Heinrichshofen, Filialkirche St. Andreas
Filialkirche, Pfarrei und Gemeinde Egling, Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung war Egling dem Kloster Etta inkorporiert, Herrschaft Schmiechen
Patrozinium: St. Andrea
Zum Bauwerk: Die Kirche von Heinrichshofen wurde 1751 umgebaut und erweitert; ein Chronogramm über den Chorbogen gibt das Jahr an: AEDes SanCto AnDrea ApostoLo DICata (= 1751). LHs – einfacher längsrecht eckiger Saalraum mit Doppelempore im W; der eingezogene, dreiseitig geschlossene AR zeigt noch die spätgotische Grundform
Autor und Entstehungszeit: Die Fresken A und B zeigen die Signatur: F MK(ligiert)uen pinxit / anno 1753 (Franz Martin Kuen aus Weißenhorn). Der Auftrag an Kuen erging vermutlich über die Gräflich-Fuggerschen Hofmarksherren der Herrschaft Schmiechen
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachtonne mit Stichkappen, AR Flachtonne mit Stichkappen, im O abgemuldet Rahmen: A, B imitierte Rahmenprofile, von ebensolcher Rocaillen auf Goldgrund überspielt, A1-6, B1-4 imitierte Rocaillekartuschen
Technik: Fresko; A, B, EB1-5 polychrom, A1-6, B1-4 mono chrom ocker
Maße: A Höhe 7,20 m; 8,40 × 4,80
B Höhe 6,50 m; 4,10 × 3,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1914 durchgreifende Renovierung, bei der die Malereien in den Gewölbezwickeln, Stichkappen und an den Emporenbrüstungen vom Ölanstrich befreit und durch Kögl überarbeitet und teilweise (an neuverputzten Stellen) ergänzt wurden. 1954 Reinigung der Fresken und Ausbesserung einer Fehlstelle n A. A zeigt kleinere ausgebesserte Risse; das partienweise überarbeitete Fresko ist in den Farben etwas flau und ungleichmäßig wolkig; geringe Feuchtigkeitsflecken. B im ganzen besser erhalten, es zeigt einen großen ausgebesserten Riß. A1–6 bei Restaurierung stark nachgemalt, desgleichen B1–4; B2–3 sind in der Zeichnung sehr flau und undeutlich, B4 ist völlig erneuert. Die dekorative Malerei des Chorgewölbes ist in der SW-Ecke (Putti auf Wolken) durch Feuchtigkeit schwer beschädigt.
Beschreibung
Die Freskofelder A, B sind mit geschweiften Rahmen auf einen kassettierten Goldgrund gesetzt, in der gemuldeter Zone begleitet von Rocaillen – im LHs – und von Putt auf Wolken – im Chor. Ockergetönte Wolken mit Engeln die das Ettaler Madonnenbild tragen, schaffen auf dem Chorbogen die Verbindung zwischen den beiden Raumteilen. In den blaßgrün getönten Stichkappen haben die figürlichen Kartuschen ihren Platz, deren Folge an den Brüstungen der Doppelempore fortgesetzt wird.
A BERUFUNG UND MARTYRIUM DES HL. ANDREAS
Der Standort ist in der Mitte unterhalb des langgestreckten Freskos. Die terrestrische Zone wurde dicht am Bildrand um das ganze Bildfeld herumgezogen, dennoch ist die szenische Bildanlage zweiansichtig angelegt. Die figuralen Szenen sind auf die W- und die O-Partie des Freskos beschränkt, auch sie sind dicht am Rand herumgezogen komponiert und in ausgeprägter Untersicht wiedergegeben.
Die Szenenfolge beginnt im W: Andreas wird von Jesus berufen (Mt 4, 18 u. Par.). Jesus steht am Ufer des Galiläischen Meeres und streckt in weiter Gebärde seinen Arm zu einem Fischerboot aus. Dieses fährt mit geblähtem Segel über zwei seichte Wasserstufen auf Jesus zu. Andreas steigt gerade über den Bug des Bootes, Jesus entgegeneilend. Ihm folgt sein Bruder Simon Petrus, er läßt das ausgeworfene Netz zurück. Hinter ihnen steuert ein weiterer Fischer das Boot an Land.
Die von unten gesehene Gestalt Christi ist in füllige, leuchtend rot-blaue Gewänder gehüllt, farblich gegenüber den helleren gebrochenen Tönen der wehenden Fischergewänder und des gestreiften Segels stark hervorgehoben. Land- und Wasserszenerie sind auffallend unterschieden: Die Erdschollen werden wellenartig, weich, in verschwommenen Braun-Ocker-Tönen wiedergegeben, das Wasser hell und klar, flach über die kantigen Stufen strömend. Der helle Bootsleib zeigt kurvige, doch klar gezeichnete Formen.
Gegenüber im O – ist die Szene Andreas auf dem Weg zur Richtstätte dargestellt. Von zwei Schergen zum Richtplatz geführt, fällt Andreas angesichts des Marterkreuzes auf die Knie und erhebt betend die Hände. Der vordere Scherge hält in seinem Marsch inne, während der hintere den verurteilten Heiligen geißelt. Engel-Putti schweben mit einer Siegespalme in Händen vom Himmel herab auf Andreas zu. Die Gruppe ist noch entfernt von dem etwas erhöht aufgestellten Kreuz, um das Zuschauer und Soldaten geschart sind.
Von der Stadt Paträ her, deren Gebäude zur rechten Seite hinter den vorderen Erderhebungen sichtbar werden, ziehen Zuschauer und Soldaten heran. Die linke Seite nehmen Männer und Frauen, die von Ferne an dem Geschehen teilnehmen, ein. In orientalisierender Kleidung wiedergegeben, sind sie ganz dicht an den Bildrand, die Zone der wellenförmigen Erdschollen, gesetzt, eine der Figuren überschneidet mit einem Bein den Bildrahmen.
Die Andreasgruppe und die Richtstätte mit dem Kreuz sind in den lichten, transparenten Farben des Himmels wiedergegeben und von der Erdzone am Rande des Bildes distanziert.
Das Fresko zeigt eine dunkler gehaltene Randzone in warmen Ockertönen, in die die harmonisch abgestimmten Buntfarben der Gewänder und das gedämpfte Grün der Pflanzen eingebettet sind. Christi rot-blaue Gestalt bildet darin einen besonderen Akzent. Die westliche Szene ist großzügig, flüssig komponiert, die östliche kleinteiliger, additiv aufgefaßt. Der Wolkenhimmel – in lichten transparenten Farben – spannt sich in der Mitte des Bildes über die panoramaartig umlaufende irdische Zone. Die westliche und östliche Szene werden teilweise in die Himmelszone einbezogen.
Das Fresko ist in seiner Bildanlage charakteristisch für Kuen, das etwas spätere Eresinger LHs-Fresko von 1757 ist darin ganz verwandt; letzteres gibt in seinem wesentlich besseren Erhaltungszustand eine Vorstellung von der Prägnanz der Zeichnung und der Leuchtkraft der Farben, welche in Heinrichshofen gelitten haben.
B ANDREAS VOR AEGEAS
Ein großer bühnenhafter Stufenaufbau, welcher einen säulenumstandenen Baldachin-Thron und – etwas tiefer – das Statuenbild Jupiters trägt, nimmt fast die ganze Freskofläche des einansichtigen Bildes ein. In diese Bühnenszenerie führt eine schmale Rampe – in den Formen des Bildrahmens perspektivisch wiedergegeben – ein. Auf dem prunkvollen Thron sitzt der Landpfleger Aegeas, in gebieterischer Gebärde.
HEINRICHSHOFEN bärde die Arme ausgebreitet, und sieht auf Andreas herab. Der Heilige, mit dem Rücken zum Jupiterbild, spricht zu dem Herrscher, über seiner nach oben weisenden Hand wird im Himmel das apokalyptische Lamm sichtbar. In ablehnender Geste streckt Andreas seine Hand gegen das Götterbild aus und stößt mit dem Fuß ein Räuchergefäß um. Andreas gegenüber kommen die Opferdiener mit einem Rind und einem Ziegenbock heran. Auf den unteren Stufen sitzt in lässiger Haltung, der Szene abgewandt, ein Soldat.
Die Szene ist farbig in subtil aufeinander abgestimmten Braunrot- und Ockergold-Tönen mit wenig Blau, Grün und Weiß gehalten. Wieder ist bezeichnend die Helligkeitsabstufung in raumillusionistischem Sinn.
A1-6, B1-4 und EB1-5 zeigen Brustbilder von Heiligen.
Ikonographie
Wie die Inschrift am Chorbogen besagt, ist die Kirche von Heinrichshofen dem Apostel Andreas geweiht, ihm sind auch die Deckenfresken und das Hochaltarbild gewidmet. In A ist die biblische Szene der Berufung der Fischer Andreas und Simon Petrus zu »Menschenfischern« (Mt 4 18) dargestellt. Chronologisch folgt die Szene von B, Andreas vor dem römischen Landpfleger in Achaia, wie die Marterszene in A der apokryph-legendären Tradition entstammend (vgl. Ribadeneira-Hornig, Bd 2, 30. 11., S. 896-99). Die Gerichtsszene gibt deutlich Einzelheiten der Legende wieder: Andreas lehnt vor Aegeas ab, den römischen Göttern zu opfern und spricht statt dessen von dem Opfer, das er täglich bringt, vom Opferlamm Christus das apokalyptische Lamm im Himmel deutet den Inhalt seiner Rede an. In der östlichen Szene in A ist der Lobpreis des Kreuzes, den Andreas beim Erblicken seines Marterinstrumentes anstimmt, wiedergegeben.
Die zehn Stichkappenkartuschen und zwei Emporenbrüstungsbilder geben die zwölf Apostel wieder, im heutigen Zustand sind dies:
B1 Johannes Ev mit dem Kelch in Händen; die aus dem Kelch hervorzüngelnde Schlange fehlt (stark erneuert)
B2 Petrus mit zwei Schlüsseln
B3 Paulus (?) mit Schwert und Evangelienbuch (sehr flau in der Zeichnung)
B4 Andreas mit dem Kreuz, das in seiner charakteristischen Schrägbalkenform etwas verunklärt ist (erneuert)
A1 Bartholomäus weist mit dem Messer auf seinen entblößten Körper
A2 Philippus mit dem Kreuzstab
A3 Matthäus im Evangelistenhabitus mit Schreibfeder und Buch
A4 Simon mit Säge, im Evangelienbuch lesend
A5 Thomas mit Lanze
A6 Judas Thaddäus mit Keule
An der oberen Emporenbrüstung
EB1 Jakobus der Jüngere (?). Der Apostel ist mit einem ungewöhnlichen Attribut, einem männlichen Bildnis in Clipeusform, wiedergegeben. Dieses Attribut ist wohl auf die angenommene Ähnlichkeit des Jakobus d. J. zu seinem Herrn Christus, als dessen Bruder (Vetter) er angesehen wird (vgl. LCI, Bd 7, s. v. Jakobus Minor, Sp. 47 f.), zu beziehen. Die Gesichtszüge der Darstellung lassen eine solche Deutung zu.
EB2 Matthias mit Hellebarde (eigentlich Beil)
Auffälligerweise fehlt unter den zwölf Aposteln Jakobus der Ältere. Dies ist wohl auf restaurative Veränderungen zurückzuführen. Er könnte seinen Platz gegenüber von Johannes anstelle von Andreas gehabt haben. Es ist denkbar, daß Andreas, dem die Hauptfresken der Kirche gewidmet sind, bei der Aufzählung der übrigen Apostel ausgegelassen und statt dessen der selten dargestellte, weil erst nach Christi Himmelfahrt erwählte Matthias aufgeführt wurde (vgl. LCI, Bd 1, s.v. Apostel, Sp. 151 f.). Da der Altarraum allem Anschein nach den bekanntesten der Apostel vorbehalten ist, zu denen Jakobus d. Ä. als Lieblingsjünger Jesu zählt, der zusammen mit Petrus, Andreas und Johannes als erster berufen wurde (Mt 4, 18-22), ist anzunehmen, daß er ursprünglich den Platz des vollkommen erneuerten Apostels Andreas eingenommen hat.
EB3-5 Die untere Emporenbrüstung zeigt die beiden Pestheiligen, Sebastian mit Baum und Pfeilen (EB3), und Rochus in Pilgertracht, der sein entblößtes Bein vorweist bei ihm der Hund, der ihm Brot bringt (EB5), und der Patron der Epileptiker, St. Vitus mit Kupferkessel und Martyrerpalme, der in Heinrichshofen auch als Pfarrpatron (s. Egling) verehrt wird (EB4).
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 397 f.
Steichele-Schröder, Bd 2 (1864), S. 458
Rüber, Eduard, Die Malerfamilie Kuen von Weißenhorn. in: Das schwäbische Museum 3, 1925, S. 65–82.
Kraetzer, Edgar Werner, Franz Martin Kuen, Ein schwäbischer Barockmaler des 18. Jh., ungedr. Diss. Würzburg 1928, S. 30 f.
Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966 S. 493.