Eresing, Pfarrkirche St. Ulrich
Pfarrkirche (von Kloster St. Ottilien vikariert), Diözese Augsburg; z. Z. der Ausmalung Hofmark Windach unter den Freiherren Füll von Windach, die das Präsentationsrecht auf die Pfarrei innehatten
Patrozinium: St. Ulrich
Zum Bauwerk: An der spätgotischen Anlage von 1488 wurde 1618 das Langhaus erweitert, 1756/57 der gesamte Bau durch Dominikus Zimmermann umgebaut, dabei vergrößert und erhöht. - Langgestreckter Saalbau und eingezogener AR mit 3/8-Schluß
Auftraggeber: Familie der Freiherren von Füll auf Windach (Allianzwappen der von Füll am Chorbogen); der Initiator der Neugestaltung von 1756/57 war Pfarrer Franz Joseph Zwinck von Eresing (1743–61; Porträt in Fresko D).
Autor und Entstehungszeit: Signatur in D: Martin Kuen de Weißenhorn pinxit anno 1756, in B: Martin Kuen Weißenhorn pinxit anno 1757., und in C, am Halsband des Hundes, das Monogramm M K. Nach den Kirchenrechnungen erhielt Kuen 1756 100 fl. nebst 11/2 Wochen Kost für ihn und einen Gesellen, im Jahre 1757 nochmals 425 fl. (Schmidt, Neu).
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs Flachdecke mit Hohlkehle AR Flachtonne
Rahmen: A, B, C, D Stuckprofile mit Goldverzierungen. von Rocaillen überspielt, B1–4, D1–2 Rocaillekartuschen Technik: Fresko; A-D polychrom, B1-4, D1-2 monochrom
Maße: A Höhe 9,20 m; 3,70 × 5,20
B Höhe 9,20 m: 13,10 × 6,60
C Höhe 9,20 m; 3,70 × 5,20
D Höhe 8,30 m; 5,40 × 5,80
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Bei einer Restaurierung im 19. Jh. wurden u. a. die Langhauskartuscher
übermalt und Decke und Wände mit Musterungen versehen; 1938 Renovierung durch Kohle, 1969 durch N. Fischer. Bis auf geringfügige Übermalungen (Divina Providentia in B) ist der Zustand der Bilder gut.
Beschreibung
A ÜBERREICHUNG DES BRUDERSCHAFTSSKAPULIERS Zentrales Motiv der einansichtigen Szene ist ein steinerner Altartisch auf einem Stufenpodest, zu dem sich Maria mit dem Jesusknaben in der himmlischen Glorie auf Wolken thronend hinabgelassen hat. Sie reicht dem Begründer der Karmeliterbruderschaften, Simon Stock, das Skapulier, dieser streckt, demütig kniend, ihr beide Hände entgegen. Die Himmelsglorie Mariens ist mit ihren Wolken ganz in den Kirchenraum eingedrungen, letzterer wird in der linken Bildhälfte mit einzelnen architektonischen Elementen angedeutet: in die Bildszene einführend, eine Säule mit einem gerafften Vorhang am Rand des als Bildbühne dienenden flachen Mauerbogens sowie eine Balustrade, ein kassettierter Bogen und ein Wandgebälk als Abschluß des Bildraumes.
Schwebende Putti tragen hier zwei weitere Skapuliere in den Kirchenraum hinein. – Vor der Marienszene, rechts im Bild, schwebt ein Engel mit dem Rücken zum Betrachter von unten her auf. Während er mit der Linken zum Altar hochweist, faßt er mit der Rechten den Arm einer Armen Seele, welche nackt, nur mit Kopf und Schultern sichtbar, neben zwei weiteren Armen Seelen im Fegfeuer rechts zur Seite des Engels dargestellt ist. Dunkeltonige Wolken ziehen hinter dem Engel um die Fegfeuerflammen herum zum Altar und vereinigen sich mit den himmlischen Wolken; Himmel, Kirche und Fegfeuer werden auf diese Weise in einer Szene zusammengerückt. - Die Bedeutung des Altares wird durch die Inschrift AL/TA/RE PR (I)/VI/LEGI ATUM in einem Buch mit Siegel, welches von zwei Putti auf den Stufen des Altares präsentiert wird, eigens hervorgehoben.
Die Szene ist farbig auf rötliche Brauntöne abgestimmt.


Gebrochene Rottöne von Rosa bis Braun und bräunlich verschattetes Gelb sind die bestimmenden Farben. Das Weiß in den Lichtstrahlen, den lichten Wolken und das weiß gebrochene Blau des Mariengewandes heben das Himmelszentrum hervor. Die Grenzen des Bildraumes, Säule, Fegfeuerengel, äußere Wolken sind dunkeltonig abgesetzt.
B SCHLACHT AUF DEM LECHFELD Das langgestreckte Fresko mit Betrachtungsstandpunkt unter dem westlichen Bilddrittel zeigt in der westlichen Hälfte eine Himmelsglorie, in der östlichen eine in drei Stufen übereinander gestaffelte terrestrische Zone. Am nördlichen Rand ragt über dieser eine Stadt mit Mauern und Türmen auf; korrespondierend steht ein baumbewachsenes Erdstück felsartig steil am südlichen Rand. - Das Fresko weist eine ausgeprägte Untersichtsperspektive auf. Am kühnsten konzipiert sind die Figuren an den Schmalseiten des Freskos, dort scheinen sich ein springendes Pferd mit Reiter am östlichen und ein Engel am westlichen Rand in den Raum des Betrachters hinabzubewegen, während die übrigen Figuren vom Betrachter distanziert in einem eigenen Bildraum dargestellt sind.
Die Bildwelt baut sich vom Freskorahmen aus über den Betrachter auf. Den Rahmen entlang erscheinen die dem Betrachter nächsten Zonen in intensiven dunklen Farben, darauf folgen kontrastreich in Licht und Schatten wechselnde Farben im zweiten terrestrischen Plan, lichte Farben im dritten und schließlich helle ineinander übergehende Lichttöne im Himmelszentrum. Die Aufhellung der Palette bewirkt im Zusammenspiel mit den Formen die Höhenillusion. Die Farbskala geht von Schwarzgrau und Ocker mit kräftigem Blau, Rot und Gelb als Farbakzenter über zu Gelb- und Weißtönen mit zartem Violett, gedämpftem Rot und Türkis.
Das Himmelszentrum mit der strahlenden Sonnenscheibe wird von dichten Wolken umkreist. Ein Wolkenausläufer schiebt sich vor die Sonnenscheibe, auf diesem hat Divina Providentia ihre Thronstätte; sie stützt ihr Zepter mit dem Auge Gottes im Dreieck auf die Weltkugel und hebt zum Zeichen des Sieges einen Lorbeerzweig empor; ihre Mantelschleppe wird von Putti weit ausgebreitet. Engel im Wolkenkreis umfliegen die Göttliche Vorsehung. Eine Gruppe von Engeln gleitet mit einer Wolke zum irdischen Schauplatz hinab, dort findet die Reiterschlacht zwischen Christen und Ungarn statt. Von der Stadt her sprengen der hl. Ulrich im Bischofsornat mit wehendem, violettem





Pluviale und König Otto I. in blanker Rüstung mit Purpurmantel und Degen auf Schimmeln an der Spitze ihrer Heerschar heran und treiben die berittenen Ungarn, gekennzeichnet durch türkische Tracht und Waffen, in die Flucht. Ein Engel neigt sich vom Himmel zum hl. Ulrich hinab und reicht ihm das Siegeskreuz, ein Pektorale. Das gleiche Kreuz und die Worte IN HOC SIGNO / UINCES zeigt eine Fahne, die ein Engel am westlichen Wolkenrand schwingt. - Im mittleren Landschaftsplan prallen die feindlichen Heere aufeinander, die Christen in metallener Rüstung schlagen mit Schwertern im Nahkampf auf
ihre heidnischen Gegner mit Säbeln ein; unten bäumt sich das Pferd eines Ungarn über einem gestürzten Pferd und gefallenen Reitern auf.
B1-4 KARDINALTUGENDEN Die Begleitfresken zeigen die auf Wolken thronenden Personifikationen der vier Kardinaltugenden mit den üblichen Attributen: mit einem von einer Schlange (Mt 10,16) umwundenen Spiegel in der Hand Prudentia (B1); Justitia (B2), gekrönt, mit verbundenen Augen, Schwert und Waagschalen haltend mit Brustpanzer, Helm, Schild und Speer auf einer Säulentrommel sitzend Fortitudo (B3); Temperantia (B4) mit einem Schalengefäß und einem Zaum in den Händen.

C MAHL DER HLL. BISCHOFE ULRICH UND KONRAD Über dem östlichen Freskorahmen erhebt sich ein steinernes Bühnenpodest mit einer Mahltafel, zu welcher rechts eine Seitentreppe vor der Rampe hinaufführt. Zwei Säulen auf hohen Sockeln mit einem bauschig drapierten Vorhang geben den Rahmen für die Mahlszene; sie sind den Stirnseiten von zwei Längswänden vorgeblendet und bilden zusammen mit zwei Rundbögen rechts und links außen den bühnenmäßigen vorderen Aufbau eines dreigeteilten tiefen Innenraumes. Ein die Treppe hinansteigender, prächtig orange-violett gekleideter aufwartender Diener führt in die Mahlszene ein. Der festlich mit Brokat und Linnen bedeckte, kerzenbeleuchtete runde Tisch steht am Rande der Rampe auf den weichen Falten eines Teppichs. Bischof Konrad von Konstanz und Bischof Ulrich von Augsburg, angetan mit violetten Soutanen, sitzen beim Nachtmahl. Von der Treppe her ist ein Bote des bayerischen Herzogs in gelbseidenem Rock, mit Reichsadler und Lanze als Abzeichen, zu Bischof Ulrich herangetreten. Der Bischof hat einen versiegelten Brief in Empfang genommen und reicht dem Boten eine Scheibe Fleisch zur Stärkung auf den Weg.
Den Bischöfen gegenüber sitzt ein weltlicher Gast in karminrotem Rock, dem Betrachter den Rücken zuwendend. Hinter dem Gast werden zwei weitere aufwartende Diener sichtbar. Blinkende Reihen von Zinntellern auf einer mit rotem Tuch bedeckten Anrichte links im Bild geben den Abschluß der Tafelszene.
Die Häupter der Bischöfe werden von dem Bogen einer Nische in der hinteren Breitwand überspannt. Dieser Bogen wie auch ein Kerzenlüster und eine mit Ziergittern versehene Rundöffnung an der Decke lassen den lichten Raum als festliche Krönung der Mahlszene erscheinen. Die Tafel, die sich eigentlich vor diesem Raum, nämlich vor den Säulen, befindet, ist durch diese Komposition und die lichte Farbigkeit in den Raum eingebunden.
Die Innenraumszene wird farblich vom (Kerzen-)Licht her bestimmt. Es geht von der Mahltafel aus, läßt die Bischöfe in hellstem Licht erscheinen und erfüllt den mittleren Raum in seiner ganzen Tiefe. Der Farbklang von hellem, gebrochenem Violett und Grüntönen mit wenig Weiß und Blau ist für das lichte Zentrum charakteristisch. In der Zone der Bühnenrampe stehen verschattetes Rot und Grün mit den Weißtönen von Zinntellern und Linnentuch in der linken Bildhälfte gegen das im Licht aufleuchtende satte Gelb und Orange rechts. Rampe und Treppenwange bilden den dunklen violett-grauen Grund für die intensiven Farben. Der geraffte Vorhang enthält die Hauptfarben des Freskos — mit mehr Blau als Violett — in changierenden Tönen. Die farbige Gestaltung trennt deutlich die dunklere Rampenzone von der lichten Bühnenszenerie.
D PFARRER ZWINCK EMPFIEHLT SEINE GE- MEINDE DER FÜRBITTE DER HEILIGEN Der Betrachtungsstandpunkt für das einansichtige Fresko D liegt unterhalb der Mitte des westlichen Freskorahmens. Vom gleichen Standpunkt sind auch die beiden Seitenfresken D1-2, welche vom Hauptfresko nur durch einen Rocaillesteg getrennt sind, zu betrachten. - Die Komposition scheidet das Bild in zwei Zonen. Der Himmel nimmt fast zwei Drittel des querformatigen Freskos ein. Die Heiligen auf den Wolkenrängen sind großfigurig und wenig verkürzt wiedergegeben; die Menschen des irdischen Schauplatzes hingegen werden in ausgeprägter Untersicht gezeigt, so daß nur das Bühnenpodest mit den Figuren direkt über dem Freskorahmen richtig zur Anschauung kommt, während die Architekturkulissen und Figuren dahinter wegzukippen scheinen.
In der himmlischen Zone thront in einem Lichtkreis Gottvater, hinterfangen von einem lichten Dreieck. Die linke Hand auf den Erdball gestützt, beugt er sich vor, um mit der erhobenen Rechten Blitze der Strafe auf die Menschen herabzuschleudern. Eine Wolkenbank unterhalb Gottvaters senkt sich im Bogen nach links herab. Auf diese strebt Maria auf Gottvater zu und hält ihm mit der Linken das Skapulier beschwichtigend entgegen, während sie mit der Rechten auf die Bruderschaft von Eresing weist. Maria ist ausgezeichnet mit den apokalyptischen Zeichen, Sternengloriole und Mondsichel; ihr blauer Mantel wird von einem Putto getragen. Maria zur Seite sitzt Joseph, eine Lilie in der Hand tragend. Hinter Maria wendet sich Barbara, den Hostienkelch auf den Turm gestützt, einer zweiten Martyrerin mit Palmzweig zu. Auf einem tieferen Wolkenrang links lagern die Eltern Mariens, Joachim mit Buch und Hirtenschippe wendet sich Anna zu, welche ihm ein aufgeschlagenes Buch zeigt. Über ihnen wird der hl. Franziskus sichtbar, in der Mönchskutte mit einem kleinen roten Kreuz über dem Stigma seiner Rechten. - Auf der rechten Bildseite zieht sich ein breiter Wolkenring mit Heiligen um die Glorie Gottvaters. Eine Gruppe fürbittender Bischöfe findet hier ihren Platz, ganz vorne streckt Bischof Ulrich Gottvater die Heilig-Blut-Monstranz mit dem Bild des Schmerzensmannes entgegen, seine bittende Gebärde entspricht ganz derjenigen Mariens. Putti tragen seine Attribute, Bischofsmütze, Buch und Fisch. Weiter hinten werden Bischof Konrad mit dem Kelch neben Nikolaus von Tolentino mit einem Stern auf der Brust und einer Lilie in der Hand sichtbar, über dieser Gruppe noch Johann Nepomuk im Schweigegestus, Sebastian mit Pfeilen und ein Heiliger mit Pilgerstab, vielleicht der hl. Pesthelfer Rochus.
Der Heiligenhimmel senkt sich mit einem schweifartigen Wolkenbogen zum irdischen Schauplatz hinab. Dort steht auf einem Stufenpodest vor einem Torbau Pfarrer Zwinck im Chorrock mit Stola inmitten seiner Eresinger Gemeinde und Bruderschaft und empfiehlt diese mit ausgebreiteten Armen den Heiligen. Ein Gemeindemitglied hat den Ortsplan von Eresing entrollt, die anderen knien im Gebet um den Pfarrer. Rechts im Bild taucht das entfernte Eresing mit seiner Kirche in einer Häusergruppe auf. Von dort her kommen drei Männer mit einem Pferd, der vordere wendet sich zum Himmel, seine Gebärde gleicht jener des Pfarrers.
D1-2 GEBET UND BUSSE An den Schmalseiten des Freskos D setzt sich die Malerei jenseits des Stuckrahmens in zwei dem Umriß des Hauptfreskos angefügten Darstellungen fort. Die Wolken scheinen vom Himmel des mittleren Bildes her unter dem Stuckrahmen hindurch zu den beiden Frauengestalten in die Nebenfresken einzudringen. Letztere sind auf einem Podest an einem Betpult vor einer goldfarbenen Trennwand dargestellt. Die Podeste fußen auf dem nördlichen bzw. südlichen Freskorand, stehen also nahezu im rechten Winkel zu dem Stufenpodest des Hauptfreskos. Die Figuren sind jedoch nach O hin gerichtet und wenig verkürzt, so daß sie gut zusammen mit den Figuren des Hauptfreskos erfaßt werden können. Es sind allegorische Darstellungen der Andacht, des Gebetes und der reuevollen Buße. D1 zeigt die Personifikation des Gebetes in langem Gewand mit Kopfschleier, die Hände mit einem Gebetbuch vor der Brust gekreuzt. Flammen über der Stirn und vor der Brust (= Herz) sowie die flammenden Herzen in einer Schale auf dem Betpult versinnbildlichen Inbrunst und Hingabe an Gott im Gebet, ebenso wie das Weihrauchfaß die Aufopferung im Gebet bedeutet. Die Personifikation der Buße in D2 geißelt ihre Schulter, den Blick auf den Kruzifixus vor dem Betpult gerichtet. Die von den Stufen herabfallenden Spielkarten und eine Maske deuten auf das durch die Reue überwundene eitle Tun des Menschen (vgl. Ripas Personifikationen oratione und penitenza).



Ikonographie
Das Freskoprogramm ist dem Patrozinium der Pfarrkirche und der Skapulierbruderschaft der Gemeinde von Eresing gewidmet. Die Ulrichsfresken zeigen die zwei bekanntesten Szenen der Ulrichsviten; in B: die wunderbare Überreichung eines Siegeskreuzes an Bischof Ulrich von Augsburg, welcher bei der historischen Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 vor dem Eintreffen König Ottos I. mit seinem Entsatzheer die Augsburg bedrängenden Ungarn mit der Bürgerwehr von der Stadt ferngehalten hat. Als Sieges- oder Ulrichskreuz wird ein Pektorale, eine Reliquie des Heiligen in St. Ulrich und Afra zu Augsburg bezeichnet. – Durch das Zitat IN HOC SIGNO VINCES wird die Szene in Beziehung zur Schlacht Konstantins an der Milvischen Brücke (312) gesetzt. – In C ist die erst seit der Mitte des 15. Jh. verbreitete Fischlegende dargestellt: Bischof Konrad von Konstanz und Bischof Ulrich von Augsburg sitzen in einer Nacht vom Donnerstag zum Freitag ins Gespräch vertieft beim Mahle. Zu vorgerückter Stunde, es ist bereits Freitag, trifft der Bote des bayerischen Herzogs ein und erhält für den überbrachten Brief ein Stück Fleisch als Stärkung. Der Bote will den Bischof beim Herzog wegen Übertretung des Freitagsspeisegebotes anzeigen, doch findet er das Beweisstück, das Fleisch, wunderbarerweise in Fisch verwandelt. – Die Stuckdekoration im Gewölbefeld von B nimmt auf das Ulrichsthema Bezug, es finden sich dort Trophäen der Ungarnschlacht; Ulrichskreuz und Fisch als die spezifischen Attribute, Mitra und Krummstab als die generellen Attribute des Heiligen. – Das Hochaltarblatt zeigt eine weitere legendäre Begebenheit, die sog. Ulrichsmesse: dem Heiligen erscheint beim Meßopfer eine Hand vom Himmel. (Ulrichs Viten, vgl. AASS Julii, Tomus 2, 4. 7., S. 97 ff.; Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 12–14; LThk 2Bd 10, Sp. 454 ff.)
Die Fresken A und D beziehen sich auf die karmelitanische Marienverehrung. Im Fresko A über der Orgel ist der hl. Karmelitergeneral Simon Stock wiedergegeben, welcher 1251 zu Cambridge in einer Vision von Maria das Skapulier als Zeichen des Heiles empfängt. Die Inschrift ALTARE PR(I)VILEGIATUM weist auf die Gnadenwirkung des karmelitanischen Fürbittgebetes für die Armen Seelen im Fegefeuer hin; Eresing ist in der Nachfolge des Simon Stock in der Marienverehrung als Gnadenstätte privilegiert. – Das Fresko D im Altarraum zeigt die unheilabwendende Wirkung des Skapuliers und der in Eresing verehrten Heilig-Blut-Reliquie in der Monstranz in Händen Ulrichs von Augsburg, die Strafesblitze Gottes treffen die gläubige, Gott empfohlene Bruderschaft, welcher Pfarrer Zwinck vorsteht, nicht. – Die Skapulierbruderschaft wurde in Eresing durch Wilhelm Rupert Füll von Windach 1653 eingeführt, es besteht in Eresing eine eigene Bruderschaftskapelle. – In dieser Darstellung mit zeitgenössischen Personen empfiehlt sich die Gemeinde von 1756 ihren Schutzpatronen im Himmel, zugleich interpretiert das Fresko zusammen mit den Begleitfresken Gebet und Buße und der Darstellung des Bruderschafts-Altares die religiöse Bestimmung des Eresinger Gotteshauses. In der Darstellung sind Bruderschafts- und Ulrichskult miteinander verknüpft.
Quellen und Literatur
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 386 Baader, N., Geschichte der Hofmark Windach, in: OAVG 47, 1891/92, S. 154. KDB I OB (1), S. 527 f. Rüber, Eduard, Die Malerfamilie Kuen von Weißenhorn, in: Das Schwäbische Museum, Heft 3, 1925, S. 65–82. Kraetzer, Edgar Werner, Franz Martin Kuen. Ein schwäbischer Rokokomaler des 18. Jh., ungedruckte Diss. Würzburg 1928, S. 43–44. Schmidt, Hermann, Eresing bei Landsberg. Eine neu entdeckte Dominikus-Zimmermann-Kirche (= KKF Nr. 81), München 1935. -, Die Pfarrkirche von Eresing, in: Landsberger Geschichtsblätter 32, 1935, Nr. 9/10. -, Die Pfarrkirche zu Eresing, in: Der Zwiebelturm 1, 1956, S. 88 f. (Baubeschreibung nach den Angaben in den Kirchenbüchern 1754–65). Dehio-Gall OB (1964), S. 135 f. Müller-Hahl, Bernhard, (Hg.), Heimatbuch Stadt- und Landkreis Landsberg am Lech, Aßling-München 1966, S. 321, 461 ff. Neu, Wilhelm, Die Rechnungen der Pfarrkirche St. Ulrich in Eresing (1646–1804), in: Lechisarland 1969, S. 147–165.
