Buchbach, Pfarrkirche St. Jakobus Maior


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 8: Landkreis Mühldorf am Inn. Hirmer, München 2002, ISBN 978-3-7774-9430-2, S. 64–78, geschrieben von Bauer-Wild, Anna und Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

BUCHBACH

Pfarrkirche (Pfarrverband Buchbach), Markt Buchbach, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung Erzdiözese Salzburg (bis 1806 bzw. 1817), Archidiakonat Gars. Zur großen Pfarrei Buchbach gehörten sieben Filialen, darunter Walkersaich (s.S. 274) und Wörth (s.S. 302). In Buchbach bestand eine Allerseelen-Bruderschaft (errichtet 1725). Der Markt Buchbach war im Besitz des Fürsterzbischofs von Salzburg (der auch das freie Besetzungsrecht auf die Pfarrei hatte) und wurde vom Salzburgischen Vogtgericht Mühldorf verwaltet. Gericht Neumarkt

Patrozinium: St. Jakobus Maior

Zum Bauwerk: Die gotische Kirche in Buchbach mit ihrer barocken Ausstattung wurde wie der größte Teil des Marktes Buchbach bei der großen Feuersbrunst am 25.5. 1762 ein Raub der Flammen (auf dem Entwurf Balthasar Mangs für das Hochaltarbild 1764 im AEM ist der Vorgängerbau dargestellt).

1763/65 entstand der barocke Neubau nach Plänen des Salzburger Hofbauverwalters Wolfgang Hagenauer unter Leitung des Kraiburger Gerichtsmaurermeisters Johann Michael Millinger. Grundsteinlegung am 23.5.1764.1765 konnte im Chor die Messe zelebriert werden, im Dezember 1766 war der Bau fertiggestellt, die Innenausstattung zog sich von 1767 bis 1779 hin. Weihe am 20. August 1775 durch den Salzburger Weihbischof Ferdinand Christoph Reichsgraf von Zeil und Trauchburg, Bischof von Chiemsee.

Schon im Dezember 1762 hatten die Maurermeister Anton Hechel aus Neuötting und Johann Michael Millinger aus Kraiburg Pläne vorgelegt, die beide einen Wiederaufbau auf den noch erhaltenen Grundmauern vorsahen. Nach intensiven Verhandlungen, zu denen der Salzburger Hofbauverwalter Wolfgang Hagenauer hinzugezogen wurde, und nach neu erlich eingereichten Plänen Hechels und Millingers setzte Hagenauer einen Neubau von viel stattlicherem Format durch mit der Begründung, die Mauern seien durch den drei Tage anhaltenden Brand nicht mehr sicher und der Unterschied der Kosten zwischen einem Wiederaufbau und einem Neubau sei unwesentlich. Hagenauer entwarf die Pläne für den Neubau. Um die Ausführung konkurrierten Hechel und Millinger. Hechel berief sich auf seinen gelungenen Neubau in Erharting. Man habe ihm Hoffnung gemacht, daß ihm »dieses Kirchengepäu umso gewisse anvertraut werden würde, als« er »auch vor etlichen Jahren das Glück gehabt, die Pfarr Kürchen zu Erhardting vom Grund aus aufzubauen und samt Altären und Kanzel umb einzige 5300 fl., welches dritten unglaub lich geschienen, in daurhaften und verhoffents keiner Austöllung unter worffenen Standt herzustöllen«. Er habe »mit dem Bau zu Erharting vollkommene Satisfaktion gelaistet«. Millinger dagegen pochte auf seine Salzburgische Herkunft; er sei »ein Salzburgisches Landtkind von Lofe gebohren«, habe sechzehnjährig seinen Vater, einen Maurermeister, verloren und auch dessen Stelle nicht bekommen, sodaß er gezwungen gewesen sei, sich in Bayern ansässig zu machen. Eine Empfehlung von Props Franz Berchtold von Gars (1762) besagte, »... daß oberwenter Müllinge bereits 12 Jahr lang als Markt- und Gerichtsmaurermeister ... und weger seiner guetten Wissenschafft dan dauerhafft fiehrenden Werk halber ber all herumbliegenden Herrschaftsschlössern Pfarrhof und anderen großer Gepäuen auch Clostern gleichwie hiesiges sowohl mit Reparierung al neuer Auffiehrung berimbtermaßen die Arbeith habe...«. Guido Josef Graf von Taufkirchen sagte in seiner Empfehlung für Millinger, daß dieser die Wallfahrtskirche von Fißlkling 1757 »über einen Sommer von Grund bis unter das Dach auf eine wohl ausgethailet proportioniert und verhoffens daurhaffte Arth zu vollständigem Contento durch fleißig Arheith hergestellet habe«.

Millinger setzte sich im Dezember 1763 gegen Hechel durch und führte den Neubau von Buchbach. Am 30.3.1764 reichte er eine detaillierte Rechnung über 10 293 fl. ein, am 12.12.1766 meldete er den Abschluß der Bauarbeiten. Um einen Teil seiner Bezahlung (580 fl. von insgesamt 3568 fl.) stritt Millinger noch 1767, wo er in einem Schreiben vom 8.8. ankündigte, daß er sich »auf nächstkommend hl. Michaeli anno dis mich in der Churfürstl. Bayr. Regierungsstadt Straubing als bürgerl. Maurermeister ... niederlasse« und sich 1768 als »gewester bürgerl. Maurermeister zu Krayburg, dermahlen aber in Straubing« bezeichnet.

Die Kosten von 15 784 Gulden (in der Abrechnung von 1767, großenteils ohne die Innenausstattung) übernahm zu einem Drittel das Kurbayerische Landgericht Neumarkt und zu zwei Dritteln das Erzstift Salzburg; Anleihen wurden von den Pfarreien und Bruderschaften im Erzstift genommen; die Hinterlassenschaft des 1763 verstorbenen Pfarrers Gissi half ebenfalls die Unkosten bestreiten. (Alle Unterlagen zitiert nach AEM, PfA Buchbach 1762-66; die Kirchenrechnungsauszüge sind bei Hofmann veröffentlicht, Quellenangaben aus dem Pfarrarchiv in: 200 Jahre Pfarrkirche Buchbach und in: 1200 Jahre Buchbach.)

Der Entscheidung für den Plan Wolfgang Hagenauers verdanken wir den stattlichsten barocken Neubau im Landkreis, einen Zentralbau, der schon stark vom Salzburger Frühklassizismus geprägt ist.

Bei der Planung der Ausstattung 1766/79 wirkte Hagenauer ebenfalls mit. Ausführende Künstler waren neben dem in Buchbach ansässigen Maler Balthasar Mang der Bildhauer Christian Jorhan d. Ä. aus Landshut für die figürlichen Arbeiten (568 fl.), der Schreiner Matthias Fackler aus Dorfen für die Schreinerarbeiten an Altären, Kanzel und Gestühl (881 fl.), als

 
Der Kirchenraum
 
 
 
Balthasar Mang, Entwurf zum ehemaligen Hochaltarblatt: Maria und Jakobus als Fürbitter und Patrone über der Ansicht des Marktes Buchbach, AEM

Marmorierer Franz Xaver Zellner aus Erding (2473 fl.) und mit Faß- und Vergolderarbeiten 1766-68 der Maler Johann Georg Rath aus Obertaufkirchen. Das Hochaltarblatt von dem Salzburger Maler Peter Anton Lorenzoni mit der Darstellung der hl. Walburga stiftete der Erzbischof (1000 fl.), der Sieben-Zufluchten-Altar die Familie von Mändl, Besitzer der in der Pfarrei Buchbach gelegenen Hofmark Steeg.

 
Anton Hechel, Längsriß zu einem Wiederaufbau auf den erhaltenen Grund mauern der Kirche, 1762/63, AEM

Zentralbau (19,70×18,80m) über quadratischem Grundriß mit abgeschrägten Ecken, nach O erweitert durch ein rechteckiges AR-Joch mit halbrundem Schluß (8,80×9,10 m), nach W durch eine Vorhalle mit darüberliegender Orgelempore, an die der Turm angrenzt. Der Vorchor wird flankiert von zwei Sakristeiräumen mit darüberliegenden Oratorien. Die zentrale Kuppel wird von acht eingezogenen Pfeilern mit vorgelegten Pilastern unter Ausbildung von sechs Kapellennischen getragen. Belichtung des Zentralraums durch je zwei Rundbogenfenster in der N- und S-Kapelle und durch kreisrunde Obergadenfenster in den diagonalen Kapellen, in den beider westlichen zusätzlich durch Rundbogenfenster; durch seitliche Fenster in dem östlichen und dem westlichen Vorjoch sowie durch zwei hohe Rundbogenfenster in der Apsis seitlich des Hochaltars

Auftraggeber: Sigismund III. Christoph Graf von Schratten bach, Fürsterzbischof von Salzburg (1753-71) und Hofmarksherr in Buchbach; Wappen in Fresko B über dem östlicher Kuppelansatz; das Chronogramm lautet PIO SIGISMVND. TERTII FAVORE / E CINERE ERECTA FLOREC (= 1767).

Den Bau leitete Matthias Spöcker, Pfarrer von Buchbach (1763-74). Inschrift auf dem Epitaph Zur Erinnerung / an der Hochwürdigen Herrn / Mathias Spöckher, / seit 7. März 1763 Pfarrer allhier. / Erbauer der 25. Mai 1762 mit dem / Markte abgebrannten Kirche hier / † wohlversehen 11. April 1772 noch / vor der 20. August 1775 erfolgten / Kirchenkonsekration / R. I. P. Joseph Anton Spöcker, vielleicht Bruder des Mathias Spöcker, war 1756-70 Pfarrer in Ensdorf, der Kraiburg einge pfarrt war - vielleicht liefen über ihn die Beziehungen zu der Kraiburger Meistern Millinger und Seltenhorn. – Spöcker zeigte sich auch als Wohltäter der Kirche; so übernahm er 1773/74 verschiedene Zahlungen an den Faßmaler Franz Xaver Zellner. Sein Vorgänger Franz de Paula Gissi (1737–63), der ein halbes Jahr nach der Zerstörung seiner Kirche achtzigjährig starb, hatte dieser eine größere Summe hinterlassen.

Die Kosten der Ausmalung wurde zu zwei Dritteln von Schenkungen bestritten, wie aus einer Abrechnung von 1766 hervorgeht: »Hiesiger Mahler für Ausmalen des Gottshaus. weilen man 200 fl. von Gutthätern aufopfert, ist aus Gottshaus Mitteln bezahlt worden 100 fl.«

Autor und Entstehungszeit: A-D und C1-4 Balthasar Mang (* 1720 Arget † 1803 Buchbach) 1766/67. Signatur in C rechts Balthasar Mang/pinxit Anno 1767.

B1-8 und K1-6 Zuweisung an Johann Anton Seltenhorn (* 1713 Pfaffenhausen † 1792 Kraiburg) und dessen Sohn Martin Anton Seltenhorn (* 1741 Kraiburg † 1809 Kraiburg, s. S. 89 f. und S. 348 f.).

Balthasar Mang, der seit 1754 in Buchbach ansässige Maler, hatte dort die Witwe des Malers Joseph Dominikus Mazole geheiratet. 1754 war er an der Ausmalung der Pfarrkirche in Niederaschau, LKr. Rosenheim, beteiligt gewesen. Nach den Freskierungen der Kirchen in Reichertsheim (1764) und Rattenkirchen (1765) bekam er nun auch an seinem Wohnsitz Gelegenheit, eine Ausmalung in großem Format auszuführen.

In der Abrechnung vom Januar 1766 über insgesamt 3568 fl. für die Innenausstattung (AEM, Pfarrakten 150 3002 02 a-d) sind Zahlungen an Mang abgerechnet: »... der Maler zu Puchpach vor daß in fresco außgemahlene Gottshaus über (bereits) erhaltene 160 fl. noch 140 fl.«. In den Kirchenrechnungen (Hofmann, Ms.) wird Mang 1766 für Vergoldung von Turmknöpfen und Turmkreuz mit 38 fl. und 42 fl., dann mit Akontozahlungen über 160 fl., 55 fl., 40 fl. und 1769 mit einer Restzahlung über 45 fl. abgegolten. Im August 1767 war er noch mit den Fresken beschäftigt, wie aus einem Schreiben Millingers hervorgeht, der berichtet, daß der »K worden «

Bis 1799 arbeitete Mang an Faßarbeiten und Ölgemälden für die Kirche Buchbach, machte die Rückwand des Hl. Grabs und ein Jesuskind auf dem Tabernakel, außerdem die Altarblätter der beiden kleinen Seitenaltäre. Überschlag Mangs vom 1.10.1765: »Ich solle 2 Altarblätl verfertigen, und 2 kleine (Auszugsbilder), deren eins 1 Bildnis des hl. Judas Thaddäus und 1 der Mutter Gottes zu Landshut, alle 4 65 fl.« (Laut Kirchenrechnungen 1768 wurde Mang für die Altarbilder Hl. Rupert und Hl. Judas Thaddäus und 2 Auszugsbilder bezahlt. Diese Bilder wurden 1856 ersetzt durch Altarblätter Heinrich Dagns.)

Von Mangs Arbeiten sind u.a. erhalten das Sieben-Zufluchten-Bild au dem großen südlichen Seitenaltar und ein Gemälde im Pfarrhof mit de Darstellung Mariä Empfängnis.

Für die Chorfresken C, C1-4 existieren Entwurfszeichnungen Mangs. Fresko A (St. Cäcilia) ist eine Wiederholung der Darstellung gleichen Themas in Niederaschau. Die Fresken B und D stimmen in der kompakten unbunten Farbgebung und im festumrissenen Figurenstil mit A und C1-4 überein; all diese Fresken hilden eine stilistisch einheitliche Gruppe.

Die Bildzyklen B1-8 und K1-6 weichen von dieser Freskengruppe ab und sind sicher von einem andern Freskanten. Der Erdinger Maler Franz Xaver Zellner (* 1738 Furth † 1788 Erding), der in Buchbach Altäre, Kanzel und Orgel faßte und dem die zwei lebensgroßen weihräuchernden Engel auf den Hochaltartüren zuzuschreiben sind, kommt aus stilistischen Gründen als Autor nicht in Frage. Der Stil der buntfarbiger Kapellenfresken weist auf die Maler Johann Anton und Martin Anton Seltenhorn aus Kraiburg. Der skizzenhafte Figurenstil der viele Effekte mit Weißhöhungen erzielt, zeigt Übereinstimmungen mit den 1766 entstandenen Fresken in Frauendorf (S. 89), wo der Stil Johann Antons sich schon mit dem Martin Antons vermischt. Die Figur eines Königs in der Darstellung der Anbetung der Könige (K5) ist identisch mit der freigelegten Figur eines Nebenfreskos in Salmanskircher (S. 257), das auch Vater und Sohn Seltenhorn zuzuschreiber ist. Die freigelegten Evangelisten- und Kirchenväterfiguren ir den Zwickelfresken B1-8 sind schlecht erhalten und ziemlich überarbeitet, lassen aber doch Gemeinsamkeiten mit vergleichbaren Zwickelfiguren in Fraham (1760-62, S. 81) und St. Erasmus (1770, S. 261) erkennen.

Zeichnungen, alle AEM, Konvolut Balthasar Mang Zu C Enthauptung des hl. Jakobus, auf dem recto Deckenbildentwurf für das Chorfresko. Pinsel graubraun laviert, rot quadriert, 30.5 × 43 cm. datiert 1766

Zu C, Michael und C, Gabriel Auf dem verso Entwürfe für die östlichen Zwickelbilder, Feder und Pinsel grau laviert, C, auf Ockerbrokatgrund, C. auf Himmelsgrund.

 
Balthasar Mang Entwurf zu Fresko C. Enthauptung des hl. Jakobus, AEM

Zum Hochaltarblatt Maria und Jakobus als Fürbitter und Patrone über der Ansicht des Marktes Buchbach (noch mit der gotischen, spitztürmigen Kirche), Entwurf zum ehemaligen Hochaltarbild, Pinsel graubraun laviert, 32 × 20,5 cm, geviertelt, auf der Rückseite signiert und datiert Pinxit / 1764 / B.M. (Dieses Altarblatt ist verschollen. Es ist durch eine Darstellung der Heiligen Maria, Jakob, Rupert, Hugo und Ulrich von Hugo Huber aus München, 1909, ersetzt.)

Befund

Träger der Deckenmalerei: A und C Muldengewölbe, B Flachkuppel über acht Pendentifs, D Kalotte, 1–6 Quertonnen Rahmen: Alle Fresken haben Stuckprofilrahmen

Technik: Fresko; polychrom Maße: A Höhe 10,30 (von der Empore aus 4,00) m 3,60×7,00 B Höhe 14,30 (Stich 3,80) m; Durchmesser 14,60

C - Höhe 10,30 m; 3,60 x 7,00 D Höhe 10,00 (Stich 3,30) m; 3,20×7,50

1–6 Höhe 9,55 m; ca. 1,00 × 2,10 2, 5 Höhe 10,20 m; 1,00 × 3,10

 

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Der Innenraum Buchbachs erlitt laut Gutachten des Generalkonservatoriums (StAM, 16.1.1906) im 19. Jh. mehrere unsachgemäße Restaurierungen, von denen aber nichts Näheres bekannt ist. 1906 ist mehrmals von einer Restaurierung mit Übermalung der Fresken in den sechziger Jahren des 19. Jh. die Rede; ab 1871 wurden Baureparaturen vor allem am undichten Dach ausgeführt (»und ist der nachtheilige Einfluß bereits an der Kirchendecke sichtbar, da stellenweise der durchnäßte Verputz schon abgefallen ist«, StAM). Die Apsiskalotte soll damals übertüncht worden sein. Mit der Trockenlegung der Kirche 1904 begann eine umfassende Restaurierung, die erst 1914 beendet war.

Bei Beginn der Arbeiten an der Raumschale 1906/07 war der Zustand laut Voranschlag des Malers Max Vogt folgender: das Chorgewölbe mit den Fresken C und C1-4 sowie die Nebenbilder im LHs B1-8 waren im 19. Jh. neu gemalt worden: in C Jakobus vor Agrippa statt der Enthauptung, in den Zwickelbildern im Chor die Evangelisten statt der Engel, in den Zwickelbildern des Zentralraums acht Kirchenväter statt der Vier Evangelisten und der Vier Kirchenväter. Die Themen der Bilder aus dem Marienleben (K1-6), die Vogt nennt, entsprechen den barocken Bildern bis auf die Flucht nach Ägypten (K6), deren heute wieder sichtbare barocke Fassung ikonologisch etwas befremdlich ist und vielleicht deshalb im 19. Jh. durch eine Darstellung des Hauses Nazareth ersetzt worden war. Unter den Ubermalungen konnte man Teile der alten Bilder erkennen. Das Apsisbild D war wahrscheinlich übertüncht. Die nicht übermalten Fresken A und B hatten »durch den Dunst und eingedrungenes Wasser so gelitten, daß dieselben beinahe ganz schwarz aussehen« (StAM). Unter Leitung des Generalkonservatoriums plante man eine Wiederherstellung der alten Raumtönung (Alois Zierer aus Haag) und die Freilegung und Retuschierung der übermalten Bilder sowie die Restaurierung der beider nicht übermalten Fresken A und B (Jakob Huwyler, München). Huwyler restaurierte die Fresken A und B. Er malte die Fresken B1-8, C1-4 und K1-6 neu. Er legte die Fresken C und D frei und retuschierte sie. Pfarren Stoiber teilte 1910 mit: »Die Deckengemälde sind vollständig erneuert und mehrere neugeschaffen worden«. Schließlich bemalte Huwyler 1914 noch die Emporenbrüstung.

1955 Restaurierung durch Ludwig Keilhacker, Taufkirchen, mit Wiederherstellung der barocken Raumfassung und Freilegung der alten Fassungen der Altäre.

1972 legte Karl Holzner, Ampfing, die Evangelisten/Kirchenväterbilder in den Pendentifs der Kuppel (B1-8) frei. Der Engel im Chorzwickel (C1) wurde ergänzt, die drei anderen eingestimmt. 1985/88 wurde die Kuppelkonstruktion saniert, indem der Gewölbeschub durch einen umlaufenden Ringanker aufgenommen wurde. 1985/91 nahm Karl Holzner die Übermalungen Huwylers an Fresko A und an den sechs Szenen aus dem Marienleben K1-6 ab und restaurierte sie wie auch die übrigen Fresken, ausgenommen das große Kuppelfresko, das durch H.J. Linge und Sven Oehmig, Wasserburg, und Reiner Luck, Rosenheim, restauriert wurde.

Die Fresken K3-4, Anbetung der Hirten und Anbetung der Könige, sind schwer beschädigt; die Fehlstellen wurden nicht eingestimmt. Im übrigen ist – in Anbetracht ihres Schicksals – der originale Zustand der Fresken stark beeinträchtigt.

Beschreibung und Ikonographie

A DIE HL. CÄCILIA UND MUSIZIERENDE ENGEL Wolkenszenerie. Die Heilige sitzt an der Orgel, vor ihr steht ein Engel, der vom Notenblatt absingt, drei Putten in Wolken musizieren auf Geige und Flöte. Die Darstellung ist fast eine Wiederholung des Orgelfreskos A in Niederaschau, LKr Rosenheim.

B BÜCHBACHER HEILIGENHIMMEL / FÜRBITTE FÜR BÜCHBACH Himmelskuppel in konzentrischer Anlage. Dicke Wolken formen sich zu einem äußeren Ring, auf dem in kaum unterbrochener Symmetrie die Heiligen aufgereiht sind, zerfasern sich zum Zentrum hin und brechen für die Glorie mit der Dreifaltigkeit auf, die sie als eine gelbweiße Scheibe hinterfängt. Die Farbigkeit der Wolken ist lilagrau und ohne Leuchtkraft, sie läßt auch die Heiligenfiguren, deren Gewandfarben in matten Abstufungen von Gelb, Weiß und Rotbraun gehalten sind, ziemlich erdenschwer erscheinen. Der ganzen Komposition haftet eine Steifheit und Bewegungslosigkeit an, die vielen Figuren treten zueinander kaum in Interaktion. Der Heiligenhimmel Mangs in Niederaschau wirkt, wenn auch dort sehr statisch angelegt, in der Ausführung vergleichsweise lebendig. Vielleicht war diese Wirkung in Buchbach beabsichtigt und im Einvernehmen mit dem salzburgischen Bauverwalter Hagenauer. Denn die Komposition entspricht der schon stark klassizistischen Tendenz der

 
B Buchbacher Heiligenhimmel – Fürbitte für Buchbach

Architektur, die in diesem ausgereiften Stadium im Landkreis ohne Beispiel ist.

Die Hauptachse nach O wird markiert durch das siegelartig aufgeprägte gemalte Wappen des Erzbischofs von Salzburg. Über dieser Stelle trifft der Kreis der Heiligen zusammen und richtet die Aufmerksamkeit zum Zentrum, wo vor einer Lichtglorie die Dreifaltigkeit erscheint. Unter Jesus kniet Maria auf Wolken. Sie weist mit der Rechten nach unten, in den Kirchenraum, in der typischen Intercessio-Gebärde. Als Fürbitter sind auch Joseph neben Maria und der davor auf einer großen Wolke kniende Kirchenpatron Jakobus dargestellt. Vielleicht ist auch die Haltung Christi als Intercessio zu deuten: Er weist Gottvater seine linke Handfläche (mit der Wunde) vor. Die Geste der rechten Hand kann man sowohl als nach unten empfehlende Gebärde als auch als Vorweisen der Wunde deuten.

Um Maria und Jakobus ist die Heilige Sippe versammelt – zu der ja auch Jakobus gehört (Jakobus der Ältere und Johannes Evangelist waren Söhne des Zebedäus und der Maria Salome, die eine Tochter Annas war). Hinter Maria knien Johannes der Täufer und seine Mutter Elisabeth, hinter Jakobus knien Joachim und Anna, die Eltern Marias.

 
Die hll Johann Nepomuk, Laurentius, Franz de Paula, Franz Xaver, Antonius von Padua, Sebastian, Florian und Aloysius von Gonzag

Die Heiligen auf dem umlaufenden Wolkenring darunter sind zum größten Teil als Patrone eng mit der Pfarrei Buchbach verbunden und treten hier als Fürbitter auf. Es fällt auf, daß alle Kirchenpatrone der Kirchen in der Pfarrei auftreten, ebenfalls auffallend ist die Darstellung aller Altarpatrone von Buchbach (besonders deutlich in der Gruppe der Heiligen vom Walburga-Altar). Außerdem spielen sichtlich die Namenspatrone der Buchbacher Geistlichkeit und anderer wichtiger Leute eine Rolle. Alle Heiligen sind nicht mehr zuzuordnen. Gerade bei einem Neubau kann ein Wechsel von Altarpatrozinien stattfinden, auch können (im Buchbacher Fall in den Filialen Wörth und Walkersaich) vor allem im 19. Jh. ruinöse Altäre ersatzlos entfernt werden. Die Überlieterung von Stifternamen ist meist vom Zufall bestimmt. Einen Hinweis auf besondere Devotionen in Buchbach kann das Sieben-Zufluchten-Bild geben, da die Auswahl der Heiligen für die sechste Zuflucht (Heilige) frei gehandhabt werden konnte.

Die erste Gruppe, von der Mitte nach rechts beginnend, wird angeführt von Bischof Rupert von Salzburg, dem Salzburger Diözesanpatron, dem seine Attribute Salzfaß und das Altöttinger Gnadenbild beigefügt sind. Es folgt der hl. Benno, zweiter Patron Altbayerns (erster Patron ist der hl. Joseph, der bereits in der Bildmitte dargestellt ist). Benno und Rupert sind außerdem Nebenpatrone am Hochseitenaltar, der dem hl. Rupert geweiht war; das Altarbild Mangs wurde durch eine Anbetung der Könige von H. Dagn ersetzt.

Nach Benno ist Nikolaus von Myra dargestellt, auf dem Buch die drei goldenen Kugeln; neben ihm Wolfgang von Regensburg mit dem Kirchenmodell, in dem die Hacke steckt. Nahe bei Buchbach, in St. Wolfgang am Burgholz (LKr. Erding) befand (und befindet) sich eine berühmte Wolfgangs-Wallfahrt, die, was die Verehrung des Heiligen betrifft, natürlich auf die Umgebung ausstrahlte. (Wolf Franz Graf von Überacker hieß der damalige Pfleger von Mühldorf.)

Zwischen ihnen ist in zweiter Reihe der hl. Franz von Sales mit langem weißen Bart zu sehen, in Chorhemd und violetter, rot eingefaßter Mozetta, ein hellblaues Band um den Hals, die Hände auf der Brust gekreuzt. Rechts hinter Wolfgang ist Benedikt von Nursia dargestellt, in Benediktinerhabit, das Pedum in der Hand und auf dem Buch ein gesprungenes Glas mit einem kleinen Schlänglein am Rand. Er tritt in der Schar der Heiligen auf dem Sieben-Zufluchten-Altar auf.

Neben Benedikt setzt die Wolkenbank neu an, und zuoberst kniet Johann Nepomuk in Domherrntracht, das Birett in der Hand, um das Haupt den Sternenkranz, und hält mit der Rechten sein Attribut hoch, die von Strahlen umgebene Zunge. Er ist Nebenpatron des kleinen südlichen Seitenaltars; außerdem ist er Nebenpatron am Hochaltar von Steeg (Ausgangsbild).

Schräg vor ihm, auf einem tiefer angeordneten Wolkenkissen, kniet in Diakonstracht der hl. Laurentius mit Martyrerpalme und Rost. Er war Namenspatron von Lorenz Pollinger, Benefiziat in Steeg (1719–69) und gehört ebenfalls zu den Heiligen des Zufluchtenaltars.

 
 
Die hll. Katharina, Barbara, Margareta und Ursula und die Eichstätter Heiligen Willibald, Walburga, Wunibald und ihre Elteri
 
Die hl. Felicitas und ihre sieben Söhne, die hll. Franziskus, Martin und Georg

Dahinter ist ein bärtiger Mönch zu sehen in graubrauner Kutte, einen Stock in der Hand, auf der Brust ein Schild mit der Inschrift Charitas. Es ist Franz de Paula, Eremit und später Gründer des Ordens der Minimen, hier dargestellt als Namenspatron des 1763 gestorbenen Pfarrers und Wohltäters der Kirche Franz de Paula Gissi.

Schräg hinter Laurentius kniet ein Jesuitenheiliger mit dunklen kurzen Bart, in Rochett und Stola, eine Lilie in der Rechten, die Linke auf das Herz gelegt. Dieser Gestus weist auf Franz Xaver dem der Heilige auch im Gesichtstyp entspricht. Dahinter ist Antonius von Padua mit der Lilie, in der braunen Kutte der Franziskaner, das Jesuskind im Arm. Er war Nebenpatron des kleinen südlichen Seitenaltars und außerdem Namenspatron des Buchbacher Koadjutors Anton Näsl (1760–64).

Es folgt der Pestpatron Sebastian als römischer Soldat mit den Pfeilen als Attribut und der Martyrerpalme, Nebenpatron des großen südlichen Seitenaltars und Namenspatron des Kooperators Sebastian Pözenhammer (1761–65). Der hl. Sebastian ist außerdem Nebenpatron des Hochaltars in Felizenzell und war Patron eines (nicht erhaltenen) Nebenaltars in Wörth, wo der Heilige große Verehrung genoß.

Ein Ritter neben ihm, mit Fürstenhut und Fahne, gießt aus einem Schaff Wasser auf ein brennendes Haus. Es ist Florian von Lorch, nicht ganz korrekt mit Fürsten- bzw. Herzogshut dargestellt, was aber gelegentlich vorkommt. Auch er ist Nebenpatron des großen südlichen Seitenaltars.

Der jugendliche Jesuitenheilige mit der Lilie hinter ihm, in Soutane und Rochett als Novize dargestellt, ist Aloysius von Gonzaga, der zusammen mit Franz Xaver in Buchbach im 18. Jh. verehrt wurde. Seines und Franz Xavers Bild hängt im Chor der Kirche.

Nun folgen fünf weibliche Heilige: Es sind Katharina von Alexandrien mit Kelch, Schwert und Rad; die königlich gekleidete Barbara mit Krone und Martyrerpalme; Margareta, ein Diadem auf dem Kopf, die Palme in der Hand, an einer Kette den Drachen führend; Ursula mit ihren Attributen Fahne und Pfeil; Magdalena kniend mit Kelch und Kreuz. Zwei von ihnen, Barbara und Magdalena, erscheinen auf dem Buchbacher Sieben-Zufluchten-Altar.

Es schließt sich die Gruppe der drei Eichstätter Heiligen an: Walburga ist als Benediktineräbtissin mit dem Abtstab und lichtumstrahlten Ölfläschchen dargestellt, ihr zu Seite Bischof Willibald von Eichstätt, der kein persönliches Attribut hat und nur durch die Zuordnung zu seiner Schwester Walburga kenntlich ist, sowie Walburgas Bruder Wunibald von Heidenheim als Benediktinerabt rechts hinter ihr. Kompositionell eng mit den Figuren der Eichstätter Geschwister verbunden sind deren Eltern Richard und Wuna, ein legendäres Königspaar. Der hl. Walburga ist der große nördliche Seitenaltar geweiht, ihre Brüder Willibald und Wunibald als Nebenpatrone treten dort als Seitenfiguren auf, die Eltern erscheinen im Auszugsblatt.

An dieser Stelle wird der Wolkenring wieder unterbrochen durch ein wie ein Felsvorsprung in den Vordergrund ragendes Wolkenkissen, auf dem der Benediktinerabt Leonhard von Noblac kniet, mit Pedum und Buch, in der Linken die eiserne

 
 
Der hl. König Sigismund und die Apostel Andreas, Matthias, Judas Thaddäus sowie Petrus und Paulus
 
 

Kette (nach der Überlieferung ist in dieser Figur Pfarrer Spöcker dargestellt; es ist aber undenkbar, daß ein Pfarrer des 18. Jh. sich selbst – in Gestalt eines großen Heiligen – in den Himmel versetzen läßt). Leonhard tritt auf als Nebenpatron der Buchbacher Filiale Felizenzell, aber wohl auch in seiner wichtigen Eigenschaft als Viehpatron. Außerdem ist er Namenspatron des Freiherrn Franz Leonhard Simpert von Mändl, der einen Teil seines Nachlasses zur Gründung der Buchbacher Allerseelenbruderschaft bestimmt hatte.

Darunter, direkt am Bildrand, aber noch auf einer Wolke, kniet eine bescheidenere Gestalt in einfacher Tracht mit Hose, Rock und Kragen, eine Schippe in Händen; Hut und Sense mit zwei Ähren liegen vor ihm. Es ist Isidor von Madrid, wie Leonhard ein Bauernpatron, zuständig für gute Ernten, aber auch wichtig in seiner Vorbildfunktion (er wird als Selbstporträt des Malers Balthasar Mang gedeutet, was unwahrscheinlich ist). Die hl. Felicitas, Patronin der Buchbacher Filiale Felizenzell ist in Gestalt einer knienden Matrone mit Schleier dargestellt, die ein Schwert bei sich hat. Sie ist umringt von ihren sieben Söhnen in antikisierender Tracht, von denen einige Martyrerpalmen halten, außerdem eine Keule, ein Schwert und ein weiteres – eisernes - Schlaginstrument. Felicitas und ihre sieben Söhne erlitten unter Kaiser Marc Aurel im Jahr 162 den Martertod.

Der Kreis der Heiligen wird weitergeführt durch Franz von Assisi in der braunen Kutte der Franziskaner, der ein Kreuz in Händen hält. Vielleicht erinnert er als dessen Namenspatron an den Pfleger des Vogtgerichts Mühldorf, Wolf Franz Anton

 
 
Matthias mit dem Beil ist Namenspatron von Pfarrer Spöcker, Judas Thaddäus mit der Keule Patron des kleinen südlichen Seitenaltars in Buchbach und Nebenpatron in Steeg. Petrus und Paulus schließlich sind Nebenpatrone am Hochaltar der Filiale Loinbruck und treten auf dem Sieben-Zufluchten-Altar in Buchbach auf. (Die Patrone der Filialkirchen Litzelkirchen. Johann Baptist, und von Walkersaich und Steeg, Maria, erscheinen in der Glorie)

Reichsgraf von Überacker oder an Johann Franz von Mändl, Inhaber der Hofmark Steeg und Stifter des Sieben-Zufluchten-Bildes. Neben ihm sitzt Bischof Martin von Tours mit seinem Attribut, der Gans. Er ist Patron der Filiale Loinbruck. Schräg hinter ihm ist der hl. Georg zu sehen, in römischer Soldatentracht, eine Fahne in der Hand und den Drachen zu seinen Füßen. Ihm ist die Filialkirche in Wörth geweiht. König Sigismund in Rüstung und Mantel, auf dem Haupt die Krone und in der Linken den Reichsapfel, dürfte hier in zwei Eigenschaften dargestellt sein, als Namenspatron des Salzburger Fürsterzbischofs und Hofmarksherrn von Buchbach sowie als Nebenpatron von Walkersaich. Nun folgen als Abschluß des Kreises fünf Apostel: Andreas mit dem Schrägkreuz, nahe bei Sigismund, ist wie dieser Nebenpatron in Walkersaich.

 
 

B1-8 EVANGELISTEN UND KIRCHENVÄTER Die 8 Zwickel der Pendentifkuppel sind ausgeschmückt mit ganzfigurigen Gestalten auf Himmelsgrund. Sie thronen auf Wolken, die seitlich über den Rahmen ausgreifen und halten alle ein Buch in der Hand. Gekennzeichnet sind sie durch ihre

 
D Huldigende Enge

Attribute. Die vier östlichen stellen die Evangelisten, die vier westlichen die Kirchenväter dar.

B1 MATTHÄUS mit dem Engel B2 JOHANNES mit dem Adler B3 MARKUS mit dem Löwen B4 LUKAS mit dem Stier B5 AUGUSTINUS hat das flammende Herz auf der Brust, neben ihm Mitra und Pedum. B6 GREGOR DER GROSSE im Rauchmantel, neben ihm die Tiara. Die Taube des Geistes sendet Strahlen auf ihn. B7 AMBROSIUS hält das Pedum und hat den Bienenkorb bei sich B8 HIERONYMUS mit dem Löwen, eine Posaune ragt aus dem Himmel.

C ENTHAUPTUNG DES HL. JAKOBUS (Act 12,2) Querovale Komposition in der Kuppel des Altarraums. Eine schmale Erdrampe kennzeichnet den Bildvordergrund. Der hl. Jakobus erwartet kniend den Schwertstreich, erblickt aber in einer Vision Christus mit dem Kreuz, der ihm den Kelch des Leidens entgegenstreckt. Der Henker und ein Soldat mit Hellebarde treten in auffallend prächtiger Kostümierung vor die Zuschauerrampe auf der rechten Bildseite. Auf der linken Seite der Palast des Herodes Agrippa, von dessen Balkon Zuschauer an der Enthauptung teilnehmen. Davor Maria auf der Säule – Anspielung auf die legendäre Jakobus-Szene in Saragossa, wo Jakobus von Maria zur Missionierung in Spanien aufgerufen wurde – darunter sind die Pilgerabzeichen abgelegt (Ribadeneira-Hornig, Bd 2, S. 94 f.). – Die Entwurfszeichnung entspricht exakt dem ausgeführten Fresko.

C1-4 ENGEL Die vier Zwickel des Altarraums sind geschmückt mit ganzfigurigen Darstellungen von Engeln auf Wolken, Grisaillen auf Goldbrokatgrund. Die Wolken und einzelne Details im Wolkenbereich übergreifen seitlich den Rahmen. Die Entwurfszeichnungen zu C1 und C2 geben eine Vorstellung von der inzwischen beeinträchtigten originalen Fassung. C1 MICHAEL Er trägt Helm und Rüstung und hält Flammenschwert und Waage. C2 GABRIEL Der Verkündigungsengel hält eine Lilie. C3 RAPHAEL Er hält einen Wanderstab und umfasst den knienden jungen Tobias mit dem Fisch. C4 SCHUTZENGEL Er hält an der Hand ein Kind und weist zum Himmel.

D HULDIGENDE ENGEL Die Kuppelkalotte ist gefreskiert mit einem Wolkenhimmel, in dem anbetende Engel und fliegende Putten die prachtvolle Bekrönung des Hochaltars einrahmen.

K1-6 MARIENLEBEN Der Zentralraum ist von vier annähernd querrechteckigen und kapellenähnlichen Anräumen umgeben, vor deren Ostseiten jeweils Altäre stehen. Die Kapellen und damit auch die Bildfelder in der Querachse sind breiter als die in den Diagonalen. Die chronologische Reihenfolge der Marienszenen stimmt nicht mit der räumlichen Abfolge überein.

K1 VERKÜNDIGUNG Weit Raum mit seitlichen Pfeilern und darübergelegten Draperien. Geschwungene Stufen führen in das Bild ein. Links oben erscheint auf Wolken der Engel mit der Lilie. Die Taube des Heiligen Geistes sendet einen Lichtstrahl auf Maria, die am Betstuhl kniet und ihr Gesicht von dem hellen Licht abwendet.

K2 HEIMSÜCHUNG Weite Landschaft mit dem Haus des Zacharias rechts, dem umzäunten Garten, Bäumen, Burg und Berge in der Ferne. Auf den Stufen vor dem Haus treffen sich Maria und Elisabeth. Zacharias steht rechts, zu Füßen der Treppe ist eine Magd mit Gepäck zu sehen. Joseph fehlt.

K3 VERMÄHLUNG Links weiter Ausblick in die Ferne mit orientalisierenden Bauten und Pyramide, am Horizont das Meer und ein Schiff. Rechts ist Einblick in einen runden Tempelraum gegeben, dessen Öffnung seitlich und oben bühnenähnlich mit dunkelroten Draperien begrenzt ist. Auf einem Stufenpodest knien Maria und Joseph vor dem segnenden Hohenpriester und reichen sich die Hand. Die figürliche Szene ist geprägt von den ausgreifenden Gesten, die für die Seltenhorns typisch sind.

K4 ANBETUNG DER HIRTEN Sehr schlecht erhalten. Zu erkennen ist rechts der Stall von Bethlehem, Maria mit dem Kind und dahinter stehend Joseph. Von links kommen Hirten und bringen ihre Gaben dar.

K5 ANBETUNG DER KÖNIGE Sehr schlecht erhalten. Die heilige Familie ist links vor einer Pfeilerarchitektur zu sehen, die Könige mit ihren Geschenken rechts.

K6 FLUCHT NACH ÄGYPTEN Weite Landschaft mit einer unkonventionellen Darstellung der Flucht. Maria sitzt auf dem Esel, das Kind im Arm. Ein Putto führt den Esel am rosenfarbenen Band, ein zweiter trägt einen Korb mit Rosen und streut sie auf den Weg. Joseph steht etwas im Hintergrund und hat die Hände in einer Geste des Staunens erhoben. Von links, wo eine Palme ihre Äste breitet, dringt ein Mann mit einem drachenähnlichen Untier auf das Jesuskind ein. Das Jesuskind sieht den Drachen mit dem Räuber an und Strahlen aus seinen Augen bändigen sie. Eine junge Frau mit Binde um den Kopf greift nach dem Untier, um Maria und das Kind zu schützen. Rechts ist ein offenbar fliehender Mann zu sehen.

In diesen Darstellungen wird an mehrere Legenden erinnert, die im arabischen Kindheitsevangelium (Hennecke-Schneemelcher Bd 1, S. 305 f.) und im Pseudo-Matthäus-Evangelium (ebda, S. 306–09) erzählt werden. Nach einer Überlieferung bedrohten auf der Flucht nach Ägypten zwei Räuber die heilige Familie, taten ihr aber wunderbarerweise nichts an. Eine ähnliche Geschichte erzählt von Drachen, die das Jesuskind bedrohten, das ihnen aber unerschrocken entgegentrat und sie besänftigte. Die begleitende junge Frau kann als das aussätzige Mädchen gesehen werden, das nach der Legende vom Badewasser des Jesuskindes geheilt wurde und die Familie auf der Flucht begleitete. Die Palme erinnert hier zwar nicht unmittelbar an das Palmenwunder, nach dem eine Palme ihre Zweige neigte, um mit ihren Früchten die Familie auf der Flucht zu erquicken, und an deren Wurzeln Jesus eine Quelle entspringen ließ; doch ist die Palme wegen dieser Legende Teil der Bildtradition. Von rosenstreuenden Engeln berichten die Überlieferungen nicht, doch ist die Darstellung von begleitenden Engeln auf der Flucht häufig. Die Stadt mit Palästen und einer Pyramide stellt wohl Sotinen bei Heliopolis dar, die erste Stadt, die die Heilige Familie in Ägypten erreichte (wo Jesus die Götzen im Tempel stürzte).

Quellen und Literatur

StAM, LRA 51594 und 51606: Baureparaturen 1871/1901 und 1904; 51611 und 51614: Restaurierungen 1905 ff. und 1911 ff. AEM, Pfarrakten Buchbach, 150 0001 01: Pfarrbeschreibung; 150 3002 02/a-d: Neubau und Ausstattung 1763–79, mit Plänen; 150 3002 03: Baufälle 1846–1933; 150 6001 01: Allerseelenbruderschaft.

AEM, Matrikelbücher Pfarrei Buchbach. AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 30/Mühldorf, Pfarrei Buchbach (Georg Brenninger)

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Wening Bd 3, S. 109. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 555–63. KDB I OB (3), S. 2153 f.

Sturm, Hans, Salzburger Rokoko. Die Geschichte der Pfarrkirche von Buchbach, in: Das Mühlrad 2, 1952, S. 75–77.

Hotmann, Sigtrid, Die Kirchen der Pfarrei Buchbach, Beiträge zur Bau- und Kunstgeschichte des 17. und 18. Jh. (= Wissenschaftliche Veröffentlichungen des Heimatpflegers von Oberbayern, Reihe A, H. 10), Schongau 1956 (Ms.).

Krausen, Edgar, Pfarrkirche Buchbach (= Christliche Kunststätten Nr. 103), Salzburg 1972.

Zoglauer Maria, Baugeschichte der Pfarrkirche Buchbach, in: 200 Jahre Pfarrkirche Buchbach. Festschrift zur 200-Jahrfeier der Pfarrkirche Buchbach, Buchbach 1975, S. 17–20.

 
 
 

Rabenseifner, Erhard, Überblick über die Geschichte der Pfarrei Buchbach, in: Festschrift 1975, S. 11–15. C 1 TT TO 1 10 - 11

Spagl, Hans Rudolf, Balthasar Mang – Barockmaler in Buchbach, in: Festschrift 1975, S. 27–32.

Krausen, Edgar, Wieso hat ein Bischof von Chiemsee 1775 die Pfarrkirche von Buchbach geweiht? in: ebenda, S. 37–39. Historischer Atlas Bd 36, Mühldorf (Helmuth Stahleder).

Spagl, Hans Rudolf, Balthasar Mang und seine Malerwerkstatt in Buchbach, in: Das Mühlrad 19, 1977, S. 85–105.

Krausen, Edgar, Balthasar Mang – Barockmaler in Buchbach Ergänzungen zu seinem Werkverzeichnis, in: Das Mühlrad 21 1979, S. 16–18.

 
K, Anbetung der Hirten
 
 
Mantelspende des hl. Martin

Spagl, Hans Rudolf, Die Malerfamilie Mang (1720 – um 1810), in: Barockmaler in Niederbayern, Regensburg 1982, S. 116–24, Werkliste S. 229.

-, Der Maler Balthasar Mang aus Buchbach, in: 1200 Jahre Buchbach (Hg. Marktgemeinde Buchbach), Buchbach 1988, S. 37–53.

Steinberger, Otto, Die Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä. in Buchbach, in: 1200 Jahre Buchbach, S. 88–98.

Brenninger, Georg, Kirchen der Pfarrei Buchbach (KKF Nr. 1741), München 1989. Dehio 1990, S. 146f.

A.B./C.B