Hohenfurch, Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Gailler, Franciscus Salesius, Vindeliciae Sacrae Tomi 3... Capitulum Weilheimense, Augsburg 1756, Cap. 19. Braun-Augsburg, Bd 1, S. 343. KDB IOB (1), S. 704. Rückert, Georg, Kirchliche Kunst im alten Landgericht Weilheim, in: Lechisarland 11, 1935, S. 115. Pfarrkirche, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Präsentationsrecht und Niedergericht Abtei Füssen
Patrozinium: Mariä Himmelfahrt
Zum Bauwerk: Die ursprünglich romanische, im 15. Jh. gotisch veränderte Anlage wurde um 1739 barock erweitert. Dabei wurde das LHs grundlegend erneuert. Baumeister Joseph Schmuzer, Stuckdekoration Wessobrunner Arbeit (Neu). Rokokoausstattung des Chores unter Abt Leopold Freiherr von Rost (1745–50, Wappen im Chorgewölbe). Weihe 1754. - Vierachsiger Saalbau mit Pilastergliederung, stark eingezogener dreiachsiger AR mit dreiseitigem Schluß; im W Doppelempore
Auftraggeber: Abt Benedikt Pautner von Füssen (1738–45), dessen Wappen im Kloster- und Konventswappen am Chorbogen angebracht ist; amtierender Pfarrer Benedikt Weinmiller (1737–42).
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A an der untersten Stufe: Joh Heel pinx 1739 (= Johann Heel aus Göggingen). Der an den Langhauswänden freskierte Kreuzweg, sowie die drei Freskobilder mit Passionsszenen an der Kanzelbrüstung stammen gleichfalls von Heel.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Flachtonne mit Stichkappen Rahmen: Stuckprofil mit später Bandwerkornamentik Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 8,70 m; 4,80 × 3,90 B Höhe 8,70 m; 4,80 × 3,90
Erhaltungszustand und Restaurierungen: A und B zeigen Risse, besonders im Gewölbescheitel. 1923/24 Restaurierung der Fresken durch H. Jäger, von dem auch das Deckenbild in der Vorhalle stammt. Das AR-Fresko wurde im 19. Jh. in nazarenischem Stil übermalt.
Beschreibung
A DIE FÜHRUNG DES SCHUTZENGELS Die einansichtige Darstellung hat ihre Basis im Westen. Der irdische Schauplatz wird durch eine ums Eck gebaute Säulenhalle gebildet. Aus dieser Halle führt ein Schutzengel ein Kind nach vorne, weg von einem Tisch, wo verschiedene Gegenstände angeordnet sind.
Der Engel weist hinauf zu dem in einer Glorie erscheinenden Jesuskind. Anbetende und weihrauchspendende Engel senken sich auf einem Wolkenkranz zu dem vom Engel geführten Kind hinab. Die lichte Gestalt des Jesuskindes wird direkt über den Rauchschwaden eines großen Weihrauchgefäßes sichtbar. Darüber schwebt die Taube des Hl. Geistes neben dem segnenden Gottvater.
Die Komposition ist in ihrer Zweiteilung in kreisförmige Wolkenglorie und irdisches Geschehen für Heel typisch. Die Mittelachse ist hier durch Schutzengel, Jesusknaben und Geistestaube stark betont, so daß die Asymmetrie der Architektur kaum zur Geltung kommt. Abgesehen von der farblichen Aufhellung in der Glorie ist in dem Fresko mehr Tiefen- als Höhenraum angestrebt, besonders in der stark tafelbildmäßig wiedergegebenen Architektur.
B HIMMELFAHRT MARIENS Das zweite Fresko zeigt ein von Heel öfter dargestelltes Thema. Die einansichtige Szene zerfällt wieder in eine irdische und eine himmlische Zone. Auf der Erde drängen sich die staunenden Apostel um den offenen Sarkophag Mariens. Maria schwebt auf Wolken, umgeben von Engeln, empor.
Es bestehen Ähnlichkeiten mit Heels Himmelfahrtsfresko in Bernbeuren, besonders in der aufragenden Architektur am linken Rand.
Farblich dominieren in dem gelblichrosa Grund von Wolken und Architekturen und dem Hellblau des Himmels das Blau, Gelb, und helle Rot der Kleider. Auch hier ist an einigen Stellen, wie z. B. bei dem Apostel in Rückenansicht neben Petrus in Fresko B und in A im Mantel des Knaben, das für Heel typische Changieren von Rot zu Gelb zu bemerken.
1 Jakobs Segen 2 Daniel 3 Elias 4 Hagar 5 Tobias 6 Apokalyptische Vision
1 JAKOBS SEGEN Der sterbende Jakob segnet die vor seinem Lager knienden Söhne Josephs, Ephraim und Manasse. Er kreuzt die Hände und segnet so Ephraim, den Jüngeren, mit seiner Rechten. Joseph versucht, die Hände auf Manasse zu lenken, damit Jakob den Erstgeborenen segne. Gen: C: 48. V: 15. 2 DANIEL Der Prophet sitzt betend in der Löwengrube. Hinter ihm besänftigt ein Engel die Löwen, die sich friedlich neben Daniel niederlassen. Dan: C: 6. U: 22. 3 ELIAS Ein Engel weckt den schlafenden Elias, zeigt ihm Speise und Trank und weist ihm den Weg. 3 Reg: C. 19. U: 5 4 HAGAR Hagar hat sich unter einem Baum auf einen Stein niedergelassen, ein Bündel und einen leeren Wasserkrug neben sich. Ihr zu Füßen liegt der schlafende Knabe Ismael. Ein Engel ist zu ihr herangetreten und zeigt der dürstenden Hagar eine Wasserquelle im Hintergrund. Gen: C. 21. / V: 17 5 TOBIAS Der junge Tobias salbt die Augen seines blinden Vaters. Raphael umfängt den Blinden. Tob: C. 11.V:2. 6 APOKALYPTISCHE VISION Der Engel des Herrn zeigt Johannes Evangelista das himmlische Jerusalem, die Stadtmauer mit den zwölf Toren (Apoc 21,12), und darin das Lamm auf dem Berg Zion (Apoc 14,1). Er fordert Johannes auf, das Lamm, das zum Hochzeitsmahl geladen hat, anzubeten. Apoc: C. 19. V: 10.
Fresko B ist auf das Patrozinium der Kirche, Mariä Himmelfahrt, bezogen.
Fresko A und alle Kartuschen bringen das hilfreiche Wirken der Engel zum Ausdruck. In Hohenfurch bestand eine Schutzengelbruderschaft, und noch heute wird das Schutzengelfest als größtes Fest des Jahres begangen. In A leitet ein Schutzengel ein Kind (vgl. Mt 18,10) von den irdischen Freuden fort zu dem dreifaltigen Gott, zu Jesus, dessen kindliche Gestalt das Geheimnis der Inkarnation andeutet. Der stark hervorgehobene Weihrauchkessel bedeutet vielleicht das Gebet, durch welches der Mensch zu Gott gelangt. Diese Sinngebung könnte das formal wie ikonographisch seltene Motiv, das Jesuskind über den Weihrauchschwaden, erklären. Die szenische Handlung, das Hinwegführen des Kindes – der menschlichen Seele – von dem Tisch mit den irdisch-symbolischen Gegenständen in dem prunkvollen Palast gibt den Sinnzusammenhang an, in welchem die einzelnen Gegenstände zu deuten sind. Die blaue Weltkugel ist ein Bild des irdischen, eitlen Lebens. Der Flügel an der Kugel deutet auf die Unbeständigkeit alles Irdischen hin. Die Laute bezeichnet die Sinnenlust –
Die allegorische Szene gleicht einer moralisch-didaktischen Illustration aus einem emblematischen Erbauungsbuch, etwa in der Art der in vielen Auflagen verbreiteten »Pia desideria« des Jesuiten Hermann Hugo (Antwerpen 1624). Fünf Kartuschen geben alttestamentliche Szenen wieder, in denen die Engel als Boten Gottes hilfreich auftreten.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 156; Bd 2, S. 71 KDB I OB (1), S. 581.
Hartig, Michael, Hohenfurch (= KKF 198/9), München 1956.
Hofmann, Sigfrid, Der Landkreis Schongau, München 1959, S. 68.
Neu, Wilhelm, Unbekannte Frühwerke des Baumeister Joseph Schmuzer, in: Lechisarland 1963, S. 25.
Fried, Pankraz und Sebastian Hiereth, Die Landgerichte Landsberg und Schongau (= Historischer Atlas von Bayern Bd 22—23) München 1971, S. 238, 255 f.