Haunshofen, Pfarrkirche St. Gallus
Pfarrkirche (von Pähl vikariert), Diözese Augsburg; die bis zur Säkularisation dem Augustinerchorherrenstift Bernried inkorporierte Pfarrei unterstand z. Z. der Ausmalung dem Gericht Weilheim
Patrozinium: St. Gallus
Zum Bauwerk: Nach Abbruch der alten Kirche Neubau 1754. Weihe 1755. Ausmalung unter Pfarrer Thaddäus Rauscher, ehem. Chorherr von Bernried. - Einfacher Saal zu drei Jochen mit eingezogenem AR zu einem Joch und halbrundem Schluß; Pilastergliederung; im W Empore
Autor und Entstehungszeit: Signatur in A, am W-Rand J. M. 1808. Dieses Monogramm ist in »Joseph Mangold« aufzulösen: Ein stilistischer Vergleich mit den Deckenbildern in Walkertshofen (OB, LKr. Dachau), signiert und datiert: Joseph Mangold 1802, zeigt eine auffallende Verwandtschaft mit Haunshofen, so daß die Fresken dem gleichen Maler zugeschrieben werden können. Der architektonische Aufbau: Treppenstufen über einer bühnenähnlichen Rampe, über der sich eine Säulenarchitektur von mehr graphischer als plastischer Wirkung erhebt, der etwas grobschlächtige Kriegertypus mit stumpfnäsigem Gesicht, auch die weiblichen Gestalten zeigen eine weitgehende Ähnlichkeit; die Repoussoirfigur am rechten Bildrand - ein Soldat mit Schild - stimmt sogar in beiden LHs-Fresken überein. Als Deckenmaler ist Joseph Mangold in Oberbayern nur durch die Fresken in der Pfarrkirche Walkertshofen namentlich gesichert. Außer den Deckenbildern in Haunshofen können ihm auch die in der Pfarrkirche Laimesring (Schw., LKr. Aichach-Friedberg), bezeichnet J. M. 1795, stilistisch zugewiesen werden. Seine Werke zeigen augsburgische Stilmerkmale. – Zur Person des Malers ist nichts bekannt, Künstlerlexika erwähnen ihn nicht. - In Landgericht Weilheim war eine Faßmalersippe gleichen Namens tätig (Sigfrid Hofmann, Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers in Oberbayern, Reihe A, München 1953 ff., Register s. v. Mangold), der vielleicht auch Joseph Mangold entstammt. Im Landkreis Weilheim-Schongau ist bei Restaurierungen des 19. Jh. ein Restaurator Mangold aufgeführt (s. Personenregister). Außerdem ist als Autor von 14 Ölbildern in Oberottmarshausen (signiert) ein Maler Joseph Mangold aus Igenhausen bekannt (Frank Otten und Wilhelm Neu, Landkreis Schwabmünchen, Kurzinventar der Bayerischen Kunstdenkmale, Bd 26, München 1967, S. 106).

Befund
Träger der Deckenmalerei: A flache Stichkappentonne, B flache Ovalkuppel
Rahmen: Stuckprofil Taskail
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 7,90 m; 7,56 × 3,95 B Höhe 8,70 m; 2,90 × 2,00
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungen 1879, 1901. Starke Übermalungen in beiden Fresken. B ist dadurch besonders beeinträchtigt. Der farbliche Gesamteindruck der beiden Bilder dürfte stark verändert sein.
Beschreibung
A SZENEN AUS DER GALLUS-VITA Fresko Azieht sich über zwei Joche des Langhauses hin; es hat zwei Ansichten, nach O und W. Die Glorie mit Engeln und dem von der Sonne umgebenen Dreifaltigkeitssymbol in der Mitte des Freskofeldes ist gleichermaßen auf beide Bildszenen bezogen.
Die Hauptszene, die etwa die Hälfte des Deckenbildes einnimmt, liegt gegen O: Heilung der Tochter des Herzogs Gunzo. In starker Untersicht und kühnen Verkürzungen ist der Schauplatz gegeben, eine reiche Triumphbogenarchitektur, die sich über einem Unterbau aus Stufen und Treppen erhebt. Links und rechts sieht man die Türme und Paläste einer Stadt. In den Einzelheiten wie auch im Gesamteindruck hat die Architektur einen etwas historisierenden Charakter: sie zeigt einen Rückgriff auf Augsburger Spätrenaissance-Formen.
Unter dem Torbogen, der mit Marmorsäulen, verkröpften Gesimsen, goldenen Kapitellen und Ornamenten aufs reichste ausgestattet ist, spielt die Szene der Heilung: Die Prinzessin sitzt im Zentrum, von einem Edelmann gestützt und wendet sich von dem Heiligen ab, der sich segnend zu ihr beugt. Aus ihrem Mund entflieht der böse Geist in Gestalt einer Fledermaus. Hinter dem hl. Gallus, der von einem Mönch begleitet ist, drängt sich das Volk auf den Stufen herbei; links zwei Soldaten in malerischer Tracht mit Hellebarde, Schild und Helmbusch.
Die Darstellung des architektonischen Schauplatzes ist konsequent nach den Regeln der Illusionsmalerei durchgeführt. Die vorderste, dunkle Treppenanlage erhebt sich in einem Bogen über dem Rahmen, in den man von unten hineinsieht; der Fluchtpunkt der Tiefenlinien liegt weit unter- und außerhalb des unteren Bildrandes. Alle Höhenlinien haben einen gemeinsamen Fluchtpunkt. Aber all das bezieht sich nur auf diese eine Bildseite; an der S- und N-Seite laufen dem Rahmen entlang keine Darstellungen, und die Westansicht hat unabhängig davon ihre eigenen Konstruktionsgesetze; dadurch hat die Architektur der O-Ansicht trotz aller Konsequenz in der Konstruktion keine illusionistische Wirkung im Bildganzen.
Die zweite Ansicht, nach W gelegen, zeigt den hl. Gallus in der Einöde. Die bergige, wilde, einsame Landschaft zieht sich an beiden Seiten, dem Rahmen folgend, etwas nach oben; sie ist konzentrisch auf die Himmelsöffnung bezogen, und die vielen Bäume sind in naiver Konsequenz wie Radien eines gedachten Kreises gegeben, dessen Mittelpunkt die Glorie bildet.
In dieses System sind auch die Figuren mit einbezogen: der Heilige selbst, der Bär mit dem Baumstamm und ein fischender Mönch. Dargestellt ist nicht eine einzelne Szene, sondern die ganze Geschichte der Klostergründung in der Einöde wird durch Bildrequisiten wie Schlangen, Feuer, Bär, Kreuz abgekürzt angedeutet.
Die Gründungsszene hat, um den düsteren Charakter der Wildnis zu veranschaulichen, vorwiegend dunkle Grüntöne vor graubrauner Bodenfarbe, dazu das Schwarz der Mönchskutten, in der Heilungsszene werden im Kontrast dazu überwiegend helle Buntfarben verwendet.
B DREIFALTIGKEIT In hochovalem Bildfeld ist, in reiner Himmelsszenerie, die Dreifaltigkeit dargestellt. Die Gruppe ist in Form einer stehenden Raute komponiert: ihre obere Spitze bildet die Dreiecksglorie, in der die Taube des Hl. Geistes schwebt und deren untere Enden die Häupter von Christus und Gottvater berühren. Beide Gestalten sitzen in einer Drehung nach außen; die Weltkugel, das Attribut Gottvaters, getragen von Engeln, nimmt das untere Viertel der Raute ein. - Dieses Bild scheint durch Restaurierung besonders gelitten zu haben: die Farben wirken kompakt; vor dem massiven Goldocker des Hintergrundes schweben geballte dunkelrosa Wolken. Neben der Farbigkeit sind besonders auch die Figuren der Engel, die die Weltkugel tragen, verändert. Einigermaßen original sind nur die Gestalten von Gottvater und Christus.
Ikonographie
Der hl. Gallus heilte auf Burg Überlingen die Tochter des Herzogs Gunzo, Fridiburga, die von einem bösen Geist besessen war (A Ostansicht). In seiner Begleitung der hl. Magnus.
Westansicht: An der Quelle der Steinach erbaute der hl. Gallus eine Zelle und ein Bethaus, woraus später das Benediktinerkloster St. Gallen wurde. Als er, von Arbon aus kommend, an einem kleinen See, den die Steinach bildete, eine passende Stelle gefunden hatte, verließen auf seinem Befehl Schlangen und giftige Tiere den Ort. In der ersten Nacht, als Gallus und sein Gefährte sich zur Ruhe gelegt hatten, kam ein Bär und verzehrte die Reste des Mahles
Auf Geheiß des Heiligen trug er Feuerholz herbei. Der Bär wurde zum Attribut des hl. Gallus. Als erstes errichtete der Heilige ein Kreuz aus Haselgerten, auf unserem Bild links, auf einem Felsen hinter dem Feuerchen. Rechts fischt der Diakon Hiltibod aus Arbon, der den Heiligen in die Einöde begleitet hatte (Laurentius Surius, De probatis vitis Sanctorum, Köln 1625, Bd 5, 16. 10., S. 255 ff.).