Arget, Kath. Pfarrkirche St. Michael


Dieser Text stammt aus: Bauer, Hermann/Rupprecht, Bernhard: Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, Band 3, Teil 1: Stadt und Landkreis München. Sakralbauten. Hirmer, München 1987, ISBN 978-3-7991-6111-4, S. 109–111, geschrieben von Böhm, Cordula. Original (Passwortgeschützt)
davordanach

Pfarrkirche, Gemeinde Sauerlach-Arget-Altkirchen, Erzdiözese München und Freising; z.Z. der Ausmalung hatte das Stift St. Andreas in Freising das Präsentationsrecht auf die Pfarrei, Landgericht Wolfratshausen

Patrozinium: St. Michael, Nebenpatrone St. Kosmas und Damian

Zum Bauwerk: Spätgotischer Bau, 1686 barockisiert. 1760 Neugestaltung des Hochaltars durch Dionys Sutner; die geschnitzten Figuren der hll. Kosmas und Damian sind in Mayers Inventar der Michaelskirche in Arget aus dem Jahr 1784 als letztes Werk des Ignaz Günther (Juni 1775) bezeichnet (J. Eismann). Hochaltarbild von Michael Hartwagner 1775. Amtierender Pfarrer war Franz Xaver Therer von Arget (1783–88).

Saalbau zu drei Jochen, leicht eingezogener AR, zweijochig dreiseitig geschlossen, Doppelempore im W, Pilastergliederung, gleichmäßig gute Belichtung von LHs und AR durch große rundbogige Fenster, je drei bzw. zwei an der N- und an der S-Seite.

Autor und Entstehungszeit: Die Deckenbilder sind unsigniert. In den Kirchenrechnungen des Landgerichts Wolfratshausen, Bd 1 (StAM, Geistlicher Rat) finden sich unterm Jahr 1784, S. 399, folgende Einträge: »sind zwai unterm 3. Mai auf Ausbesserung der in dem Chorgewölb Langhaus und der Kanzel als anderen Orten durch das eingegangene Regenwasser ziemlich verdorbenen Gemälde und Figuren 150 fl. [veranschlagt], - überschlagsmäßig jedoch 160 fl. 45 kr. [abgerechnet worden].

Joh. Baptist Wageneck Maller in München hat für Ausmal lung der Kirche samt Anlegung zwey neuen Platfonds und vollkommener Ornamentierung dann für Bestreitung der Unkosten auf Maurer und derley Materialien accordierter Maßen zeig scheins erhalten 138 fl.

Paul Niederreiter Zimmermeister in Arget fürs Gerüst 9 EA Kr

So ist auch der Seitenaltar welcher aus Versehen eines Zimmermanns bei Abhebung des Gerüsts durch zwei schwere Bäume fast gänzlich zerschlagen wurde, durch Dionis Sutner Bürgerl. Schreinermeister von München wieder hergestellt 7 fl. 20 kr.«

Aus dem Wortlaut der Abrechnung geht nicht eindeutig hervor, ob Johann Baptist Wageneck (Lebensdaten unbekannt) außer der Ornamentierung auch die beiden Deckenbilder gemalt hat. Der erste Eintrag läßt auch offen, ob an dem »Chorgewölb und Langhaus« schon ältere Deckengemälde vorhanden waren. Fest steht das Datum 1784 für die neuangelegten »Platfonds«, auf das der stilistische Befund der – schon klassizistisch geprägten – Deckenbilder zutrifft.

Befund

Träger der Deckenmalerei: LHs (A) und AR (B) Tonne mit Stichkappen (verschliffenes Kreuzgratgewölbe)

Rahmen: Verkröpfter Stuckprofilrahmen mit Rocaille agraffen und Blumengehängen an den Einbuchtungen der Stichkappen; im übrigen ist das Gewölbe mit einem Brokatmuster im Zopfstil dekoriert.

Technik: Fresko und Secco; polychrom Maße: A Höhe 8,90 m: 11,50 × 5,00 B Höhe 9,10 m: 6,70 × 4,20

Erhaltungszustand und Restaurierungen: Innenrestaurierung 1850-54, 1892 durch Luitpold Heim aus Oberstaufen. 1958-60 Restaurierung durch Karl Krönninger, München, bei der die barocken Deckenbilder unter späteren Ölgemälden freigelegt wurden (im AR Rosenkranzspende, vgl. Photo im BLfD, Photoarchiv, s. v. Arget). Im ganzen ist die originale Deckenmalerei stark beeinträchtigt. Deutlich erkennbar sind Übermalungen in A in der Martyriumsszene bei den Figuren der hll. Kosmas und Damian und bei den Begleitfiguren, während die gleichen Heiligen in der Glorie augenscheinlich original sind. In B fällt besonders das blaue Gewand des blitzeschleudernden Engels als neu gemalt auf.

 
 
B Triumph Michael

Beschreibung und Ikonographie

3 A MARTYRIUM UND GLORIE DER HLL. KOSMAS UND DAMIAN Einansichtige Darstellung mit geringer Untersicht, Betrachterstandpunkt etwa unterhalb des Hl.-Geist-Lochs zwischen den beiden Heiligenfiguren auf Wolken. Das Fresko ist horizontal in eine irdische und eine himmlische Szene geteilt. Im östlichen Teil die konventionelle Darstellung des Martyriums: ein Schauplatz, gebildet aus Treppen, flankiert von Architekturrequisiten wie Tempel, Obelisk, Arkade. Links auf einem Sockel die Jupiterstatue, als Pendant dazu rechts der Thron mit dem römischen Statthalter und seinem Gefolge. In der Mitte, vor einer Rampe, die Hinrichtungsszene. Der hl. Kosmas erwartet den Schwertstreich des Henkers. Den hl. Damian stellen zwei Priester vor eine letzte Wahl: Götzendienst oder Hinrichtung. Der westliche Bildteil mit der Gloriendarstellung ist ganz von einem bräunlich-gelb-rosa Wolkengrund bedeckt, in den Putti und Puttoköpfchen verstreut sind. Die hll. Kosmas und Damian sitzen auf Wolken, sie tragen die gleichen Gewänder wie bei ihrem Martyrium - Kosmas gelbes Unterkleid mit hermelingefüttertem lila Überwurf, Damian blaues Kleid mit hermelingefüttertem goldfarbenem Überwurf –, um die sie in der Glorie noch Mäntel aus Purpur bzw. Goldbrokat gelegt haben. Als Attribute haben beide einen Palmzweig und ein Arzneigefäß; letztere sind beschriftet Kalcium und Creüß B: (gemeint ist vielleicht Kräuter-Balsam). In der von Engelsköpfchen gesäumten Glorie erscheint das Tetragramm im strahlenden Dreieck der Dreifaltigkeit. Den westlichen Bildrand nehmen musizierende Engel auf einem Wolkenbogen ein.

Die hll. Kosmas und Damian, legendäre Zwillingsbrüder und Ärzte aus Ägea in Sizilien, wurden unter Diokletian vom Landpfleger Lysias verfolgt, gefoltert und schließlich enthauptet (abendländische Legendenversion, vgl. LA- Benz, S. 796 ff.).

Mit der Übertragung ihrer Reliquien von Bremen nach St. Michael in München im Jahr 1649 setzte ihr Kult im Münchner Raum ein. In Arget wurde ihr Patrozinium am 27. September festlich begangen.

B TRIUMPH MICHAELS Der hl. Erzengel und zwei andere mitkämpfende Engel stürzen mit Feuer und Blitzen drei Teufel - abtrünnige Engel - in die Hölle hinab. Michael trägt seinen Namensschild QUIS / UT / DEUS. Die sieghaft kämpfenden Engel und die stürzenden, verrenkten Teufelsleiber füllen die Bildmitte vor einem rauchblauen Wolkengrund. Dieser geht in das aus Felsbrocken hervorlodernde Höllenfeuer am östlichen Bildrand über. Im westlichen Bildteil sind die Wolken aufgehellt und fassen das glorienumstrahlte Dreieck der Dreifaltigkeit mit drei Feuerflammen darin ein.

 

Ockerfarben in lichtem Beige (Glorie), Gelb und Rostrot (Höllenfeuer) bzw. Braun mit Rostrot (Teufelsleiber) bilden mit Blau und Graublau (Engelsgewänder, Wolkengrund) gleichmäßig verteilte Farbgegensätze.

Das Fresko bezieht sich auf die in Arget bestehende Allerseelenbruderschaft. Im Hochaltar eine weitere, thematisch entsprechende Darstellung des Kirchenpatrons St. Michael.

Quellen und Literatur

Schmidtsche Matrikel, Bd 2, S. 470f. Mayer-Westermayer, Bd 2, S. 611-13 KDB OB I (2), S. 852.

Der Landkreis Wolfratshausen in Geschichte und Gegenwart. Ein Heimatbuch (o. V.), München 1965, S. 132. Hobmair Karl, Hachinger Heimatbuch, Oberhaching 1979, S. 327-31.

E[ismann], J[oseph], St. Cosmas und Damian zu Arget, in Holzkirchner Merkur 28./29. Sept. 1952 (= Oberbayerischer Gebirgsbote).