Ambach, Pfarrkirche St. Martin
Pfarrkirche (Pfarrverband Ehekirchen), Gemeinde Ehekirchen, Diözese Augsburg; z.Z. der Ausmalung lag das Patrozinatsrecht als geistliches Lehen bei der Viertelherrschaft der Freiherrn von Gumppenberg auf Pöttmes (Pöttmes war im 17. Jahrhundert aufgeteilt worden in eine Dreiviertel- und eine Viertelherrschaft). 1775 wurde an der Kirche eine Maria-Hilf-Bruderschaft errichtet. Gericht Neuburg
Patrozinium: St. Martin
Zum Bauwerk: Die Kirche liegt auf einem Hügel oberhalb des Dorfes. Es handelt sich um eine ursprünglich sehr kleine spätgotische Chorturmkirche, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach W verlängert wurde. Der Hochaltar mit einem Gemälde der Mantelspende des hl. Martin sowie die beiden Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1720. 1776 wurde der Kirchturm repariert und dabei bayerische statt pfälzischer Handwerker beschäftigt, was nicht erlaubt war (BHStA, PNA NA 1989, Nr. 61). 1776 waren »Kirche und Kirchturm am Einfallen. Bei der Restauration barockisierte man das Innere. 1845 entstanden am Turm starke Sturmschäden; neuerliche kostspielige Restauration« (Leitenstern 1973). 1878/79 erneute Verlängerung nach W (ab der jetzigen Empore).
LHs zu vier Achsen, vier segmentbogige Fenster, im W Empore. Etwas aus der Mittelachse gerückter rechteckiger Chor mit Kreuzgratgewölbe und glattem Schluß, ein Fenster auf der S-Seite. Außen im W ein Vorzeichen, östlich am Turm die Sakristei. Das barocke Deckenbild befindet sich im Chor.
Auftraggeber: Wohl Johann Michael Zöschinger, Pfarrer in Ambach (1775–99). Er richtete 1775 die Maria-Hilf-Bruderschaft ein, mit deren Gründung vielleicht die Barockisierung des Innern 1776 in Zusammenhang steht. Über dem Hochaltar in der plastischen Bekrönung das Allianzwappen des Ignaz Franz von Gumppenberg († 1708) und seiner Gemahlin Maria Jacobe, geb. von Haslang († 1721). Ignaz Franz war Inhaber der Dreiviertelherrschaft und nicht Patron von Ambach, stiftete aber 1708 eine Summe von 200 f. (Leitenstern 1975, S. 100). 1729 stiftete Georg Joseph von Gumppenberg einen Jahrtag (ABA, Dekanatsarchiv Neuburg, Ambach).
Autor und Entstehungszeit: Autor unbekannt, nach 1750. Die Zierlichkeit der Darstellung und die Formen des Leuchters und der ornamentalisierten geschwungenen Architektur legen eine Datierung nach 1750 nahe. Vielleicht läßt sich die Entstehung mit der Renovierung der Kirche von 1776 in Verbindung bringen. Der schlechte Erhaltungszustand erschwert eine genauere Einordnung.
Befund
Träger der Deckenmalerei: Kreuzgratgewölbe. Rahmen: Weißer stuckierter Vierpaßrahmen, ursprünglich mit gemaltem Ornament umgeben, das auch die Hohlkehle des LHs schmückte (Foto im Pfarramt Ehekirchen).
Technik: Fresko; polychrom
Maße: Höhe 4,30 m; 90 × 1,20
Erhaltungszustand und Restaurierungen: 1914/15 fand eine Innenrestaurierung statt. Bei dieser Gelegenheit wurden »im Hochaltarraum... Barockmalereien (ca. 1740) bloßgelegt, die von Kirchenmaler Kronwitter, Günzburg, restauriert werden« (StA Augsburg, BA Neuburg, Nr. 3727: Schreiben des Pfarramts Ambach an das Bezirksamt Neuburg vom 23. 10. 1915). 1949 wurde die Kirche außen instand gesetzt. Horn/Meyer bezeichnen 1958 das Deckenbild im Chor als »verdorben« und geben an, daß weitere, um 1740 entstandene Fresken dort vorübergehend freigelegt worden waren (bei Befunduntersuchung 1999 nur noch fragmentarisch nachweisbar). Diese Angaben beziehen sich wohl auf die Innenrenovierung der Kirche von 1954, bei der auch der leere Deckenspiegel des LHs von Kunstmaler Sebastian Hausinger mit einer Mantelspende des hl. Martin bemalt wurde. 1971 wurden die drei barocken Altäre, um 1720, und die um 1670 entstandene Kanzel ausgelagert und die Kirche modernistisch ausgestaltet. 1979/80 erfolgte eine Trockenlegung und anschließend eine Innenrenovierung durch die Fa. Pfaller, Ingolstadt, nach deren Abschluß die barocke Ausstattung wieder aufgestellt wurde. Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden an Dach und Dachstuhl wurde 1993 zunächst der Turm renoviert, 1999 die Langhausdecke erneuert, wozu das Deckengemälde von Hausinger vorübergehend abgenommen und dann wieder angebracht und durch Claus-Peter Mayer, Regensburg, restauriert wurde. Anschließend wurde die Raumschale getönt und die Ausstattung instand gesetzt. Das barocke Deckenbild im AR wurde 1999 durch die Kirchenmalerfirma Bernd Zeiler, Pfaffenhofen, gereinigt.
Beschreibung und Ikonographie
DEM HL. MARTIN ERSCHEINT DIE LEUCHTENDE HOSTIE (Meßwunder) Der hl. Bischof kniet auf den Stufen eines Altars. Er trägt ein goldenes Pluviale, vor ihm liegen seine Mitra und sein Bischofsstab, links steht ein hoher goldener Leuchter mit einer brennenden Kerze. In einem Tabernakel auf dem Altar sieht man eine goldene Monstranz mit einer leuchtenden Hostie in der Mitte, darüber schwebt ein Engel, der mit der Rechten darauf hinweist. Der hl. Martin wird von einer geschwungenen Architektur gerahmt.
Die Darstellung bezieht sich auf ein von Sulpicius Severus geschildertes Meßwunder (Leben des hl. Martinus, in: Bibliothek der Kirchenväter, Bd 20, Kempten 1914, S. 104 f.): Bei der Elevation der Hostie war diese von Licht umgeben und erleuchtete gleichzeitig auch das Haupt des hl. Martin, ein Wunder, das in späteren Legenden verschieden tradiert wurde (vgl. CBD Bd 2, S. 470 ff., Fresken von Melchior Puchner von 1737/38 in St. Martin in Fischbachau).
Quellen und Literatur
ABA, BO Pfarreiakt Ambach; Dekanatsarchiv Neuburg, Ambach: Stiftung eines Jahrtags 1729.
BHStA, PNA, NA 1989 Nr. 61: Reparatur des Kirchturms 1776.
BLfD, Registratur, Akten Ambach, Pfarrkirche St. Martin - Archiv Abtlg. R Wandrestaurierung: Befunduntersuchung und Fotodokumentation der Fa. Pfaller, Juli 1999.
StA Augsburg, BA Neuburg Nr. 3727: Restaurierungen.
Braun-Augsburg Bd 1, S. 473.
Hopp, Bd 2, S. 68.
Scharfe, Siegfried, Deutsche Dorfkirchen. Königstein-Leipzig 1934, S. 84 u. 112.
Mayer, J., Aus der Geschichte Ambachs, in: Nordschwäbische Chronik, 3. Jg., 1950, S. 125 f.
Horn/Meyer 1958, S. 253, S. 344–47
Leitenstern, Michael, Ehekirchen. Die Geschichte eines Dorfes, in: NK 126, 1973, S. 3-200, hier S. 18.
-, Chronik der Gemeinden Ambach, Seiboldsdorf, Dinkelshausen, in: NK 128, 1975, S. 84-200.
Gumppenberg, Ludwig Albert von, Geschichte der Familie von Gumppenberg, München 1881, S. 156, 314, 432, 489.
Pötzl III, S. 45.
B. V.-K.