Bertoldsheim, Pfarrkirche St. Michael
BERTOLDSHEIM
Pfarrkirche (Pfarrverband Rennertshofen), Markt Rennertshofen, Diözese Augsburg. Das Präsentationsrecht auf die Pfarrei lag z.Z. der Ausmalung bei den Herzögen von Pfalz- Neuburg bzw. Kurfürsten von der Pfalz. Gericht Graisbach/ Monheim (Pfalz-Neuburg)
Patrozinium: St. Michael
Zum Bauwerk: Einheitlicher gotischer Bau, der in die erste Hälfte des 14. Jh. datiert wird, Gewölbe und Strebepfeiler aus dem letzten Viertel des 15. Jh. Die Fenster wurden im 18. Jh. anläßlich einer Neuaustattung erweitert. Aus dieser Zeit stammen auch die Sakristei auf der Südseite des Chors mit zur Kirche geöffnetem Oratorium im Obergeschoß und die Emporenbrüstungen.
Einschiffiges LHs zu fünf Jochen mit Netzrippengewölbe, nicht eingezogener, fünfseitig geschlossener AR zu zwei Jochen; Satteldachturm an der Nordseite. Im W Doppelpforte, oben zurückgesetzt, unten mit gerader, oben mit vorschwingender Brüstung. Im LHs Fragmente von Wandmalereien um 1340. Barocker Hochaltar mit Altarbild des hl. Michael, 1781 von Joseph Leitkrath. Die barocken Fresken befinden sich an der Emporenbrüstung.
Auftraggeber: Zur Entstehungszeit der Fresken war Johann Leopold von Kainz Pfarrer in Bertoldsheim (1725–54).
Autor und Entstehungszeit: Carl Conrad Prauneck (* 1686 Neuburg † 1742 Rennertshofen) um 1740.
Prauneck war im benachbarten Rennertshofen ansässig, wo er 1737 mit den Deckenbildern in der Pfarrkirche beauftragt wurde (s. S. 244; zur Vita Praunecks s. S. 338 f.). Die Zuschreibung der Brüstungsbilder in Bertoldsheim stützt sich auf die Ähnlichkeit mit den Rennertshofener Fresken. Gut vergleichbar sind die Szene der Heimsuchung, die wie im Fieber geröteten Wangen der Apostel, die Gewandbehandlung, der Baumschlag mit einzelnen schlanken Stämmen und auch die Stilleben mit den Musikinstrumenten. Die Bertoldsheimer Emporenfresken sind eine wichtige Ergänzung des Werkes von Prauneck und werden deshalb hier behandelt.
schlag mit einzelnen schlanken Stämmen und auch die Stilleben mit den Musikinstrumenten. Die Bertoldsheimer Emporenfresken sind eine wichtige Ergänzung des Werkes von Prauneck und werden deshalb hier behandelt.
Befund
Träger der Malerei: LHs Emporenbrüstung unten (EB1-12) und oben (EB13-17)
Rahmen: Stuckrahmen, z. T. geschwungen
Technik: Fresko; polychrom
Maße: EB1-12 jeweils 0,84 × 0,52 m
EB13-17 Höhe 0,84 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1935 Renovierung des Innern durch die Fa. Josef Finkenzeller, München. Dabei wurden die Fresken von Hans Pfohmann, Hohenschäftlarn gereinigt, Übermalungen entfernt, Risse geschlossen, lose Teile befestigt und die schadhaften Stellen eingestimmt. Bei einer erneuten Renovierung der Kirche 1956/57 schlug das BLfD als Restauratoren wieder Hans Pfohmann sowie Karl Kröninger, Kirchtrudering, vor.
Beschreibung und Ikonographie
Untere Emporenbrüstung
EB1-12 DIE ZWÖLF APOSTEL In die Apostelfolge ist Paulus mit einbezogen, Matthias dagegen ausgeschlossen. Die Dargestellten sind als Dreiviertelfiguren wiedergegeben, häufig stehen sie neben einem Tisch, im Hintergrund sieht man Architekturversatzstücke oder einen Fensterausschnitt, gelegentlich mit Blick in die Landschaft, unterhalb der Rahmen stehen ihre Namen (jetzige Form der Inschriften wohl neu). Die Farbigkeit ist relativ hell, das Inkarnat blaß, dabei die Backen fleckenhaft gerötet. Es handelt sich um einen der qualitativ besten Apostelzyklen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen neben der Folge von Anwander in Ammerfeld von 1735 und geht wie diese auf Radierungen von Bergmüller zurück (s. S. 31 ff.).
EB1 S. Jacobus. mit Keule, Buch und Schriftrolle, im Himmel ein heller Schein.
EB2 S. Judas Thadeus. mit Buch und Hellebarde.
EB3 S. Philipus. mit Buch und großem Kreuz im Arm.
EB4 S. Johannes mit Giftbecher, aus dem die Schlange züngelt.
EB5 S. Andreas. mit Andreaskreuz, das durch Stricke zusammengebunden ist.
EB6 S. Petrus. mit den beiden Schlüsseln, im Hintergrund Zentralbau über Felsen als Sinnbild der Kirche.
EB7 S. Paulus mit Schwert und Buch mit der Inschrift: Gratias / ago / Deo meo / Semper / Pro Vobis / in Gratia / Dei. Cor. 1,4 (1 Cor 1,4), neben ihm ein Weihrauchgefäß
EB8 S. Jacobus Major als Pilger mit Hut, Stab und Flasche sowie mit Buch.
EB2 S. Thomas mit der Lanze und dem Attribut eines umstrahlten Herzens mit der Seitenwunde.
EB10 S. Bartholomäus mit Buch und Messer.
EB11 S. Simon mit Säge, die Linke erhoben, im Hintergrund stürzt die Statue des Sonnengottes vom Sockel.
EB1 S. Matthäus mit Beil und Buch.
Obere Emporenbrüstung
EB13-17 KÖNIG DAVID ALS SÄNGER UND PROPHET König David, Sänger, Psalmdichter und Prophet, repräsentiert zusammen mit den Instrumenten, die ihn flankieren, die Musik. Die Kirchenmusik im 18. Jahrhundert war primär Chormusik, zu der auch Bläser und Streicher zugezogen wurden. Die auf den Notenblättern wiedergebenen Kompositionen ließen sich jedoch nicht identifizieren. David ist ein Vorfahre Christi und hat dessen Menschwerdung prophezeit. Darauf beziehen sich die flankierenden Darstellungen der Verkündigung und Heimsuchung.
EB13 Verkündigung an Maria Maria sitzt lesend an einem Tisch, von links naht der Engel, um die Botschaft zu überbringen.
EB14 Pauken und Trompeten Auf einem Tisch stehen zwei Pauken, dahinter lehnt ein Notenblatt. Vorne liegen zwei Trompeten.
EB15 David psallens König David, in mit Hermelin gefüttertem Mantel, kniet auf einem Kissen und spielt die Harfe vor ihm das Notenbuch. Rechts Ausblick in einen Garten.
EB16 Blas- und Streichinstrumente Auf einem Tisch liegen zwei Hörner auf einem Notenblatt, rechts an einer Säule lehnt ein Cello, davor liegt eine Geige.
EB17 Heimsuchung Elisabeth, begleitet von Zacharias, begrüßt Maria vor den Stufen ihres Hauses, während Joseph, ein Bündel unter dem Arm, sich von rechts in einer stimmungsvollen Landschaft nähert.
Quellen und Literatur
ABA, Pfarrarchiv Bertoldsheim: Kirchenrestaurierung; ebd BO 3107: Pfarrer in Bertoldsheim; BO 7998: Pfarrei Bertoldsheim.
Augsburg, Diözese, Kunstreferat: Inventar der Diözese Augsburg, Bertoldsheim, bearb. von Herbert W. Rott (Typoskript), Augsburg 1995 (mit Quellen und Literatur; hier frageweise Zuschreibung der Fresken an Prauneck).
BHStA, PNA, NA 1989, Nr. 454: Reparaturen an Kirche und Pfarrhof Bertoldsheim 1601–1804.
Braun-Augsburg, Bd 1, S. 483.
Steichele, Bd 2, S. 578–84. Böhaim, Carl August, Bertoldsheim, in: NK 32/33, 1866/67, S. 72–109. Hopp, Bd 1, S. 120f. Horn/Meyer 1958, S. 405–410. Pötzel III, S. 45. Dehio 1990, S. 129.
B. V.-K.