Haiming, Pfarrkirche St. Stephan, ehem. Beinhaus


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 96–97, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Zum Bauwerk: Niedriger Anbau an der Südseite der Kirche; den östlichen Teil nimmt die Vorhalle zum Hauptportal im Südportal ein, den langgestreckten westlichen die Totenkapelle. Kleiner Raum (ca. 7,00×2,50 m), an der N-Seite ein Gesims in 1,20 m Höhe, an der Südseite ein Fenster. Zugang von O.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, wohl 17. Jh.

Befund

Träger der Deckenmalerei: langgezogenes Kreuzgewölbe Rahmen: Gemalte Rahmung Technik: Fresko; polychrom Maße: Höhe 3,00 m; 4,00 (ursprünglich 5,20) × 2,75

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Einbau einer Lourdesgrotte im frühen 20. Jh. Die Deckenbilder waren überstrichen und wurden nur an dem sichtbaren Teil des Gewölbes freigelegt, aber nicht renoviert. Das Wandbild ist stark übermalt (keine Abbildung).

Beschreibung und Ikonographie

DIE VIER LETZTEN DINGE Gewölbe und Wände waren ursprünglich vollständig bemalt. Der Raum zeigt an den Wänden noch Spuren von steinfarbener Architekturmalerei (Türumrahmung, Fensterwand). Das Kreuzgewölbe ist durch die Dekorierung der Grate mit Palmblattgirlanden in vier Bildfelder geteilt, die in vier steinfarbenen Kartuschen die

 
 
Gericht
 
 
 

Vier Letzten Dinge darstellen. In der Kartuschenbekrönung jeweils ein Sinnbild, dazu zerstörte Inschriften.

TOD (O) Der Tod als Sensenmann hat über sich die Sanduhr und unter sich Schaufel, Sense und einen Weihwasserkessel. Reste einer Inschrift: Pest... niemand... Jederman Fall.

GERICHT (S) Eine Seele in Leichentüchern lauscht der Posaune des Jüngsten Gerichts.

HOLLE (W) Eine von einer Schlange umschlungene Seele in der Verdammnis; in der Bekrönung ein roter Teufel. HIMMEL (N) Die erlöste Seele trägt einen Rauchmantel und hat die Hände über der Brust gefaltet. Darüber ein Totenkopf.

ERLÖSUNG UND VERDAMMNIS (N-Wand) Das Lunettenbild zeigt eine große Schar von Seelen. Auf der linken Seiten werden sie von zwei großen Engeln an der Hand genommen und der himmlischen Seligkeit zugeführt. Von oben strahlt goldenes Licht, zwei Putten fliegen den Seelen entgegen. Inschrift im Bogen: Die ewig Freidt / wehrt allezeit Und selig der Welchr khombt daber. Auf der rechten Seite sieht man in einer Höhle, aus der Feuer lodert, die Seelen in den Qualen der Hölle. Fragmente eines Verses: ... Zeidt ich hie schon leidt / ... auf euch mit Schmerzen ... ich einmal aus dieser Qual / ... betet ihr frommen Herzen (keine Abbildung)

Die Gebeinhäuser und Seelenkammern waren entstanden wegen der Enge der Friedhöfe; dorthin brachte man die Gebeine, um Raum für neue Gräber zu schaffen. Im Volks glauben galten sie auch als Aufenthaltsort der noch nicht erlösten Armen Seelen. Im östlichen Bayern sind noch eine große Anzahl dieser Gebeinhäuser erhalten, in denen häufig die Vier Letzten Dinge dargestellt wurden.

Quellen und Literatur

BHStA, GL F. 3048 Nr. 55 Gericht Neuötting – Geistl. Rat 1767–87 Nr. 1–14: Bruderschaften.

BHStA, GL 3051 Nr. 67

StAM, LRA 63681-63682: Restaurierung 1874-99

Wening 1721, S. 32. KDB I, OB (3), S. 252

Schwarzmaier, J., Niedergottsau und Haiming im Spiegel der Geschichte, in Heimatland 1, 1950, S. 14–16, 18.

Handbuch des Bistums Passau 1981, S. 152.

Dehio 1990, S. 399

Gruber, Franz Xaver, Beinhäuser – Karner – Seelenkammer und das Armenseelenkammerl von Unterneukirchen, in: Oettinger Land 14, 1994, S. 202–06.

C.B.