Aufkirchen, Pfarrkirche St. Georg


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 4: Landkreis Fürstenfeldbruck. Hirmer, München 1995, ISBN 978-3-7774-6310-0, S. 24–25, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

AUFKIRCHEN

Pfarrkirche, Gemeinde Egenhofen, Erzdiözese München und Freising; z. Z. der Ausmalung war Aufkirchen Wechselpfarrei. Die Bruderschaft Jesus, Maria und Joseph wurde 1667 errichtet. Gericht Dachau

Patrozinium: St. Georg

Zum Bauwerk: Der spätgotische Bau war um 1679 baufällig: die Westwand der Kirche drohte einzustürzen, Dachstuhl, Dach und LHs-Decke waren ruiniert, der obere Turmteil mußte abgetragen werden. Die Reparaturen waren auf 1250 fl. veranschlagt, die Voranschläge machten der Maurermeister aus Dachau und der Zimmermeister Sebastian Märckhl von Poigern. 1710/20 wurde die Kirche mit Stuck und Fresken ausgestattet; für die Stuckierung, die mit der in Maisach, Rammertshofen, Oberweikertshofen, Unterweikertshofen, Waltenhofen, Stephansberg Übereinstimmungen zeigt, kann Benedikt Heiß aus Dachau angenommen werden (Schmidt: >satis decorae fabricae<). Das LHs wurde 1934 durch Josef Elsner um 4,30 m nach W verlängert und der Anbau mit Doppelempore durch Bildhauer Wild stuckiert. Flachgedeckter Saal zu (jetzt) vier Jochen, mit angebauter Kanelle im N die urenringlich als Bruderschaftskanelle

Auftraggeber: Pfarrer Martin Prugger von Aufkirchen (1699–1732). Er bemühte sich nicht nur um Spenden (AEM), sondern tat viel aus eigenem Vermögen. Sein Grabstein an der N-Wand in der Kirche sagt: Peplum induite Ecclesiae huius Parochiae! Quia tumulo intulistis Rectorem qui vos omnes maxime proprio aere restauravit et restauratas novis altaribus, cathedris varioque apparatu Sacro ad Splendorem perduxit († 12.11.1732). Auf dem Fresko ist das Pfarrhaus neben der Kirche dargestellt.

Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, um 1720. Die Ausmalung ist sicher gleichzeitig mit der Stuckierung entstanden. Lokalhistorisch kommt als Maler der in Maisach tätige, in Bruck ansässige Krenauer bzw. der in Rammertshofen tätige Maler in Betracht. Der jetzige Erhaltungszustand erlaubt aber keine stilistische Untersuchung.

Befund

Klostergewölbe mit runden Stichkappen auf Gesimskonsolen Rahmen: Kräftiges Stuckprofil. Technik: Fresko; polychrom. Maße: Höhe 8,50 m; 4,80 × 2,50. Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1884. Innenrestaurierung durch Sebastian Steiner, Maler in Bruck, der die Raumschale »bemalte«. In den Jahren 1900/03 wurde gegen dem Willen des BLfD ein Projekt zur Neuausmalung des Langhauses durchgesetzt, dem die barocken, aber verdorbenen Gemälde im LHs zum Opfer fielen. Die AR-Fresken renovierte Kirchenmaler Ludwig Mayr, München, die vier Kartuschen im Chor wurden in Grisaillemalerei so gut wie neu gemalt. Josef Albrecht schuf die Neuausmalung im LHs mit einer Auferstehung im Hauptfresko, 6 Medaillons mit Passionssymbolen, 2 Ovalmedaillons und eine Kartusche über dem Eingang zur Seitenkapelle; nach Anweisung des BLfD mußte er seine Entwürfe erheblich vereinfachen und der Chorausmalung anpassen. 1934 erfolgte eine Restaurierung der Chorfresken durch Kunstmaler Ostermann, diejenigen im Schiff renovierte Josef Albrecht selbst; die Fresken über der Orgel und an der Emporenbrüstung kamen neu hinzu. Letzte Restaurierung 1978 durch Werner Peltzer, Söcking.

Bildabfolge

A DIE HLL. MARIA, GEORG UND LEONHARD BITTEN FÜR DIE PFARREI AUFKIRCHEN Wolkenszenerie mit der von Engeln umringten Hl. Dreifaltigkeit, vor der Maria als Fürbitterin kniet. An sie wenden sich die Patrone der Kirche, der hl. Georg, über ihm der hl. Florian mit einem Gefäß in der Hand und der hl. Leonhard in schwarzer Kutte mit Ketten. Ein Engel bei ihnen hält Hellebarde und Lorbeerkranz, ein zweiter rafft zusammen mit zwei Putten eine große weiße Leinwand, vor der auf einer kleinen Anhöhe die Pfarrkirche in Aufkirchen mit dem quer zum Chor stehenden schloßartigen Pfarrhof (im 15. Jh. noch Ansitz der Herren von Penzing) dargestellt ist.

1–4 EVANGELISTEN Ganzfiguren mit ihren Attributen in Grisaillemalerei, Medaillons in den inneren Stichkappen des Altarraumgewölbes (erneuert)

a–d PUTTEN Medaillons in Grisaillemalerei in den äußeren Stichkappen des Altarraumgewölbes (erneuert)

Neubarocke Fresken im Langhaus: Mittelbild: Auferstehung Christi (signiert Josef Albrecht 1903). Medaillons: Putti mit Arma Christi mit Schilf und Dornenkrone mit Lanze und Schwamm mit Geißel und INRI mit Kelch mit Kreuz mit Schweißtuch. Östliches Joch: Heiliggeisttaube. Kartusche über dem Kapelleneingang: Putto mit Schriftband EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE

 
Chorgewölbe: A Die hll. Maria, Georg und Leonhard bitten für die Pfarrei Aufkirchen, 1–4 Evangelisten, a–d Putten

Quellen und Literatur

AEM, Pfarrakten Aufkirchen, 127 000 101: Pfarrbeschreibung; 127 300 202: Baufälle, Ausstattung 1882–1933; 127 300 201: Reparatur des baufälligen Gotteshauses 1679; Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 268.

Mayer-Westermayer, Bd 1, S. 253–56. KDB I (OB) Bd 1, S. 448. Heimatbuch Fürstenfeldbruck 1963, S. 125 f. Kunst- und Kulturdenkmäler 1977, S. 205. Dehio 1990, S. 69 f.