Hitzhofen, Alte Pfarrkirche Mariä Heimsuchung


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 13: Landkreis Eichstätt. Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-4475-8, S. 280–287, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Grimminger, Christina. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

HITZHOFEN

Alte Pfarrkirche, Diözese Eichstätt; z. Z. der Ausmalung gehörte Hitzhofen zum Hochstift Eichstätt. Bis 1972 Reg.Bez. Mittelfranken

Die 1601 erstmals bezeugte, damals jedoch schon bedeutende Wallfahrt Zu Unserer Lieben Frau, auch Maria »im Klee« genannt, deren Ursprung unbekannt ist, erfuhr im 18. Jh. durch die Förderung des Eichstätter Weihbischofs Dr. Johann Adam Nieberlein einen Aufschwung und lebte mit Unterbrechungen bis auf den heutigen Tag fort.

Patrozinium: Mariä Heimsuchung

Zum Bauwerk: Kleine Chorturmkirche, wie sie für die ländliche Gegend des ehem. Hochstifts Eichstätt typisch ist, mit barockzeitlich geprägter Innenausstattung. Die älteste Bausubstanz ist der wohl auf die Zeit der bezeugten Kirchweihe zwischen 1182/89 zurückgehende Turm, der um 1596 aufgestockt und mit dem heute noch bestehenden Treppengiebel ausgestattet, schließlich 1698 durch den Eichstätter Hofbaumeister Jakob Engel renoviert wurde. Das Langhaus entstand in Bau und Ausstattung durch die Überformung eines bestehenden Baues im Jahre 1722. Als leitender Architekt ist der fürstbischöfliche Hofbaumeister Gabriel de Gabrieli nachweisbar. Der zwischen ihm und Weihbischof Nieberlein geschlossene Vertrag über die Kirchenbauten von Paulushofen, Hitzhofen und Mitteleschenbach besagt, dass Gabrieli nicht nur als planender und leitender Architekt beauftragt wurde, sondern zugleich als Bauunternehmer die Kirchenumbauten bzw. -neubauten zu betreuen hatte. Der auf der 3.9.1721 datierte Kostenvoranschlag Gabrielis sah bezüglich Hitzhofen folgende Baumaßnahmen vor: Verlängerung und Erhöhung des bestehenden Kirchenbaus mit vergrößerten Fenstern, Abbruch und Erneuerung der doppelten Empore sowie Erhöhung des Sakristeibaus. Nach Gabrielis Baurechnung dauerten die Bauarbeiten vom 11.3. bis zum 31.10.1722. Als Bauleiter vor Ort fungierte Giovanni Rigaglia, ein Landsmann Gabrielis. Als die Kirche am 4.10.1722 konsekriert wurde, war die Innenausstattung aus Stuck und Fresken fertig gestellt. Diese Vermutung legt die auf den 5.10.1722 datierte und bislang unbeachtete, da in dem Bestand »Stiftungen« der Pfarrakten Hitzhofens überkommene Rechnung des Malers Matthias Zink über die Freskoarbeiten nahe (s. unter Autor und Entstehungszeit). Für die Stuckarbeiten findet sich dagegen eine Notiz in der Baurechnung Gabrielis. So waren dem Stuckateur Giuseppe Venino »wegen dessen verrichter Arbeith in dem würdtigen Gotteshaus zue Hützhoffen sub dato 17ten May 1723 zur Bezahlung verrichtet wordten 50 fl«. Warum die Entlohnung Veninos erst im darauf folgenden Jahr getätigt wurde, ist unklar. Möglich, dass es sich hierbei um einen Restbetrag für den Stuck an Decke und Kanzel handelte. Jedenfalls sind beide Arbeiten gleichzeitig - in der Rechnung Zinks ist die Kanzel bereits erwähnt – und von der gleichen Hand entstanden. Der als Urheber des Stucks immer wieder vorgeschlagene Jakob Egg scheidet auch aus stilistischen Gründen (vgl. die gleichzeitig entstandene Stuckierung der Kirche in Paulushofen) aus. Der Stuck am Chorbogen stammt dagegen nicht von 1722, sondern von 1728, als der Chorbogen durch den Buxheimer Maurermeister Sebastian Kirchmeyer ausgebrochen und höher geführt wurde.

In den Neubau wurde die ältere Altarausstattung übernommen, die 1713 entstanden war. Dies legt eine bislang ebenso unbeachtete Rechnung des Eichstätter Malers Lorenz Koch nahe, der am 21.12.1713 für Fassarbeiten am Hochaltar bezahlt wurde (»Verzeichnis was in das hochlobwürdiges Gottshaus nachro Hützhoven ich Endts gesetzter an Mahler Arbeit gemacht etc./Erstlich den Hochaltar die Schnaidtarbeit und Leisten mit guettem Golt planniert vergolt die 4 großen Säullen und 4 kleinen zum Tabernackhl blau marmoriert mit Glanzfürnüß überzogen. Item die Füllungen in den Fuaßtabernackhl und Postamenten anthebentig maßergemalt, auch mit Glanzfürniß überzogen, die ibrige Hoblarbeit schwarz ausgefaßt, vor diße Arbeit Herr Pfarrer mit mir accordiert 62f./Eichstätt den 21. December 1713/suma 62f./Lorenz Koch Mahler«, DAEI, Pfarrakten Hitzhofen IV,2). Eine Veränderung erfuhren die Altäre im 19. Jh., als die Seitenaltäre neue Hauptbilder bekamen, während die barockzeitlichen Auszugsgemälde belassen wurden. Von der übrigen Ausstattung ist das Ölgemälde an der nördlichen Langhauswand von Interesse, das den hl. Aloysius von Gonzaga vor dem Wessobrunner Gnadenbild und am Boden das Wappen der Gonzaga, der Herzöge von Mantua, aufzeigt. Diese künstlerisch herausragende Malerei kann dem Ingolstädter Maler Johann Evangelist Hölzl neu zugeschrieben werden

LHs (20×7,70 m) zu fünf Fensterachsen mit segmentbogenförmigen Fenstern; eingezogener und über quadratischen Grundriss errichteter AR (4×4 m), belichtet über ein Spitzbogenfenster auf der Südseite. Im Westen des LHs eingebaute Empore mit zwei Mittelstützen und einer verputzten, jedoch unstuckierten Holzbrüstung.

Die Wände sind ungegliedert, weisen an den seitlichen Übergängen zur Decke ein durchlaufendes Gesims auf. Mit profilierten Rundstäben ist dagegen der Chorbogen ausgestattet. Die Stuckdekoration der Decke, die mittels Profilrahmen in drei Kompartimente geteilt ist, besteht aus zierlichem, vereinzelt mit Muscheln besetztem Laub- und Bandlwerk in achsensymmetrischer Anordnung. Aus den duftigen Akanthusranken entwachsen Blattranken, deren dreipassförmige, kleeblattähnliche Blätter an den Titel der Marienwallfahrt Maria »im Klee« erinnern. Über dem Scheitel des Chorbogens sitzt ein geflügelter Engelskopf und über den Scheiteln der Fensterbögen je eine große Muschel.

Die Kanzel weist eine etwas dichtere Stuckierung in denselben Stilformen des Laub- und Bandlwerkes auf, die Brüstung des Aufgangs ist dagegen in Stucco finto bemalt.

 
Der Kirchenraum
 

Auftraggeber: Aufgrund der Formulierung in der Rechnung des Malers Matthias Zink (s.u.) ist Dr. Johann Adam Nieberlein (* 1662 Eichstätt † 1748 Augsburg), Generalvikar 1706–25 und Weihbischof 1708–44 in Eichstätt, als Auftraggeber anzusehen. Doch trat Nieberlein nicht als Privatperson, sondern in seiner Funktion als Präsident des Geistlichen Rates von Eichstätt auf, worauf die Überlieferung der Rechnung in den Pfarrakten schließen lässt. Amtierender Pfarrer war Johann Christof Wernberger, der nach seiner Zeit als Kurat bei Unserer Lieben Frau vom Siege in Ingolstadt in Hitzhofen seine erste Pfarrerstelle (1720–35) inne hatte, danach wirkte er 1734–49 in Obermässing.

Autor und Entstehungszeit: Matthias Zink (* 1665 Donauwörth † 1738 Eichstätt) 1722

Für die unsignierten und bislang unterschiedlichen Malern zugewiesenen Fresken konnte der Rechnungsbeleg des Malers aufgefunden werden: »Verzeichnis was ich Ihro Hocherbiedt und Gnaden Herrn Weihbischof nach dem gnedigen Anbefelchs zue Hitzhofen in dero Kirch in Freschgo gemahlt habe, als erstlich das mittere Stückh über sich auf von 22 Schuh in die Länge, darin gemahlt die hl. 3 Faltigkeit sambt der Krönung Maria, mer 2 Stückh Maria Heimsuchung und dan den Englischen Grueß item 3 Stuckh an die Bahrkirch sambt Laubwerkh ausgestafiert, mehr die 4 Evangelisten an die Kanzel gemahlt sambt der Stiege und Zierat und einem fliegenden Zetul welchen auf der Kanzel der Adler im Schnabel haltet und die 12 Apostel Kranz, mer den Schild auf dem Chor blau sambt einer Schrift gemacht. Mit Dankh bezahlt worden/ Suma 90f/Anno 1722 den 5. October/Mathias Zinkh/Mahler in Eichstätt« (DAEI, Pfarrakten Hitzhofen IV 2)

Die Fresken sind eine typische Schöpfung des Eichstätter Malers Matthias Zink, der als einer der prägenden, einheimischen Meister der Barockmalerei zu Beginn des 18. Jh.s in und um Eichstätt gelten kann. Zink kommt als Lehrer des Eichstätter Malers Joseph Dietrich in Frage, was sich in Details der Hitzhofener Fresken manifestiert. So verwendete Dietrich 1735 in Möckenlohe (S. 355) die beiden Hitzhofener Embleme bzw. griff auf die gleiche emblematische Vorlage zurück. Ferner sind die Dietrich’schen Evangelisten der Kanzel in Gungolding von 1740 (S. 257) Kopien der Zink’schen Kanzel-Evangelisten in Hitzhofen.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs Segmenttonne mit Abschlussgesims, AR Kreuzgewölbe

Rahmen: A, B, C passig geschweifte Stuckprofilrahmen mit vergoldetem, inneren Rahmen; D Stuckprofilrahmen; Ba, b passig geschweifte Stuckprofilrahmen, teils von Akanthusranken überlappt; EB1-3 ohne Rahmung

Technik: Fresko; A, B, C, D, EB1-3 polychrom, Ba, b monochrom braun

Maße: A Höhe 7,90 m; 2,70 × 2,70

B Höhe 7,90 m; 6,50 × 3,70 C Höhe 7,90 m; 2,70 × 2,70

Ba, b Höhe 7,90 m; 1,80 × 1,80

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Fresken wurden 1897 und 1937 kirchenmalerisch bearbeitet. Im Vorfeld der

 
A Verkündigung an Maria

Restaurierung von 1897 erstellte der Münchner Historienmaler Sebastian Wirsching am 10.12.1896 einen Kostenvoranschlag, der über den Zustand der Fresken und die geplanten Maßnahmen folgenden Sachverhalt überliefert: »Die vorhandenen Deckengemälde im Schiff der Kirche sollen restauriert werden. a) Hauptbild > Maria Krönung < . . . b) Vier Nebenbilder →Mariä Verkündigung< →Mariä Heimsuchung<... Dieselben sind Tempera gemalt, aus dem 17. Jahrh., gut im Entwurf doch verblasst, theilweise abgeblättert auch wurden die Gemälde schon restauriert und mit falschen Farben übermalt welche letztere entfernt werden sollen. Ergebenst Unterfertigter entbietet sich dieselben um den Preis von 450 Mark durch Reinigen, Ergänzen der schadhaften Theile und Auffrischen durch Lasuren mit Temperafarben auszuführen und ist bestrebt, die Gemälde in ihrer ursprünglichen Zeichnung und Farbe herzustellen....« (Pfarrarchiv Hitzhofen, Protokolle der Kirchenverwaltungen Hitzhofen 1865–1882 und Lippertshofen 1864. Die Ausführung bestätigt die Kirchenrechnung 1897, S. 23: 450 Mark an Sebastian Wirsching »für Renovieren der Bilder i. d. Kirche«). Allerdings wurden die Maßnahmen Wirschings knapp vierzig Jahre später anders bewertet. Im Zuge von Erweiterungsplänen, die nicht zur Ausführung gelangten, sah man die Notwendigkeit der Restaurierung der Kirche. 1936 schrieb der Referent des BLfD: »Die Deckenbilder sind stark übermalt, sie müssen also in sorgfältiger Arbeit von einem geschulten und gewissenhaften Maler freigelegt, gereinigt und konserviert werden. Die Fehlstellen dürfen nur eingestimmt werden, Ergänzungen werden kaum notwendig sein, sie dürften nur mit größter Zurückhaltung vorgenommen werden.... Die schöne Stuckkanzel wird gleichermaßen behandelt, die 4 Evangelistenbilder werden ebenfalls wiederhergestellt.... An der Emporenbrüstung werden die alten Bilder und die alten Tönungen freigelegt und konserviert.« Wirsching scheint die Fresken mehr übergangen zu haben als in seinem Kostenvoranschlag beschrieben ist. Zudem hat er, dem Zeitgeschmack des ausgehenden 19. Jh.s zu Folge, die Chordecke mit gemaltem Stuck geschmückt. Dieser sollte ebenso wie die Übermalungen der Kanzel- und Emporenbilder entfernt werden. Die Aktenlage ist bezüglich der ausgeführten Arbeiten nicht eindeutig. Zwei Schreiben vom Mai 1937 des Münchner Malers Jos. Baumann zufolge wurde ihm der »Gesamtauftrag für die künstlerische Erneuerung« erteilt, worunter die »Restaurierung der Fresken (Decken und Empore)« fiel. In der Kirchenrechnung über die Instandsetzung der Pfarrkirche 1937/38 ist jedoch »Jos. Pfefferle, Werkstätten f. Christl. Kunst München Kirchenmaler« mit einem Gesamtbetrag von 6426 Mark bedacht. Eine letzte Innenrestaurierung ist für die Jahre 1970/71 bezeugt, die die Eichstätter Kirchenmalerfirma Konrad Schmer besorgte. Inwieweit diese die Fresken betraf, ließ sich nicht ermitteln. Trotz der Restaurierungen von 1897 und 1937 zeigen die Fresken, auch wenn sie nicht mehr in ihrem Bestand als original zu bewerten sind, den unverfälschten Stil Zinks auf.

 
Die Langhausdecke mit A, B Krönung Mariens, Ba-b Marienembleme, C Heimsuchung Mariens (Matthias Zink 1722)

Beschreibung und Ikonographie

Von Besonderheit ist, dass die Wallfahrt in Hitzhofen mit den Wallfahrten in Appertshofen (S. 27-35) und Pettenhofen (Stadt Ingolstadt, vgl. CBD Bd 14) verbunden ist, seit der Mitte des 19. Jh.s an die Stelle Appertshofen jedoch Möckenlohe (S. 351-59) getreten ist. Im Volksmund wurde der Bittgang auch »mit den drei Messen gehen« oder »dreifache Andach zur dreimal wunderbarlichen Muttergottes« genannt. Pettenhofen, wo die erste Andacht besucht wurde, stellte Bethlehem als den Geburtsort Christi dar, Appertshofen als zweiter Messort symbolisierte mit Jerusalem den Ort, wo Christus gekreuzigt wurde, und Hitzhofen, der dritte Messort, verkörperte das himmlische Jerusalem, in das Christus aufgefahren ist und wo er gekrönt wurde. Nieberlein, der in Rom studiert hatte und den Neubau der Barockkirche in Hitzhofen mitinitiierte, stellte die Bedeutung der drei Wallfahrtskirchen mit dem Ausspruch heraus, dass die drei Kirchen in Rom bekannt seien. So soll folgender Vers entstanden sein: »Appertshofer im See, Hitzhofen im Klee, Pettenhofen am Sand sind drei Kirchen, hier (in Rom) wohl bekannt«.

 

A VERKÜNDIGUNG AN MARIA (Lc 1,36-38) Das Bild ist teilweise vom Orgelaufbau überdeckt. Von Maria, die rechts andächtig und aufmerksam zum Engel aufschaut, ist nur der Oberkörper zu sehen. Der Engel erscheint vor ihr mit der Lilie in der Hand. Im Himmel schwebt vor strahlendem Glorienlicht die Taube des Heiligen Geistes.

B MARIENKRÖNUNG Das Hauptbild des Marienzyklus zeigt die Krönung Mariens im Himmel. Gottvater mit Zep ter und Weltkugel und Christus mit dem Kreuz thronen auf Wolken, von vielen Putten begleitet. Die Taube des Heiligen Geistes über ihnen erscheint vor hellem Glorienlicht, vor den zwei Reihen von Puttenköpfchen bogenförmig angeordnet sind. Etwas tiefer als Gottvater und Christus kniet Maria auf einer Wolke. Sie trägt einen Kranz aus roten und goldenen Rosen, mit einer weißen Lilienblüte besetzt. Über ihr sternenumgebenes Haupt halten Gottvater und Christus gemeinsam eine Krone. Zu Füßen Mariens weisen Putten Blumen vor, eine Lilie als Zeichen ihrer Reinheit, vor allem aber weiße, rote und goldene Rosen, die auch zu einer langen Girlande gebunden sind. Diese drei Farben der Rosen weisen auf den Freudenreichen (weiß), den Schmerzhaften (rot) und den Glorreichen (gold) Rosenkranz hin und damit auf Maria als Rosenkranzkönigin. Unter dieser eigentlichen Krönungsszene sitzen große Engel auf Wolken vor dunklem Himmel, singend und mit Laute, Violincello, Geige und Orgel musizierend.

Ba-b MARIENEMBLEME wie Kemp nachweisen konnte sind die Darstellungen Kopien aus Joseph Zollers »Conceptus chronographicus de concepta sacra deipara«, Augsburg 1712 Nr. 2 und 55. Zitate aus dem Exzerpt mit deutschen Übersetzungen »Mira satis ac sine omni peccato Mariae sanctissima conceptio«, Augsburg 1712.

Ba BUCHSTABE B PROXIMA PRIMA (Dem erster [Buchstaben] am nächsten). Innenraum, rechts mit Ausblick in eine Landschaft, links altarähnlicher Aufbau, hier Tisch mit Buchstabe B in einem Rahmen, von Putto gehalten. - Das Emblem bezieht sich auf Maria, die Gott am nächsten ist. Laut Picinelli weist es auf »hominem Principis gratia ac familiaritat prae caeteris foveri solitum«, also auf den Menschen, der der Gnade und Freundschaft des Fürsten vor allen andern genießt (Lib. 19, Nr. 3, s.v. B, mit Lemma Proxima Primae). Ebenso genießt Maria die Gnade und Liebe Gottes vor allen anderen Menschen. Zoller 1712 hierzu: »Maria/Als die Nächste und Höchste/an Gott/ist ohn alle Sünd./Am A die Nächst/Nacl Gott die Höchst «

 
3 Krönung Mariens
 
 
EB Das Kind Johannes geht in die Wüste
 
EB, Ruhe auf der Flucht
 

Bb SONNE SPIEGELT SICH CLARIOR INDE (Von daher heller). Ansicht auf Schloss und Park links, rechts im Vordergrund vor einer Säule zwei Putten mit Spiegel, in dem sich die Sonne spiegelt. – Der Spiegel als Bild Mariens: »Quo magis tersum ac perpolitum fuerit speculum, tanto repraesentat clariorem solis imaginem«, mit der Bedeutung: »Anima pura est speculum Dei«. »Haud aliter anima fidelis, quo purio ac magis innocens fuerit, eo maiores gratiae Divinae radios explicat« (Picinelli Lib. 15, Nr. 194, s.v. speculum, mit Lemma Quo Clarius, Expressius). Nach Picinelli ist der Spiegel Bild der reinen und unschuldigen Seele Mariens, die die Gnade Gottes widerspiegelt. Und Zoller 1712: »Maria/Der Sonner verglichen/so in einen Spiegel scheinet/Und darauß einen hellen Glantz zuruck würffet./Bin doppelt rein/In Gegenschein.«

C HEIMSUCHUNG MARIA Das Bild vor dem Chorbogen bringt die Darstellung des Kirchenpatroziniums. Auf den Stufen zum Haus des Zacharias treffen sich dessen Frau Elisabeth und Maria und begrüßen sich mit sanften Gesten der Zuneigung und Andacht. Zacharias steht im Türeingang und sieht ihnen zu, während Joseph sich rechts im Hintergrund mit dem Gepäck zu schaffen macht. Die beiden Frauen sind in weite, faltenreiche Gewänder gekleidet, ihre Häupter sind vor Schleiern bedeckt. An der Hausecke wächst ein Rebstock, der reife Trauben trägt. Er leitet über zu Bäumen, neben denen der Blick weit in eine bergige Landschaft geht. Am Himmel schweben zwei Putten, einer davon hält zwei rosa Rosen.

D AUGE GOTTES (neu, keine Abb.) Kreisförmiges Bildfeld mit dem Auge Gottes, von einem Dreieck umschlossen und von Strahlen umgeben.

EB1-3 An der Emporenbrüstung befinden sich drei querformatige Bilder, die legendäre Szenen aus der Kindheit von Jesus, Maria und Johannes zeigen. Zählung von links nach rechts.

EB, MARIAE TEMPELGANG Dieses Bild zeigt eine ungewöhnliche Version vom Tempelgang Mariens. In einer weiten Landschaft ist links im Hintergrund der Tempel von Jerusalem zu sehen, ein hoher, doppelstöckiger Bau, von einer Mauer umgeben; den oberen Abschluss bildet eine Balustrade. Auf dem Dach erhebt sich eine runde, kuppelähnliche Architektur. An der rechten Bildseite ist im Vordergrund die Front des Hauses von Joachim und Anna dargestellt. Aus der Tür kommt das Mädchen Maria mit seinem Gebetbuch, auf dem Kopf ein Blumenkränzlein. Auf Maria folgt Mutter Anna, die ebenfalls ein Gebetbuch unter dem Arm hat, und endlich Joachim. Die Familie macht sich sichtlich auf, um Maria in den Tempel zu bringen, dessen Stufen – die sorgfältig dargestellt sind – sie bald hinaufschreiten wird.

EB, RUHE AUF DER FLUCHT Vor einer weiten Landschaft, die sich in unbestimmten Fernen verliert, ragen links neben antiken Architekturfragmenten Bäume auf, unter denen sich die Heilige Familie zur Rast niedergelassen hat. Joseph sitzt an ein Bündel gelehnt, den Wanderstab in der Hand; Maria sitzt vor ihm, den Jesusknaben auf dem Schoß. Das Kind greift nach den Früchten, die ihm ein Putto in einer Schale reicht. Ein zweiter Engel schaut mit gefalteten Händen zu.

EB, DAS KIND JOHANNES GEHT IN DIE WÜSTE Rechts ist die Front des Hauses von Elisabeth und Zacharias zu sehen. Zacharias erscheint zwischen den Säulen des Eingangs, Elisabeth sitzt auf den Stufen, ein Buch in der Hand, mit dem sie offensichtlich eben das Kind Johannes belehrt hat, das nun von ihr wegstrebt, indem es in die Tiefe der Landschaft weist. Dort wölbt sich eine Brücke über einen Fluss, und diese Brücke überschreitet soeben ein Mann, der einen Esel führt, auf dem eine Frau mit Kind sitzt - es handelt sich offensichtlich um die Heilige Familie. Auf die künftige Bestimmung von Johannes weist der Kreuzstab mit dem Fähnchen sowie das Lamm hin, das vor ihm herläuft.

Die Darstellung bezieht sich auf die legendäre Überlieferung, Johannes habe als Kind schon seine Eltern verlassen und sei in die Wüste gegangen; die Darstellung der Heiligen Familie erinnert an die Legende, Johannes habe in der Wüste Jesus getroffen, der mit Maria und Joseph auf dem Heimweg von Agypten war.

Kanzel

VIER EVANGELISTEN als Halbfiguren mit ihren Symbolfiguren in runden Medaillons an der Brüstung des Kanzelcorpus. Markus weist ein Blatt mit unleserlicher Inschrift vor, Johannes eines mit der Inschrift Deus charitas est et qui manet etc: 1 Joan C.4. V.16. »Deus caritas est et qui manet in caritate in Deo manet et Deus in eo« (Gott ist die Liebe; wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm. I Io 4,16). Matthäus schreibt in ein Buch, vom Engel angewiesen. Lukas malt das Bild der Gottesmutter.

Quellen und Literatur

DAEI, Pfarrakten Hitzhofen IV,2: Stiftungen mit Rechnung Zinks; R75: Baurechnung 1721–23; Buchner Eichstätter Bistumsgeistliche.

Pfarrarchiv Hitzhofen, Protokolle der Kirchenverwaltungen Hitzhofen 1867–1882 und Lippertshofen 1864; Renovierung 1936-38.

BLfD, Akt Hitzhofen, Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Kunstinventar Diözese Eichstätt, Hitzhofen, bearbeitet von Emanuel Braun, 1985.

KDB VMF (2), S. 128f.

Buchner, Franz Xaver, Bistum Eichstätt, in: Christian Schreiber (Hg.), Wallfahrten durchs deutsche Land. Eine Pilgerfahrt zu Deutschlands heiligen Stätten, Berlin 1928, S.72–101, hier S. 84 f.

Buchner Bistum Eichstätt 1937, S. 512–16.

Weigl, Adolf Arno, Maria Hilf. Die marianischen Gnadenstätten Deutschlands und die wichtigsten der Welt in Geschichte und Überlieferung, Bd I: Bistum Eichstätt, Schwabach 1950 S. 193-250, hier: S. 214f.

Neuhofer, Theodor, Beiträge zur Kunstgeschichte des Landkreises Eichstätt, in: SHVE 60, 1962/64, S.43-53, hier S. 45-48.

Kemp, S. 210.

Böhm, Ludwig, Chronik Hitzhofen, Hitzhofen 1989 S. 172–181 (Baugeschichte), S. 187–89 (Wallfahrt).

Dehio OB 1990, S. 434; 2006, S. 469

A. B./C. G