Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 1: Die Landkreise Landsberg am Lech, Starnberg, Weilheim-Schongau. Hirmer, München 1976, ISBN 978-3-7991-5737-7, S. 74–76, geschrieben von Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Werner-Clementschitsch, Heide. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

ERPETING

Kapelle Maria-Eich Pfarrhof S. 76

Kapelle Maria-Eich, Pfarrei Erpfting (von Landsberg vikariert), Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Herrschaft Igling unter den Freiherrn von Donnersberg mit Präsentationsrecht auf die Pfarrei

Patrozinium: Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter Gottes »Maria Eich«

Zum Bauwerk: 1696/97 wurde die hölzerne Wallfahrtskapelle außerhalb des Ortes durch einen Steinbau ersetzt. Baumeister war Johann Schmuzer. 1762 wurden Dekoration und Einrichtung der Kapelle unter Pfarrer Joachim Anton Köhler (1737–67) erneuert. – Einfacher Saalbau mit segmentförmiger Apsis

Autor und Entstehungszeit: Signatur am SO-Rand von A: J. BAPTISTA BADER. PINX / ANNO 1762 (Johann Baptist Baader aus Lechmühlen)

Befund

Träger der Deckenmalerei: Flachtonne mit Stichkappen Rahmen: A, Ai imitierte Rahmenprofile, von Rocaillen überspielt

Technik: Fresko: polychrom

Maße: A Höhe 8,30 m; 8,50 × 4,25

Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1920 durch F. Reinhardt restauriert. A weist gekittete Scheitelrisse auf und – in der östlichen Partie – geringfügige Feuchtigkeitsschäden. In Ai ist die bildliche Darstellung durch Feuchtigkeitsschäden sehr entstellt

Beschreibung

Das Stichkappengewölbe und z. T. auch die Wände der

 
A Judith in Bethulia

Kapelle sind vom Freskanten dekoriert worden. Das große über die ganze Länge des Raumes ausgedehnte Hauptbild wird flankiert von vier Rundmedaillons in den Stichkappen, welche illusionistische Einblicke in lichte Tambourkuppeln wiedergeben. Zarte Blumenranken und Muschelrocaillen schmiegen sich an den scharf profilierten Bilderrahmen. Diese Dekorationselemente finden sich in späteren Fresken Baaders, in Jedelstetten und Issing wieder.

A JUDITH IN BETHULIA Das Freskobild ist einansichtig in das Längsfeld komponiert. Der Betrachterstandpunkt liegt unterhalb der Mitte der westlichen Freskohälfte – unterhalb der Gestalt Gottvaters. Auf der hohen Freitreppe eines Palastes steht Judith und zeigt mit erhobenem Arm den Bewohnern Bethulias den Kopf des erschlagenen Holofernes. Demütig steht ihre Magd neben ihr, in den Händen den Sack, in welchem der Kopf geborgen war. Die Obersten der Stadt, Jünglinge und Knaben drängen sich, Judith zu schauen, unter dem Altan des Palastes rechts im Bild. Links ein wenig unterhalb von Judith kniet der Befehlshaber der Stadt auf den Stufen nieder und hebt ehrerbietig die Rechte zum Gruß. Ihm folgen Soldaten, bereits zum Kampf gerüstet. Am Fuße der Treppe knien Älteste der Stadt und eine Mutter mit ihren Kindern und weisen zu Judith empor. Rechts von ihnen schwingt sich ein Soldat über den Rahmen des Freskobildes, er blickt auf die Gemeinde herab und zeigt mit erhobener Rechten auf Judith. – Über den Köpfen der Bürger Bethulias, gegenüber dem Altan, werden ein Befestigungsturm der Stadt und ein prächtiger Rundbau sichtbar. Hoch über dieser Szene thront Gottvater auf der Weltkugel, anbetende Engel fliegen zu seinen Seiten.

Die Bildkomposition hebt Judiths aufrechte, über den steil ansteigenden Stufen der Freitreppe wie eine Säulenfigur aufragende Gestalt stark hervor. Der Kopf des Holofernes in ihrer Hand hat einen betonten Platz hoch über dem Befestigungsturm im Hintergrund. Judith nimmt die Spitze eines Dreiecks, gebildet aus den drei von vorn gezeigten, betonten Figuren (Judith, Befehlshaber, Soldat am Rahmen) ein. Gottvater und die Engel sind innerhalb der westlichen Bildhälfte in eine Diagonale eingeordnet, die der senkrecht-steilen Komposition der Judithszene entgegenwirkt.

Gegenüber den dunkeltonigen Fresken von 1758–59 in der Johanneskirche zu Wessobrunn (s. LKr. Weilheim-Schongau) zeigt die Erpftinger Deckenmalerei (1762) sehr lichte, transparente Farben. Im Vergleich zu den früheren Fresken in Osterzell (Schw. LKr. Ostallgäu), 1751, und in Wessobrunn wirkt der Erpftinger Architekturaufbau durch die veränderte Farbigkeit sowie eine weniger gedrängte Zusammenstellung der Formen leichter; er ist zugleich perspektivisch kühner in Szene gesetzt. Hier wie in der Angerkapelle in Weilheim (1761) und in Türkenfeld (1765, OB LKr. Fürstenfeldbruck), die dasselbe Thema in sehr ähnlicher Form behandeln, verwendet Baader das Fresko Luca Giordanos in der Certosa di San Martino, Neapel, als Vorlage (Simon). Figurale Einzelheiten entsprechen ganz den früheren Fresken: Judith zeigt den Typus der Salome in der Enthauptungsszene in Wessobrunn, dort findet sich auch völlig gleichartig der volutenbesetzte Sockel mit einem Pflanzentopf. – Etwas unbeholfen in dieser sonst sicher komponierten Szene sind die Figuren der Bewohner und Soldaten Bethulias zu seiten des Hauptmannes gruppiert. Auch die himmlische Gruppe ist nicht so überzeugend: Sie weist der Judithgruppe gegenüber weniger strahlende Lichtfarben auf. Besonders die Figuren der Engel sind im Verhältnis zu der starken Untersicht der irdischen Szene zu wenig verkürzt und wirken in der Zeichnung der Gewänder und der Flügel etwas pedantisch.

 

A1 Über der Orgelempore befindet sich in A1 eine Öffnung für das Glockenseil, um diese hat Baader einen am Seil hängenden und dieses ziehenden Buben gemalt - ein illusionistischer Spaß des Malers. Keine Abbildung.

Ergänzungen zur Ikonographie: Dargestellt ist eine Szene aus der Geschichte Judiths (Judith 8-14). Gott hat die von den Assyrern belagerte Stadt Bethulia durch die Heldentat Judiths errettet. Judith zeigt ihren Mitbürgern den abgeschlagenen Kopf des Oberbefehlshabers der Assyrer und weist die kriegstüchtigen Männer an, nun zur Vertreibung der Feinde auszuziehen. In der alttestamentlichen Szene ist Gott in einer Person, der Gottvaters, wiedergegeben; Christus und die Geistestaube fehlen ebenso wie Maria, auf welche Judith typologisch bezogen wird. Maria und Christus sind im Gnadenbild der Kapelle, der Schmerzensmutter unter dem Kreuz, dargestellt. - Vier Symbole in den Stichkappen über den Fenstern sind auf Christus bezogen, sie stehen zu den Fresken in keinem ikonographischen Zusammenhang; sie stammen aus neuerer Zeit, vermutlich von der Restaurierung im Jahre 1920.

Quellen und Literatur

KDB I OB (1), S. 494 und 528

[Schober, Johann Jakob], Die Pfarrherren im Bezirke. Erpfting, in: Landsberger Geschichtsblätter 9, 1910, Nr. 1–3. S. 3 ff.

Steichele-Schröder, Bd 8 (1932), S. 179 f.

Fuchs, Adolf, Johann Baptist Baader, der Lechhansl, Kauf beuren 1959, S. 29.

Dehio-Gall OB (1964), S. 299

Müller-Hahl, Bernhard (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966 S. 476.

Simon, Adelheid, Die Fresken des Johann Baptist Baader ungedr. Diss. München 1972.