Grainau, Pfarrkirche Johann Baptist


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 348–349, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

GRAINAU

Pfarrkirche, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung Filialkirche der Pfarrei St. Martin Garmisch, Fürstbischöflich-Freisingische Grafschaft Werdenfels, Niedergericht Garmisch

Patrozinium: St. Johann Baptist

Zum Bauwerk: Die 1697 begonnene, 1738 erweiterte und 1749 geweihte Kirche wurde am 12. März 1779 durch Feuer bis auf den N-Teil zerstört; Wiederaufbau 1782. 1926–28 Erweiterung im neobarocken Stil durch Carl Sattler.

Der barocke Kirchenbau bildet jetzt den rückwärtigen Teil der Kirche, an den gegen S ein Oktogon mit eingezogenem, halbrund geschlossenem AR anschließt. Der alte Bauteil ist ein Saalbau zu zwei Jochen, dem durch den Einbau einer wuchtigen Doppelempore (1928), die etwa die Hälfte des Raumes einnimmt, eine eigene Raum- und Lichtwirkung genommen ist. Nach S gerichtet

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder stammen aus der Zeit des Wiederaufbaues von 1782. Trotz des schlechten Erhaltungszustandes deuten alle stilistischen Merkmale auf Franz Seraph Zwinck aus Oberammergau als Autor (vgl. Wurmannsau, S. 444, Bayersoien, S. 273 f.). Das Fassadenfresko in Oberammergau, Kleppergasse 5, mit der Enthauptung der hl. Katharina (Margarete Baur-Heinhold, Bemalte Fassaden, München 1975, S. 100, Abb. 146) zeigt weitgehende stilistische Übereinstimmungen mit der Enthauptung des Johannes in Grainau. (Zu Franz Seraph Zwinck, * 1748 † 1792, s. Kappel, S. 350.)

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Gurtbogen Rahmen: Gemalte Rahmung mit Rocailledekoration, nicht original

 
 
 
W Predigt des Johannes

Technik: Fresko; A, W polychrom, A1-4 monochrom violett auf ockerfarbenem Grund

Maße: Höhe 6,70 m; 1,40 × 1,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Die Deckenbilder wurden 1949 und 1964 renoviert. Ihre originale Substanz ist stark beeinträchtigt. In A Farbabreibungen, in W starke Übermalungen, A1-4 weitgehend erneuert. Das Gewölbe ist mit rosa- und ockerfarbenen, von gemalten Rocaillen eingefaßten Feldern dekoriert, die aus dem 20. Jh. stammen und die das nördliche Joch, das im gleichen Dekorationssystem moderne Bilder (Heimsuchung, seitlich zwei Heilige) zeigt, miteinschließt. Die Deckenbilder in der Kuppel des Oktogons und im AR mit Szenen aus dem Leben des hl. Johann Baptist stammen von Johann Michael Schmitt (1929).

Beschreibung und Ikonographie

A ENTHAUPTUNG JOHANNES DES TÄUFERS (Mt 14, 6-11) Einansichtige Szene mit geringer Untersicht. Schauplatz ist ein Kellergewölbe. Links erwartet Johannes auf einer Steinplatte kniend den tödlichen Hieb des Henkers, rechts verfolgen hinter einer Brüstung König Herodes, Salome und ein Begleiter die Hinrichtung. Graubraun-violette, stumpfe Farbigkeit.

W PREDIGT DES JOHANNES (Mt 3, 1–12) Das kartuschförmig gerahmte Fresko befindet sich an der Stirn eines Bogens, des ehemaligen Chorbogens. In einer von Bäumen begrenzten Landschaft stützt sich Johannes auf einen Baumstumpf und spricht zu einer Gruppe aus Frauen, Soldaten und einem Hohenpriester. Zu Füßen des Johannes das Gotteslamm und der Kreuzstab mit dem Inschriftband »Ecce Agnus Dei«.

A1-4 KIRCHENVÄTER A1 Hieronymus, A2 Augustinus, A3 Ambrosius, A4 Gregor

 
 
4 Gregor
 

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 3, S. 579, 583. Pfarrkirche Grainau (o. V.), Kirchenführer (o. J.