Birkenstein, Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 2: Die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach. Hirmer, München 1981, ISBN 978-3-7991-5834-3, S. 463–464, geschrieben von Bachter, Falk, Bauer-Wild, Anna, Böhm, Cordula, Lüdicke, Lore und Sinkel, Kristin. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Wallfahrtskirche, Gemeinde und Kuratie der Pfarre Fischbachau, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Fischbachau Propstei der Benediktinerabtei Schevern, Hofmark Fischbachau

Patrozinium: Mariä Himmelfahrt

Zum Bauwerk: In Form eines Loretohauses 1710 von Johann Mayer (d. Ä.) von Haustatt und dessen Palie Abraham Millauer anstelle einer 1673 errichteten Kapelle erbaut. Die jetzige Ausstattung - völlige Bekleidung der Wände mit Votivtafeln, die in vergoldete Schnitzereier eingelassen sind – stammt aus der Zeit um 1760; nach Benediktion Weihe am 5. 8. 1786.

Ungegliederter tonnengewölbter Rechteckraum mit erhöhter Altarnische (7,60 × 3,80 m); keine Belichtung

Auftraggeber: Abt Joachim Herpfer von Scheyern (1757–71)

Autor und Entstehungszeit: Bei der Gestaltung der Gnadenkapelle war zwischen 1761 und 1765 mehrmals Sebastian Troger (* um 1735 Oberaudorf † 1792 Weilheim) tätig, der seit 1760 im nahegelegenen Elbach ansässig war (zu dem Weilheimer Maler s. CBD, Bd 1, S. 563).

Von ihm stammen das Altarantependium, zwei Türfüllungen und Votivbilder in Birkenstein, alle signiert und datiert. Das unsignierte Deckengemälde kann aus stilistischen Gründen Sebastian Troger zugeschrieben werden: ähnliche Gesichtstypen, Komposition einzelner Figuren wie bei Christus und Gottvater, sowie die gesamte Farbigkeit, ein dominierendes Ocker mit sparsam verwendetem Hellblau als Kontrast. Das kleinformatige Ölbild in Birkenstein läßt sich jedoch kaum mit Trogers bekannter Deckenmalerei in monumentaler Fresko-Technik vergleichen. Die Entstehung des Ölbildes kann in die Zeit zwischen 1761 und 1765 gesetzt werden und wäre damit sein frühestes faßbares Werk

Krönung Mariens

ELBACH

Befund

Träger der Deckenmalerei: Tonnenförmig gespannte Leinwand mit zwei Schildbögen in einer eigenen Konstruktion über einer kreisrunden Öffnung in der Holztonne des Kapellenraumes

Rahmen: Die Leinwand ist nicht gerahmt. Ein Holztempietto über der Deckenöffnung (durch die das Bild sichtbar wird) mit gedrehten Säulchen, Architrav und Puttoköpfchen wirkt als optische Rahmung.

Technik: Öltempera auf Leinwand; polychrom

Maße: Höhe 9,00 m (insgesamt, Höhe der Leinwandtonne über der Holztonne 2,50 m); 2,80 × 2,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Der Innenraum der Kapelle wurde 1864/71, 1894 und 1937/39 gereinigt und restauriert, zuletzt 1958 gereinigt. Das Deckenbild zeigt keine Spuren von Restaurierung, es ist stark verschmutzt; teilweise Abblätterungen

Beschreibung und Ikonographie

KRÖNUNG MARIENS Die Malerei ist nicht eigentlich als Deckengemälde des Kapellenraumes zu bezeichnen, vielmehr wirkt ihre Anbringung über der kleinen Deckenöffnung (Ø 1,30 m) im Scheitel der Kapellentonne wie ein Guckkastenbild. Die himmlische Szene mit der Krönung Mariens durch Christus, darüber Gottvater vor der Himmelsglorie mit der Taube des Hl. Geistes, ist nur vom unmittelbar unterhalb der Deckenöffnung stehenden Betrachter zu sehen. Hier wird auch der rahmende Holztempietto (vgl. Befund) in die Malerei und die versilberten Applikationen an der Kapellendecke rund um die Öffnung einbezogen.

Durch die kulissenartige Höhenstaffelung und die stark untersichtig gemalte Marienkrönung, deren Fluchtpunkt in der Glorie des Hl. Geistes liegt, entsteht ein ausgesprochen illusionistischer Effekt, der aber durch das verhältnismäßig dunkel wirkende Ölbild hinter der helleren Kapellentonne nicht als Öffnung in den Himmel gesehen werden kann. Die umgebenden Engel und Putti mit Musikinstrumenten, Blumengirlanden und Weihrauchfaß werden bereits vom Rand der Holzdecke überschnitten; die Kanten des Bildfeldes sowie die Schildbögen der Leinwandtonne sind völlig unsichtbar: Auf der W-Seite wird mit Blitzen ein Teufel aus den Wolken gestürzt, der mit Krallen und Fledermausflügeln rücklings über eine nackte Gestalt (einen Verdammten) fällt, auf seiner Stirn zwei Pfauenfedern (Sinnbild der Superbia).

Die O-Seite wird von einer Inschrift eingenommen (in der Abbildung nicht sichtbar): Er hat die Hofferdige von Thron gestirzt,/ und die demüthigen erhöhet. Luc. i. (= Lc 1,52). Der Teufel ist hier als Gegenbild zu Maria, der »Demüthigen« dargestellt, die durch Krönung erhöht wird: Gottvater weist mit seiner Rechten auf einen von Sternen umgebenen Sitz über dem Kreuz in Wolken, der für Maria bereitsteht

Quellen und Literatur

Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 14

KDB I OB (2), S. 1437 f

Brunhuber, Josef, Chronik des oberen Leitzachtales, Fischbachau-Birkenstein 1928, S. 481–88.

Hoffmann, Richard, Der Wallfahrtsort Maria-Birkenstein in: Der Heimgarten, 1933, S. 334 f.

Bauer, Anton, und Max Mangold, Birkenstein (= KKF, Nr. 85/86), München 1950.

Dehio-Gall OB, S. 233.