Burghausen, ehem. Jesuitenkolleg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 9: Landkreis Altötting. Hirmer, München 2003, ISBN 978-3-7774-9690-0, S. 43, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

BURGHAUSEN

Bistum Passau z.Z. der Ausmalung Erzbistum Salzburg, Archidiakonat Baumburg Ehem. Sitz des Rentamts Burghausen

Ehem. Jesuitenkolleg Große Aula Kleine Aula S. 63

Institut der Englischen Fräulein Institutskirche Hl. Schutzengel S. 70

Zur Geschichte: Auf dem Burgberg an der Salzach befand sich schon im frühen Mittelalter ein Königshof, den im 12. Jh. die Grafen von Burghausen aus dem Geschlecht der Aribonen besaßen. 1164 kam die Burg an Heinrich den Löwen, 1180 an die Wittelsbacher. Ausbau der Burg vom 13. bis zum 15. Jh. zur heutigen Größe. Zwischen Burgberg und Salzach entwickelte sich eine bedeutende Siedlung, reich wegen der Salzmaut am Flußübergang. Vom 15. bis 18. Jh. war Burghausen eine der fünf Hauptstädte Kurbayerns. Im 17. Jh. kamen die

Jesuiten nach Burghausen, bald nach ihnen als weiblichen Erziehungsorden die Englischen Fräulein, dann die Kapuziner. Ihre Gebäude und Kirchen bestimmten mit der großer gotischen Pfarrkirche, dem Rathaus und dem kurfürstlicher Regierungsgebäude das Stadtbild. Als mit dem Teschener Frieden 1779 das Innviertel an Österreich kam, verlor Burghauser sein Hinterland und wurde zur Grenzstadt. 1809 wurde Burghausen - unter Verlust des Regierungssitzes - zur Hauptstad des Salzachkreises, der 1817 im Unterdonaukreis aufging.

Ehemaliges Jesuitenkolleg heute Kurfürst-Maximilian-Gymnasiun

Im Kollegbau befand sich 1629-81 das Lyzeum der Jesuiten. Als die Gesellschaft Jesu 1773 in Bayern aufgehoben wurde, kam der Bau an die Malteser, die 1808 aufgelöst wurden. 1829 Wiedereröffnung einer Lateinschule, die 1872-75 zum Humanistischen Gymnasium ausgebaut wurde; dieses wurde 1965 nach dem Stifter des Jesuitenkollegs benannt, Maximilian I. Kurfürst von Bayern.

Zum Bauwerk: 1629 Gründung der Jesuiten in Burghausen durch Kurfürst Maximilian. Grundsteinlegung des Kollegs 1.5. 1630 zu Ehren des hl. Ignatius, des Gymnasiums zu Ehren des hl. Franz Xaver und der Kirche St. Joseph. Der durch das Hochwasser von 1661 beschädigte Lyzeumsbau wurde 1662-64 durch einen Neubau im Renaissancestil ersetzt. Baumeister war Marx Schinnagl aus München. 1961-63 nördlicher Anbau von Klassenzimmern und Treppenhaus sowie bauliche Verbindung von Kirche und Kollegbau durch Erweiterungshauten, 1974 Verlängerung des Kolleghaus nach N

Das ehemalige Jesuitenkolleg liegt am nördlichen Ende der Altstadt; z.Z. der Ausmalung lag es noch vor der Stadt hinter dem (heute abgebrochenen) Zaglautor. Der Kollegbau erstreckt sich von S nach N entlang der Salzach (nördlich davon freistehend die Studienkirche St. Joseph). Kastenförmiger Bau zu 16×3 Achsen. Über drei gleich hohen Geschossen liegt noch ein Zwischengeschoß mit Okulus-Fenstern. An der Südseite hohes Giebeldach, das in einem Glockentürmchen gipfelt. Eingangsportal an der Mitte der Westseite. Die sog. Große Aula erstreckt sich über das zweite und das Dachgeschoß im südlichen Bereich des Baus. Die sog. Kleine Aula

liegt im Erdgeschoß an der Salzachseite gegenüber dem Portal und reicht, von S gezählt, von der dritten bis zur achten Achse