Greimharting, Filialkirche St. Peter und Paul
GREIMHARTING
Filialkirche, Pfarrei Prien, Gemeinde Rimsting, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat und Bistum Chiemsee. Greimharting war Nebenkirche der Pfarrei Prien, die dem Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee inkorporiert war. Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Greimharting, deren Blütezeit im Spätmittelalter lag, war im 18. Jh. nur von lokaler Bedeutung. Herrschaftsgericht Wildenwart
Patrozinium: St. Peter und Paul, bis Mitte des 19. Jh. St. Leonhard
Zum Bauwerk: Der spätgotische Bau wurde im frühen 17. Jh. verändert (Bauinschrift 1607 neben der Eingangstür an der S-Wand im LHs). 1612/13 Renovierung der Kirche. Neue Altareinrichtung 1655/60. Innendekoration 1758/59: Abschlagen der Rippen und Stuckierung durch Wolfgang Mayr, Maurermeister in Unterachthal bei Hirnsberg. Regotisierung 1873/74: Abschlagen des Rokokostucks, Einziehen von neogotischen Rippen.
LHs zu vier Jochen, Gliederung durch gotische Wandpfeiler mit vorgelegten Diensten, Empore im W; Belichtung durch drei Fenster im S und zwei im N. Der AR ist bedeutend niedriger (zweimal eingezogen: beim Bau des LHs war offenbar auch ein neuer, größerer Chor geplant worden), zwei Joche mit dreiseitigem Schluß; Belichtung durch zwei Fenster im N und zwei in den Schlußschrägen.
Auftraggeber: Die Neuausstattung wurde unter P. Johann Nepomuk Mosmayr, Pfarrvikar von Prien (1756–66) durchgeführt, mit dem Konsens der »geistlichen und weltlicher Obrigkeit«, des Propstes von Herrenchiemsee, Floridus Rappel (1736-59) und des Herrschaftsinhabers Ferdinand Freiherr von Schurff (1746–71). Um die Ausmalung hatte die Gemeinde gebeten; sie wurde zum größten Teil durch private Spenden finanziert (s. u.).
Autor und Entstehungszeit: Joseph Tiefenbrunner (* 1709) Trautersdorf bei Prien † 1787 ebd.) 1758
»Nachdem nun wiederholtes Kürchengwölb, verstandenermassen herabgepuzt: und neu ausstucadort war, wurde auf Anhalten der Underthannen solches auch ausmahlen zulassen. von Geist: und weltlicher Obrigkeit resolvirt, und dahero mit Joseph Tiefenprunner Maller zu Trautterstorf der Accord getroffen, das man selben wan Er, sothannes Kürchengwölb ausmahlen, wie nitweniger die vorhantnen Apostl Leichter, und ein Crucifix, puzen und mit Faßarbeit renoviren wird. über den von einigen Underthanen und Gutthättern zum voraus hergeschossenen Beytrag pr: 20 f: von Gottshaus noch 32 f bezallen wolle, die man demselben auch vermög Scheins anbei
richtig zugestelt, weillen aber voriger Beytrag, sich noch weitters ein unbenanter Gutthätter hervorgethan, welcher zu obiger Ausmahlung 18f: hergeschenckt, als derffen nur mehr disohrts in Ausgab gebracht werden 14f.« (Pfarrarchiv Prien). Tiefenbrunner freskierte außerdem am Chorbogen Maria und Johannes (nicht erhalten) und war in der Folgezeit mehrmals mit Fassarbeiten für Greimharting beschäftigt.
Joseph Tiefenbrunner faßte auch 1759/60 die Seitenaltäre und malte in einer Kreuzigungsgruppe die Figuren Maria und Iohannes in Fresko.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs und AR Netzrippengewölbe (Rippen aus der Zeit der Regotisierung 1873/74)
Rahmen: Die ursprünglichen Stuckrahmen wurden bei der Regotisierung abgeschlagen. Die Reste der Deckenmalerei sind hinter den neogotischen Rippen zu sehen.
Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe des LHs 8,60 m, des AR 5,70 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierung 1850 durch Benedikt Furtner, Prien. Bei der Regotisierung malte 1874 Balthasar Kraft, Pfaffenhofen/Ilm, die Kirche aus. Diese Ausmalung war schon 1894 so schadhaft, daß sie von dem Priener Maler Franz Schwarz nachgemalt werden mußte. Beseitigung der neogotischen Ausmalung 1938 durch Peter Keilhacker, Taufkirchen; dabei wurden die barocken Fresken entdeckt, aber man konnte sich noch nicht zur Aufdeckung entschließen, die erst Hugo Williroider 1960 durchführte. Wo die Gesichter der Heiligen wegen der 1874 wieder eingezogenen Rippen zerstört sind, wurden sie auf die Rippen neu aufgemalt. Von dem im AR doch wohl vorhanden gewesenen Hauptfresko (hl. Leonhard?) ist keine Spur mehr erhalten. Hier wurden an der Wand ältere Fresken wiederaufgedeckt, die bei der Barockisierung 1765 übermalt worden waren.
Beschreibung und Ikonographie
Von der barocken Ausmalung sind nur noch Reste erhalten. Das Hauptfresko im AR (nicht erhalten) war von vier Kartuschen umgeben, in denen die Vier Evangelisten dargestellt waren (Reste erhalten, keine Abb.). Im LHs scheinen in drei querformatigen Bildfeldern je zwei Heilige dargestellt gewesen zu sein, die noch sichtbar sind. Es sind:
Westliches Joch: St. Martin, dem eine Assistenzfigur die Gans hält, und St. Wolfgang mit dem Kirchenmodell, in dem ein Beil steckt (Figuren von Rippen überschnitten, keine Abb.).
Mitteljoch: St. Christophorus und St. Andreas (Figuren von Rippen überschnitten, keine Abb.).
Ostliches Joch: St. Florian (Figur von Rippen überschnitten, keine Abb.) und St. Sebastian, der als einzige LHs-Darstellung als vollständige Figur erhalten ist.
Quellen und Literatur
Pfarrarchiv Prien, Kirchenrechnungen der Filialkirche Greimharting.
BLfD, Akt Greimharting, Filialkirche St. Peter und Paul.
Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 210, 214. KDB I OB (2), S. 1592.
Steinberger, Hans, Die Kirchen des Prientals, Wörishofer 1913, 5.37–41.
Bomhard Bd 2, S. 144–52, 457 f., 519.
Huber, Konrad, und Peter von Bomhard, Die Kirchen der Pfarrei Prien (= KKF Nr.49), München und Zürich 21984, S. 18–20.
Dehio 1990, S. 373.