Großholzhausen, Pfarrkirche St. Georg
Pfarrkirche, Gemeinde Raubling, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war die Pfarrei Großholzhausen der Propstei auf dem kleinen Madron (Petersberg) inkorporiert und der Propst präsentierte den Pfarrer. Die Hofmark Holzhausen gehörte 1598-1649 mit der Hofmark Brannenburg den Freiherren von Hundt, wurde 1649 von Brannenburg getrennt und mit Falkenstein an die Freiherren von Ruepp verkauft. 1768 wurde Holzhausen wieder mit der Hofmark Brannenburg vereinigt, die seit 1728 im Besitz der Grafen von Preysing-Hohenaschau war. Pfarrvikar Joseph Anton Höck schenkte der Kirche 1730 einen Kreuzpartikel. Gericht Aibling
Patrozinium: St. Georg
Zum Bauwerk: Kirche erstmals erwähnt 804, Neubau in der Mitte des 15. Jh. (Bomhard, S. 141). Am 30. 12. 1688 bat der Pfarrvikar Johann Dettlinger in Freising um den Konsens zu einer Erweiterung und Veränderung dieser kleinen spätgotischen Kirche, der ihm am 27.2.1690 gewährt wurde. Bauarbeiten 1689/90 durch Hanns Mayr von der Hausstatt bei Feilnbach und Georg Strasser, Zimmermeister in Litzldorf: Verlängerung des Schiffs um 12 Schuh (ca. 3,60 m), Ausbrechen von zwei Fenstern und Vergrößerung der vorhandenen Fenster zu sog. Krumperfenstern, Einziehen einer Empore. Die gotischen Gewölberippen wurden abgeschlagen und das Gewölbe in einfachem Felderstuck stuckiert (Modelstuck). Hochaltar 1690, das Altarblatt des Aiblinger Malers Johann Baptist Vicelli stellt Georgs Kampf mit dem Drachen dar. Der nördliche Seitenaltar, um 1650/60 entstanden, ist den Vierzehn Nothelfern geweiht, der südliche, 1670/80, Maria (die Altarblätter stammen von Matthias Schröder 1875). Innenrenovierung 1731 mit Änderungen an den Bildfeldern, neuer Raumtönung, Fassung von Kanzel und Beichtstuhl durch Thomas Urscher. 1757 Anbau einer doppelstöckigen Sakristei an der Nordseite des Chors durch Johann Thaller, Maurermeister von der Hausstatt. 1774-80 durchgreifende Renovierung der Kirche: Reparatur des Gewölbes, Bau der westlichen Vorhalle, neues Pflaster, neues Gestühl. Weitere Kirchenrenovierung 1793 mit Neuausmalung, Neufassung der drei Altäre aus dem späteren 17. Jh. und Veränderung der Emporen. 1831/32 wurde das baufällige Gewölbe des Emporenjochs abgebrochen und durch eine Weißdecke ersetzt. 1954 Erhöhung des westlichen Jochs und der Vorhalle.
Das LHs ist ein einfacher Saal (8,70 × 5,70) zu vier (ehem. drei) Jochen; Doppelempore im Westen. Stuck aus der Zeit des Kirchenumbaus 1690. Belichtung im LHs durch je drei sog. Krumperfenster-Fenster von N und S; im Chor durch drei Fenster in den Schluß-Schrägen.
Auftraggeber:
Zur Zeit der ersten Ausmalung um 1690 waren Johannes Neumiller Pfarrvikar von Großholzhausen (1663–1712) und Maximilian Franz Freiherr von Ruepp auf Falkenstein (1652–1715) Hofmarksherr.
Zur Zeit der Ausmalung 1731 durch Thomas Urscher waren Joseph Anton Höck Pfarrvikar (1728–32) und Anton Sigmund Freiherr von Ruepp (1715–1757) Hofmarksherr. Da nur ein Teil der Ausmalung in den Kirchenrechnungen abgerechnet wurde, sind für die übrigen Deckenbilder private Spender anzunehmen.
Zur Zeit der Ausmalung 1793 durch Sebastian Rechenauer d. Ä. war entweder Johann Evangelist Schladerer (1788–93; er wurde später Pfarrer von Flintsbach) oder Alois Schöpfer (1793–1802) Pfarrvikar; Hofmarksherr war Johann Maximilian V. Franz Xaver von Preysing-Hohenaschau (1764–1827).

Für eine Beteiligung an den Kosten einer der Ausstattungen durch die Propstei auf dem Petersberg, der die Pfarrei Großholzhausen inkorporiert war, gibt es keinen Hinweis.
Autor und Entstehungszeit:
Erste Ausmalung nach dem Neubau: Autor unbekannt, um 1690
Zweite Ausmalung: Thomas Urscher (* 1682 Teigscheid bei Reischenhart † 1742 Altenmarkt bei Neubeuern) 1731
Dritte Ausmalung: Sebastian Rechenauer d. Ä. (* 1761 Hinter schweinsteig † 1835 Neubeuern) 1793
Alle Deckenbilder wurden mehrfach übermalt, abgeändert, neu gemalt und wieder aufgedeckt, wobei es allein im 17./18. Jh. drei Fassungen gab. Die einzelnen Bilder zu beurteilen ist bei ihrem bewegten Schicksal schwierig
Ausmalung 1690: Mit Sicherheit gab es eine erste Ausmalung in der Bauzeit um 1690, wenn sich auch in den Quellen kein Hinweis darauf findet. Aber die Bilder in den Stuckrahmen von 1690 (A, C und 1–4 im LHs) sind sehr viel altertümlicher als die in den einfachen Leistenrahmen (B, D), die der Ausmalung 1731 zuzuordnen sind. Die Bilder von 1690 wurden offensichtlich nach Stichen gemalt, von einem zu selbständiger Darstellung bewegter Figuren fast unfähigen Maler. Obwohl man beim Zustand der Bilder kaum urteilen kann, fühlt man sich doch an die Bilder in Elbach 1690 erinnert, die einen ähnlichen Grad von Unbeholfenheit zeigen (CBD Bd 2, S. 465–69). Da die Kirche Großholzhausen wie die von Elbach im Gericht Aibling lag und Aiblinger Bauhandwerker sie gebaut haben, liegt es nahe, bei dem Deckenmaler von 1690 an einen Aiblinger Maler zu denken. Johann Baptist Vicelli kommt nicht in Frage: er malte qualitätvoller. Der zweite um 1690 in Aibling ansässige Maler war Andreas Fischer, Bürger und Brothüter, von 1685 bis 1726 Maler in Aibling. In Frage käme aber auch ein unbekannter Maurer und Stuckator vom Trupp Mayrs, der sich im Freskieren versucht hat, oder, was immer möglich ist, ein junger Maler auf der Wanderschaft.
Ausmalung 1731: Laut Kirchenrechnung wurde die Kirche 1730 ausgeweißt, 1731 hat man den Raum farbig gefaßt. Statt der alten Bildfelder mit den Modelstuckrahmen wurden Bildfeld B und D erneuert und mit einfachen ovalen Leistenstuckrahmen eingefaßt. F im Chor erhielt ebenfalls einen neuen ovalen Stuckrahmen, ungewöhnlicherweise mit Stuckpunkten besetzt. Die neuen Bilder malte Thomas Urscher, Maler in Neubeuern. »Anno 1731: Hab ich Endts Underschribner in dem würdigen St. Georgii Pfahrgottshauß Holzhaußen vier Veldungen an dem Gewölb in Fresko gemalln. Widerumben die Stokhädor Arbeith mit Farbe außgeduscht. Nitweniger auch die 12 Apostl Creuz gemacht, ist mein verdienter Lohn 16fl.« (StAM, Hofmark Brannenburg 1014, Kirchenrechnungsbelege). Parallel dazu der Eintrag in den Kirchenrechnungen: »1731. Dem Mahler umb das er die 4 Veldungen am Gwölb aufn Chor gemahlen, die Stukhator Arbeithen gefast und 12 Apostl Cränz neu gemahlen 16f.« Daß in den Rechnungen nur vier Felder »am Gewölb aufn Chor« genannt sind, besagt nicht viel. Wahrscheinlich wurden die Bilder B, D und F von Spendern bezahlt und die vier Nebenbilder im Chor (a–d) der Einheitlichkeit halber noch auf Kosten der Kirche gemalt (1954 von Gschwendtner neu gemalt).
Thomas Urscher faßte bei der Innenrenovierung 1731 in Großholzhausen auch die Kanzel und einen Beichtstuhl und tönte den Stuck von 1690. Er malte laut Kirchenrechnungen schon 1716 drei Antependien für Großholzhausen. Er war zu dieser Zeit im Gebiet Neubeuern/Brannenburg der so gut wie ausschließlich beschäftigte Maler. In den Kirchenrechnungen kommt er häufig vor, mit kleinen Faßmalereien, aber auch mit figürlichen Arbeiten. Die Bilder B, D und F zeigen in der Figurenbildung überzeugende Übereinstimmungen mit den Fresken in benachbarten Kleinholzhausen 1732, die auch Urscher zuzuweisen sind.
Ausmalung 1793: Anläßlich einer Baureparatur in Großholzhausen 1793 wurde eine neue Kanzel gemacht, die Empore verändert und die Kirche ausgeweißt. Die Kirchenrechnungen 1793 berichten auch von Malerarbeiten: »... das Gewölb fresko gemallen ... die Altar Blätter renoviert 326fl.«. Bomhard nimmt als Ausführenden dieser Arbeiten wohl zu recht Sebastian Rechenauer d. Ä. an, der von 1791–1806 als Maler in Oberflintsbach lebte und auch sonst gelegentlich für die Kirche Großholzhausen arbeitete. Von der persönlichen Handschrift dieses Malers zeigen aber die Deckengemälde nichts mehr. Seine Spuren sind durch die vielen Veränderungen an den Deckenbildern verschwunden (s. Befund).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A–E, 1–4) Stichkappentonne, AR (F, a–d) abgemuldete Tonne mit Stichkappen
Rahmen: A, C und E Modelstuck-Leisten, B und D Hochovale in Stuckprofilleisten, 1–4 Medaillons in Modelstuck-Rahmen; F Hochoval mit schmaler gepunkteter Rahmenleiste, a–d Vierpaßformen in Modelstuckleisten
Technik: Fresko; polychrom
Maße: A Höhe 7,20 m; 0,90 × 1,45
B Höhe 7,20 m; 1,70 × 1,50
C Höhe 7,20 m; 0,90 × 1,45
D Höhe 7,20 m; 1,70 × 1,45
E Höhe 7,20 m; 0,90 × 1,4
F Höhe 8,00 m; 1,45 × 1,40
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Renovierung 1846 mit Austünchen der Kirche und Neufassung von Seitenaltären und Kanzel. Bei der Renovierung 1875 brachte der Rosenheimer Maler Matthias Schröder neue Deckengemälde an: »1875 wurde ... die Pfarrkirche ... durch Herrn Maler Mangold von Unterpeissenberg als Faßmaler und durch den Kunstmaler Schröder ... geschmackvoll restauriert. Für decorative Malereien wurden Mangold 1206 fl., für Ausführung der Deckengemälde und des Hochaltarbildes Schröder 325 fl, für die Fertigung der beiden Bilder an den Seitenaltäre sowie für die Renovierung des Kreuzweges demselben 152 fl. ausbezahlt« (Chronik der Pfarrei Großholzhausen). 1895/96 wurde der Kirchenraum durch Ludwig Osendorfer aus Aibling neu gefaßt (300 Mark »für Ausmalung des Presbyteriums der Kirche«; »Das Kirchenschiff analog dem Presbyterium ausmalen nebst Vergoldung, Ausbeßern der Gemälde ...«. 1911 stellte das General-Konservatorium fest: »Die in stukkierten Umrahmungen befindlichen Deckenbilder sind modern«.
1918/20 Restaurierung der Altäre sowie Neufassung des Raums durch Ludwig Ametsberger, München: Abwaschen
Durchgreifende Gesamtrestaurierung von Kirche und Sakristei 2000/02 durch Alois und Michael Stein aus Inzell. Es fanden sich Risse und dadurch entstandene Hohlstellen im Gewölbe. Der Stuck zeigte zerkratzte und abgeschürfte, auch zerfressene Oberflächen. Festigung, Reinigung und Ausbesserung des Stucks durch Michael Schumacher, Bernau am Chiemsee. Anschließend Neufassung der Raumschale: bei der Suche nach der originalen Fassung hatte man helle Raumfassungen von 1690 und 1730 entdeckt, darüber mehrere kräftig grüne Farbschichten und Stuckvergoldung; man entschloß sich, den Raum hellfarbig zu fassen, den Deckengrund in zarten Rosa- und Ockertönen, Wände und Stuck weiß. Die Deckenbilder wurden gereinigt, die Malschicht gefestigt, die Risse geschlossen und Fehlstellen vorsichtig retuschiert. Im Ganzen ist der Raumeindruck jetzt in seiner hellen und freundlichen Farbigkeit überzeugend, eher auf den Zustand von 1730 weisend als auf den von 1600
Beschreibung und Ikonographie
Der Modelstuck stammt aus der Bauzeit um 1690. Er ist gut zu vergleichen mit dem Modelstuck in anderen Bauten Mayrs, etwa Elbach 1689 und Irschenberg 1692/93, allerdings einfacher; er stammt sicher vom Bautrupp Mayrs.
Die ursprüngliche Felderung des Gewölbes durch Modelstuck aus dem Jahre 1690 zeigte wohl im LHs-Scheitel Breitformate in alternierenden Formen, begleitet von kleinen Querovalen in den Zwickeln, wie sie vergleichbar noch am Chorbogen unbemalt erhalten sind. Die Bildfelder waren verbunden durch Modelstuck-Stege. Bei der Neugestaltung 1731 wurden zwei Felder (B und D) in Hochovale ohne verbindende Stuck-Stege abgeändert, die Modelstuck-Felderung offenbar generell reduziert. Alle Deckenbilder sind einansichtig, mit zum Teil ausführlich geschilderten Schauplätze, wobei sich der Maler etwa in den Substruktionen der Brücke über den Tiber (B) und an der Holztribüne der Verklärungsszene (C) auch um perspektivische Effekte bemüht. Der Farbcharakter ist eher kühl: Blau, Grün und Grautöne dominieren; fahles Rostrot, Ocker und Brauntöne sind fast zeichnerisch zur Gegenstandsbezeichnung eingesetzt.
Haupthema der Bilder im LHs ist das Kreuz mit dem Sieg Konstantins (B), der Kreuzesprobe (D) und den vier Kreuz-Allegorien (1-4). In Großholzhausen befand sich ein Kreuzpartikel auf dem Hochaltar, den der Holzhauser Pfarrer Joseph Anton Höck der Kirche 1730 gestiftet hatte. Er wurde von den Gläubigen sehr verehrt (heute in einem Kreuzreliquiar in der Sakristei).
A ENTHAUPTUNG DES APOSTELS JAKOBUS DES ALTEREN Ansicht nach W. Jakobus kniet im Zentrum der Szene auf einem weiten Wiesenplatz. Sein blaues Gewand ist von den Schultern geglitten, er hat die Hände gefaltet und blickt zum Himmel auf. Eine Stadtlandschaft begrenzt in weitem Bogen den Richtplatz, mit Häusern, Türmen, Tor, einem Fluß mit Brücke und einer rechts weit in den Vordergrund verlaufenden Quadermauer, hinter der drei Männer die Szene beobachten. Zwei Soldaten in historisierenden Trachten, mit Halskrausen, Federhüten sowie geschlitzten Ärmeln und Pumphosen nehmen die Enthauptung vor: Der erste holt mit dem Schwert zum Todesstreich aus, der zweite schwingt eine Fahne. Am linken Bildrand steht auf einem hohen Quadersockel eine Marienstatue. Zu Füßen des Sockels ist ein Pilgerstab niedergelegt. Im Himmel erscheint Christus mit Kelch und Kreuz, von ihm geht ein Schriftstrahl zu Jakobus: Calicem meum bibetis Matth 20 (Matth 20,23).
Die Stadt stellt Jerusalem dar, wo Jakobus im Jahr 44 unter Herodes Agrippa enthauptet wurde. Die Stelle aus dem neuen Testament im Schriftstrahl spielt auf die Bitte der Mutter der Zebedäus-Söhne Jakobus und Johannes an, die Jesus darum bat, daß ihre beiden Söhne im Himmelreich zu seiner Rechten und Linken sitzen dürften, worauf Jesus sie fragte: »>Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde?« Sie sagten zu ihm: »Wir können es.« Da sprach er zu ihnen: »Meinen Kelch werdet ihr trinken.«« Die Säule mit dem Marienbild erinnert an einen wichtigen Bestandteil der Jakobuslegende, die Erscheinung der Virgen del Pilar in Saragossa.
Die gleiche Szene, bis ins Detail übereinstimmend und offensichtlich die gleiche graphische Vorlage benutzend, malte Balthasar Mang 1766 in Buchbach (Lkr. Mühldorf, CBD Bd 8, S. 76). Dazu gibt es eine Zeichnung von Mang, vielleicht die Abzeichnung der graphischen Vorlage (ebd. S. 66).
B SCHLACHT AN DER MILVISCHEN BRÜCKE Konstantin siegt im Zeichen des Kreuzes im Jahr 312 an der Milvischen Brücke bei Rom über den heidnischen Gegenkaiser Maxentius, nachdem ihm in der Nacht vorher in einer Vision der Sieg im Zeichen des Kreuzes geoffenbart worden war (In hoc signo vinces). Das leicht hochoval gegebene Rundfeld ist zu zwei Dritteln eingenommen vom Schlachtgetümmel Berittener, die über Mauerwerk und Holzbalken der einstürzenden Brücke stürzen. Die Szene wird an den Seiten durch eine Landschaftsdarstellung und eine Brückenkonstruktion abgeschlossen, die rechts in das Bildrund fast senkrecht hinaufgezogen ist. Zuoberst strahlt als Siegeszeichen das Kreuz, das Strahlen auf Konstantin aussendet, umgeben von geflügelten Engelsköpfchen. Im Zentrum sieht man die beiden Kaiser, links Konstantin auf einem Schimmel – in seinem Gefolge wird ein Feldzeichen mit Kreuzbalken getragen – mehr im Mittelpunkt der Darstellung Kaiser Maxentius auf einem Brauen, in seiner Rechten das abgeschlagene Haupt eines Widersachers.
C MARTYRIUM (nicht gedeutet) Weiter Platz, umgeben von palastähnlichen Gebäuden, im Hintergrund schließt die Doppelturmfassade einer Kirche den Platz ab. Links erhebt sich über die Bauten ein Hügel, gekrönt von einer Burg. Im Vordergrund des Platzes ist eine Holzbühne aufgerichtet. Ein Henkersknecht in historisierender Tracht mit Federhut, Pumphosen, Wams und Schärpe hält in einer Hand das Schwert, mit der andern hält er das blutende, strahlenumgebene Haupt eines Martyrers hoch, dessen entseelter Leichnam zu Füßen des Henkers liegt. Im Himmel erscheint, in einer Wolkenglorie thronend, Christus mit dem Kreuz und empfängt einen kleinen nackten Körper, der zu ihm emporschwebt, nur mit einer roten Draperie bedeckt und rings von Strahlen umgeben: die Seele des enthaupteten Martyrers. Über Christus ist zu lesen Accipiet Coronam Vitae. Jac. 1,12: (Jac 1,12: Heil dem Mann, der in der Anfechtung standhält, denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens empfangen, den der Herr denen verheißen hat, die ihn lieben).
Gegenüber vom Blutgerüst stehen rechts im Vordergrund drei vornehme Herren. Durch den Hermelin am Umhang des linken und an der Kopfbedeckung und den Ärmelstulpen des zweiten rechts sind diese beiden als Fürsten gekennzeichnet. Am dritten Mann, der von den beiden vorderen fast verdeckt ist, sieht man keinen Hermelin, doch trägt er wie die beiden andern ein purpurrotes Barett mit unterem goldenen Rand; zwei dieser Kopfbedeckungen haben eine Feder als Schmuck. Sichtlich sind die drei Herren etwa gleichen Ranges. Hinter ihnen sind noch zwei Begleiter zu sehen.
D KREUZESPROBE Auf einer Wiese vor einem hohen Stadttor haben sich die Kaiserin Helena, der Bischof Makarios und ihre Begleiter versammelt. Helena hatte auf Golgotha die Kreuze Christi und der beiden Schächer aufgefunden. Um das wahre Kreuz Christi herauszufinden, legte man einen Toten auf die Kreuze. Vom letzten Kreuz, dem Kreuz Christi, erhob er sich lebend. Dieser Moment ist im Bild dargestellt. Ein Mann nimmt dem Wiedererweckten, der auf dem Kreuz sitzt, das Leichentuch ab. Makarios deutet auf ihn und die Kaiserin reagiert mit einer Geste des Erstaunens und der Ehrfurcht.
1-4 KREUZES-THEMEN Vier Medaillons an den Gewölbezwickeln begleiten die beiden Ovalbilder mit der Kreuzthematik im LHs. Sie sind mit je zwei Spruchbändern versehen, über der Szene findet sich jeweils die lateinische Inschrift, am unteren Bildrand der deutsche Text.
1 DAS KREUZ ALS HELFER IN DER VERSUCHUNG Non omnes capiunt verbum hoc. Willst Du im Streit nicht unterliegen / Sieh! Der am Kreutz hilft Dir obsiegen. Schauplatz ist ein Barockgarten mit Fontäne vor einem großen dreiflügeligen Schloß mit Kuppel und Balustrade auf der Attika. Durch ein Steingeländer ist im Vordergrund ein kleiner Platz ausgegrenzt, an dem links ein Kruzifixus aufragt. Eine junge Frau kniet davor und betet. Hinter ihr steht ein kleiner nackter Amor mit Bogen und Pfeil und weist auf sie, während er auf zwei elegant gekleidete junge Herren mit Federn auf den Baretten und geschlitzten Samtwämsern und -Hosen blickt. Im Himmel erscheint ein Engel mit Flammenschwert und Flammenbündel.
Offensichtlich ist der Sinn der Darstellung, daß die junge Frau sich wegen der erotischen Nachstellungen der jungen Herren an den gekreuzigten Jesus wendet, um der Versuchung widerstehen zu können. Gericht und Strafe, die dem Sünder drohen, werden durch Flammenschwert und Flammenbündel symbolisiert.
2 VEREHRUNG DES KREUZES DURCH DIE VIER ERDTEILE Omnes Reges servient ei. Dan. 7,27. Alle Könige dieser Erden / müssen dir noch zinsbar werden. Auf einem kleinen Wiesenplatz sind um die Weltkugel die Vier Erdteile versammelt, links Asia mit Turban und Kamel, darauf folgend Africa mit Turban und Perlenschmuck, dann America mit Perlen und Federkrone, neben sich auf einem Zweig einen Papagei. Rechts kniet Europa, durch Hermelin und Krone ausgezeichnet. Sie weist auf Tiara und dreifaches Kreuz, die Zeichen des Papsttums, die vor ihr liegen. Hinter ihr sieht man als weiteres Attribut ein weißes Pferd. Am rechten Bildrand stürzen zwei Ketzer zu Boden, geblendet von den hellen Strahlen, die das Kreuz umgeben, das über der Szene schwebt.
3 BAUM DER ERKENNTNIS UND BAUM DES HEILS E morte vita. Der Baum war ehemals ein Todesbiß. Durch kreuzes Kraft sind seine Früchte süß. In einer weiten Landschaft steht in der Mitte ein fruchttragender Baum, in dessen Gezweig lichtumstrahlt das Großholzhauser Kreuzreliquiar erscheint. Links im Hintergrund ist der Sündenfall dargestellt: unter dem Paradiesesbaum Eva, die Adam den Apfel reicht.
Unter dem Baum mit der Monstranz haben sich Männer, Frauen und Kinder versammelt, angeführt von einem verhältnismäßig jungen schwarzgekleideten Herrn, vielleicht dem Pfarrer zur Zeit der Ausmalung um 1690, Johannes Neumiller. Ein Mann pflückt eine der Früchte am Baum, nach denen alle die Hände ausstrecken.
Durch den Tod Christi am Kreuz wurde die Tat Adam und Evas gesühnt, durch die der Tod in die Welt gekommen war. Nach der Legende wurde aus dem Holz des Baums der Versuchung später das Kreuz Christi gemacht. Das Kreuz, das ja in Großholzhausen in Form des Kreuzpartikels realiter vorhanden war, ist deshalb wichtigstes Heilsinstrument. Hier wird das Kreuz als Baum des Heils dem Baum der Erkenntnis antithetisch gegenübergestellt. Seine Früchte bringen nicht den Tod, sondern das Leben.
4 DAS KREUZ ALS HILFE BEI DER SELBSTÜBERWINDUNG Estote invicem benigni. Eph. Hier an dem Kreutz liest Jedermann / Daß Er auch Feinde lieben kann. Ein hochaufragender Kruzifixus steht im Bildzentrum, am Ufer eines bewegten Wassers, das durch niedrige Pfeiler mit Ketten gesichert ist. Eine große Kirche und palastähnliche Gebäude umgeben das Wasser – offensichtlich ist eine reiche Hafenstadt dargestellt.
Links steht ein dunkel gekleideter bärtiger Herr in altertümlicher Tracht mit Federhut und weist mit der Linken auf ein Schwert, das vor ihm am Boden liegt. Die Rechte legt er um die Schultern eines neben ihm knienden jüngeren Mannes, der ihn anblickt und zum Kreuz weist.
Es handelt sich hier um eine Verzeihungs- und Versöhnungsszene. Offenbar waren die beiden dargestellten Männer früher Feinde, der jüngere hatte den Älteren mit dem Schwert angegriffen, hatte aber durch die Macht des Kreuzes von seiner Tat abgelassen; der Angegriffene wurde durch das Kreuz zur Verzeihung bewegt.
Rechts steht auf einem hohen Sockel eine farbig gefaßte Statue, eine Allegorie, durch die Inschrift als Victoria sui bezeichnet, als Sieg über sich selbst oder Selbstüberwindung. Sie hält einen Lorbeerkranz in die Höhe, den sie laut Inschrift Vincenti dabo dem Siegenden geben wird, also dem, der sich selbst überwindet.
GROSSHOLZHAUSEN
E ENGEL VEREHREN DEN HL. GEIST In einem Bildfeld, das der Rahmenform von A und C entspricht, ist in der Mitte die Heilig-Geist-Öffnung eingelassen, mit Modelstuck gerahmt. Auf den Deckel ist die Taube des Geistes gemalt. Im Bildfeld sind zu seiten der Öffnung anbetende Engel in Wolken zu sehen, außerdem zahlreiche Puttenköpfchen.
F DER HL. GEORG ALS PATRON VON GROSS- HOLZHAUSEN Das Bild zeigt über einer sehr seichten Landschaftszone mit einem Dorf vor Bergen am unteren Bildrand eine bewegte Wolkenszenerie. Dicht nebeneinander thronen Christus mit dem Kreuz und Gottvater mit dem Zepter, über ihnen erscheint die Taube des Geistes vor einer dreiecksförmigen Lichtglorie. Georg, der Patron von Großholzhausen, kniet links unter ihnen auf Wolken, in Rüstung und Helm, die Lanze und den Schild in der Rechten. Er weist mit der Linken nach unten und empfiehlt das ihm anvertraute Dorf Großholzhausen dem Schutz der Dreifaltigkeit.
a-d VIER EVANGELISTEN (Gschwendtner 1954, möglicherweise auf barocken Resten gleichen Themas) Sie sind als Kniestücke dargestellt, mit Schriftrollen oder Büchern, begleitet von den Evangelisten-Symbolen.
a) LUKAS mit dem Stier b) JOHANNES mit dem Adler c) MATTHÄUS mit dem Engel d) MARKUS mit dem Löwen.
Quellen und Literatur
StAM, Hofmark Brannenburg 1014, Kirchenrechnungsbelege.
AEM, Pfarrakten Großholzhausen, Pfarrbeschreibung; Kirchenbauten 1689–1690; Bauten II.
Kunstreferat der Erzdiözese, Stefan Stoelzl, Archivalien zur Bau- und Kunstgeschichte der Pfarrkirche St. Georg Großholzhausen (Dezember 1999).
Pfarrarchiv Großholzhausen, Kirchenrechnung über die in der Hochgräflich Preyßingischen Hofmark Brannenburg befündtente drey Gottsheiser (Großholzhausen, Kleinholzhausen, Brannenburg): Bauten bzw. Kirchenzier 1674-1713, 1731, 1793. Ebenda: Chronik der Pfarrei Großholzhausen 1880 (s. auch AEM, Nachlaß Peter von Bomhard Nr. 228, Auszüge aus dem Pfarrarchiv).
BLfD, Akt Großholzhausen, Pfarrkirche St. Georg.
Schmidtsche Matrikel Bd 2, S. 61 f.
Dachauer, Sebastian, Chronik von Brannenburg und der nächsten Orten der Umgebung, in: OAVG 4, 1843, S. 92–135 Großholzhausen S. 132–35
Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 745–49.
KDB I OB (2), S. 1594
Großholzhausen und seine Chronik, in Oberland, Rosenheim 1925.
Bomhard Bd 1, S. 140-44; 404 f., 450.
Historischer Altas von Bayern I, Bd 17, Landgericht Aibling und Reichsgrafschaft Hohenwaldeck (Franz Andrelang), München 1967, S. 195.
Dehio 1990, S. 378 f.
Großholzhausen für Einheimische und Zugereiste (Hg. Kath. Pfarramt Großholzhausen) Großholzhausen 1997
Rochow, Evelin von, Großholzhausen St. Georg (Kirchenführer), Lindenberg 12003. A. B