom karmin; 2, 6, 15, 19, 21 30, 33, c und d monochrom ocker; 5, 7, 8, 13, 14, 16, 17, 27, 29, b und e monochrom grün- oder blau grau
Maße: A Höhe 10,80 m; 8,00×4,00 B Höhe 10,00 m; 4,00 x 2,60
Erhaltungszustand und Restaurierungen: An der O-Seite des Chorbogens sind folgende Restaurierungsdaten: 1866, 1912, 1939, 1971. Die gleichen Daten finden sich anstelle der ehemaligen Inschrift auf dem Schild der Stuckfigur des Propheten David: Renovirt / ad laudem B.M.V. 1866 / et 1912, 1971 / 1939.
1866 wurden die beiden Hauptbilder A und B übermalt (»retuschiert«, s. StAM, Landbauämter), 1912 wieder freigelegt: »Die beiden großen Deckengemälde sind entfernt anstelle des kleineren (Mariä Heimsuchung) ist ein Fresko ganz deutlich zum Vorschein gekommen; anstelle des größeren (Mariä Himmelfahrt) ist ebenfalls ein Fresko erkennbar geworden, aber ganz schwach; beide dasselbe Thema darstellend wie früher« (BLFD, Bericht vom 11.5.1912). Restaurierung durch Martin Herz, Erneuerung der Schriftbänder durch Peter Keilhacker, Taufkirchen an der Vils, nach Angaben von Herz. 1939 Tünchung und Tönung des Innenraums sowie Reinigung der Deckenbilder durch Peter Keilhacker.
1970/72 Restaurierung des Innenraums mit Freilegung und Wiederherstellung der originalen Raumtönung durch Ludwig Keilhacker. Restaurierung der Fresken 1971/72 durch Alois Kaseder, Mühldorf am Inn. Beide Hauptfresken waren mit Leimfarben völlig übermalt (offenbar das Werk von Martin Herz 1912). Sie wurden nun abermals freigelegt, waren aber sehr schadhaft und mußten weitgehend neu gemalt werden. Die beiden ebenfalls übermalten Wandbilder W1-2 wurden nicht aufgedeckt.
Von den beiden Hauptbildern ist bei A nur die ursprüngliche Komposition erhalten, bei B ist mehr vom originalen Bestand zu sehen. Die Nebenbilder sind recht gut erhalten (Konturen nachgezogen).
Beschreibung und Ikonographie
Die Ausmalung beschäftigt sich mit dem Kirchenpatrozinium (B, Inschriften an den alttestamentlichen Figuren im Chor), vor allem aber mit Maria als Gnadenmutter (1–36, Ba-f). Der gleichzeitig mit der Dekoration entstandene Hochaltar von Johann Paul Wagner zeigt im Zentrum das Gnadenbild, Maria mit dem Kind, darüber die Taube des hl. Geistes und zuoberst Gottvater in der Glorie. Seitenfiguren sind Anna und Elisabeth, über den seitlichen Durchgängen stehen die Figuren von Joseph und Joachim.
Die Vier Evangelisten befinden sich als Ganzfiguren an der Kanzel, die Zwölf Apostel als Stuckfiguren über den Apostelleuchtern.
A MARIA ALS BESCHÜTZERIN VON HOHENPOLDING In Wolken erscheint Christus, begleitet von Engeln, um die Pfeile des göttlichen Strafgerichts auf die Welt zu schleudern. Unter ihm kniet auf Wolken Maria, ein Engel breitet ihren weiten Mantel aus, um Hohenpolding zu schützen, das unter einem Regenbogen am unteren Bildrand dargestellt ist. Maria zeigt mit der Linken nach oben, wo gegenüber der Gruppe von Christus Engel die Arma Christi vorweisen: Kreuz, Nägel, Dornenkrone und Schilfrohr.
Maria ist hier als Fürbitterin dargestellt, die auf den Kreuzestod ihres Sohnes hinweist, durch den er die Menschheit erlöst hat. Zwei Schutzmotive sind ihr Mantel und der Regenbogen, das alte Versöhnungszeichen, über Hohenpolding. Das Bild nimmt bezug auf die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau von Hohenpolding, deren Hauptfest Mariä Heimsuchung am 2. Juli mit einem vollkommenen Ablaß ausgezeichnet war. An diesem Tag kam die ganze Pfarrei Steinkirchen in Prozessionen nach Hohenpolding.
Auf Maria als Schutzherrin bezieht sich auch die Inschrift an der O-Seite des Chorbogens: Voll gnad und gebenedeyet / Aus allen Weibern du gworden bist / So oft dein Kind zu dir auch schreyet / Ihm gnade Sye Zu ieder Frist (mit Restaurierungsdaten, s.o.).
1–36 ANRUFUNGEN AUS DER LAURETANISCHEN LITANEI In sechsunddreißig Nebenbildern des LHs sind die Anrufungen der Lauretanischen Litanei dargestellt, in der 1560 eingeführten und heute noch gültigen Reihenfolge. Der Zyklus beginnt in der Kartusche im W des LHs-Gewölbes, geht nach O im Uhrzeigersinn über die Kartuschenfelder in den Stichkappen und an den Gewölbezwickeln des LHs-Gewölbes weiter, fährt an der oberen Emporenbrüstung fort, es folgen die Wandbilder der W-Wand und dann die untere Emporenbrüstung (sämtlich von S nach N); die Fortsetzung folgt in den Wandbildern der nördlichen und südlichen LHs-Wand unter den Fenstern (jeweils von W nach O).
Die Anrufungen in deutscher Sprache sind auf Schriftbändern oben, deutsche Verse unten in den Bildern. Die Bilder ergeben zusammen mit den Versen oft ein Emblem, dessen Bedeutung der jeweilige Ehrentitel Mariens ist.
Ein Teil der Bilder lehnt sich mehr oder weniger eng an Darstellungen in einem zeitgenössischen Andachtsbuch an, das als Vorbild diente: »Lauretanische Litaney, so zu Lob und Ehr de ... Himmelskönigin MARIAE ... gebetten wird«, Augsburg 1749, Text von Franz Xaver Dornn, Stiche von Joseph und Johann Klauber, Staatsbibliothek Augsburg, 8° Th Pr 62 (freundlicher Hinweis Sabine von Poschinger, München, die über dieses Buch 1988 in München magistrierte). Ausgehend davon hat offenbar Matthäus Hoffmayr selbständig Embleme gebildet, die nicht immer ganz schlüssig sind (18). Dabei legt Hoffmayr in seinen erklärenden Inschriften weit mehr als Dornn Gewicht auf das Bedeutungsfeld der Inkarnation (s. 21 22) und der Interzession (18), was mit dem Patrozinium der Kirche und der Wallfahrt zusammenhängt.
Kartusche im W am LHs-Gewölbescheitel
1 Heilige Maria (Sancta Maria). Mariä Namen ist vor einem Sternenhimmel dargestellt, darüber die Sonne, darunter der liegende Halbmond. All Himmels Gnad, und Zird / Mariä Nahmen fährt.
Kartuschen an der N-Seite, von W nach O
2 Du Gottes Gebäherin (= Gebärerin; Sancta Dei Genitrix). Wagen in Wolken, von drei Pferden gezogen. Der Wagen ist leer. Auf der Rückwand ist eine strahlende Sonne dargestellt. Das Heyl zutragen, / ist diser Wagen. Maria wird hier mit dem Sonnenwagen verglichen. Wie dieser Helios zum Himmel hochtrug, so trug Maria Christus, der durch das Bild der Sonne symbolisiert wird (s. Forster, S. 350 f.).
HOHENPOLDING
Szene schwebt. Ein hell liechter Schein / ohne Makel gantz Rein. Das Bild wiederholt bis ins Detail die Darstellung bei Dornn (Nr. 15), der Maria mit dem Mond vergleicht (pulchra ut luna); während dieser aber Flecken habe, sei Maria auch bei genauester Betrachtung makellos.
Kartuschen an der S-Seite, von O nach W
gerichtet. An jeder Trompete steht auf dem Behang Maria. dieses Nahmens freuden Schall, / soll erklingen überall. Die Darstellung folgt dem Bild bei Dornn (Nr. 25): »Das Bild stellt für, wie der Lob= und Glorwürdige Nam Maria auf vier Seithen, das ist, fast in allen vier Welt=Theilen verkünd und geprysen wird zum Zeichen, daß Maria seye eine Lobwürdige Jungfrau.«
Obere Emporenbrüstung, von S nach N
23 Geistliches Gefäß (Vas spirituale). Kelch, darauf der Namen Jesu; um den Kelch ist das Velum gehängt, auf ihm eine Krone. Strahlen umgeben das Gefäß. Rechts und link Meßkännchen. Hier war wieder die Abbildung bei Dornn (Nr. 32) Vorbild: »Da Bild stellet für einen Kelch und noch andere zum Altar und heiligen Meß=Opffer gehörige geistliche Geschirr, zum Zei chen, daß Maria von der Kirchen billichist ein geistliche Gefäß betittlet werde; dann gleichwie in den Kelch wehrender Meß=Opffer das Allerheiligiste Blut Jesu Christi wird aufbe halten, also ist in dem Jungfräulichen Leib Mariae als in einen geistlichen Gefäß Christus mit Fleisch und Blut neun gantze Monath aufbehalten worden«.
24 und 25 (Keine Abb.) Die beiden Bilder sind vom Orgel einbau verdeckt, in der Lauretanischen Litanei folgen an diese Stelle die Anrufungen »Ehrwürdiges Gefäß« (Vas honorabile und »Vortreffliches Gefäß der Andacht« (Vas insigne devo tionis).
Untere Emporenbrüstung
26 Geistliche Rosen (Rosa mystica). Garten mit Springbrunnen und Postamenten. In der Mitte eine große Rose, darübe der Namen Mariä. Aus allen blümmen der vorgang mi gebiehrt, lieblicher Gruch, Röthe, weisse ist mein ziert. Vorbild war die Darstellung bei Dornn (Nr. 35). Die Inschrift nimm auf die Erklärung Dornns bezug, Maria sei mit einer Rose au drei Gründen zu vergleichen: Wie die Rose Königin der Blümen, ist Maria Königin des Himmels; die Rose ist eine Jungfrauen-Blume, denn ihre Farben Weiß und Rot symbolisieren Reinheit und Schamhaftigkeit; ihr Geruch ist so stark und süt wie die Tugenden Mariens, die die Tugenden aller Mensche übertreffen.
Nutz. Das Motiv des aus dem Fenster schauenden Elefanten, um den Turm als »elfenbeinern« zu bezeichnen, findet sich bei Dornn auf dem Vorsatzblatt. Die Inschrift Hoffmayrs läßt vermuten, daß sie von der Erklärung Dornns (Nr. 37) ausging. Das Elfenbein wird dort mit Maria verglichen, weil es Sinnbild der Stärke sei. Weil es schön und weiß, und damit Sinnbild der Reinheit sei. Endlich, weil es Schutz gebe: Der Eisvogel legt ein Stück Elfenbein ins Nest, denn es hat die Kraft, das Wüten des Meeres zu stillen.
Nördliche LHs-Wand, von W nach O
Südliche LHs-Wand, von W nach O
29 Goldenes Hauss (Domus aurea). Schloßbau, über dem zwei Engel schweben und die Casa di Loreto halten. Ein Haus, wans auch sein solt pur gold, / so ist doch obigs noch mebr hold. Darstellung nach Dornn (Nr. 38), der Sinn, den die Inschrift dem Bild gibt, daß nämlich das Haus von Loreto ein Haus von Gold übertreffe, ist Zutat.
30 Arch des Bunds (Foederis arca). Bundeslade mit Cheru¬ bim und Tragestangen. Aus den Wolken fallen Strahlen auf sie. Wem dise Arch gefällt, die Sicherbeit erhält. Vorbild der Dar¬ stellung ist der Stich bei Dornn (Nr. 39). »O Maria! wann ein¬ stens bey denen Israelitern die Arch eine überaus grosse Freud, Trost, und Hoffnung verursachet hat, weilen in selber die Wunder=Ruthen Aarons: das Himmel=Brod, und die Gesatz Moyses aufbehalten ware. Was ungemein grössere Freud erweckest du in unseren Hertzen O lebendige Arch, als in welcher Christus selbsten neun gantze Monath geruhet hat?«
31 Pforte des Himmels (Janua caeli). Säulenbesetztes Portal, dessen Türflügel geöffnet sind und Ausblick auf einen Garten geben. Über dem Portal der Namen Mariä. Das man in Him¬ mel gebe ein / Mues dise Thür eröffnet sein.
32 Du Morgenster (Stella matutina). Großer Stern mit dem Namen Mariä in Wolken. Rechts geht die Sonne auf. Löwen, Tiger und Fledermäuse fliehen vor dem Licht in ihre Höhlen. Die Gnaden Stundt, / verkindt mein Mundt. Die Darstellung folgt wieder Dornn (Nr. 41): »so bald der Morgen-Stern auf¬ gehet, fliehen die Nacht=Eulen, und verbergen sich alle Liecht scheuhenden Thier; also ist der Marianische Morgen-Stern ein Schröcken der Ketzer, und der Teuffel, so als ein brillender Löw auf Seelen laustert, und fliehet vor den Glantz dises Sterns«.
x e Spiegel ohne Makel f Taube und zwei Kronen
33 Du Heil der Kranken (Salus infirmorum). Apotheken¬ raum mit vielen Gläsern, Gefäßen und Schubladen in Regalen. Im Zentrum der Namen Mariä. Die Hilff ist ohn Verweillen den kranken zuezueyllen.
34 Zuflucht der Sünder (Refugium peccatorum). Weite Landschaft mit mehreren Städten. Auf einer Wolke sind Her¬ zen angehäuft, darauf liegt ein Schild. Besonders die ihr Sünden breuen (bereuen), / Meinen Schutz ich lass angedeyen.
35 Trösterin der Betruebten (Consolatrix afflictorum). Leuchtturm und Schiffe in wildbewegtem Wasser. Über den Wogen in Wolken der strahlende Namen Mariä. Wan der Hoffnungs Anckber bricht, / Tröstet annoch dises licht.
36 Du Helferin der Christen (Auxilium Christianorum). Säule, an die Kriegsgerät und Fahnen geheftet sind, darüber eine Hand, die eine Fahne schwenkt, auf der ein rundes Bild zu sehen ist: Maria als Königin mit Zepter und Krone. Das Kind auf ihrem Arm tötet mit einem langen Kreuzstab den Drachen. Die Christen nit sind unterligen / durch mich sye alle feindt besigen.
B HEIMSÜCHUNG Das vierpaßförmige Chorfresko zeigt vor bergiger Landschaft Elisabeth und Zacharias, die aus dem Torbogen ihres Hauses Maria entgegeneilen, die von der linken Bildseite kommt, wo sich von einem Haus aus ein Weg in den Vordergrund schlängelt. Auf der Brust Mariens erscheint, von Strahlen umgeben, das Jesuskind. Elisabeth neigt sich, die rechte vor die Brust gelegt, vor Maria und dem
Kind. Über ihr schwebt der Heilige Geist in Gestalt der Taube, darüber ist Gottvater dargestellt, von Engeln begleitet. Et intravit in domum Zachariae et salutavit Elisabeth / Benedicta tu inter mulieres et benedictus fructus ventris tui (s. Lc 1, 40-43). Die Geisttaube über Elisabeth erinnert daran, daß diese vom Heiligen Geist erfüllt war, als sie in dem Kind Mariens Gott erkannte.
a-f LOBPREIS MARIENS Sechs Stuckkartuschen sind an Stichkappen und Gewölbezwickeln des Chors. Fünf davon haben Inschriften aus dem Hohenlied, kombiniert mit Mariensymbolen (Lilie, Taube, Sonne und Mond). Eine (B.) kombiniert das Mariensymbol Spiegel mit einer Stelle aus dem Buch der Weisheit. Texte und Bilder betonen die Auserwähltheit Mariens und haben von daher einen Bezug auf das Hauptbild mit der Darstellung der Heimsuchung, denn eigentliches Thema der Heimsuchung ist das Erkennen der Göttlichkeit des Kindes und der Lobpreis der Gottesmutter durch Elisabeth, beantwortet von Maria im Magnificat.
a Lilie unter Dornen. Dahinter weite Landschaft mit Bergen am Horizont, darüber in einem Wolkenkranz strahlende Sonne. Sicut lilium inter spinas / Sic amica mea inter filias. Cant 2, 2. (Cant 2,2).
b Maria als Königin. Sie hat den Sternenkranz um das Haupt und ist von Licht und Strahlen umgeben (Darstellung neu). Quae est ista quae progreditur / Quasi aurora consurgens. Cant 6, 9. (Cant 6,9).
c Taube im Glorienschein. Sie wendet ihren Kopf nach unten, wo vor weiter Landschaft eine zweite Taube auf einer Lade oder einem ornamentierten Podest sitzt. Ein Gnadenstrahl geht von der oberen zur unteren Taube. Innocua munera placent (Inschrift verdorben) / Una est columba mea. Cant 6, 8. (Cant 6,8).
d Strahlende Sonne und Mondsichel über Landschaft. Hier sind zwei Textstellen zitiert, oben Ecce ancilla Domini (Lc 1,38), unten Pulcbra ultima (= ut luna) electa ut sol. Cant 6, 9. (Cant 6,9).
e Spiegel auf Wolken. Ein Putto reibt ihn mit einem Tuch klar. Speculum sine macula majestatis / Et imago bonitatis illius. Sap 7, 26. (Sap 7,26).
f Auffliegende Taube über Landschaft. Zwei Hände aus den Wolken halten zwei Kronen bereit. Veni de Libano Sponsa mea / In nubibus veni, coronaberis. Cant 4, 8. (Cant 4,8).
W HEILIGE FAMILIE Im AR befinden sich im N (W1) eine Darstellung des hl. Joseph mit dem Jesusknaben, im S (W2) eine von Maria mit dem Kind (laut Akten im BLfD sind beide Bilder übermalt, die Themen aber wohl ursprünglich. Keine Abb.).
STUCKFIGUREN Auf das Thema der Heimsuchung (Visitatio) beziehen sich im Wortsinn noch die Inschriften auf Kartuschenschildern bei vier Stuckfiguren, die im Chor auf den Gebälkstücken der Wandgliederung thronen. Es sind Personen des Alten Testaments. Die Inschrift bei der Figur des David ist verloren.
MOSES (NW) Deus / visitabit vos / et ascendere / vos facit de terra ista / I Mos. 50, 29 (Gen 50,23).
ISAIAS (NO) bonam (ponam) visitationem / tuam pacem / Is 60, 17. (Is 60,17).
JOB (SO) Visitatio tua / custodivit / spiritum meum. Job 10, 12. (Iob 10,12).
DAVID (SW) Statt der Inschrift Restaurierungsdaten (s. o.).
Quellen und Literatur
BHStA I, Landshuter Abgabe 1993, 184: Neubau und Einrichtung 1749/53.
StAM, LRA 147730: Restaurierungen 1899, 1912; LRA 147727: Restaurierung 1939.
StAM, Landbauämter 509: Restaurierung 1866/67.
AEM, Pfarrakten Steinkirchen, Filiale Hohenpolding.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 21/Dorfen, Pfarrei Hohenpolding, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung (Georg Brenninger).
BLfD, Akt Hohenpolding, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung.
Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 150
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 473 f.
Landkreis Erding 1963, S. 269 f.
Kemp, S. 212-15.
Brenninger, Georg, Neues zum Werk des Vilsbiburger Bildhauers Johann Paul Wagner, in: Der Storchenturm 15 (1980), Heft 30, S. 33 f.
-, Joseph Unterleutner, ein Freisinger Maler der Rokokozeit, in: Amperland 17, 1981, S. 151–55.
Brenninger 1982, S. 111.
Landkreis Erding 1985, S. 345.
Gnadenstätten im Erdinger Land, S. 40.
Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Hohenpolding, Kirchenführer, Steinkirchen 2 1987.
Poschinger, Sabine von, Die Augsburger Lauretanischen Litaneien und ihr Bildschmuck, ungedr. Mag. München 1988, S. 14–17.
Brenninger, Georg, Freisinger Künstler und Kunsthandwerker vor 1800, in: Freising. 1250 Jahre Geistliche Stadt, Katalog der Ausstellung Freising 1989, München/Dillingen/Donau 1989, S. 106–21, S. 121.
Dehio 1990, S. 453.
A.B