Benediktbeuern, ehem. Benediktinerabtei, ehem. Schlafzimmer
Ehem. Schlafzimmer im Konventbau, z. Z. Jugendpastoralinstitut
Zum Bauwerk: Im Konventbau, der 1669-71 von Baumeister Caspar Feichtmayr erbaut wurde, befindet sich in der SW-Ecke des zweiten Geschosses, dem Alten Festsaal gegenüber, ein ehemaliger Schlafraum. Stuckausstattung 1722/24 durch Joseph Hainz
Rechteckiger Raum mit zwei Fenstern nach S und drei nach W; Eingang von N. An der O-Wand befand sich der jetzt zugemauerte Alkoven.
Auftraggeber: Abt Magnus Pachinger von Benediktbeuern (1707-42); dessen persönliches Wappen in der Hohlkehle im S, im N Konventswappen
Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder sind nicht signiert und datiert. Man kann annehmen, daß die Ölgemälde etwa gleichzeitig mit der Stuckdekoration um 1722/24 entstanden sind und eingesetzt wurden. Mit dem Stukkator Joseph Hainz aus Bichl arbeitete zu dieser Zeit häufig der Benediktbeurer Laienbruder Lucas Zais (* 1674 Lambach/OÖ. † 1739 Benediktbeuern), dem die Deckenbilder aus historischen und stilkritischen Gründen zuzuschreiben sind (vgl. auch St. Jakob, Walchensee, S. 261). Das Hauptbild A zeigt in Komposition und Malweise enge Beziehung zu einem Tafelbild im Gang des ersten Stockes im Südtrakt, gegenüber dem Treppenhaus, das die hl. Anastasia über dem Klostergebäude (Zustand vor 1722) darstellt. Eine ebensolche Zeichnung zum Titel von Meichelbecks Leben der ... Martyrin Anastasiae, München 1710 ist signiert »F.Luc.Zais B.Buranij del:« (Weber, Abb. S. 9). Die Deckenbilder des ehem. Schlafraums zeigen auffällige stilistische Ähnlichkeiten mit denen des Kapitelsaals von 1670 (siehe S. 69), und zwar in den Gesichtstypen, der Gewandbehandlung und in Bewegungsmotiven; offensichtlich hat sich Lucas Zais an ihnen orientiert. Ein Hinweis von Mindera auf die Ausstattung eines Raumes im Kloster durch Hainz und Zais, in dem Zais die Wiederholung des Auszugsbildes seines nicht erhaltenen Altars in St. Jakob am Walchensee gemalt habe, bedarf noch einer Untersuchung (Mindera 1939, S. 37).
Befund
Träger der Deckenmalerei: A, 1-4 Flachdecke über Hohlkehle
Rahmen: Die in einen Holzprofilrahmen eingespannten Bilder A, 1–4 sind in eine Stuckprofil-Rahmung aus Blattwerk eingelassen; W Stuckkartusche
Technik: A, 1-4 Öl auf Leinwand; W Öl auf Putz; polychrom
Maße: A Höhe 4,00 m; 2,90 × 1,75 1–4 Höhe 4,00 m; 1,00 × 0,90
Erhaltungszustand: Restaurierungen sind nicht bekannt. Die oberste Malschicht des Mittelbildes A ist weitgehend zerstört; 1–4 und W nachgedunkelt
A IMMACULATA Einansichtige Darstellung; Aufnahmestandpunkt unter der Bildmitte; Blickrichtung nach N. Nur in der Darstellung der Putti findet sich perspektivische Verkürzung. In Wolken ist Maria dargestellt; ihre Gestalt über der Weltkugel, von Putti halb gestützt, halb getragen, ist wie eine Bildsäule in der Mittelachse des Deckengemäldes gegeben. Sie hat die Attribute des Typus der »Purísima« mit den Zügen des Apokalyptischen Weibes (Apoc 12, 1), der Siegerin über den Drachen; ihr Haupt ist von Sternen umgeben, sie setzt den Fuß auf den Kopf der Schlange, die sich um die Weltkugel und die Mondsichel zu ihren Füßen windet. Über Mariens Haupt schwebt die Taube des Hl. Geistes. Das unbunte, stark schattenhaltige Bild zeigt eine der Grisaillemalerei verwandte Konturierung durch transparente Weißtöne.
1-4 EMBLEME Die vier Embleme, die das Hauptbild in den Diagonalen begleiten, sind dem Immaculata-Thema zugeordnet.
1 ME NON COMBUSSIT – Brennender Dornbusch, davor ein Putto, der seine Sandalen auszieht. Der Dornbusch, der von den Flammen nicht verzehrt wird, ist Symbol für die Jungfräulichkeit Mariens, »quae Verbum Divinum, ceu lumen aeternum, illaesa virginitate peperit« (Picinelli, liber 9, s. v. rubus, Nr. 437).
2 TOTA CARET – Über einer Pyramide steht die Sonne, auf die ein Putto weist. Das Lemma gibt die Erklärung, daß die Pyramide keinen Schatten wirft, wenn die Sonne genau über ihrer Spitze steht; in diesem Zusammenhang ist die Pyramide Sinnbild für die Jungfräulichkeit Mariens (Picinelli, liber 16, s. v. pyramis, Nr. 142; Boschius classis 3, Nr. 1108).
3 SEMPER ILLAESA. – Baum, aus dessen Schatten Schlangen und anderes Gewürm flieht; Putto im Vordergrund. – Nach der antiken Naturgeschichte sterben im Schatten der Esche Schlangen und Gewürm. In der Emblematik wird das Fliehen der Schlangen analog den Sünden gesetzt, die vor den Frommen zurückweichen (Picinelli, liber 9, s.v. fraxinus, Nr. 177; vgl. auch ein ähnliches Emblem in Wessobrunn, CBD, Bd 1, S. 580, Nr. 13).
4 SUNT INFRA ME. – Ein hoher Berg wird auf halber Höhe von einem Wolkenkranz umgeben, aus dem Blitze auf die Stadt darunter fahren; ein Putto flieht. Der Gipfel des Berges ist in reinem Sonnenlicht. Nach Picinelli (liber 2, s. v. mons, Nr. 567) ist der hohe Berg, dessen Gipfel über die Wolken ragt, Sinnbild der Jungfrau Maria, bei Boschius (classis 1, Nr. 509) wird das Gewittermotiv als Symbol der Unbefleckten Empfängnis Mariens gedeutet. Der emblematischen Interpretation des Immaculata-Themas des Hauptbildes ist eine Anspielung auf die Vier Elemente beigegeben: 1 brennender Dornbusch – Feuer 2 Pyramide – Luft 3 Esche – Erde 4 Gewitter unter dem Berggipfel – Wasser
W NACHT Das Wandbild an der O-Seite des Raumes über dem früheren Alkoven zeigt eine weibliche Gestalt in bestirntem Kleid, die zusammen mit Putti auf einem Lager ruht. Eine brennende Kerze in einer Laterne ist als Attribut beigegeben.
Literatur siehe S. 133