Alzgern, ehem. Beinhaus


Aufbewahrungsort der Gebeine aus den aufgelassenen Gräbern, darunter ursprünglich viele bemalte Schädel; 1949/50 profaniert
Zum Bauwerk: Der spätgotische Bau aus dem 15. Jh. wurde um 1780/90 baulich verändert und mit Fresken ausgestattet. 1949/50 Umbau zu einem Gemeinderaum: Auf der N-Seite, an der früher die Gebeine aufgeschichtet waren, wurden drei Fenster ausgebrochen und nach O eine Tür in einen neugebauten einjochigen Vorraum.

Rechteckiger, dreijochiger Raum (6,44×4,70 m). Eingang von Südosten. Drei Fensterachsen. An der Südseite eine gemalte Sonnenuhr.
Auftraggeber: Pfarrer Johann Baptist Adam Knodt (1758-1794)
Autor und Entstehungszeit: Zuschreibung an Franz Joseph Soll (* 1734 Friedingen/Donau, † 1798 Trostberg; s. S. 244) um 1788/90
Die Ausmalung des Beinhauses gilt von jeher als ein Werk Franz Joseph Solls, der 1788 die Fresken in der Pfarrkirche signiert hat. Sie zeigen eindeutig seinen Stil. Im Gegensatz zu den Fresken in der Pfarrkirche ist die Deckendekoration in reinem Zopfstil gehalten. Daraus läßt sich eine etwas spätere Datierung ableiten.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Tonne mit Stichkappen Rahmen: Gemalte Rahmung; A vergoldet, 1–4, a–b gemalte Stuckkartuschen
Technik: Fresko; A, 1–4 polychrom, a–d monochrom grau grün

Maße: A Höhe 3,15 m; 2,20×2,00 1–4 Höhe 3,15 m; 1,10×1,00 a–d Höhe 3,15 m; 0,60×0,55
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Signatur unterhalb von Fresko 3: Die Bilder wurden am 30. März 1875/1989 renoviert. Restaurator von 1989 war Fritz Riedel, Marktl/Inn. Bei dieser Restaurierung wurde die Brokatmalerei freigelegt. Die Malereien sind in ausgezeichnetem Zustand.
Beschreibung und Ikonographie
Das Gewölbe der Kapelle ist vollkommen ausgemalt. Auf violetten Grund, der bis zu den Gewölbekonsolen herunterreicht, sind ein kreisrundes Mittelfresko (A) in goldenem Rahmen und zweimal vier imitierte Stuckkartuschen gesetzt: die vier inneren (1–4) in den Zwickeln, die vier äußeren kleineren (a–d) in den halben Zwickeln. Blickrichtung nach N. Das Programm beschäftigt sich mit Sünde und Tod, mit der Eitelkeit der Welt und der Sehnsucht nach dem Jenseits.
A DER SÜNDENFALL »An welchem Tag du von der Frucht des / Baumes eßen wirst, so mußt du des Todes sterben / Gene 12 Cap.« (Gen 1,17). Eine baumbestandene Landschaft stellt das Paradies dar. In der Mitte ragt der Baum der Erkenntnis auf, voll mit Früchten. Eva pflückt einen Apfel – Adam macht eine abwehrende Geste. Hinter einem Laubengang lugt ein Gerippe hervor, zu seinen Füßen eine Sense.


der Andacht. Auf einem Altar bringt er seine Herrschaftsinsignien dar. Am Boden liegen Pauke und Trompete und eine Laute, Hinweis auf weltliche Freuden, daneben steht eine gefüllte Geldtruhe. Ein Totenkopf erinnert daran, daß die irdischen Freuden vergänglich sind.
3 DAS PARADIES Wir haben hier keine / bleibende Stätte, sondern wir / suchen die Zukünftige. / Paulus ad. Hebr 13 C.14 V. (Hebr 13,14). Eine im Strahlenkranz prangende Burgstadt stellt das Himmlische Jerusalem dar. Der Weg zu ihr geht steil bergauf. Das Falltor ist geöffnet und bereit, die Seele nach dem Tod in die ewige Heimat einzulassen






ALZGERN
Wasserquellen). Der Hirsch, der zu einem Wasserlauf eilt ist Bild für die Seele, die sich nach Gott sehnt.
d ITA DESSIDERUS / ANIMA MED / ET DOMINUM (Ita desiderium animae meae ad Dominum; So geht mein Verlangen nach Gott). Sonnenblume wendet sich der Sonne zu Die Sonnenblume, die ihre Blüte stets der Sonne zuwendet, ist ein häufiges verwendetes Bild für die Liebe zu Gott. Die Inschriften von c und d sind ein Vers aus Psalm 41,2.
An der O-Wand sind Reste eines Wandfreskos freigelegt worden, das aus dem 16. Jh. stammt. Es zeigt die Schutzmantelmadonna, die ihren Mantel ausbreitet, um die Menschen von den Zornespfeilen Christi abzuschirmen.
Quellen und Literatur
BHStA, GL 3049 Nr. 55 Gerichtsregistraturen Neuötting - Geistl. Rat 1767–1804.
BHStA, GL 3050 Nr. 60 Gerichtsregistraturen Neuötting - Geistl. Rat 1794-99: Verlassenschaft Pfarrer Knodt von Alzgern.
StAM, »Kürchenrechnungen des Kf. Probsteygerichts Altenötting pro Anno 1787«.
Pfarrarchiv Altötting, »Kürchenrechnungen des Kf. Probsteygerichts Altenötting pro Anno 1788« (und verschiedene andere Jahrgänge).
KDB I OB (8), S. 2414–16
Ferchl, Georg, Bayerische Behörden und Beamte, Müncher 1908, S. 725.
Fellermeier, Max, Alzgern. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. In Heimatland. Beilage zum Oettinger und Burghauser Anzeiger, hg. Von Max Fellermeier Jg. 6, 1955, S. 1-5, 9-16, 17-21. Handbuch des Bistums Passau, hg. vom Bischöflichen Ordinariat Passau, 1981, S. 348.
hio 1990, S. 36 f. (