Berglern, Pfarrkirche St. Peter und Paul
BERGLERN
Pfarrkirche (Pfarrverband Wartenberg), Gemeinde Berglern, Erzdiözese München und Freising. Zur Zeit der Ausmalung war Berglern Monatspfarrei. An der Pfarrkirche bestand eine Allerseelenbruderschaft, um 1751 wurde die St.-Anna-Bruderschaft eingeführt. Gericht Erding
Patrozinium: St. Peter und Paul
Zum Bauwerk: Konsens zum Neubau des baufälligen mittelalterlichen Langhauses am 18.1.1734, Grundsteinlegung im April 1734. Der gewölbte Chor sollte stehen bleiben und wurde als Interimskirche gebraucht (AEM). Die Visiere stammten »von dem Maurermaister zu München Michaeln Pröbstl ... nach welchen die Erdtingischen Handtwerchsleith ... Yberschläg verfasst haben« (StAL). Den Bau führte Johann Baptist Lethner aus Erding. Wölbung des LHs im September 1734. Abbruch und Neubau des Chorbogens. Entgegen der ursprünglichen Absicht wurde nun auch der Chor um 16 Schuh (= ca. 4,80 m) erhöht und neu gewölbt, »damit er gegen dem Gottshaus eine Gleichheit halte«. Im November 1734 fehlte nur noch der Verputz. Im AR waren die Mauern »unberiehrter verbliben, das noch die alten Fenster darinen zu sehen« (AEM). Dekoration 1735/36.
Saal zu fünf Jochen, Gliederung durch Pilaster vor flacher Wandvorlagen; Belichtung durch je fünf hochliegende Fenster von N und S; Doppelempore im W. Eingezogener AR zu zwei Jochen mit dreiseitigem Schluß, Gliederung wie LHs, Belichtung durch je zwei Fenster von S und in den Schlußschrägen
Auftraggeber: Pfarrer Martin Hellmayr von Berglern (1703–39). Inschrift an der Innenseite des Chorbogens 17/35. Mit gröster Mühe und viel beschwer / Hat mann in disem Jahr / Allhir z Berglern zu Gottes Ehr, / Erbauth in diser Pfarr, Recht majestetisch diß Gottshauß, / Last euch dan liebe Seelln / Treulich ermahnen, schlagts nit auß / Mann thue sich hier ein stellen / In Aller Seel: und leibs Gefahr / Auch in den grösten Nöthen / Nit undterlasst auf dem Altar / Inb(r)instig Got Anzbetten / Rhümbt auch den Erbauer und bettet für Ihn / Alsdan mit ihm Warth auf den / Ewigen Gwinn. (Die Anfangsbuchstaben – im Original rot, hier fett – der ungeraden Zeiler ergeben den Vornamen, die der geraden Zeilen den Nachnamen des Pfarrers = MARTIN HELMAIR).
Pfarrer Hellmayr war leidenschaftlich an der Ausmalung seiner Kirche interessiert und es gelang ihm, auch seine Gemeinde zu motivieren. Die Kosten der Ausmalung waren »allein von der dortigen Pfarrgmein aus sonderbahrer Devotion zusam geschossen« worden (StAL). Bei den Kreuzwegstationen sind die Namen der Stifter genannt (s. Inschriften in W1-14). Sie hatten »inclusive die Rammen darzu vergolden lassen« und »auf ihre neben dem H. Pfarrer darauf gewendte grosse Unkösten bey einer jeden Station ihre Nammen geschriben (AEM)«. Der Pfarrer hat »zu den Creuzgang Figurn aus aignen Mitlen ein Nambhafftes selbst beygesezt«. Hellmayr strebte offenbar das Entstehen einer Gnadenstätte mit Wallfahrt an, ähnlich wie Pfarrer Kirmayr von Hofkirchen in Großköchlham 1731 (S. 109), denn um die Kostenüberschreitung von 984 fl. zu rechtfertigen, schrieb er, es sei
W1-14 Kreuzwegstation
a-k Johannes-und-Paulus-Embleme
»ermelt Lobl. Gottshaus ... einwendig ohne Ruemb woll zierlich und glorios von Fresco mit St: Peter und Pauli an der Gwölb Historien und Emplematen ausgemahlen, unnd samb dem eingeweichten Creuzweeg (W1-14) oder Passion figurirt welche ... also herzbewöglich und eiffervoll in die Augen fahlen«, daß »durchraisente Wahlfahrter: und andere voll des Eiffers sich vernemben lassen: das ist ein recht freudenreicher und annemblicher Templ Gottes desgleichen weith und breith au dem Landt nit bald anzutreffen seye« (AEM).
Autor und Entstehungszeit: Franz Albert Aiglstorffer (* um 1675 Wartenberg † 1741 Wartenberg; s. S. 238) 1735. Datum in der Inschrift an der Rückseite des Chorbogens (s.o.) und Chronogramm in CB1 am Chorbogen Er hat fIIr Vnß aLL seIn GeIst aVfgeben, / Das VoLgents Vnß zVekoMe ewIg zVLeben (= 1735). Die Kreuzwegstationen entstanden im folgenden Jahr, Datierung an der Sargwand der 14. Station 1736 (mit kaum noch erkennbarer Signatur Aiglstorffers).
Zuweisung an Aiglstorffer zuerst von Brenninger 1982 (S. 109 f.). Pfarrer Hellmayr erwähnte in einem Brief an den
Fürstbischof, er habe »den Mahler von Wartenberg« (= Aiglstorffer) während der Arbeit am Kreuzweg »drey Wochen mi Kost und Trunckh, Ligerstadt und andern versehen« (AEM). Das Altarblatt des Hochaltars mit der Darstellung der Kreuzigung Petri ist bezeichnet Franz Aiglstorffer / Wartenberg 1738.
Befund
Träger der Deckenmalerei: LHs (A–E, a–k) und AR (F,G, 1–9) Stichkappentonne
Rahmen: Stuckprofilrahmen
Technik: Fresko mit starken Secco-Übermalungen; A-G CB1-3, a-k, Wa-b, W1-14 polychrom; 1-9 monochrom ocker
Maße: A Höhe 10,60 m; 2,40 × 4,60 m B Höhe 10,60 m; 2,40 × 4,60 m C Höhe 10,60 m; 2,40 × 4,60 m D Höhe 10,60 m; 2,40 × 4,60 m E Höhe 10,60 m; 2,40 × 4,60 m F Höhe 9,70 m; 3,10 × 2,70 m G Höhe 9,70 m; 2,80 × 2,50 m
Erhaltungszustand und Restaurierungen: Restaurierungsdatum 1786 in der Inschrift in D ANNO A DIE INCARNATIONIS IESV CHRISTI / VL.IVLII RENO- VATVM. CHP. Im späten 19. Jh. wurden die Deckenbilder übertüncht. »Die Zeit der letzten Restauration (in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts) versah die Kirche mit Schablonenmalereien in den Gurten und mit Gemälden in den Stuckrahmen der Gewölbe« (Die Zeit der letzten Restauration (in den achtzi- giger Jahren des vergangenen Jahrhunderts) versah die Kirche mit Schablonenmalereien in den Gurten und mit Gemälden in den Stuckrahmen der Gewölbe. Generalkonservatorium, 14. 10. 1912). Erst 1922/23, nach notwendigen Entfeuchtungsmaßnahmen am Bau fand durch die Firma Vitzthum und Schlee, Altötting, die nächste Innenrestaurierung statt, wobei die barocken Fresken entdeckt und aufgedeckt wurden. »Durch die Aufdeckung der alten Freskomalereien ist in der Kirche die frühere gute-Raumwirkung wieder hergestellt ... Die vollständige Freilegung und Restaurierung der ebenfalls in Freskotechnik gemalten alten Kreuzwegbilder wird die genannte Firma im heurigen Jahr noch ausführen« (Durch die Aufdeckung der alten Freskomalereien ist in der Kirche die frühere gute Raumwirkung wieder hergestellt... Die vollständige Freilegung und Restaurierung der ebenfalls in Freskotechnik gemalten alten Kreuzwegbilder wird die genannte Firma im heurigen Jahr noch ausführen. 8. 3. 1923; Zitate nach StAM, LRA).
Nächste Innenrestaurierung 1956 durch Peter Keilhacker. Taufkirchen an der Vils. Reinigung der Deckenbilder, Freilegen des Stucks unter den Tünchschichten, Neutönung der Raumschale. Letzte Restaurierung 1986 durch Heinrich Götz. Restaurator in München. Die Fresken wiesen starke Übermalungen auf, die schlecht gebunden waren und sich teilweise lösten. Diese wurden abgenommen, die Fresken trocken gereinigt, Risse geschlossen und Fehlstellen retuschiert. Die Neutönung der Raumschale folgte der Fassung von 1785 (nach genauen Befunduntersuchungen).
Beschreibung und Ikonographie
A VERKLÄRUNG JESU (Mt 17,1-9 u. Par.) Domine Bonum est nos hic esse (Mc 9,5; Lc 9,33). Ansicht nach W; der untere Rand des Bildes ist wegen des Orgeleinbaus nicht vollständig zu sehen. Jesus schwebt verklärt über einem Hügel in der Mitte des Bildes. Links von ihm ist in Wolken Moses mit den Gesetzestafeln zu sehen, rechts Elias. Um den Hügel knien die Apostel Petrus, Jakobus d. Ä. und Johannes und blicken auf Jesus. berr da ist guett wohnen / da ist guett sein / weith yber die Sonnen / bist du mit deim Schein.
B ÖLBERG (Mt 16,36-44 u. Par.) Simon Dormis (Mc 14,37). Schauplatz ist der Ölberg, eine hügelige, baumbestandene Landschaft, über der der Mond steht, im Hintergrund eine unregelmäßig verlaufende Gartenmauer. Jesus steht in der Mitte und blickt auf die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, die eben aus dem Schlaf erwachen. Von hinten, aus dem Tal, naht bereits die Schar der Häscher. Was Thuet Ihr da machen / hat Jesus gefragt, / Betten, und Wachen, / solt ihr, hat er gsagt.
C GEFANGENNAHME JESU / PETRUS UND MALCHUS (Mt 26,47–52 u. Par.) Mitte gladium Tuum in Vaginam (Jo 18,11). Nächtliche Landschaft am Ölberg. Von links hinten kommen die Häscher mit Spießen, Stangen und Fackeln; die vordersten ergreifen Jesus, Judas küßt ihn auf die Wange. Im Vordergrund ist Petrus zu sehen, der eben dem Malchus das Ohr abschlägt. Jesus breitet beschwichtigend die Arme aus. Rechts erscheint in Wolken der Leidenskelch, über dessen Rand Blut fließt und auf dem ein Kreuz liegt. Als Petrus war kurtz umb / zum fechten berait, / sagt Jesus stekh widerumb, / dein schwerd in die schaid.
D KREUZIGUNG PETRI (Petrus-Apokryphen, Hennecke-Schneemelcher, Bd 2, S. 177–221) Non est Major Servus Domino suo. Johan/15 (Jo 15,20). Eine Menge Volks umringt das Kreuz, an das der hl. Petrus geheftet ist, und das eben von drei Henkersknechten mit der Spitze nach unten aufgerichtet wird. Der Himmel ist dramatisch bewölkt; in der Mitte öffnet sich eine lichte Glorie, in der zwei Putten erscheinen.
E ANBETENDE ENGEL Um die Hl.-Geist-Öffnung, auf deren hölzernen Deckel die Taube gemalt ist, erscheinen in Wolken anbetende und musizierende Engel. In den beiden westlichen Ausbuchtungen ist der Sternenhimmel gemalt.
F MARIA, PETRUS UND PAULUS ALS PATRONE In Wolken thronen Gottvater und Christus und halten die Krone der Patrona Bavariae (= den Kurhut) über Maria, die unter ihnen kniet. Weiter unten in den Wolken knien die beiden Kirchenpatrone, links Petrus mit den Schlüsseln, seinem Kreuz und einer Giebelfassade als Hinweis auf Ecclesia, rechts Paulus mit dem Schwert. Am unteren Bildrand öffnet sich ein Einblick in das Fegfeuer, wo drei Arme Seelen in den Flammen zu sehen sind. den Himmel dir aufschliessen kan / S. PETER u. PAVLVS eben / mein mensch, dir vill erbitten kan / hie Vnd nach disem leben. Die Darstellung der Armen Seelen ist auf die Allerseelenbruderschaft in Berglern zurückzuführen.
G ST. PETRUS ALS STERN Das Bildfeld über dem Hochaltar zeigt einen Himmelsausblick, von einer Draperie gerahmt. In der Mitte strahlt ein heller Stern, umgeben von Putten, um ihn sind radial angeordnet die Buchstaben des Namens PETRVS. Zwei Schriftbänder: SANCTVS (Petrus) und Aliis Lucens. S. PETERS Stern, Alhier z berglehrn / schon etlich Huntert Jahr / Scheint Jederzeit, in dneh und dweith (in die Nähe und die Weite) / in disem ChorAltar.
CB1-1, Fresken am Chorbogen (Abb. S. 41)
CB1 KREUZABNAHME JESU Consumatum est (Jo 19,30). Das Mittelbild am Chorbogen zeigt zwei Männer auf Leitern, die den Leichnam Jesu vom Kreuze abnehmen. Ein dritter löst den Kreuztitulus INRI. Links stehen zwei Frauen bei der zusammengesunkenen Mutter Christi. Am Fuß des Kreuzes kniet Maria Magdalena, während Johannes das Geschehen beobachtet. Er hat für uns alle sein Geist aufgeben, / Das Volk ents uns zugekommen ewig zuleben (= 1735).
CB2 VERLEUGNUNG PETRI (Mt 26,69–74 u. Par.) C Homo Non Sum (Lc 22,57). Das Bild zeigt als Schauplatz den Hof im Hause des Hohenpriesters. Drei Soldaten wärmen sich an einem Feuer. Petrus und die Magd stehen sich gegenüber. Die Magd weist anklagend auf ihn, er aber hebt abwehrend die Hände. Im Hintergrund ist in einem offenen Torbogen eine Schar von Soldaten zu sehen, die Jesus mit sich zerren: Jesus wendet sich zu Petrus und sieht ihn an. Er wolt sich beschönen / Laugnt, schwört gar darbey, / er thue ihn nit kennen, / Wer diser Mensch sey.
CB3 REUE PETRI (Mt 26,75 u. Par.). Egressus Foras Flevit amare (Mt 26,75). Petrus kniet in einer Höhle an einem Stein, auf dem die Schlüssel, sein Attribut, liegen. Mit gerungenen Händen blickt er zum Himmel. Kaumb hat angefangen / das Hannen geschrey, / ist er hinauß gangen, / hat gweint, voller Reu.
a-k EMBLEME UND EMBLEMÄHNLICHE DARSTELLUNGEN Die Embleme in den LHs-Stichkappen beziehen sich durchwegs auf die angrenzenden Hauptbilder.
a Iuste et Recte (Recht und richtig). Kompaß. Nichts macht mich abwendig / ich zeige recht ohn ende, / Also mein mensch bstendig / zu gott dich auch wende. Das Bild bedeutet die Liebe zu Gott (Boschius, Classis II, Nr. 21; ähnlich das gegenüber liegende Emblem k, die Sonnenblume). Das tertium comparationis bei den Emblemen a und k und dem Hauptbild A ist das liebende Aufschauen und Hinwenden Petri zu Jesus.
b Pungit et monet (Weckt und mahnt). Uhr, deren eines Gewicht ein Kreuz ist, das auf ein Herz gefallen ist. du darffst nit erschröken, / mein mensch, mörkh nur auf / wan Gott dich aufwöken / tueth steh fein gschwind auf. Das Bild bezieht sich wie das gegenüberliegende Bildfeld i auf das Thema des Hauptbildes B, die Szene am Ölberg, auf den schlafenden Petrus und den ihn wiederholt weckenden Jesus.
c Sursum rapit ignis (Das Feuer reißt empor). Kanone, die eine Kugel abschießt. das feur, tueth man sprechen / Last sich nit spörn ein / ess mueß doch ausbrechen / kan anderst nit sein. Dieses Emblem ist als Bild der Liebe zu Gott, die der Seele Flügel verleiht, bei Picinelli verzeichnet (Lib. XXII, Nr. 87, s. v. pyrobolus, mit gleichem Lemma). Dieses Bild, das auch Jähzorn bedeuten kann (ebd., Nr. 82), ist der Malchus-Geschichte in C zugeordnet, ebenso wie Bild h.
d Quis Nos Separabit (Wer wird uns scheiden). Das umgekehrte Kreuz Petri, an dem sich eine Schlingpflanze nach oben windet. Eine Hand aus den Wolken liegt oben auf dem Schaft. Nichts soll mich abscheiden / weill ich es nur hab / das Creutz und das Leiden / Erschrökh nit darab. Diese Darstellung ist wie Bild g dem Hauptbild D mit der Kreuzigung Petri zugeordnet und bezieht sich auf Rom 8,35: »Quis nos separabit a charitate Christi? tribulatio? an angustia? an fames? an nuditas? an periculum? an persecutio? an gladius?«
e Contritio (Bedrückung). Hahn auf einem Sockel. Da gib mit seim schreyen / zwerstehen der han, / das Petrum wird Reuen, / was er hat gethan. Dieses Bild bezieht sich auf das nördliche Chorbogenbild CB2, das die Verleugnung Petri darstellt.
f Quia unicus pauper est (Denn der Einsame ist arm). Einsame Taube in Felsenschlucht. Ich einsambe dauben / was ich leid für schmertz / kan niemandt mir glauben / schier bricht mir mein herz. Dieses Bild bezieht sich auf das südliche Chorbogenbild mit der Darstellung der Reue Petri. Boschius nennt die einsame Taube als Sinnbild der Buße mit dem Lemma GEMITIBUS GAUDET (Classis I, Nr. 693).
g Stat Firma Tamen (Steht trotzdem fest). Obelisk, von einer Hand aus den Wolken gehalten; zwei Winde blasen auf ihn.
== BERGLERN == wan es noch so kläglich / mit mir kommt heraus, / steh doch unbeweglich, / und macht mir nichts auß. Das Emblem symbolisiert die Standhaftigkeit Petri im Martyrium, das in Hauptbild D gezeigt ist (vgl. Picinelli, Lib. XVI, Nr. 148, s. v. Pyramis. Obeliscus: IMMOTA MANET).
h Nec Fulmina Terrent (Auch die Blitze schrecken nicht). Adler, auf dessen Kopf ein Blitz niederfährt. Wan sich auch erhitzen / die Wolkhen durchauß / mit donnern, und Blitzen / mir doch nit dran grauen. »Generosum ac imperterritum hominis pectus, quod nullo unquam discrimine percellitur, Aquilae symbolo significari potest, quae coelum turbidum, tempestuosum, ac fulminibus metuendum, pervolans, epigraphen tenet
... NIL FULMINA TERRENT« (Picinelli, Lib. IV, Nr 112, s.v. aquila). Das Emblem bezieht sich auf die Unerschrockenheit Petri bei der Gefangennahme Jesu.
Wa PETRUS Cuncta Patent (Alles ist offenbar). Auf einem Thronsessel sitzt Petrus an einem Tisch, gekleidet in Albe, roten Schulterkragen, Käppchen und Stola. Er hat die Hände lehrend erhoben. Auf dem Tisch liegt die Tiara. Rechts zeigt ein Ausblick einen Rundbau mit Türmen, das Bild der Ecclesia. Über ihr schweben zwei Putten mit den Schlüsseln Petri und einem kleinen Lorbeerkranz. Die Schlüssel zum Himmel, die Schlüssel zur Hölle / beyde hat Christus S. Peter gegeben, / da kanst dir auß beden ietz einen erwählen / den der zum Todt gehört, oder den zu leben.
Wb PAULUS cunctos docet (Alle lehrt er). Auf Stufen sitzt unter einer Draperie der Apostel Paulus und stützt sich auf ein Buch. Er weist mit der Rechten auf eine Szene im Hintergrund - die Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus, auf die ein Schriftstrahl vom Himmel fällt Saule, Saul. Über Paulus schwebt ein Putto mit der Martyrerpalme. S. Paulus, kaum als er vom Himmel hörte das Sequere hat er sich alsbald bekehrt / Thet wunder, miracul. vill Völker thet lehren / drumb bittet ihr Menschen das er euch auch lehrt.
W1-14 KREUZWEGSTATIONEN An den Wänden der vier östlichen LHs-Joche und an den Wänden der beiden AR- Joche sowie denen der Schlußschrägen befinden sich vierzehn große hochrechteckige Wandfresken, die die Stationen des Kreuzwegs darstellen. Die Reihe beginnt im LHs hinten an der N-Seite, führt nach vorn, um den AR und an der S-Seite des LHs zurück. Überschriften mit Stationszählung und Ablaßnennung. Deutsche gereimte Zweizeiler als Unterschriften, jeweils daneben der Name dessen, der das Bild bezahlte. Der Kreuzweg in der Pfarrkirche von Berglern gehört zu den frühen Beispielen dieser Andachtsform in unserem Bereich. Die Andacht zum Leiden Christi war zwar verbreitet, aber nicht die mit Ablässen privilegierte Form, wie sie in den Kirchen der Franziskaner geübt wurde. Papst Clemens XII. hatte am 16.1.1731 verfügt, daß »der schon aller Orthen hoch angesehene, und mit ungemeinen Gnaden und Ablässen gezierdte so genanthe Creizweg durch die unter dem Gehorsamb des P. Generalis des ganzen Franciscaner-Ordtens stehente Obern, auch in andern, dem erstgedachten P. General nit underworffenen Clöstern, Kirchen, und gottseeligen Orthen mit Consens eines Rm Ordinarii, und Parochi loci, oder geistlichen Vorsteher des Orthes könne errichtet und eingeführt werden« (Brief des Franziskaner-Provinzials P. Sigismund Neudecker in: AEM, Pfarrakten Reichenkirchen, Pastoral- und Kultusgegenstände 1671–1890). Um den Kreuzweg zu bekommen trat der Pfarrer zunächst an den jeweiligen P. Provinzial des Franziskaner-Ordens heran, der allein befugt war, ihn einzuführen, und suchte danach um die Genehmigung beim Bischof nach, die erst nach einer Untersuchung erteilt wurde, ob nicht die neue Andacht älteren Andachten, Ablässen oder anderen Devotionsformen Abtrag tun könne.
Es ist anzunehmen, daß Aiglstorffer für die Passionsbilder graphische Vorlagen benutzte, allerdings keine komplette Serie, denn die Kompositionen sind von unterschiedlicher Qualität.
W. VERURTEILUNG DURCH PILATUS STATIO.I Vollkommener Ablaß. Schauplatz ist eine Tribüne vor dem Hause des Pilatus, der sich eben die Hände in Unschuld wäscht. Zwei Soldaten legen dem gefesselten Jesus den roten Mantel an und geben ihm den Schilfstengel in die Hand. Volksmenge am Fuße der Tribüne. Der unschuldig Iesus, verdamm wird zum Kreuz, / der doch keinem Menschen gethan etwas Leids./ Adm. Rdus. Nobilis Clarissimus, / D: Casparus Perne der SS. Theol. Lit.,/ Eittingensis ad S. Cruorem Ertinga Curat
W2 KREUZAUFLEGUNG STATIO.II. 7. Jahr Ablaß und 7. Quadrag: Jesus umfängt das Kreuz, von einer Schar Soldaten und Knechte bedrängt. Links am Bildrand die Häuser Jerusalems. Mit Freuden dein Iesus das Kreutz=holtz umbfangt, / und will gar dran sterben, nicht anders verlangt. Vitbus Heigl und sein haus=/frau zu Nider Lehrn, Maria.
W, ERSTER FALL UNTER DEM KREUZ STATIO.III 7. Jahr Ablaß und 7. Quadragenen. Vor einem Stadttor drängt eine Menschenmenge hinter Jesus her, der von einem Henkersknecht an einem Strick gezogen wird. Jesus ist unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen. Sih mein Mensch! Wie dief sich dein Iesus hie bukht;/ wie ihn deine Sinden, und= Creutz untter trukht./ Joseph Hagn wierth zu mitterlehrn und Ursula sein Hausfrau.
W4 JESUS BEGEGNET SEINER MUTTER STATIO.II.II. 7. Jahr Ablaß, und 7. Quadragenen. Jesus, auf dem Kreuzweg von Henkersknechten vorwärtsgedrängt und von zwei Männern im Vordergrund verhöhnt, blickt auf und sieht Maria am Weg stehen, das Schwert in der Brust (einer der sieben Schmerzen Mariä, die meist durch Schwerter dargestellt sind, war die Begegnung mit Jesus auf dem Kreuzweg). Trag doch Mitleiden o sindiges Herz;/ denkh was Iesus leidt und sein Muetter für schmertz./ Michael schleibinger göbhardt und / Maria sein hausfrau, von mitterlehrn.
W5 SIMON VON CYRENE HILFT JESUS DAS KREUZ TRAGEN STATIO. V. 7. Jahr und 7. Quadrag: Ablaß. Hinter Jesus ist Simon von Cyrene getreten und umfaßt helfend den Schaft des Kreuzes. Mit Jesus das Creutz trag, wie Simor gethan, / der Creutzweg führt sicher zum Himmel hinan! An diesem Bild ist kein Spender vermerkt.
W6 VERONIKA REICHT JESUS DAS SCHWEISS- TUCH STATIO.VI. 7. Jahr Ablaß und. 7. Quadrag: Jesus hält auf seinem Weg inne und blickt auf Veronika; er reicht ihr das Schweißtuch wieder, auf dem der Abdruck seines Gesichtes zu sehen ist. Hinter Veronika stehen zwei weitere fromme Frauen. Betrachte das schweisduech mit Reu und mit schmertz / und trukh es fein offt in dein sindiges Hertz./ ... (zerstört) / sebastian Osterloher bede / zu glässlehrn
W7 JESUS FÄLLT ZUM ZWEITEN MAL UNTER DEM KREUZ STATIO. VII. 7. Jahr Ablaß und 7. Quadrag: Jesus von den begleitenden Soldaten getreten und geschlagen, ist tief unter dem Kreuz zusammengebrochen. Schon mermahls dein Iesus da ligt auf der Erdt, / dein sindenlast mein mensch ihn also beschwerth./ Frantz huefschmid schmid / zu Perg=, und Lorenz Mayr von glässlehrn.
W8 JESUS TROSTET DIE WEINENDEN FRAUEN STATIO. VIII. 7. Jahr Ablaß und 7. Quadragenen. Vor Jesus kniet eine Mutter mit ihrem Kind; zwei weitere Frauen treten von rechts hinzu. Jesus beugt sich tröstend zu ihnen. Nit Weinen sagt Iesus solt ihr yber mich,/ Mensch! denkh deiner sinden, und weinn yber dich./ Barthlme füscher Wirth / zu Perglehrn und Anna sein / Hausfrau.
W9 JESUS FALLT DAS DRITTE MAL UNTER DEM KREUZ STATIO.IX. 7. Jahr und 7. Quadrag: Ablaß. Jesus liegt am Boden unter dem Kreuz, angetrieben und geschlagen von vier Henkersknechten. Sih Mensch schau da liget dein heyland und gott, / dein sinden=lasst trukht ihn schier völlig zu Todt./ Lorenz obermair, und Veith / käser beede zu glässlehrn.
W10 JESUS WIRD SEINER KLEIDER BERAUBT STA- TIO.X. 7. Jahr und 7. quadrag: Ablaß: Jesus steht auf dem Kreuz, das auf dem Boden liegt. Drei Knechte reißen ihm das Gewand vom Leib; links ein junger Mann, der die Kleider in einem Korb verwahrt. Sein kleyd Eingebachen (angetrocknet), in Bluettigen schweiß, / wird ihm herab grissen, verwundt auf ein neuß./ Sebast. Amberger / und Maria sein Hausfrau.
W11 JESUS WIRD ANS KREUZ GENAGELT STA- TIO.XI. Vollkommener Ablaß. Ein Henkersknecht nagelt die Linke Jesu ans Kreuz, während ein anderer das Loch für den Nagel unten bohrt. Drei Soldaten bewachen sie dabei. Betracht die annaglung, o mensch! und den schmertz, / sag an ietzt, weinst noch nit, o sindiges Hertz./ Antoni Angermayr Aman, und / Balthasar schekhenhoffer sölmayr / beede am harth (= Anton Angermayr, Amann am Hart, und Balthasar Scheckenhofer, Söllmayr am Hart).
W12 JESUS STIRBT AM KREUZ STATIO.XII. Vollkommener Ablaß. Jesus hängt zwischen den beiden Schächern am Kreuz. Die Sonne hat sich verfinstert. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes. da sehe Mann, hie wird das heyl aller Welt, / ganz kläglich, o mensch dir vor augen gestelt./ Sebastian Pigelmair von / Perglehrn und Maria sein Hausfrau.
W13 JESUS WIRD VOM KREUZ ABGENOMMEN STATIO.XI.III. Vollkommener Ablaß. Unter den drei leerer Kreuzen auf Golgatha hält Maria den Leichnam Jesu auf den Schoß. Ein Schwert steckt in ihrer Brust. Maria Magdalena mit dem Salbgefäß kniet neben dem Leichnam. Dahinter steht weinend Johannes. Ein schwert hat durchtrungen, das müetterlich herz, / ein Wunder! das sie nit gar gstorben vor schmerz. Barthlme Pruner von Perglehrn und Magdalena sein Hausfrau.
W14 JESUS LIEGT IM GRAB STATIO. XIV. Vollkommener Ablaß. In einer rings geschlossenen Grabeshöhle liegt der Leichnam Jesu auf einem Stein, von zwei Engeln bewacht da ligt er im grab ietzt o sinder betracht, / dein sind, und sein liebe hat ihn so weith bracht./ Simon Zolner Brod zu Perglehrn / und Maria sein hausfrau.
EB1-13 CHRISTUS SALVATOR MUNDI UND DIE ZWÖLF APOSTEL An der Brüstung der unteren Empore befindet sich ein Zyklus von dreizehn Bildern, Darstellungen der zwölf Apostel mit Christus Salvator in der Mitte, alle in Dreiviertelfigur, polychrom, jeweils mit Namensinschrift (keine Abb.).
Von links nach rechts:
EB1 S. SIMON
EB2 S. BARTHOLOMEVS
EB3 S. IAKOBUS MAIOR
EB4 S. IOHANNES
EB5 S. ANDREAS
EB6 S. PETRUS
EB7 IESVS SALVATOR MUNDI
EB8 S. PAULUS
EB9 S. IAKOBUS
EB10 S. TOMMAS
EB11 S. PHILIPPUS
EB12 S. MATHEUS
EB13 S. IUDAS THADEUS
Quellen und Literatur
StAM, LRA 147 505: Baureparaturen und Restaurierungen im 19. Jh., Restaurierung 1922.
StAL, Regierung Landshut A 4068: Neubau 1733/37.
StAL, Kirchendeputation Landshut A 1950: Turmbau 1778.
AEM, Pfarrakten Berglern, 139 3002 01: Pfarrkirchenbauten 1734–1749; 139 3002 02: Pfarrkirche, Baufälle 1866–1922; 139 4001 01: Kirchenstühle, Kreuzweg, Prozessionen, mit Plan der geplanten Heiligen Stiege.
AEM, Kunsttopographie der Erzdiözese, Dekanat 23/Erding Pfarrei Berglern, Pfarrkirche St. Peter (Georg Brenninger).
BLfD, Akt Berglern, Pfarrkirche St. Peter
Schmidtsche Matrikel, Bd. 1, S. 547–49.
Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 360–62
KDB I OB (2), S. 1213 f.
Landkreis Erding 1963, S. 150, 225
Brenninger 1980, S. 133-35
Kemp 1981, S. 162–64.
Brenninger 1982, S. 109f.
Landkreis Erding 1985, S. 317.
Gnadenstätten im Erdinger Land 1986, S. 79, 87
Dehio 1990, S. 126
Brenninger, Georg, Die Kirchen der Pfarrei Berglern (Kirchenführer), Berglern 1993. A.B